Magda

Mal sehen

12.06.2010 | 15:41

Home made melancholie

Der beste Stimmungsaufheller ist man selbst - immer.
Wirksamste Remedur schafft die eigene Seele selbst - immer.
Man muss nur auf sich hören.


Als ich kürzlich ungut melancholisiert die völlig kahle und unwirtliche Fläche vor dem S-Bahn-Hof Gesundbrunnen entlang ging, fiel mir dies wieder ein. Das Wetter war kühl, ein bisschen Regen lag in der Luft, eine frische Brise, als wäre Herbst, wehte, die wenigen Händler und Stände waren mäßig geschäftig.

Ich ging da so entlang und hatte im Ohr: Sinead O' Connor "Peggy Gordon", ein Singsang, den man niemanden  zuzumuten sich traut, außer heimlich so als MP3 oder als Link, den man nicht öffnen muss.
video.mail.ru/mail/avemay/659/602.html

Mir steigt bei diesem geseufzten Jammer, dieser zarten aber schwer beatmeten Stimme zuverlässig die Träne ins Auge. Und ich könnte mitsingen und fühlen.

Oh Peggy Gordon you are my Darling
come sit you down here on my knee
And tell to me the very reason
why am I slighted so by thee.

video.mail.ru/mail/avemay/659/602.html

Nur für Leute geeignet, die eine arhytmische Atmung vertragen ohne ins Hyperventilieren zu geraten. Immer am Rande des Sentimentalen, was mir völlig egal ist. Wenn es Tai Chi zum Singen gäbe, dann wäre es das.
Aber, es rührt mich zuverlässig und dann noch diese Zeile:

"A troubled mind can know no rest. "


Was mich dabei heimsucht,  ich weiß es nicht. Der "troubled mind" vielleicht. Vielleicht entsteht manche Melancholie wegen eines Gleichmaßes, das dem Leben die Würze nimmt. 

Manchmal also, wenn sich so diffuse Traurigkeiten um die Seele winden und wenn die nicht weichen wollen und so anstrengend sind fürs Gemüt,  dann muss die Homöopathie her. Dann suche ich sie und stelle sie selbst her, wie es die homöopathische Regel verlangt. Genau: "Home made melancholie" und ich verstärke sie mit Sinead O' Connor, das kann wahlweise auch Anderes und möglicherweise Qualitätvolleres sein. Kürzlich in der Damen-Gesangsrunde war es "Scarborough Fair", altes englisches Volkslied. Das ganze Werk schon so prima dosiert mit dorischer Kirchentonart, die immer klingt wie Moll, moll, moll.
Das klappt zuverlässig.

Und dann bricht sie aus, die Melancholie wie eine kleine kurze Krankheit und - dann gehts mir besser.
Es wirkt, es wirkt. Man muss mal richtig heulen. Macht nichts, wenn es gar keinen richtigen Grund gibt.

Homöopathische "Vertraurigung"
Vielleicht ist die ganze Welt der gefühlsbetonten, seelenvollen, volksverwurzelten, traurigen, sentimentalen Gesänge auf nichts anderes eingestellt, als den Zweck, einen traurigen Menschen, homöopathisch noch ein bisschen mehr zu "vertraurigen",damit der möglicherweise heillose unnötige Kummer ihn wieder verlässt.  Erstverschlimmerung heißt dieses Phänomen.

Bei klassischen, musikalisch wertvollen Sachen, da funktioniert das bei mir nicht. Da weint man möglicherweise auch, aber nicht homöopathisch, sondern aus realistischer Rührung über die Musik, nicht über den Kummer. Ach, wenn das mal alles so einfach wäre.

Mir ging es kürzlich so, dass ich am Ende meines Melancholieschubs noch am Gesundbrunnen gesundete,  eine merkwürdige Euphorie, eine schöne und angenehme Lebensfreude aufkam.

Kontraaaindikation: Gegen Trauer hilft sowas nicht. Trauer ist etwas, das mit der Zeit behandelt werden muss, nicht mit Homöopathie.

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 12.06.2010 um 16:06
so schön traurig, magda. ist diese art der heilung ein verweis darauf, dass die melancholie gar kein leiden ist?
in petras' inszenierung "heaven (in tristan)" singt peter kurth "als ich fortging". im zusammenhang des stücks und so interpretiert, wirkten hoffnungslosigket und ausweglosigkeit auf mich geradezu belebend. den bahnhofvorplatz gesundbrunnen kann ich mir dazu sehr gut vorstellen.
kk
goedzak schrieb am 12.06.2010 um 16:34
"Vielleicht ist die ganze Welt der gefühlsbetonten, seelenvollen, volksverwurzelten, traurigen, sentimentalen Gesänge auf nichts anderes eingestellt, als den Zweck, einen traurigen Menschen, homöopathisch noch ein bisschen mehr zu "vertraurigen",damit der möglicherweise heillose unnötige Kummer ihn wieder verlässt." - Könnte sein, wobei das vielleicht ein 'Qualitätsmerkmal' von tatsächlich 'volksverwurzelten' Gesängen ist: Wird man 'vertraurigt' oder eingelullt?!
Nick Hornby hat seinen Figur Rob in High Fidelity auch darüber räsonieren lassen: Popmusik verdirbt die Jugend, weil sie sie melancholisch macht.

Es gibt aber auch die trotzigen Songs, die dürfen nicht fehlen. Beide zusammen machen immun, einerseits gegen zwanghafte Fröhlichkeit und andererseits gegen's Abgleiten in ausweglose Depressionen...
Titta schrieb am 12.06.2010 um 23:54
"Es gibt aber auch die trotzigen Songs, die dürfen nicht fehlen. Beide zusammen machen immun, einerseits gegen zwanghafte Fröhlichkeit und andererseits gegen's Abgleiten in ausweglose Depressionen..."

