Magda

Mal sehen

23.01.2012 | 19:55

Eine gelungene Vertretung

Nachtrag zum Freitag-Salon mit Jakob Augstein und Oskar Lafontaine

Angekündigt war Sahra Wagenknecht – gekommen ist Oskar Lafontaine. Er vertrat die erkrankte stellvertretende Vorsitzende der Partei die LINKE aufs Beste und mit Vergnügen.

Schnell vergessen hatte man bei dem freundlichen Geplänkel, dass man ganz schön lange im Gedränge vor dem Eingang des Studios gestanden hatte, bevor der Einlass begann.

Die Konstellation war günstig: Den bereitwillig eingesprungenen Gast konnte man nicht so scharf angehen, was ohnehin nicht Jakob Augsteins Art ist. Eher beruhigte er ihn scherzhaft und versicherte, er werde ihn nicht mit irgendwelchen Fragen zu seinem Äußeren nerven, was er aber auch bei  Frau Wagenknecht nicht in seiner Absicht gelegen hätte .

Die beiden Herren passten also zusammen, denn auch Oskar Lafontaine hat nicht mehr die Schärfe, die ihm früher mal eigen war. Verbindlich – ein bisschen verspielt, mit Sinn für die Dramaturgie und allgemein gewillt, nix zu sehr zuzuspitzen, so war das Klima.

Ich fragte mich, wie oft Lafontaine schon auf solchen Stühlen gesessen haben mag.

Wenig über Christian Wulff

Lafontaine war – erfreulicherweise - nicht gewillt, sich lange über den Christian Wulff zu verbreiten. Er konstatierte Ermüdungseffekte in der Öffentlichkeit und erinnerte sich, dass er als Präsident des Bundesrates diesen Job mal eine Weile – als Krankheitsvertretung – mit gemacht hätte. Schwer sei das nicht, wenig aufwendig. Vielleicht wäre das ja eine Idee, das Amt in Zukunft auszufüllen. Aber er meinte damit keineswegs sich – er ist weiter höchst aktiv und wird sich im Saarland – bei den fälligen Neuwahlen - auch wieder einmischen.

Jakob Augstein kam – noch ein wenig den Wulff-Pfad entlangpirschend - auf die Werte zu sprechen, die allüberall nicht mehr vorhanden sind, die Sehnsucht danach aber durchaus vorhanden sei.

So sei das eben in einem System, in dem die Menschen auf ihren ökonomischen Wert reduziert seien, wie im Gefolge des Neoliberalismus geschehen, meinte Lafontaine. .

Und dann schwenkte er von der – Häuslebau-Werte-Wulff - Schiene hinüber zu den wirklich gravierenden Wertewandeln in der Politik.

Wie anders als noch vor zwei Jahrzehnten würde gegenwärtig die Kriegsfrage diskutiert.

Wie lange habe Deutschland bewaffnete Interventionen als Option abgelehnt (allerdings bei immer glänzenden Waffengeschäften-Magda) während jetzt über deren Berechtigung und Sinnhaftigkeit diskutiert würde.  Das sei nur eines von vielen Beispielen sehr beunruhigenden Wertewandels.

Lafontaine bestritt freundlich – energisch Jakob Augsteins Meinung, die LINKE hätte es doch jetzt leichter, werde von der Politik und den Medien fast gleichberechtigt behandelt.

Er verwies auf ein Gutachten, das andere Ergebnisse zeigte. Außerdem würde die LINKE nicht von der Wirtschaft „geschmiert“ wie andere Parteien. Deshalb war er – im Gegensatz zu seinem Gegenüber – durchaus für politische Talkshows, weil man da trotz allem die Inhalte der Partei die LINKE einbringen könnte. Aber er wünschte dringend  – auch vom Podium des kleinen Studios – es sollten wieder mehr Sachfragen statt Personalfragen im Mittelpunkt stehen. Später im Gespräch sprach er zu verschiedenen Anwürfen und gegen die LINKE, z.B. über den Iran-Syrien Aufruf der LINKEN, der auch parteiintern zu Diskussionen führte – wobei er meinte, da ginge es manchmal mehr um Formulierungen.

