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Hardcover, gebunden

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...oder Deutscher Schichtkäse

Ist doch seltsam. Heute bringt der Tagesspiegel einen Beitrag über die neu zu besichtigende Stasi-Zentrale, in der man auch das Büro von Erich Mielke sehen kann.

Der Schreiber resümiert. "Erich Mielkes kunstlederne Casino-Sesselchen geben genauso einen Eindruck vom Selbstverständnis der kleinbürgerlich-großen Männer des SED-Regimes wie das einen ganzen Straßenblock füllende Gebäude-Sortiment der Staatssicherheit."

Jajaja, möchte man sagen - so war das. Die Büros in allen Institutionen sahen so ähnlich aus. Ich muss mir das nicht angucken, um mal wieder ein DDR-Multitasking-Telefon zu sehen. Soll man deshalb dahingehen? Um sich zu graulen vor Kunstleder und alter Technik? Ich behalte lieber im Sinn, dass Schreckenskabinette höchst unterschiedliche Formen annehmen können. Ein Mann, dessen einprägsamste Worte vor Gericht waren „Wo ist mein Hut“, der hat doch alles schon durchlaufen an Kleinheit, ganz gleich, welches Telefon er bedient hat. Hoffentlich müssen jetzt nicht alle Ostdeutschen daran vorbeidefilieren.

Die Kleinbürgerlichkeit scheint ein arger Journalistenschreck der Gegenwart zu sein. Auch Jan Fleischhauer vom SPON hebt ab auf die Verachtung des Spießers, der sich in Christian Wulffs Erscheinung so erschreckend manifestiert, denn viele Bürger lebten so wie Christian Wulff. Da gibt’s aber sicherlich noch ein Ost-West-Gefälle. Die Häusergrößen in Ost und West sind unterschiedlich. Und – nicht so viel Klinker im Osten.

Dann resümiert Fleischhauer noch: "Die Vorwürfe gegen Wulff werden immer kleiner. Man muss aufpassen, dass man so nicht selber zum Spießer wird. Wer zu kleinlich wird, macht sich auch selbst klein, das ist nahezu unvermeidbar."

Mal abgesehen von der hochbeliebten Illusion, der das "Spießersein" für einen selbst immer ausschließt, hat er da nicht unrecht. Und vielleicht kann man da noch eine Kategorie mehr einziehen: Es gibt – bei dem Angebot – bestimmt „Oberspießer und Unterspießer“. Eine neue Variante im deutschen Schichtkäse wäre das. Ober- und Unterschicht differenzieren sich dann besser aus. Was Leute mit Klinkerhaus sind, weiß ich nicht.

Es scheint doch was an meinem Blog über die west-deutsche Verachtungskultur dran zu sein.

Nicht die Delikte sind das Furchtbare, sondern die Kleinheit und Piefigkeit sowohl derer, die sie begangen haben, als auch jener, die den Zeigefinger gar nicht wieder krumm kriegen vor lauter ausgestreckter Dingfestmachtung.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.