Ist das nicht eine Verharmlosung einer ernsthaften Erkrankung? Und damit ein Schlag ins Gesicht der Erkrankten und ihrem Leid?
Wolfram Heinrich schrieb am 16.06.2010 um 19:55
@Titta
Ist das nicht eine Verharmlosung einer ernsthaften Erkrankung? Und damit ein Schlag ins Gesicht der Erkrankten und ihrem Leid?

Nein, ist es nicht. Das Wort "Depression" hat zwei Bedeutungen. Das eine ist die "normale" Schwermut, die jeden ab und an befällt, das andere ist eine schwere Psychose. Hier war eindeutig ersteres gemeint.

Ciao
Wolfram
ed2murrow schrieb am 12.06.2010 um 16:43
Nach Lektüre bin ich versucht, anzunehmen: Trauern ist Arbeit, Melancholie gelegentlich zu pflegendes Hobby.
Sehr, liebe Magda, gern gelesen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 20:52
ich geh jetzt nach dem ganzen trauern & tröten public viewing. bis bald
Titta schrieb am 12.06.2010 um 23:50
"Trauern ist Arbeit"

Der Satz sagt wohl mehr etwas über die westliche Leistungsgesellschaft aus als über das Wesen des Trauerns. Arbeite richtig, dann überwindest du die Trauer. Als wenn's so einfach wäre.
lausemädchen schrieb am 13.06.2010 um 00:13
ach ja,
da sind auch noch so gutgemeinte rad-schläge
oftmals
gar nicht hilfheich.
seuuufzzz
Titta schrieb am 13.06.2010 um 00:31
Meine kleine Stalkerin, jaja.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 16:49
@Magda: Was hat das mit Homöopathie zu tun...fragt irritiert
Leif
Magda schrieb am 12.06.2010 um 17:04
Tja, was. :-))))
BanaBab schrieb am 12.06.2010 um 17:07
Aber Leif, wenn man melangolische Gefühle in soviele Ecken verteilt bis sie zwar nicht mehr sichtbar aber mit von aussen zugegebenen sphärischen Schwingungen zum vibrieren kommen.....Verstanden?:-)
dame.von.welt schrieb am 12.06.2010 um 17:15
Guten Tag, alle!
Na, wegen der Erstverschlimmerung und der Selbstheilungskräften erinnert's an Homöopathie. Oder?
Ich mache das übrigens ganz genau so wie Sie, liebe Magda, beschränke das aber nicht nur auf Musik, sondern finde manchmal auch rührselige Filme dazu großartig. Und mußte gerade an die Blechtrommel denken - da gibt's doch diesen Zwiebelkeller, wo die Leute hingehen, um Zwiebeln zu schneiden und dabei ein bißchen zu heulen. (hoffentlich war das jetzt überhaupt aus der Blechtrommel?)

Ich halte das übrigens nicht für ein gelegentlich zu pflegendes Hobby, lieber ed2murrow, sondern eher für eine fast hygienische Maßnahme. Irgendetwas Blödes und Trauriges ist ja immer und dem in Form ein bißchen inszenierter Tränen Raum zu geben, halte ich eigentlich für ganz gesund. Ist aber vielleicht ein reiner Mädchenstandpunkt.
Magda schrieb am 12.06.2010 um 17:24
Wie nennt sich das denn? Das Potenzieren, genau, Trauriges mit Traurigem bekämpfen aber in kleinen Dosen.

@ Dame von Welt - genau, so isses. Gut zusammengefasst.
Ja, Filme gehen auch prima.
Oder auch Filmszenen. Muss ich mal drüber nachdenken.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 18:00
Magda schrieb: "Tja, was. :-)))"

Genau das hatte ich vermutet. So...ungefähr...
Irgendwie. :-))))
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 18:15
@BanaBab
Dich fang ich an zu verstehen...
Huch, womöglich doch mit Homöopathie? Habe ich die Erstverschlimmerung schon hinter mir? Oder ist es womöglich der feinen Dosierung Deiner Beiträge zu verdanken? Fragen über Fragen.... Bitte nicht potenzieren, gell?
Homöopathische Grüße (Da ist keine Chemie drin, weißt Du...?)
Leif
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 18:41
dame.von.welt: "Na, wegen der Erstverschlimmerung und der Selbstheilungskräften erinnert's an Homöopathie. Oder?"

Irgendwie erinnert immer alles an irgendwas...Dilettantisch ist es trotzdem...
dame.von.welt schrieb am 12.06.2010 um 23:22
Leif Miles
Nö, mich erinnert nicht irgendwie immer alles an irgendwas. Und ob dilettantisch oder nicht - wer bestimmt das eigentlich, Sie? - wenn's gut tut, hat's recht.
Magda schrieb am 13.06.2010 um 11:00
@ dame.von.welt - "wenn's gut tut, hat's recht."

Ja, denke ich auch.

Gruß
suziek schrieb am 14.06.2010 um 09:21
Liebe Magda,

"similia similibus currentur" Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt. Das ist der Grundgedanke der Homöopathie. Und das funktioniert tatsächlich, wie Du hier wunderbar beschreibst.
Danke
Magda schrieb am 14.06.2010 um 10:00
:-)) - Gern und Gruß.
Wolfram Heinrich schrieb am 16.06.2010 um 19:58
@Leif Miles
Was hat das mit Homöopathie zu tun...fragt irritiert Leif

Das Prinzip der Homöopathie ist es, wie der Name nahelegt, ein Übel dadurch zu bekämpfen, indem man eine sehr verdünnte Form dessen einnimmt, was genau dieses Übel erzeugt.
Traurige Lieder helfen in der Tat über Depressionen hinweg.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.06.2010 um 22:14
@Wolfram Heinrich, das Problem ist nicht, dass ich nicht weiß, was Homöopathie ist. Im Gegenteil.
Magda schrieb am 12.06.2010 um 17:03
Hallo Ihr drei,
das sind aber schöne Kommentare zu dieser kleinen "Spinnerei".