Dennoch, fragte sich Augstein, wie es bloß komme, dass die LINKE, die doch in vielem so Recht habe, nicht gewählt würde. Die Rentner wählten ja eher die Parte, die ihnen eigentlich die Renten kürzt, meinte er. Das war der typische west-deutsche Blick. Die Rentner im Osten wählen anders. Als sei ihm das selbst aufgefallen, frage er Lafontaine, ob der die ostdeutsche Identität verstehe nach so vielen Jahren Ost-West-Partei-Arbeit? Das klang, als falle ihm das selbst manchmal schwer und erwarte von seinem Gesprächspartner eine Hilfe.

Hingegen blieb auch Oskar Lafontaine da zurückhaltend. Er forderte eine bessere – was immer das sein mag -  Beschäftigung mit der Geschichte der DDR. Aber, mir schien, dass er diese Debatten nicht mag. Sie sind ja gegenwärtig auch eher Definitionsscharmützel, ein Minenfeld.

Er unterstrich, dass – aus seiner Sicht - die DDR am Mangel an Demokratie gescheitert sei und erzählte eine Anekdote über Erich Honecker, die deutlich gemacht hätte, wie wenig in der Realität diese Politiker gelebt hätten. 

 Vorher hatten die beiden Gesprächspartner schon mal die Religion und „letzte Fragen“ beim Wickel, bei der Lafontaine sich an den Konflikt mit seiner Mutter wegen des immer wieder geschwänzten Kirchganges erinnerte, aber dann doch wieder die Kurve zur politischen Gegenwart nahm: Der Gleichheitsgedanke steckte in den Religionen, eigentlich sei er auch  eine alte „kommunistische“ Idee.

 Salongemäßes Mäandern

 So mäanderte das hin und her. Mir gefiel das, es ist unterhaltsam, bildend und belehrend, also durchaus salongemäß.

Lafontaine ist ein klarere und guter Rhetoriker – deshalb ging er immer wieder der Umdeutung und Inbesitznahme von Begriffen nach.

Beispiel: Schuldenbremse – alle dächten weil es ihnen eingetrichtert wurde, immer nur ans Sparen. Niemand denkt dabei an die Einnahmeseite.

Beispiel: Terrorismus – nach den gängigen Kriterien wäre auch die Bush-Regierung terroristisch.

Sahra Wagenknecht tauchte einmal auf als Buchautorin. Im letzten Jahr ist sie mit überraschenden Thesen aufgetreten. Sie hat Ludwig Erhard „gelobt“ und ihn aus der ordoliberalen Ecke heraus kritisiert. Eine  überraschende Geschichte, die aber von ihr eher provokativ gemeint war.

 „Ich liebe Oskar“, habe ich scherzhaft in anderen Zusammenhängen gesagt. Ja, ich finde ihn – bei allem Hang zum Vereinfachen, Zuspitzen, Polarisieren – noch immer glaubhaft. Ein politischer Mensch, der auch – die Jahre gingen drüber hin – sehr viele moralinsaure Anwürfe überstehen musste. Ob für ihn so etwas wie „liquid democracy“ vorstellbar sei, wie Augstein erkundete, weiß ich nicht. Er ist einer, dem man als Ganzes noch glauben muss – oder auch nicht – wofür er steht. Das ist nicht so schnell zu verflüssigen. Der bleibt ein politischer Festkörper.

Aber, er ist milder geworden, vielleicht die Prüfung einer überstandenen Krankheit, eine neue Liebe – das alles wirkte glättend, geduldsfördernd, wie mir scheint.

Wir – denn es waren wieder zahlreiche FC-Mitglieder dabei – gingen angeregt zum zweiten Teil des Abends über.

Community-Splitter

Gesichtet wurden .Chrislow, Rahab, Archinaut, ChristianBerlin, Popkontext, Goedzak Calvani und Uwe Theel, der aus einer ferneren Gegend angereist war wie auch Calvani und Goedzak.  Immer interessant solche Begegnungen.

Eigentlich wollten wir noch allerlei bereden, aber es funktionierte nicht. Es setzten sich die Plauderer durch, was mir durchaus Recht war. Und am Ende fuhr Christian die Gegenden um Friedrichshain-Kreuzberg-Pankow ab, wofür ich mich als Endstation noch einmal herzlich bedanke.  

