Magda

Mal sehen

05.03.2010 | 12:48

Ein neuer "Besen" in Brüssel - neue Männerbilder in Deutschland?

Ein einziges Mal habe ich diese Nachricht morgens auf Deutschlandradio Kultur gehört, dann nicht wieder:

Als inakzeptabel hat die neue EU-Kommissarin für Justiz und Grundrecht, Viviane Reding, den hohen Unterschied der Löhne  zwischen Männern und Frauen kritisiert. Der EU-Durchschnitt liegt bei 18 Prozent, in Deutschland beträgt er sogar 23,2 Prozent.

Sie betonte, dass die Beseitigung der Lohnunterschiede in Deutschland zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von rund 30 Prozent führen könnte. Deutschland als eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder sollte mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt Nachzügler zu sein, mahnte die EU-Kommissarin.

Und tatsächlich haben die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sich in den vergangenen 15 Jahren kaum verringert und in einigen Ländern sogar noch zugenommen.

In der derzeitigen Krisensituation könne sich Europa eine solche Lohndifferenz nicht leisten. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei eines der ältesten Rechte und Werte, meinte Reding und kündigte an, sich verschärft und intensiv dafür einsetzen, diese Kluft zu überwinden.

www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6656814/Frauen-verdienen-viel-weniger-als-Maenner.html

 Während sie noch klafft, die Kluft, geht es darum, die Männer mit neuen Leitbildern auszustatten. Die stimmen nicht mehr. Ohnehin seien Männer aus dem Blick geraten sind, konstatierte kürzlich ein Kongress in Düsseldorf und stellte leitmotivisch die Frage: „Neue Männer – Muss das sein?“ Man könnte scherzhaft antworten, „Nein, die alten reichen noch völlig aus“, aber das geht natürlich so nicht.

Männer leiden weniger am „Mann sein“ per se, sondern viel mehr an den falschen Leitbildern. Zuviel John Wayne, zu wenig Wowereit meinte der Sozialwissenschaftler Andreas Heilmann in einem Interview mit der Welt .

Oh Mann, immer diese Vorbilder-Sachen. Männer sind da genau so abhängig wie Frauen. Aber während die Frauen Barbie folgen, wie immer behauptet wird, folgen die Männer nicht Kenny. Sie wollen wilder sein oder glauben sie müssen das.

Übrigens: Heilmann – im Gegensatz zu dem Düsseldorfer Männer“Thing“ - hält Frauenförderung nach wie vor für wichtig und richtig.

Dazu kommen muss aber noch was anderes, nämlich ein Abschied im Grunde von zuviel Männlichkeit. Von einem Bild, das immer mehr Risse bekommt und das es auch so gar nicht gegeben hat.

(Übrigens: Männer im Osten hatten diese andauernden Sorgen um ihre Männlichkeit einfach nicht, Auch keine um den Unterhalt bei Scheidungen. Man ging auseinander – höchstens kloppte man sich um die Sperrholzschrankwand und den Videorecorder – und die Ehefrau verdiente selbst. Für die Kinder bekam sie einen Betrag, den der Ehemann aufbringen konnte ohne sich zu ruinieren. Das ist ja auch hierzulande jetzt geregelt, aber mit schweren Stolperern. Das nur am Rande.)

Mir fällt im Umgang mit jüngeren Männern auf, dass die in vielem schon ganz anders sind, als es in meinen jüngeren Jahren war. Verunsicherter, stimmt, aber auch weicher. Jedenfalls die, mit denen ich zu tun habe. Und das waren Wessis. Einer - der über uns wohnte - wollte immer alles ausdiskutieren und ich wunderte mich über dessen Harmoniesucht. Aber, ein bisschen leiser sein wollte er nicht. In S-und U-Bahnen kommt einem hin und wieder eine andere Sorte unter.

Wenn ich mir ein Männerbild vorstellen sollte, komme ich immer auf Franzosen, vielleicht weil meine brüchigen Wurzeln dorthin zeigen: Depardieu mit der verrückten Nase, der alte Belmondo, Jean Gabin (wer kennt den noch?) Es gibt einen italienischen Schauspieler, auch schon älter, Gian Maria Volonté. Der hat mich immer tief beeindruckt, ist aber leider schon gestorben. Ich sags ja: Meine Vorbilder sterben aus, das ist die Last des Alters.  Ein bisschen lädiert sind die alle schon. Ich bin auch nicht mehr so richtig auf dem Laufenden. Aber Brad Pitt hat mir noch nie gefallen.

 
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Kommentare
hibou schrieb am 05.03.2010 um 14:02
Der andere Italiener....Marcello Mastroianni? ah der Name fiel mir doch tatseachlich nicht mehr ein. Aber Jean Gabin kenn ich noch :-)). Ich mag aber auch Leopold Bloom.....