@ kay.kloetzer - "ist diese art der heilung ein verweis darauf, dass die melancholie gar kein leiden ist?"

Es gibt ja diesen Tucholsky-Spruch: "In der Melancholie erholt sich die Seele." Schönes Beispiel hast Du auch berichtet: Wenn "es" mal benannt und gezeigt ist, dann ist "es" auch Trost.
Ich denke, das wirklich manifeste Leiden - der Himmel verhüte es - ist die Depression. Ein Feld für sich.

@ goedzak - "Könnte sein, wobei das vielleicht ein 'Qualitätsmerkmal' von tatsächlich 'volksverwurzelten' Gesängen ist: Wird man 'vertraurigt' oder eingelullt?!"

Ja, das könnte sein. Genau. Aber vielleicht weniger Qualitätsmerkmal, als der Person entsprechend. Es gibt gräulichen Kitsch, der dann vielleicht auch ordentlich "vertraurigt" und weniger lullt. Selbstverständlich bin ich überzeugt, dass ich auch bei den homöopathischen Vertraurigern einen edlen Geschmack besitze: (Ein Scherz).

@ ed2murrow- "Nach Lektüre bin ich versucht, anzunehmen: Trauern ist Arbeit, Melancholie gelegentlich zu pflegendes Hobby."

Könnte durchaus hinkommen. Es gibt ja dieses Chanson von Friedrich Holländer:

"Wenn ich ich mir was wünschen dürfte,
käme ich in Verlegenheit,
was ich mir denn wünschen sollte,
eine gute oder schlechte Zeit.

Wenn ich mir was wünschen dürfte,
möcht ich etwas glücklich sein,
denn wenn ich gar zu glücklich wäre,
hätte ich Heimweh nach dem Traurigsein."

Dies alles bedenkend, überfällt mich schon wieder die Melancholie. Nischt ist neu, nischt ist originell,alles schon mal bedichtet und befummelt.

ich danke Euch herzlich für Eure melancholisierende Mitarbeit.
Jetzt muss ich mal was machen zum Thema "Fröhlichsein und singen".
Wenn ich mich aus dem Tal der Trauer zu den lichten Höhen des Frohsinns emporgewurstelt habe. Aber, wenn ich so die Gauck-Debatten betrachte: Wenig Grund zur Veranlassung, wie ein Kollege immer scherzte.

Gruß
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 21:08
@magda

dank dir für den chanson-text
und das wort
emporgewurzeltet.
nee, seh grad du schriebst
emporgewurstelt.

dank dir mit und trotz
gutgrüsse
lausemädchen
Magda schrieb am 13.06.2010 um 11:00
Hab ich vergessen,
Grüße zurück
Rosalix schrieb am 12.06.2010 um 18:07
Erstverschlimmerung: Depressive Verstimmungen. Manchmal habe ich bei sehr schönem Wetter eine unerklärliche Depression. Das fällt dann besonders auf, weil jeder glücklich über das "tolle Wetter" ist. Als ich das Letztemal so verstimmt war, habe ich den Heileffekt des Gestanks entdeckt! Das klingt jetzt nach Quatsch, ist es aber wirklich nicht. Ich trat aus Versehen in eine halbverweste Maus deren bestialischer Gestank einen tiefempfundenen (und lautstark bekundeten) Ekelanfall zur Folge hatte. Kurz darauf war ich wie verwandelt! Keinerlei Trübung mehr, alles Empfinden wieder vorhanden..Ist das Zufall?
Magda schrieb am 12.06.2010 um 18:19
@ Rosalix - auch interessante Überlegung und Beobachtung. Das mit der Maus hat so seine eigenen Seiten. Ein heftiges Gefühl bekämpft ein anderes Gefühl, vielleicht.

Insgesamt stelle ich selbst immer wieder fest, dass Stimmungen nicht ganz erklärbar sind.
Ich denke mir, man hat "seine Mitte", wenn Stimmungen einem wenigstens einleuchten. Ich kriege manchmal euphorische Gefühle, aus geringem Anlass. Lebensfreude einfach so.
Man soll sich auch gar nicht immer verstehen wollen, aber wenigstens mit sich auskommen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 18:29
Magda: "Insgesamt stelle ich selbst immer wieder fest, dass Stimmungen nicht ganz erklärbar sind."

Wie Magda, jetzt doch ganz so... ohne Homöopathie? Omannooo....
Magda schrieb am 12.06.2010 um 20:05
"Wie Magda, jetzt doch ganz so... ohne Homöopathie? Omannooo...."

Genau, jetzt wo Sie da sind, wirds allopathisch.
:-))

Aber ich weiß jetzt, wer Sie sind.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 20:47
Magda:
"Genau, jetzt wo Sie da sind, wirds allopathisch.
:-))
Aber ich weiß jetzt, wer Sie sind."

Ach Marga, kann doch jedem passieren...Hormonschwankungen mit 'der Homöopathie' zu verwechseln...;-).
Schön, dass Sie jetzt wissen, wer ich bin. Dann sind wir ja schon zwei...;-).
Magda schrieb am 12.06.2010 um 21:21
Lee Berthine und Felicitas. Wie schaffen Sie das immer mit den IP-Adressen.