 

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.01.2012 um 20:37
Ja, es war ungemein unterhaltsam - im besten Sinne des Wortes: eine primitive Kulisse, gute Fragen, eine hervorragende Chemie zwischen den Diskutanten: gute Fragen, nachdenkliche Antworten, Witz…ich hätte da noch länger zuhören wollen!
Zeitleser schrieb am 23.01.2012 um 20:59
Ich mag auch einen unterhaltsamen Abend. Aber wenn ich dann wieder draußen bin, frage ich mich, was ist da geschehen? Geselligkeit, Unterhaltung, Büttenreden, Altersweisheiten - heute gebe ich mich mal verträglich, morgen kämpfe ich mal wieder (gegen die SPD von der ich alles verdanke, was ich bin) und übermorgen bin ich sowieso tot.

Darunter läuft eine andere Schicht, die des Zauns, was grenze ich für mich ein, ich meine das auch real, was ... na Sie merken schon, ich kann den O.L. nicht leiden. Jedenfalls verstehe ich sehr gut, warum ihm das Thema Wulff nicht besonders interessierte.
Magda schrieb am 23.01.2012 um 22:19
Danke für die Kommentare

@ Helena Neumann - mir hat das auch gefallen, vielleicht weil es auch mal gut ist, zu hören , was man schon kennt. Und das meiste kannte ich. Aber ich hatte es noch nicht live gehört.

@ Zeitleser - an Lafontaine scheiden sich die Geister. Ich "schätze" an ihm, dass er zu seinen Überzeugungen stand. Was er vor Jahr und Tag beklagt hat und am Ende auch mit seinem Rück-Schmiss demonstriert hat, sagen und meinen heute fast alle.

"Darunter läuft eine andere Schicht, die des Zauns, was grenze ich für mich ein, ich meine das auch real, was..."

Sie spielen auf das Haus an, dass so merkwürdig "befestigt wirkt.
Aber, vielleicht hängt es auch mit diesem Attentat zusammen vor vielen Jahren. Daher kann das Abgrenzen, das Sicher sein wollen ja auch kommen. Ansonsten - mir ist das wurscht, wie der wohnt. Er hat sicherlich immer ganz gut "verdient".

Aber eines ist auch wahr: Blitzsaubere Politiker, die nur noch gut sein wollen, bringen es zu gar nichts. Der ist ein politischer Raufbold und das ist mir lieber.

Und zum Schluss räume ich ein; dass das Meinungssachen sind.
Zeitleser schrieb am 24.01.2012 um 00:28
Ich meinte nicht, wie und was er einzäunte sondern dass er fremdes so mir nichts dir nichts miteinzäunte. Er hätte ja fragen können, es wäre ihm vor dem bekannten Hintergrund gesehen gewährt worden.

Da kommt er, der Nietzschese Übermensch, der das unerlaubte denkt und tut, doch sehr heraus - da ist für mich die absolute Grenze, konkret der totale Vertrauensverlust, den man gegenüber allen Spielern haben sollte.
weinsztein schrieb am 24.01.2012 um 03:00
?
claudia schrieb am 24.01.2012 um 08:40
Ohne Polemik gehts natürlich nicht, wenn von Lafontaine die Rede ist:
>>gegen die SPD von der ich alles verdanke, was ich bin<<
Er hätte ja auch als Physiker in die Industrie oder Forschung gehen können.

Oskar Lafontaine galt in den 70er/80er Jahren eher als „SPD-Rechter“ obwohl er nie dem Seeheimer Kreis angehörte.
Dass ausgerechnet er seine „Kampfgenossen“ Schröder/Riester/Maschmeyer so schnöde im Stich gelassen hat, das haben die ihm natürlich niemals verziehen.
Hätten die anderen, die Agenda 2010 und Kriegspolitik nicht mitmachen wollten, eine Opposition gegen den völlig homogen gewordenen Lobbyblock SPD/CSU/GRÜN/CDU/FDP zu bilden, wenn Lafontaine nicht dabei gewesen wäre? In der stark personenkultisch geprägten BRD wäre die WASG ohne prominente Gallionsfigur nicht auf die Beine gekommen.
Daher kommen wohl die ständig wiederholten Feindschaftserklärungen ohne Inhalt.
Aber immerhin: Noske liess noch scharf schiessen. Heute macht man das subtiler.
Zeitleser schrieb am 24.01.2012 um 11:46
Es lohnt sich doch immer, mal wieder reinzuschauen in FC. Denn die Anmerkung "die stark personenkultisch geprägte BRD" ist - wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt - wirklich so etwas wie ein Schlüssel zum Verständnis, vor allem dann wenn man altersbedingt die Zeit Revue passieren kann (oder muss, je nach dem).

