Magda

Mal sehen

07.11.2011 | 14:04

Interessante Statistik - einfache Diagnose

Es gibt immer nur zwei Wege, wie sich ein Staat finanziert. Entweder der Staat treibt zwangsweise Steuern ein oder er erbittet freiwillig gewährte Kredite von den "Märkten". Steuern muss er nicht zurückgeben, Kredite muss er zurückzahlen.

 

Einen interessanten Artikel zu diesem Thema hat heute ein Leser der Nachdenkseiten verlinkt.

 

Da hat sich der spanischer Staatssekretär, Diego López Garrido, mit der Frage beschäftigt, wie sich die Staatshaushalte der führenden OECD-Staaten in den vergangenen 40 Jahren finanziert haben.

 

10 Prozent

in 20 Jahren

Innerhalb der OECD wuchs die Steuerlast in den Jahren von 1967 - 1987 um 10 Prozent. Dies waren die Jahre, in denen der Sozialstaat ein favorisiertes Modell war. Der Staat also finanzierte diese sozialen Abgaben mit Steuermitteln.

 

1 Prozent in

20 Jahren

In den Jahren 1987 - 2007 wuchs das Steueraufkommen gerade mal um 1 Prozent. Was bedeutet, dass die sozialen Ausgaben weitgehend über die Verschuldung finanziert wurden. Eine Last, die sich so nicht hätte aufbauen müssen, wenn nicht alle Staaten so ungeheuer blind den Pfeiftönen neoliberaler Rattenfänger gefolgt wären. Die Steuerlasten anzuklagen, das fand auch bei den Normalverbrauchern immer ein positives Echo, aber dahinter wird verborgen, dass sogar Steuererleichterungen gegenwärtig nur noch über Schuldenerhöhung oder Verzicht auf Schuldenabbau möglich sind. Und der Verweis auf die Enkel, die unsere Schulden einst bezahlen müssen, ist ein genau so verlogener populistischer Trick.

Entsprechend stieg auch der Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt. Diese Zahlen lasse ich hier weg, die kann man bei Interesse nachsehen.

 

 Der Autor fordert dringend: "Unumstößlich ist, dass der Sozialstaat ohne ausreichende Steuermittel in eine Dynamik der Erschöpfung gelangt, die schwierig rückgängig zu machen ist. Deswegen, ist dies die Stunde des Versteuerung, und nicht die Stunde der grenzenlosen Verschuldung."

Mit anderen Worten, die Einnahme-Seite - die Steuern- müssen gestärkt werden statt die Ausgabenseite in den Brennpunkt zu nehmen: Denn das bedeutet nichts anderes, als das was wir momentan in Griechenland sehen: Kaputtsparen auf Kosten der sozial Schwachen.

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.11.2011 um 15:26
Jaja, die Statistik.

Die Steuerentwicklung der OECD-Staaten interessiert mich nur sekundär.

Die Steuerentwicklung in Deutschland, von der ich derbe betroffen bin, ist für mich primär.

Nichts ist stärker in Deutschland seit 1950 angestiegen, als die Steuerlast, vor allem durch die Progression der Lohn-/Einkommenssteuer.

Die ganzen Wahlgeschenke sind seit Jahrzehnten jeweils von unseren erbärmlichen Politikern aller Parteien, damit sie gewählt werden, immer mit ungedeckten Schecks finanziert worden.
An der Ausgabenseite wurde nie reduziert!
Deshalb sind besonders durch Sozialtransfers immense Schulden gemacht worden.
Für den Kapitaldienst (Zins und Tilgung) der Schulden für die öffentlichen Haushalte werden aufgrund dieser sozialistischen Politik bereits ca. 50! Milliarden €/Jahr ausgegeben.
Viel mehr, als für die Landesverteidigung!

Vor diesem Hintergrund wollen die Sozen und Kommunist noch mehr Steuern eintreiben, falls sie die Wahlen gewinnen.
Natürlich nur für die "Reichen"!

Die "Reichen", dass sind gemäß der Definition von Sozen und Kommunisten mittlerweile bereits Facharbeiter und Angestellte ab 60.000 € Jahresverdienst.
Jetzt versuchen die Sozen und Kommunisten diesen Umstand in Wahlkämpfen zu kaschieren, damit sie auch noch Wahlstimmen von Facharbeitern und Angestellten erhalten.
*schlapplach*

finance.wiwi.tu-dresden.de/Wiki-fi/images/1/1c/SteueraufkommenEntwicklung.jpg

In diesem link können Sie die Entwicklung der Schulden für die öffentlichen Haushalte erkennen:

www.trader-inside.de/files/schuldenstand_d_2010_780.jpg
Magda schrieb am 07.11.2011 um 15:37
Herzlichen Dank, das "ergänzt" und demonstriert auf komplementäre Weise, was ich oben angedeutet habe. Wenn nicht mehr Steuern gezahlt werden, erhöht sich die Staatsverschuldung. Aber das wollen Sie nun auch nicht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.11.2011 um 15:43
Magda schrieb am 07.11.2011 um 15:37
>>Aber das wollen Sie nun auch nicht.<<

In finde, Sie sind heute sehr humorvoll!
Welcher steuerzahlende Bürger möchte denn gerne für höhere Schulden der öffentlichen Haushalte gerne noch mehr Abgaben entrichten?