Und vor allem: Was habe ich Ihnen denn getan?
Magda schrieb am 12.06.2010 um 21:22
"Und vor allem: Was habe ich Ihnen denn getan?"
Entschuldigung, das will ich eigentlich nicht wissen.
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 21:27
liebe magda,
lass dich nicht kirre machen!
gutgrüsse
lausemädchen
Rosalix schrieb am 12.06.2010 um 21:31
Starkes Gefühl, kämpft mit Empfindungslosigkeit!
Depression ist doch eher eine Abgeschnittenheit vom Leben und von Empfindungen, man versinkt in Schwärze oder besser in Gräue. Ich glaube, das über die Nase, bei heftigem unerwartetem Ekel, ein starker archaischer Schock ausgelöst wird, der die verstopfte Amigdala frei sprengt. Hört sich doch irgendwie plausibel an, oder?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 21:34
@Magda: "Lee Berthine und Felicitas. Wie schaffen Sie das immer mit den IP-Adressen.
Und vor allem: Was habe ich Ihnen denn getan?"

Lee Berthine? Felicitas? Ich beginne mich zu sorgen, Magda. Und wie meinen Sie das mit den IP-Adressen? Was haben die beiden Ihnen denn gegeben/getan, dass Sie sie hier wähnen?
Erklären Sie sich, Marga.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 22:58
@ Magda: "Lee Berthine und Felicitas. Wie schaffen Sie das immer mit den IP-Adressen."

Überlegst Du noch, oder hast du schon gemerkt, dass Du auf's falsche Pferd setzt? Oder auf der falsche Fährte bist?
Magda schrieb am 13.06.2010 um 11:01
"liebe magda,
lass dich nicht kirre machen!"

Ach iwo.
:-))
Joachim Petrick schrieb am 14.06.2010 um 02:38
@ Rosalix,

das klingt zwar heilsam, aber ich weiss nicht wie, irgendwo nach verlassenen, vergessenen Mösen, Pimmeln, die gen Himmel stänkerd stinken?

Wasser!
Marsch!
Wasser!
Marsch!

tschüss
JP
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 18:26
@Roslix.
Da Deine depressive Verstimmung homöopathisch über den Gestank "geheilt"/aufgehoben wurde, gehe ich davon aus, dass es sich bei Deiner Verstimmung um eine so genannte "Stinkelaune" handelte, die durch die Gabe eines Stinktieres...
Ich habe davon gehört, dass Kopfschmerzen nach dem homöopathischen Prinzip (Gleiches mit Gleichem behandeln) durch einen kräftigen Hau...
Oder habe ich das falsch verstanden...fragt irritiert
Leif
BanaBab schrieb am 12.06.2010 um 21:08
Leif,
tut mir leid, Dir erst mal Antibiotika zu verpassen war nicht nett von mir! Mache dreifachen Kniefall, wenn ich gwusst hätte wie Du auf Überpotentierung reagierst hätte ich mit D30 angefangen um Dich an mich gewöhnen zu lassen, nu ja, bin etwas stürmisch hier reingallopiert, eben junger Lamahenst :-)
(Kopfschüttel und das muss mir passieren in meinem Alter uiuiui)
Auch homöpatische D30 Grüsse (D1 wäre jetzt wieder fies gewesen hihi)
! und Chemie ist überall drin gell!
BB
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 22:01
@BanaBab...auf Antibiotika reagier' ich allergisch!
Du hast anscheinend gerade noch so die Kurve gekriegt...oder war ich das...;-))?
L.
BanaBab schrieb am 12.06.2010 um 23:08
Nein ich habe die Kurve gekriegt "(hätte ich jetzt was anderes gesagt hätte Leif Miles bestimmt Blödmann gesagt,... besser ich wiedersprech dem Mädel nicht,... ist grundsätzlich besser,.... muss ich irgendwann kapieren, wiedersprech Mädchen nie wenn´s um Imponderabilien geht" ) ....ich hoffe Du hast meine Gedanken nicht mitgehört!
lg und gute Nacht und tws!
BBB
Rosalix schrieb am 17.06.2010 um 23:45
Stimmt auffällig! So funktioniert die echte Helzung!!
Danke für die intelligente Interpretation!
Rosalix
Joachim Petrick schrieb am 12.06.2010 um 22:40
@ Magda,
es organisieren sich immer wieder Zeiten, mit und ohne den furchtbaren Gefreiten, da wird die Melancholie zur olympischen Disziplin unter Intellektuellen der Info- Gesellschaft, etliche ereilt diese womöglich
"Die Partei hat immer recht!"
sogar als des vorauseilenden Gehorsams erste Genossen/innen Pflicht.

Spaß beiseite, Ernst bleib hier!

Ich ahne und vermute, der Mensch hat die Melancholie seit seinem Geburt- Kanal- Erlebnis nach neun Monaten Wartezeit in der mütterlichen Fruchtblase als dessen Hintergrundgeräusch im Ohr, wie im Blute.

Melancholie ist also möglicherweise leise nur eine Frage, ob wir den Hintergrundgeräuschen unserer Organe zum Zeitpunkt unserer Geburt trauen, dass es sie gibt, diesen durch ein gezieltes oder ziellos Insichgekehrtsein Gehör verschaffen wollen oder nicht.

Vielleicht ist das der Grund, warum Melancholiker/innen auf die Frage:
"Was ist mit Dir los?"
gar nicht recht antworten können und mögen, weil sie still für sich denken:
"ich glaube ich spinne.
Mich tritt gleich ein Pferd?
Ich höre doch tatsächlich, ganz ferne nur und leise auf bemerkenswert untrügliche Weise Stimmenreich ein Hintergrundgeräusch wie ein hoch- und herunter dimmdes Wimmern!, bin ich das?, wenn ja, wenn nicht, wie viele sind das und warum höre ich die nur?"

Also sprach..., wer war es noch?!, es gibt wahrlich, ich sage euch, Dinge unter dem Himmel....und auf Erden... in sich selber lauschend, bei der Melancholie viel beim aufgespürten Wimmern im eigenen Ohr mit zu summen.