Nicht über Sachen reden müssen, weil sonst automatisch das Nazireich mitgedacht werden muss, sondern darüber ob der oder die nett, effizient .... ist, ein sozialpsychologischer Entlastungsmechanismus. Auch bei den 68er ging es ja sehr schnell um Personen diesmal im Gewand von Antipersonen und neu entdeckte Nettpersonen (aus China).

Wenn man Lafontaine darin einordnet, was ergibt sich dann? Es ist wirklich seltsam welche Drehungen und Verwindungen ein Mensch hinlegen kann oder muss, um im Spiel zu spielen. Nun war er ja immer im Spiel und trotzdem diese Inhomogenität in der Orientierung und im Lebens- und Wirkungslauf. Das ist erstmal interessant aber für mich eine Schwäche, aus einem wichtigen Amt so unmotiviert auszuscheiden - das ist entweder völlig verantwortungslos oder egomanisch oder beides. Seltsam, seltsam ...... aber der Schaden für die Regierung Schröder war enorm, denn was denkt man, die sind personenkultisch und somit chaotisch. Und das hat sich ja fortgesetzt mit Frau Simonis und Frau Ypsilanti. Die Rückenmesserstecher in den eigenen Reihen. Diese Erfahrung mit der SPD war und ist negativ nachhaltig zum Profit anderer.

Also vielen Dank für dieses Stück nachdenken können.
SuzieQ schrieb am 24.01.2012 um 22:49
@ Zeitleser

"für mich eine Schwäche, aus einem wichtigen Amt so unmotiviert auszuscheiden - das ist entweder völlig verantwortungslos oder egomanisch oder beides."
Möglich wäre auch zu denken, dass er evtl abgewogen hat:
Ist mir ein solches Amt so viel wert, dass ich meine Überzeugungen verrate?
Amtsverzicht als Antwort auf diese Frage wäre doch ungewöhnlich, mir aber sympathisch.
Den Schaden für die Regierung Schröder hätte er dabei wohlwollend in Kauf genommen.
Wenn Lafontaine in den 80ern irgendwo öffentlich sprach, wurde dorthin gepilgert, er war eben nie mainstream, man muss ihn nicht mögen, manchmal zuhören reicht.
Und es stimmt, er ist zahmer geworden.
Ob er es bleibt? Abwarten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 25.01.2012 um 00:08
@ Magda

"Und das meiste kannte ich. Aber ich hatte es noch nicht live gehört."

Lafontaine ist ein brillanter Erzähler. Er kann einfach komplexe Sachverhalte präzise erklären. Das höre ich mir dann auch als Platte mit Sprung noch an.

Aber eines ist auch wahr: Blitzsaubere Politiker, die nur noch gut sein wollen, bringen es zu gar nichts. Der ist ein politischer Raufbold und das ist mir lieber
d'accord!
Magda schrieb am 25.01.2012 um 09:48
@zeitleser -
"Das ist erstmal interessant aber für mich eine Schwäche, aus einem wichtigen Amt so unmotiviert auszuscheiden - das ist entweder völlig verantwortungslos oder egomanisch oder beides."

Ich würde sagen, egomanisch: ja, verantwortungslos: nein. Eher hat er hier vielleicht auch aus gekränktem Stolz, vor allem aber aus der Erkenntnis, dass er in dieser Regierung Schröder, die ja voll auf dem neoliberalen Trip war verheizt wird, gehandelt.

Lafontaine, der wegen seiner Idee einer Finanztransaktionssteuer - in London als gefährlichstesr Mann Europas mit einem scheußlichen Foto angegriffen wurde, versuchte dem damals debattierten Schröder - Blair-Papier etwas entgegenzusetzen.

Und gab - gemeinsam übrigens mit Dominique Strauss Kahn - ein eigenes Papier raus.

Europa sozial und stark - hieß es.

www.zeit.de/1999/03/199903.lafontaine_strau.xml

Es ging um Regulierungen, die heute wieder im Gespräch sind.

Und dann flogen die Fetzen. Und besonders flogen sie in Deutschland und noch besonderer wohl aus dem Kanzleramt selbst.

