Das kennt man: Wenn öffentliche Personen, Diktatoren, unfähige und korrupte Politiker oder Wirtschaftsgrößen, z.B. gierige Banker, in den kritischen öffentlichen Blick geraten, dann wird – als erste Löschaktion für die erhitzte Debatte – erst mal eine Art Komplizenschaft kreiert. Sind wir nicht alle ein bisschen “gierig”, hieß das als die Finanzblase platzte und die Leute sich erbosten. Haben wir nicht die Mächtigen, die wir „verdienen“?
Angesichts des Todes des hochumstrittenen Medienmannes, Leo Kirch, fragt sich die Süddeutsche Zeitung, ob es nicht auch einen “Kirch” in uns allen gibt. Jene Fernsehzuschauer die, ob sie wollen oder nicht, geprägt sind von den Trash-Serien, die Kirchs Medienimperium anbot und die sie sich – manchmal heimlich – angesehen haben?
Und – jetzt, da Rupert Murdochs Imperium wankt – wie sieht es aus mit dem „Murdoch“ in uns allen? Haben wir es nicht auch rasend gern, wenn ordentlich enthüllt wird bis in die letzten Ecken?Und wenden wir uns nicht erst dann angeekelt ab, wenn wir alles, aber auch alles gelesen oder gesehen haben? Das ist der „Rupert“ in uns.
Dieses “Ihr wollt es doch auch” hat was von einer Vergewaltigungsszene. Habt Euch nicht so, Ihr Volk, Ihr seid genauso wie wir. Meist wird es appliziert, wenn die Akteure schon angeschlagen sind oder – wie bei Kirch – gar das Zeitliche segneten.
Wir lernen. Auch in diesem Bereich werden die schlechten Sachen sozialisiert. Die haben wir alle mit zu verantworten. Wir alle sind die „Bad Bank“.
Die guten „Sachen“ hingegen – Eigenschaften, große Begabungen und Gewinne – bleiben privat. Niemand käme auf die Idee zu sagen: Wir sind alle ein bisschen Beethoven oder Albert Schweizer und den „Goethe in uns“ kenne ich nur als leichten Spott für verhinderte Dichter.
Wenn Jakob Augstein auf „SPON“ feststellt:Wir sind "Bild" weiß ich also, was da sozialisiert wird: Der Nachrichtenmüll. Und privatisiert natürlich: Die Gewinne.