Überleg doch einmal:
"neun Monate lang ist der Mensch in der mütterlichen Fruchtblase nur mit seinem Gehör, dem zuerst ausgebildeten Sinnesorgan, zu gang.
Ist es da ein Wundern, dass da diffuse wie bestimmte ,unbestimmte Erinnerungen Signale im verlauf eines Lebens gerufen, wie ungerufen hochkommen?

tschüss
JP
Magda schrieb am 12.06.2010 um 22:52
"Überleg doch einmal:
"neun Monate lang ist der Mensch in der mütterlichen Fruchtblase nur mit seinem Gehör, dem zuerst ausgebildeten Sinnesorgan, zu gang.
Ist es da ein Wundern, dass da diffuse wie bestimmte ,unbestimmte Erinnerungen Signale im verlauf eines Lebens gerufen, wie ungerufen hochkommen?"

Auch eine faszinierende Überlegung. Es hört sich bestimmt alles an wie im Unterwasserfilm. Oder: Alles ist übertönt von Mozart, weil der so gut fürs Kind sein soll. Was mag man gehört haben? Was kann man da erinnern. Doch auch sehr kreatürliche Gluckergeräusche, wie im Teich vielleicht bei den Fröschen. Na, aber melancholisch wird man davon doch nicht, höchstens nachdenklich.
kay.kloetzer schrieb am 12.06.2010 um 23:00
es gibt ja auch die vocalyse, heilung durch individuell zusammengestellte klangrhythmen. dabei geht es um die interpretation des rhythmischen verhaltens organischer systeme, oder so.
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 23:03
warst du schon mal
auf nem/in nem teckno-gehör-erlebnis?:

froschbeinohne
mittendrin
alles glucksend
bewegung
nach luft und oben?
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 23:03
warst du schon mal
auf nem/in nem teckno-gehör-erlebnis?:

froschbeinohne
mittendrin
alles glucksend
bewegung
nach luft und oben?
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 23:03
warst du schon mal
auf nem/in nem teckno-gehör-erlebnis?:

froschbeinohne
mittendrin
alles glucksend
bewegung
nach luft und oben?
Joachim Petrick schrieb am 12.06.2010 um 23:06
das Gurgeln im Magen Darm Trakt der Mutter, das Hämmern ihres Herzens, das Seufzen, Pfeifen ihrer Lunge, die furzenden Abgänge von eigenen Blähungen, wie denen von Mama als wären es die eigenen, rauschende Wasserfall Geräusche, Plätschern in und aus der Blase, dazu das Stimmenreich der Mama, weniger des Papa in ganz weiter Ferne.

"Na, aber melancholisch wird man davon doch nicht, höchstens nachdenklich.",
wohl wahr, melancholisch ist man/frau nur solange bis die Geräusche aus dem fernen Stimmenreich geortet, erkannt, gewertschätzt, umarmt, geherzt und ohne Eile nach einer Weile verabschiedet sind bis zum nächsten Mal an dieser Stelle auf dieser Welle!?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 12.06.2010 um 23:13
Klingenden Klangschalen nachzulauschen, empfinde ich wie ein Öffnen von Kanälen, die mich einstimmen, achtsam den orchestrierten Geräuschen meiner Inneren Organe den Raum einer Philharmonie zu schaffen.
Magda schrieb am 12.06.2010 um 23:17
Vocalyse - das kann ich mir gut vorstellen. Finde Deinen Ton. Schwer, schwer. Vielleicht sind Komponisten alle Leute , die diesen Klangrhythmus suchen.
kay.kloetzer schrieb am 12.06.2010 um 23:19
genau, und wenn sie den vieler treffen, wird es ein hit.
Magda schrieb am 12.06.2010 um 23:30
Herrlich. oder die Revolution bricht los .
kay.kloetzer schrieb am 12.06.2010 um 23:33
schöne idee, wenn man mit einem universellen klangrhythmus eine revolution auslösen könnte. dann hätte der eurovision song contest wirklich einen sinn.
lausemädchen schrieb am 12.06.2010 um 23:36
fernes stimmenreich?

die ultimative esoterik-club-einladung?
muss das,und muss das auch noch hier sein?
fragt sich, nach abschalten des privatfernsehens

lm
Joachim Petrick schrieb am 13.06.2010 um 01:58
@ lausemädchen ,

"fernes Stimmenreich?"

das ist doch jenes Reich, wo die Stimmen der Nichtwähler/innen mit Antrag auf Asyl hin flüchten und sich wundern, dass da bereits die globalen Moneten der Proleten fahnenflüchtig bzw, gekapert ebenfalls ein Recht auf Asyl beanspruchen!?

tschüss
JP
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.06.2010 um 12:19
@ Magda:"Lee Berthine und Felicitas. Wie schaffen Sie das immer mit den IP-Adressen.
Und vor allem: Was habe ich Ihnen denn getan?"

Magda, ich habe dir die Gelegenheit gegeben, die Dinge gerade zu stellen.
Gerüchte streuen und abwarten, dass Misstrauen wächst ist perfide und gemein.
Jetzt weiß ICH, wer DU bist.
Magda schrieb am 13.06.2010 um 15:12
"Magda, ich habe dir die Gelegenheit gegeben, die Dinge gerade zu stellen.
Gerüchte streuen und abwarten, dass Misstrauen wächst ist perfide und gemein.
Jetzt weiß ICH, wer DU bist."

Ich bin eine, die sich morgen nochmal an die Moderation wenden wird in dieser Angelegenheit. Bis dahin bitte ich höflich um Geduld.

Aber, Sie können sich auch gern über mich beschweren. Ist völlig unbenommen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.06.2010 um 16:41
Liebe Marga, wende Dich gerne an wen auch immer, danach aber hätte ich gerne eine Entschuldigung und hier eine Richtigstellung von Dir.
Und ich würde gerne eine Antwort auf die Frage haben, WARUM Du mir andere Identitäten unterstellst. Würde mich mal interessieren.

