Magda

Mal sehen

13.07.2009 | 11:31

IGel - Individuelle Gesundheitsleistung

Ich war vor kurzem zur Voruntersuchung für eine bevorstehende Graue-Star-Operation. Ich bekam ein Info-Blatt, in dem – neben allen wichtigen Sachen - auch ziemlich Undeutliches stand. Es gäbe – neben der verwendeten Ultraschall-Vermessung des Augapfels - noch eine bessere Methode, IOL, ein lasergestütztes Verfahren, bei der die Berechnung der Stärken der zukünftigen Kunstlinse noch treffsicherer wäre. Das  aber koste zusätzliches Geld, sei also eine IGel – Leistung.

Das wollte ich nicht und erklärte dies der operationsvorbereitenden Ärztin. Am Sonntag rief mich die Operateurin selbst an und bearbeitete mich am Telefon, ob ich diese Untersuchung nicht doch machen wolle. Es sei – bei meiner Ausgangslage – doch auch gut, wenn ich genau wüsste, welche Dioptrien ich später am operierten Auge hätte.

 

Ich antwortete ihr, ich ginge nach wie vor vertrauensvoll davon aus, dass mir die Krankenkasse  – auch in der schwierigen Gegenwart – eine Operation finanziere, bei der ich von einer guten Vorbereitung ebenso ausgehen könne wie einem optimalen Ergebnis. Ich würde ohnehin – auch nach der OP - eine Brille tragen und da sei es mir im vorhinein nicht so wichtig, welche genaue Dioptrien ich dann hätte. Hauptsache, ich sehe wieder klar. Und außerdem käme im nächsten Jahre die gleiche OP am anderen Auge dran. Das koste dann wieder. Daraufhin jammerte sie, wie viele Leistungen jetzt zusätzlich aber wichtig seien. usw.

Ich fragte zurück, ob denn der Verzicht auf diese Untersuchung tatsächlich die Wahrscheinlichkeit des Misslingens der Operation erhöhe. Das erschreckte sie dann doch, sie wurde „einsichtig“ und ging in die Defensive, ließ ab von mir und versicherte, dass – abgesehen von den immer einzukalkulierenden Risiken - der Verzicht auf diese zusätzliche Leistung nicht bedeute, dass die Operation generell riskanter würde.

Was ist da los? Deutlich wurde, dass es OP’s gibt, bei denen in der Tat die Patienten völlig auf eine Brille verzichten wollen und die brauchen natürlich diese genauere Untersuchung und bezahlen ohnehin fast alles selbst. Aber so ein Gerät  finanziert sich eben nicht mit dieser Gruppe allein.

Diese IGel –Leistungen sind inzwischen sehr in der Kritik, wie die meisten auch wissen.

Man entkommt ihnen aber fast nirgends mehr. Und man kann nicht immer absehen, ob sie wichtig und nur nicht mehr finanziert oder völliger Schnickschnack sind. 

www.vdaeae.de/index.php?option=com_content&;;task=view&id=288&Itemid=1

Auch der „verein demokratischer ärztinnen und ärzte“ (vdää) wandte sich kürzlich gegen das IGel-UnWesen.  Er fordert ein generelles Verbot. Und erklärt:

„Medizinisch notwendige Leistungen müssen von den Kassen übernommen werden. Unnötige Leistungen sind unethisch und sollten nicht erbracht werden.“Auch die heutigen Nachdenkseiten verweisen auf das Thema.

www.nachdenkseiten.de

 

 
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