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Hardcover, gebunden

160 Seiten

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Ich glaube nicht, dass es am Wetter lag, aber es lag auf jeden Fall daran, dass der Meine seine jeweilige Stimmung - meist einen gewissen Unmut - immer sofort kundtun muss, und zwar so, dass die jeweiligen Verursacher dies auch ordentlich mitkriegen. Ihm geht’s damit gut, denn er hat nach einem entsprechenden kleinen Schimpfwort oder irgendwelchem Gebrumm das alles schnell vergessen. Ich aber nicht, ich grübel’ ewig und frage mich, warum dieser eigentlich stille Mensch, manchmal so plötzlich aus der Haut fährt und ebenso plötzlich wieder hinein. Männer sind manchmal wie Kinder oder sind die Menschen eben verschieden? Oder sind Frauen da anders als Männer? Auf jeden Fall ist er ein Urberliner. Die sind so.

Um dies mal ordentlich zu „verbeispielen“. Wir waren gestern unterwegs zu einem Treffen mit ehemaligen Kollegen und standen an der Straßenbahnhaltestelle. Die Bahn, auf die wir warteten, kam aber nicht, hingegen schon wieder eine, mit der wir nicht fahren konnten. Was macht dieser herrliche Mensch neben mir? Statt sich über das schöne Wetter zu freuen und die Sonne, die noch ein bisschen schien? Er macht eine irgendwie abwertende Geste Richtung Straßenbahn, deutet einen Fußaufstampf an und merkt an: „Ich wusste es“. Was er zu wissen angab, wusste auch ich. Er wusste, dass die richtige Bahn mal wieder nicht...usw. usw.

La BVG c’est moi

Was wird jetzt der Straßenbahnfahrer machen, der inzwischen zum Stehen gekommen war? Auch er die gleiche Sorte Berliner wie der Meine? Er stößt die Tür von seiner Fahrzelle auf, guckt raus zu meinem Mann und fragt, ob der ein Problem habe. „Nee,“, meint der nun wieder, „nicht mit Ihnen persönlich, aber mit der ganzen BVG“. Worauf der Fahrer, ganz auf seine Funktion fixiert, einen hoheitlichen Blick aufsetzt und würdevoll erklärt: „Ich bin die BVG“. Darauf nun wieder der Meine: Schönen Gruß an Frau Nikutta,(das ist die BVG-Chefin). Ich dachte, jede Minute springt dieser Fahrer aus seinem Gehäuse und geht über zu Handgreiflichkeiten. Das war durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, denn diese Straßenbahn war überpünktlich und es wäre Zeit genug gewesen. Jedenfalls flogen kämpferische Blicke hin und her – die Fäuste nicht. Gottseidank.

Irgendwann aber besann sich der Fahrer auf seine Funktion und sein Tätigkeitsprofil, das sicherlich nicht Schlägereien mit potentiellen BVG-Gegnern umfasste, und zog sich hinter sein Steuerpult oder was das da ist, zurück. Ich stellte meinem Mann mal wieder jene Fragen, die ich weiter oben schon gestellt habe: Warum nur musst Du immer...

Er meinte aber, er verstünde mich überhaupt nicht – dieser Idiot da von der BVG der käme bei mir ja besser weg als er selbst, der nur etwas festgestellt habe, was offensichtlich ist, dass dieser Scheißladen nicht funktioniert. Ich gabs auf und musste dann auch grinsen. Und in der Bahn, als endlich die richtige eingetroffen war, wiederholte ich vor mich hin: „La BVG ce’st moi“.

Als wir am Hackeschen Markt angekommen waren, war das Wetter wieder schön.
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