Ich bin UNTER KEINEM ANDEREN NICK unterwegs und verbitte mir daher Deine völlig unbegründeten Unterstellungen.
Ich finde, es ist ein völlig inakzeptables Verhalten andere Menschen, allein aufgrund von irgendwelchen diffusen Verdächtigungen zu beschuldigen.

Bis morgen also, an gleicher Stelle.
archinaut schrieb am 13.06.2010 um 16:27
... habe Deinen schönen Beitrag schon gestern gelesen,
wollte unbedingt bald kommentieren, nicht zuletzt wegen der Erwähnung der wundervollen Weise "Scarborogh Fair".....
habe jetzt endlich Zeit, die lange Liste derr Einträge überflogen.....
fühle mich unsäglich melancholisch nun :-((
Magda schrieb am 13.06.2010 um 17:26
@ archinaut - danke Dir. Melancholisch bin ich inzwischen auch. Aber das legt sich bei mir immer wieder.
:-))
archinaut schrieb am 13.06.2010 um 17:39
archinaut schrieb am 13.06.2010 um 17:42
archinaut schrieb am 13.06.2010 um 17:54


PS: die Version von Simon & Garfunkel ist leider gesperrt :-((( Melancholie, ick hör Dir schon wieder trapsen...)
Magda schrieb am 14.06.2010 um 08:36
Die ist ja so schön "schön" - diese Version.
Da kommt die Melodie zur Wirkung.
Magda schrieb am 14.06.2010 um 09:59
Jetzt gleich nochmal:

1. ist schön unplugged.
2. Sarah Brightman ist schön "schön" wie schon gesagt.
Aber:
3. Celtic Woman was the best
Parsley, sage, rosemary, and thyme.
Remember me when you listen to her
She once was a true love of mine.

(Schöpferische Anverwandlung)
Ludwig Hasselberg schrieb am 15.06.2010 um 11:39
Ahh, "Scarborough Fair", der einzige mir bekannte Song, in dem Petersilie und weitere Küchenkräuter eine Rolle spielen! Den hole auch ich immer mal wieder raus. Falls sich Jörn Kabisch und Jakob Augstein jemals richtig böse streiten sollten (Gottbewahre), müsste man wohl dieses Lied spielen, und sie wären wieder versöhnt.
Immer mal wieder hören tue ich auch folgenden Song von besagter Sinead O'Connor: "The Last Day of Our Acquaintance". Und richtig gut ist auch ihre Version von "Nothing Compare 2U".
Und der Gesundbrunnen ist einfach nur krass.
Magda schrieb am 15.06.2010 um 11:53
@ Ludwig Hasselberg - Ja, ist ja eigentlich ein Kräuter-Song, bei dem die einzelnen Sorten, wie ich gehört hatte, auch ihre Bedeutung haben.

Danke für den Tipp - ich entdecke seltsamerweise diese O'Connor Sachen gerade erst .

"Nothing Compare 2U". - liebe ich. Habe ich auch auf dem MP3.

Den anderen suche ich mir auch noch.
Die hat schon eine ziemliche Gefühlsintensität. Sehr beeindruckend, manchmal am Rande der Selbstaufgabe.

Gruß
apatit schrieb am 15.06.2010 um 12:42
Magda, wie immer schön geschrieben! Sinn des Lebens: etwa, das keiner genau weiß. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf den Friedhof zu sein. P. Ustinov
oranier schrieb am 16.06.2010 um 17:34
Wenn ich in melancholische Stimmungen zu geraten drohe, lese ich solche Blogs voller Tiefsinn von dir, dazu die meist affirmativen und ebenso tiefschürfenden Kommentare, das trägt dann umgehend in hohem Maße zu meiner Erheiterung bei.

Auch wenn das gemeinsam ausgebreitete Wissen und das Denken nicht einmal ausreichen, um den Leser nach der Lektüre auch nur ein Quäntchen klüger ÜBER ein Gefühl zurückzulassen (Wer in Sachen Gefühl das Geringste auf jemanden gibt, die imstande ist öffentlich zu verkünden: "Ich entscheide selber, auf wen ich eifersüchtig bin", dem oder der ist ohnehin nicht zu helfen): macht nichts, Hauptsache, man ist sich einig IN einem Gefühl.

Dazu verhilft nicht zuletzt der unsägliche musikalische sentimentale Kitsch, der hier empfohlen wird. Dieser wird ja sicherheitshalber so produziert, wie er auf den Markt kommt, damit die Konsumenten mit seiner Hilfe in den gefühlsduseligen Zustand allererst hineingelangen, zu dessen Kompensation sie ihn zu brauchen meinen. Ein circulus vitiosus entsteht so, das schafft suchtmäßige Abhängigkeit bei den Konsumenten und Profite für die Musik-Billigwaren-Industrie.

Ach so, wo wir bei dem Thema sind: Selbstverständlich ist Homöopathie die Lösung. Morgens als erstes wieder ein Gläschen, das hebt den Spiegel und die Stimmung.
Magda schrieb am 16.06.2010 um 18:44
@ oranier - "Wenn ich in melancholische Stimmungen zu geraten drohe, lese ich solche Blogs voller Tiefsinn von dir, dazu die meist affirmativen und ebenso tiefschürfenden Kommentare, das trägt dann umgehend in hohem Maße zu meiner Erheiterung bei."

Siehste oranier, es wirkt. Sag ich doch.
Und nun gehen wir wieder auf Stilwache. Husch, husch. :-))
Titta schrieb am 16.06.2010 um 19:32
Schöne kritische Gedanken zum Thema, Oranier.