Es gab keine Chance, der neoliberalen Besoffenheit jener Zeit etwas entgegenzusetzen.

Heute ist das alles anders.

le-bohemien.net/2011/04/30/meine-vision-sind-die-vereinigten-staaten-von-europa/

Hier ist ein ganz interessantes Interview dazu.

Ich denke, Lafontaine hat damals politisch gehandelt und dann geguckt, wo sich neue Möglichkeiten für seine Intentionen ergeben.
claudia schrieb am 25.01.2012 um 11:09
>>...aus einem wichtigen Amt so unmotiviert auszuscheiden...<<
Na ja, andere kleben dafür um so heftiger am Amt.

Gerade dadurch, dass Lafo sich nicht wie ein handelsüblicher "Parteisoldat" verhielt, der alles, aber auch wirklich alles mit macht, stieg er in meiner Achtung.
Die Gründung der WASG war ein richtiger und wichtiger Schritt.

Dass die Entscheidung Lafontaines nach einer Auseinandersetzung mit Gerhard Basta-Schröder, eben nicht alles mitzumachen, sofort eine heftige Kampagne von Schröder & Co. und deren Lobbyisten zur Folge hatte, ist einfach logisch.
Hassreaktionen auf eine inhaltliche Opposition gegen den Lobbyblock CSU/SDP/CDU/Grün/FDP sind, ährm, "systemrelevant".
Zeitleser schrieb am 25.01.2012 um 11:28
Wenn ich - in Verantwortung zur Sache - aus einem wichtigen Amt ausscheide, wissend dass das von jederman als symbolischer Protest interpretiert wird, dann mache ich das anders als es getan wurde. Ich erkläre dann tausend Mal, was mich zum Ausscheiden veranlasst ja gezwungen hat. Damit bleibe ich auch außerhalb des Amts an der Sache und kann für sie mehr erreichen als im Amt.

Aber wie wars: Öh, der Schröder mag mich nicht, ich bin jetzt beleidigt .... usw. Also doch: egomanisch UND verantwortungslos.
abghoul schrieb am 24.01.2012 um 00:26
Danke Magda, da war ich wirklich neugierig drauf, was da am Salon Abend so geredet und besprochen wurde...
Wow,... rahab war auch da,.. naja erstmal ein anderes Thema.
"Blitzsaubere Politiker, die nur noch gut sein wollen, bringen es zu gar nichts. Der ist ein politischer Raufbold und das ist mir lieber." Hah, Volltreffer! :)
thankies from the pit
abghoul
Popkontext schrieb am 24.01.2012 um 02:37
Ich fand den Abend auch sehr schön, obwohl ich ja erst gar nicht mit reinwollte :)...dafür gings dann noch bis morgens um fünf bei mir...

Popkontext schrieb am 24.01.2012 um 02:40
Danke für den bericht übrigens, Magda, das wollte ich nicht unterschlagen!
archinaut schrieb am 24.01.2012 um 02:59
Applaus, liebe Magda,
dass Du trotz Protokoll und so noch über Oskar schreiben konntest
- bist halt ein echter profi (gibts dazu eigentlich auch 'ne weibliche Form - "profeuse" oder so?)

Herzlichst
archie
abghoul schrieb am 24.01.2012 um 08:45
"professionelle" klingt auf jeden Fall professioneller als "profeuse" archie ;)
SuzieQ schrieb am 24.01.2012 um 22:51
'Professionelle' geht in die völlig falsche Abstraktion.
archinaut schrieb am 25.01.2012 um 02:47
....das Wort "Professionelle" triffts wohl am wenigsten,
listiger abghoul ;-))
claudia schrieb am 24.01.2012 um 08:34
Dank auch von mir für den Bericht, Magda.

---
>>Er forderte eine bessere – was immer das sein mag - Beschäftigung mit der Geschichte der DDR.<<
Man müsste wohl zurück gehen in die Situation nach dem zweiten Weltkrieg:
Statt einem zur Neutralität verpflichteten Gesamtdeutschland wollten die USA die Trizone zu einem westdeutschen „Frontstaat“ für den kalten Krieg formatieren. Dadurch war die sowjetische Zone von der Trizone abgekoppelt und es bleib nichts anderes übrig, als daraus einen zweiten deutschen Staat zu bilden.
Man kann aber die folgende Entwicklung der DDR sicher nicht ohne die Geschichte der Sowjetunion sehen.