Apropos Barbie: heut stand hier in der Zeitung, dass es eine schwarze Barbie geben wird. Diese wird nur die Haelfte der weissen kosten....
archinaut schrieb am 05.03.2010 um 18:57
"Zuviel John Wayne, zu wenig Wowereit..."
Einspruch, Euer Ehren!

Bringt König Wow I. die Blumen im Kabinett zum Blühen?
Fehlanzeige.... die NebendarstellerInnen werden auch ohne Colt aus dem Weg geräumt:-))
carlfatal schrieb am 05.03.2010 um 20:30
Meinen Dank an Rahab, eines meiner frühestesten Vorbilder ist nicht etwa John Wayne sondern vielmehr der genannte Hauptdarsteller vieler Fellini-Filme, Marcello Mastroianni, der dandyhafteste aller Nachkriegsschauspieler, gewesen,
Was Barbie betrifft, ist Ken ja wohl eher der Pantoffelheld, und die in den Siebzigern erschienenen passenden Actionfiguren von Mattel, Big Jim und Konsorten, waren Spielzeug für Jungs, Mädchen konnten damit eher weniger anfangen. Meine Schwester reagierte stets genervt, wenn ich mit meinen Figuren ihre Barbies erschoss und das Puppenhaus verwüstete, denn das war Ziel und Zweck dieser schwerbewaffneten Figuren, deren Markenzeichen ein beweglicher Bizeps war.
Vielleicht lernen Mädchen auf diese Art, wofür ein John Wayne gut ist, auch wenn er später nur die eigene Wohnung im Rausch verwüstet und ihm die eigene Ehefrau zum Ausleben seiner Aggressionen dient. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sich viele Frauen Dinge gefallen lassen, die ich, weil Mann, nie hinnähme. so passt es dann auch in mein Bild, wenn eben der Cowboy erfolgreicher ist, auch wenn immer mal wieder behauptet wird, es bräuchte andere Leitbilder für Männer. Patriarchal sind die Entwürfe allemal, und dann gewinnt klar der Oberschimpanse, denn rein evolutionsmäßig gesehen ist unser Hirn halt doch noch eine sehr junge Entwicklung, und längst noch nicht die gleiche Sicherheit vermittelnd wie Muskeln und Aggression stellt es keine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Brad Pitt passt da genausogut wie ein Til Schweiger, sie sind eindeutige Vertreter ihrer Art. Ein Jean Gabin war nur vielschichtiger, interessanter und unberechenbarer, aber nicht weniger viril. Und trotz allem Gender-Mainstreaming glaube ich nicht, daß Wowereit ein ernsthaftes Vorbild für Heteros sein kann, weil er eben schwul ist, und der Großteil der Welt heterosexuell orientiert. Schauspieler, die offen schwul leben wie Rupert Everett, bekommen weniger Rollenangebote, weil sie zu indifferent für ein großes Publikum sind, das einfache Wahrheiten sucht, weil es nichts anderes gelernt hat. Nischen gibt es natürlich immer, aber das bleiben sie auch nach zwanzig Jahren Rückschritt und Restauration. Deshalb bin ich davon überzeugt, daß Frauen noch lange weniger verdienen werden als Männer.
It´s A Mans World...cf
Rahab schrieb am 05.03.2010 um 21:32
verdienen tun sie, die frauen, mehr - sie kriegen nur weniger. um mal meinen tatten s.a. zu zitieren.
und dass männer noch mehr kriegen, wird auch nicht mehr lang so bleiben. netto sucht aushilfe/putzkraft m/w egal, für 325 €. für schnee-schippen gibt's weniger....
Magda schrieb am 05.03.2010 um 22:24
"Und trotz allem Gender-Mainstreaming glaube ich nicht, daß Wowereit ein ernsthaftes Vorbild für Heteros sein kann, weil er eben schwul ist, und der Großteil der Welt heterosexuell orientiert."

Für mich ist Wowereit auch nicht so einleuchtend, aber es gibt andere schwule Leute, die ich mir als Vorbild für Männer vorstellen kann.
born2bmild schrieb am 05.03.2010 um 21:01
Laurie Anderson, Beautiful Red Dress:

(...)

"You know, for every dollar a man makes
a woman makes 63 cents.
Now, fifty years ago that was 62 cents.
So, with that kind of luck, it'll be the year 3,888
before we make a buck."

Bei ca. 2:10 im Video:

hibou schrieb am 06.03.2010 um 07:24
ich mag ernie reinhard und den da vom st.pauli-theater (er ist glaub grade fc st.pauli-vorsitzender)
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