Daß einig sein IN einem Gefühl, ist ja wirklich oft in der FC anzutreffen. Hat auch seine, nicht zu verachtende, Funktion.
Allerdings stimme ich mit dir in deiner Kritik überein, denn ÜBER (ein) Gefühl wird eher selten wirklich reflektiert. So kommt es dann zu solchen Aussagen/Annahmen wie die, daß Gefühle beherrschbar wären.
Die Unterscheidung zB zwischen Melancholie und Gefühlsduselei zu diskutieren, fände ich interessant. Oder diese oft unselige Unterscheidung zwischen Bauch-/Gefühls- und Verstandesmenschen. Ich verfechte ja die These, daß die eigentlichen, die wahren Gefühlsmenschen ausgerechnet die Verstandesmenschen sind, weil die ihre Gefühle am gewissenhaftesten durchdenken.
Wir müßten mal so was wie einen philosophischen Chat aufmachen, Oranier.

LG
Titta
hibou schrieb am 17.06.2010 um 10:07
"Quand un bateau passe
Quand un train siffle
Quand un avion s'envole dans le ciel
Amèrement moi je me dis
Que si ils n'existaient pas
Peut-être alors
Serais-tu là...."
hibou schrieb am 20.06.2010 um 18:54
und was war nu mit felicitas und Lee und so?
hibou schrieb am 21.06.2010 um 18:23
menno die antworten net
Cassandra schrieb am 22.06.2010 um 09:14
Buschtrommel probieren? :)
hibou schrieb am 22.06.2010 um 12:28
aufn Busch hauen?
Cassandra schrieb am 23.06.2010 um 12:08
Armer Busch.
oranier schrieb am 24.06.2010 um 01:33
@ Titta

"Die Unterscheidung zB zwischen Melancholie und Gefühlsduselei zu diskutieren, fände ich interessant."

Mich interessiert hier zumal der Aspekt melancholische Musik, ihre ästhetische Qualität und ihre Funktion. Wo sie kranken Menschen zur Selbstheilung verhilft, verbietet sich eigentlich eine ästhetische Kritik, und die Plattenindustrie senkt unsere hohen Gesundheitskosten. Daran gibt es nichts zu bemängeln. Was ich jedoch in dem Zusammenhang mit "Gefühlsduselei" angesprochen habe, ist eben, wie beschrieben, genau dies, was auch die kommerzielle, und anti-aufklärerische Funktion von rührseligen literarischen und Film-Produkten ausmacht: Es werden scheinhafte Gefühle im Wechsel synthetisch erzeugt und "geheilt", während die Menschen zugleich für die gesellschaftlichen Ursachen ihrer Depressionen (in dem doppelten von Wolfram beschriebenen Sinn!) stumpf, im Wortsinn gefühllos gemacht werden.

Dass aber Musik Gefühle erzeugt, das kritisiere ich natürlich keineswegs, wie du im anderen Blog anzunehmen scheinst. Im Gegenteil, das ist doch die genuine Funktion von Musik. Ich war den Nachmittag von ausgesprochen melancholisch-traurig gestimmt, weil ich verschiedenen mir als Exempla geeignet erscheinende Stücke in jeweils verschiedenen Interpretationen angehört habe und gefühlsmäßig davon affiziert war.

Der mir am vorzüglichsten geeignete „Song“, traurig-melancholische Stimmung auszudrücken und zu erzeugen, ist die Arie „Lascia ch'io pianga" („Lass mich beweinen mein grausames Schicksal“) aus der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel.

Meine bevorzugte Interpretation aus einigen ausgewählten ist hierbei die mit Philippe Jaroussky:

www.youtube.com/watch?v=fRHJXDxQJL4&NR=1

Musikalisch absolut ebenbürtig ist die von Cecilia Bartoli, die mir aber einen Tick zu langsam ist. Jedoch ist sie, entgegen der üblichen etwas effekthaschenden barocken Manier der Bartoli, von noch größerer Innigkeit als die von Jaroussky.

www.youtube.com/watch?v=peJxkzPSQFg&feature=related

Meine große Favoritin unter den Sopranistinnen, in die ich mich verlieben könnte und wo meine Chancen so schlecht nicht stünden, weil ganz Europa in eine allerdings konkurrenzlose andere Sängerin verliebt ist, ist Angela Gheorghiu. Allein, ihre Interpretation ist mir zu dramatisch. Händel ist nicht Puccini.

www.youtube.com/watch?v=jCRLAgKuTFI&feature=related

Das gleiche gilt für Renée Fleming, die „schönste Stimme der Welt“

www.youtube.com/watch?v=LjycNVMTmeU&feature=related

Aber was ist das alles gegen die hier auch schon präsente Sarah Brightman? So kann man auch die großartigste Musik verunstalten, wenn man meint, den Gefühlsgehalt, der im Werk schon in solch hohem Maße enthalten ist, noch steigern zu können und zu müssen durch süßliche Instrumentierung (Harfe, Oboe), Halleffekte und einen effekthaschenden Vortrag. Der unglaubliche Reichtum mimischer und gestischer Möglichkeiten, ist der nun parodistischer Absicht geschuldet oder zeigt sich hier in der Beschränkung die Meisterin?

www.youtube.com/watch?v=GpP-U9dXSVA&NR=1
oranier schrieb am 24.06.2010 um 01:36
Als Zugabe für die besonders Interessierten, die danach noch nicht genug haben, ein Asschnitt aus dem ergreifenden Film „Farinelli der Kastrat“. Der Film über einen der berühmtesten Kastraten des 18.Jh. ist opulent, ans Herz gehend, unterhaltsam und bildend zugleich.