Ich denke, dass die FC eine sachliche Aufarbeitung der Geschichte leisten könnte (wenn man "BRD-Siegerallüren" mal beiseite lassen kann).
Schliesslich kommen hier Menschen mit DDR-Erfahrung und Menschen mit BRD-Erfahrung zusammen.
Nur wird es wohl nichts werden, wenn man die DDR isoliert betrachtet, ohne die Gesamtsituation nach dem Krieg.

Man könnte anschliessend die Frage stellen, was es für uns bedeutet, dass der Kaltkriegsfrontstaat BRD ganz einfach, unter Vereinnahmung der DDR, weiter existiert.
Wenn dieser Frage ausgewichen wird hat Geschichte keinen Sinn...
Rapanui schrieb am 24.01.2012 um 09:35
Dank für den Bericht Magda.

Ihr Eindruck vom Salon fand ja dann seine Entsprechung in der Chemnitzer "Dreigroschenoper" vom Freitagabend, die ich statt des Salons betrachtete.

www.theater-chemnitz.de/sparten/schauspiel/pressestimmen_schauspiel/pressestimmen_dreigroschenoper.html?PHPSESSID=0887db47a8c22d5eaead943e8d45f46c

Sehr gelungen, sehr unterhaltsam...vielleicht ein bisschen zu mild?
claudia schrieb am 25.01.2012 um 10:44
@ Magda:

>>Sowohl Leute, die die Redaktion engagiert hat, und ich bei den BLoggern haben das hin und wieder versucht, aber das Klima ist so vergiftet und die mediale Stimmung so hasserfüllt, dass es sofort persönliche Angriffe gibt.<<
Ich kann mich erinnern: Der Endsieg marschiert.

Deswegen schrieb ich:
>wenn man "BRD-Siegerallüren" mal beiseite lassen kann<
Nur dann geht es.
Magda schrieb am 24.01.2012 um 10:33
Erstmal wieder danke an die Kommentatoren.
Mir ist zum Thema Liquid Democrazy noch eingefallen, dass Lafontaine diese Methode - auch ohne virtuelle tools - für gut hielt. Eigentlich gehe es dabei doch darum basisdemokratische Elemente zu stärken. Und wir haben uns danach im Casino auch noch darüber unterhalten.

@ claudia - Das mit dem eher "rechten" Flügel wusste ich nicht, interessant. Mir ist er erinnerlich als einer, der über die "Kosten der Einheit" gesprochen hat, als alle anderen - ich auch - nur noch dachten, es sei alles ganz gut so, die meisten sogar jubelten.

und zur DDR-Geschichte.

Ich denke, dass die FC eine sachliche Aufarbeitung der Geschichte leisten könnte (wenn man "BRD-Siegerallüren" mal beiseite lassen kann).
Schliesslich kommen hier Menschen mit DDR-Erfahrung und Menschen mit BRD-Erfahrung zusammen.
Nur wird es wohl nichts werden, wenn man die DDR isoliert betrachtet, ohne die Gesamtsituation nach dem Krieg.


Sowohl Leute, die die Redaktion engagiert hat, und ich bei den BLoggern haben das hin und wieder versucht, aber das Klima ist so vergiftet und die mediale Stimmung so hasserfüllt, dass es sofort persönliche Angriffe gibt. Ein real denkender Poltiker wie Lafontaine wird sich in diese Nesseln schlichtweg nicht setzen, weil das nur Ärger bringt.

@ archinaut - eigentlich wollte ich ja auch nicht, aber ich musste mir einfach was Gutes tun. Nee, profi ist profi.

@ abghoul - Ja sie war auch da, aber wir kennen uns ja alle - hier in Berlin schon eine Weile.

