Spaziergang nach Pankow durch den geliebten Schlosspark.
Gestern ein Beitrag in der: Berliner Abendschau : Unsere Wohngegend – mit der baldigen Schließung von Tegel in Aussicht – wird immer „hipper“. Grundstücke um den Schlosspark herum, die alten „Herrschaftshäuser“ der Genossen – alle in den Händen des neuen aufstrebenden, jungen Mittelstandes. Familien, die das demonstrative Gehabe vom Prenzlauer Berg nicht wollen und es sich leisten können, sich im ehemaligen Funktionärs-Städtchen ein Haus zu kaufen oder ein neues zu bauen.
In der Galenusstraße die alten Häuser aus den 30ern, die jetzt saniert und aufgebrezelt werden, damit sie mit den neuen Mehrfamilienhäusern auf der anderen Seite konkurrieren können, die - exklusiv - an die Panke angrenzen.
In der Parkstraße – neben der herrlich verkramten Dauerbaustelle eines bekannten Schauspielerpaares mit dem lauten Hund und Kindern – ein Bauschild. Bald grenzen sie mit ihrem anarchischem Altbau an ein schickes Townhouse.
Kaum sichtbarer
öffentlicher Durchgang
Den kleinen Durchgang zum Pankower Anger kenne ich, aber ich übersehe ihn fast jedes Mal.
Niemand hat die Absicht.... deutlich anzuzeigen, dass dort öffentlich begehbares Gebiet ist. Die Menschen wollen sich immer und überall abgrenzen, Fremde abwehren oder – wenn das nicht geht – wenigstens kontrollieren, wer sie in ihrer Ruhe stört.
Ich erinnere mich, dass unser großer Innenhof an der Schönhauser Allee zu DDR-Zeiten immer offen und zugänglich war.
Die Kommunale Wohnungsverwaltung hatte die Mittel nicht oder keine Lust, eine ordentliche Klingelanlage zu installieren. Nur der private Besitzer des Hauses, in dem ich wohnte, verschloss einfach die Tür. Wer zu mir – ins Hinterhaus – wollte, musste durchs Nebenhaus gehen, was immer aufwändige Erklärungen notwendig machte.
Und wenn man dort nicht reinkam, gings durch den großen Innenhof, dessen Eingang aber in einer anderen Straße lag. Nach dem Mauerfall wurden fast schlagartig alle Eingänge verschlossen. Die Häuser bekamen nach und nach Klingelanlagen. Eine große Grenze fiel und viele kleine taten sich auf.
Sorgen um die
Mietpreise der Zukunft
Ich mache mir Sorgen seit diesem Bericht von gestern, der ja nur zusammenfasste, was offensichtlich ist. Wir werden eingekreist von zahlungskräftigeren Leuten.
Vielleicht bildet der einzige und merkwürdige Zehngeschosser-Block, in dem wir wohnen, auch eine Art von Grenze gegen zu hohe Mietsteigerungen und-belastungen. Plattenbauten sind "igitt" für viele Leute. Man grenzt sich von ihnen ab, verweist auf sie, um Leute zu diffamieren, wie ich gerade erlebt habe. Sonderbare Welt.
Der breite Autobahnzubringer bildet eine Betongrenze zu ebener Erde. Trennt unsere Seite mit der Plattenbau-Kultur von der anderen Seite mit der Eigenheim-Kultur.
Dazwischen aber– Gottseidank – viel Grün und Kleingärten, deren Besitzer das Ihre mit Energie verteidigen.
Gestern beim Singekränzchen meinte eine der Freundinnen, die führenden Genossen von einst hätten sehr viel von feudalistischer Herrschaft übernommen. Beispiel Mauerbau: Schließen einfach ein Land ab wie einen Gutshof. Keiner rein keiner raus. Mir fiel noch das alte Kirchenlied ein: „Eine Mauer um uns baue, dass dem Feinde davor graue“. Mauern sind Archetypen oder so ähnlich.
Gefährliche
Grundstücksgrenzen
Noch eine Grenzgeschichte aus diesen Tagen:
Ich habe einen jungen Freund, der hier in der Freitag-Community öfter seine Alltagserlebnisse bei einem Freiwilligeneinsatz in einer englischen Stadt beschrieb, aber dann die Lust verlor.
Er meldet sich immer mal über Facebook bei mir. Jetzt aus den USA, wo er wieder im Einsatz ist. Er schreibt, er wurde „verhaftet“, weil er ein privates Grundstück überquert hat. Der Farmer habe sogar hinter ihm her geschossen, berichtet er, aber er habe gedacht, das sei eine Jagd oder so.Dann hörte er Polizeisirenen, er wurde aufgegriffen, streng belehrt und im Polizeiauto nach Hause gefahren.
Mein Spaziergang nach Pankow hatte ein schmerzliches Ergebnis: Ich bekam, als ich von einer Bank aufstehen wollte, einen Hexenschuss. Konnte nur noch langsam und gebeugt meine restlichen Einkäufe im Rathauscenter machen.
Die nächsten Tage ist mein Aktionsradius ziemlich begrenzt.