Farinelli war ein international gefeierter und hochbezahlter Popstar, zugleich aber, wie alle Kastraten, verachtet und diskriminiert. Er wurde auf dem Höhepunkt seiner Karriere von der Partei der Händelgegner nach London in das Konkurrenzhaus des Händelschen Opernhauses engagiert. Soweit ist die Geschichte historisch, die Szene zeigt eine wahre, aber nicht authentische Begebenheit. Händel will Farinelli engagieren nennt ihn aber, als der mit zu hohen Gagenforderungen kommt, einen Karpaun, worauf Farinelli Händel ins Gesicht spuckt und im Opernhaus der Konkurrenz drittklassige, bloß auf bravouröse Effekte setzende Arien seines Lehrers Porpora und seines Bruders Ricardo Broschi singt. Aufgrund seiner musikalischen Urteilsfähigkeit träumt er jedoch davon, eines Tages sich mit Händel zu versöhnen und dessen höherwertige Musik zur Aufführung zu bringen, die er anhand gestohlener Partituren einstudiert.

In der Szene singt er auf der Bühne, während Händel und sein Bruder oben in der Maschine weilen und zuhören. Händel wirft ihm von oben einen Zettel hinunter in dem er ihm eröffnet, dass seine Kastration nicht aufgrund eines Unfalls, sondern von der Hand des Bruders erfolgt ist.
Farinelli singt nun dies: „Lass mich beweinen mein grausames Schicksal!“ und besiegt damit seinen Kontrahenten Händel, der in der Loge einen Herzanfall erleidet. Während des Autritts kommt ihm die Erinnerung an die Kastration.

Farinelli tritt von der Bühne ab und reist für einige Monate nach Spanien, wo er aber, von der Königin engagiert, um dem gemütskranken Thronfolger vorzusingen, 25 Jahre bleibt und einer der einflussreichsten Männer am Königshof wird, ohne sich aber an den Intrigen zu beteiligen. Er tritt nicht mehr öffentlich auf, sondern singt dem kranken Thronfolger und späteren König zehn Jahre lang jeden Abend dieselben sechs Lieder vor. Man mag sich vorstellen, dass diese Arie dabei war und in ihrer Innigkeit dem Enfanten und König die Seele getröstet hat.

Die Stimme, die man hört, ist ein Wunderwerk zeitgenössischer Technik: ein Computerzusammenschnitt aus einer Sopran- und einer Tenorstimme, die den Kastratenstimmen ähnlich kommen soll dadurch, dass die Kastraten die kurzen Stimmbänder und also ihre Knabenstimmen behielten, jedoch wegen des männlichen Kehlkopfes die Stimme einen sonoreren Klang hatte als die Stimmen von Frauen und Knaben.

Wäre damals schon bekannt gewesen, dass auch bestimmte Männer durch bloße Stimmtechnik Sopranstimmen (Countertenor) singen können, wie oben Philippe Jaroussky, hätte man sich die massenhaften Kastrierungen ersparen können und damit viel Leid.

www.youtube.com/watch?v=ZNp8hYycx4c
Titta schrieb am 24.06.2010 um 02:26
Lieber Oranier,

und das alles in einer Nacht, in der der Mond leuchtend rund am Himmel steht und die Luft geschwängert ist vom betörenden Duft der Lindenblüten.

"Dass aber Musik Gefühle erzeugt, das kritisiere ich natürlich keineswegs, wie du im anderen Blog anzunehmen scheinst."
Das nahm ich nicht an, denn ich hatte durchaus verstanden, daß deine Kritik sich auf die Kommerzialisierung, nicht auf die Gefühle an sich bezieht.

Aber Mond und Lindenblütenduft, ja selbst "Lascia ch'io pianga", können ein sehnsüchtig Herz nicht zur Gänze füllen in einer Sommernacht wie dieser. Dazu bedarf es eines lebendigen Wesens.
Gefühlsduselei oder Melancholie hingegen sind nur was fürs Alleinsein. Dazu braucht es kein zweites Wesen. Weshalb letztere Gefühlsregungen auch so egozentrisch sind.

Liebe Grüße
von einem Romantiker zum anderen.

(Paß auf, du verwirrst sonst Magda noch total, so ganz ohne Hackebeilchen.)
Cassandra schrieb am 24.06.2010 um 03:37
Ich muss kurz die Zweisamkeit stören, für eine kleine Anmerkung noch; zu dem Rest, das weiß oranier, stehe ich wie er.

Renée Flemings Interpretation ist zwar nicht mein Favorit, du sagst es, wenn diese Tränen fließen, ist weniger mehr. Aber bei ihr hat die Verzierung einen besonderen Charme, weil man von der Stimme gleichzeitig getragen wird. Einen Charme, den Angela Gheorghius 'Dramatik' missen lässt.

Bei Gheorgiu ein wenig (da ist es mehr süßlich, noch nicht klebrig), viel mehr aber noch bei der grässlichen Baum-auf-dem-Kopf-Version von Brightmann, kommt zum Ausdruck, was Molière beschrieb, zumindest seine Film alter ego:

Man kann Mann sein, der ein Pferd spielt. Oder man kann das Pferd sein. In diesem Falle: Man kann sich in eine trauernde Frau hinein fühlen - oder man kann eine trauernde Frau darstellen, oberflächlich. Ich ginge sogar noch einen Schritt weiter. Sobald man sich selbst wichtiger nimmt, als das, was die Rolle ist, kommt Murks heraus. Reine Selbstdarstellung. [Daran kann man gewiss auch den Charakter der Sängerinnnen ein wenig fest machen...]
Titta schrieb am 24.06.2010 um 20:47
"bei der grässlichen Baum-auf-dem-Kopf-Version von Brightmann"

:-))
Ich hab nur geguckt und keinen Ausdruck für mein Entsetzen finden können. Danke dafür!
Das Kleid sah aus wie ein Nachthemd und dann dies Ding auf dem Kopf. Ich wurde von argem Fremdschämen befallen.
hibou schrieb am 24.06.2010 um 07:22
Aman, Oranier... was machen die ohne youtube? Aber "Lascia...." und auch Farinelli sind lange schon in unserem Favoritenschatz (im Übrigen auch anzuhören, ohne melancholisch zu werden. Die Musik ist/waere also nicht Ursache, sondern eher Remedium?)
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