@ popkontext - schönes Foto

@rapanui - Ja, das kann hinkommen. Danke für den Link
weinsztein schrieb am 25.01.2012 um 03:19
Dass Oskar Lafontaine in den 80-ern oder sonstwann dem rechten SPD-Flügel angehört hätte, stimmt nicht. Damals kritisierte er Helmut Schmidt von links. Er wurde innerhalb der Partei zur Enkelgeneration gezählt, die demnächst das Erbe Willy Brandts antreten werde.
Magda schrieb am 25.01.2012 um 09:50
@ weinsztein - das hat mich auch gewundert, das mit dem rechten Flügel.
claudia schrieb am 25.01.2012 um 10:37
>>Oskar Lafontaine galt in den 70er/80er Jahren eher als „SPD-Rechter“ obwohl er nie dem Seeheimer Kreis angehörte.<<
Eher richtig ist, dass Lafontaine sich eine inhaltliche Unabhängigkeit bewährt hat, die halt in der stetig nach rechts driftenden BRD immer linker wurde.
Er weder jemals dem Seeheimer Kreis, (in den 70ern noch als "Kanalarbeiter" bekannt) angehört, noch dem "Stamokap"-Flügel.
Die Ettikettierung "flügellos, aber eher rechts als links" stammte wahrscheinlich von Stamokap-Leuten. Die Presse greift ja so was gerne auf.

---
>>Mir ist er erinnerlich als einer, der über die "Kosten der Einheit" gesprochen hat, als alle anderen - ich auch - nur noch dachten, es sei alles ganz gut so, die meisten sogar jubelten.<<
Ja, damit hat er sich richtig unbeliebt gemacht.
Dabei waren die vergleichenden Berechungen der Modelle "Sofortanschluss der DDR an die BRD" und "Konföderation mit allmählicher Annäherung" durchaus öffentlich bekannt.
Aber wer das schon wissen angesichts der Landschaften mit blühendem Kohl.
poor on ruhr schrieb am 24.01.2012 um 11:47
@Magda

Ein Blog so stark wie Oskar.
Das ist als Kompliment gemeint. ;O)

LG

por
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.01.2012 um 12:54
Danke für das informative und kurzweilige Resumee, Magda.
Gibt es eine öffentlich abrufbare Video- oder Tonaufzeichnung?
Magda schrieb am 24.01.2012 um 13:05
@ poor - danke DIr.
@ Herr Katzer - die haben vorher endlos geprobt und auch ins Foyer übertragen, aber ob es auch eine Aufzeichnung gab, weiß ich gar nicht.
hadie schrieb am 24.01.2012 um 19:14
Rentner sagen Danke für eine gelungene Veranstaltung.
weinsztein schrieb am 25.01.2012 um 03:23
@hadie
Ihnen wünsche ich einen erbaulichen, erleuchteten Lebensabend.
Georg von Grote schrieb am 24.01.2012 um 13:14
Auch ich danke :-)

Bekommt man doch als Nicht oder Noch nicht Berliner mal so einen kleinen Einblick in die offenbar kleine eingeschworene Gemeinde. :-)

Das hier hat mir am besten gefallen, da wurde mein Grinsen immer breiter :-):

"Die beiden Herren passten also zusammen, denn auch Oskar Lafontaine hat nicht mehr die Schärfe, die ihm früher mal eigen war. Verbindlich – ein bisschen verspielt, mit Sinn für die Dramaturgie und allgemein gewillt, nix zu sehr zuzuspitzen, so war das Klima."

Besonders die Feststellung: DENN auch Oskar Lafontaine hat NICHT MEHR die Schärfe.......

Oha, fragt sich da der werte Leser. Wem mag denn da noch die Schärfe abhandengekommen zu sein????? :-)
weinsztein schrieb am 25.01.2012 um 03:32
Ich vermute, es ist der berühmte Journalist Grote mit den vielen Smileys.
rioges schrieb am 24.01.2012 um 14:34
Zwei Dinge gehen mir inzwischen gehörig auf den Senkel:

Das Anhimmeln der Ikonen, als ob es nur diese Labergötter gäbe und der ständige Berlinzentrismus. Wobei letzteres in Anbetracht von ersterem wieder etwas relativiert wird.

Aber mal ehrlich: Nochmal Lafontaine? Hat Deutschlands Linke (ich mein nicht die Partei, die hat sowieso nicht viel drauf) so wenig zu bieten? Und zählt der Rest der Republik so wenig?
hadie schrieb am 24.01.2012 um 20:15
Wenn schon Berlin, dann würde ich gerne mehr über die Ohnesorg-Geschichte erfahren. Von der SPON-Startseite ist sie auch schon wieder verschwunden. Und die Irgendwie-Linke steht derweil in Treue fest zu Döpfner beim Bashing unseres verehrten Bundespräsidenten!
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