Auf uns werden wegen der ausgeuferten Schulden derbe Sparprogrammen zukommen.
Weniger stark als in Griechenland, Italien oder Frankreich. Aber trotzdem noch derbe genug! :-(
Magda schrieb am 07.11.2011 um 15:57
Ich habe meistens Humor, aber heute haben eher Sie den und merken es aber - noch - nicht.

"Welcher steuerzahlende Bürger möchte denn gerne für höhere Schulden der öffentlichen Haushalte gerne noch mehr Abgaben entrichten?" - Niemand möchte das.

Aber alle wollen - können wir uns drauf einigen? - einen Staat, der sich so finanziert, dass er nicht Jahre später eine Bombe im Haushalt hat und von den "Märkten" abhängig ist. Das kann man nur vermeiden, wenn man das über die Einnahmeseite macht - über Steuern und das schon viel früher.

Das ist der Gag an dieser Statistik. Seit Jahrzehnten gehen die Steuereinnahmen zurück - dann gibts eben Schulden und das wird noch teurer, wie Sie selbst ja feststellen.

Natürlich ist das eine Folge dieses neoliberalen Geredes von Privatisierung und Niedrigsteuern und all so ein Quark.

Ich zahle auch nicht gern höhere Steuern, aber ständige Steuergeschenke - und die gehen eben nicht an den Mittelstand, wie Sie einer sind -sondern an die großen Unternehmen. Das ist der Punkt.
Ich fand, dass diese OECD-Statistik das sehr einfach auf den Punkt bringt.
Richard der Hayek schrieb am 07.11.2011 um 17:06
Ich schätze ausgefeilte Meinungen wie die von Kritiker sehr.

Der Clou besteht aber darin, daß die Konzerne keine Steuern mehr bezahlen. Da geht es um hunderte Milliarden bis Billionen, jedes Jahr.
Was sollen die Arbeiter zahlen, die eh kaum was bekommen ?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.11.2011 um 18:39
Richard der Hayek schrieb am 07.11.2011 um 17:06
>>Der Clou besteht aber darin, daß die Konzerne keine Steuern mehr bezahlen.<<

Hallo Herr @Richard der Hayek,
nach meiner Meinung, ganzheitlich betrachtet, ist es letztlich nicht so relevant, ob die Gier von Politikern nach mehr Steuern von Arbeitnehmern direkt oder von den Konzernen entrichtet wird.
Weil nämlich die Konzernsteuern auch von den Arbeitnehmern erwirtschaftet werden müssen.
Vorausgesetzt, der Ertrag wird gerecht zwischen Arbeitnehmern und Kapitalseignern gerecht verteilt, ist es deshalb wurscht, wo die Steuern herkommen.
Würde man die Konzernsteuern erhöhen würde, wäre der Spielraum für Tariferhöhungen entsprechend geringer.
Etwas Bedenken hätte ich eher bei der innerbetrieblichen Aufteilung des Ertrages zwischen den Arbeitern und einfachen Angestellten und dem Topmanagement, welches häufig ca. 150 - 200 mal mehr ausbezahlt bekommt, als "normale" Arbeinehmer.
Verteilt man aber die Vorstandsgehälter auf die gesamte Belegschaftsstärke, käme für die "normalen" Arbeinehmer auch nicht so sehr viel mehr Einkommen heraus.
Insofern würde man nur eine Umshiftung des Steueraufkommens zwischen direkten Loh-/Einkommensteuern und Konzernsteuern erreichen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.11.2011 um 18:41
Würde man die Konzernsteuern erhöhen würde,

2. würde muß mweg
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.11.2011 um 18:41
Würde man die Konzernsteuern erhöhen würde,

2. würde muß weg
Rosa Sconto schrieb am 07.11.2011 um 20:37
Pfeiftöne neoliberaler Rattenfänger höhren sich wirklich gut an. Auch wenn ich mir die "Nachdenk"-Seiten wegen ihrer pupolistischen Ergüsse nicht antuen möchte, so schlecht hört sich doch eine MWST gar nicht an liebe Magda, selbst wenn die nur, sagen wir 'mal um 0,5% erhöht wird. Ist doch viel besser an als so 0,01% Transaktions, ("Robin-Hood") Steuer. Oder? Leere Kassen werden nur voller durch wirkliche Zahlung. Darum bin ich auch nicht aufgeregt sondern realistisch. Auch wenn das Italkien nicht aus dem Schlamassel befreit. Wir zahlen. Basta.
Fro schrieb am 07.11.2011 um 21:58
Da gibt es noch reichlich Spielraum für Finanzierungsmöglichkeiten notwendiger lebensqualitätsfördernder Maßnahmen. Auffällig ist, dass in Ländern,in denen mehr Steuern erhoben werden, die Lebensqualität und allgemeine Zufriedenheit in der Regel sehr hoch sind. Auch ist mir nicht bekannt, dass Vermögende, die man für höhere Steuerabgaben heranzog, in existenzielle Schwierigkeiten geraten wären.







Quelle: Steuer- und Abgabenquote Jjahnke.net
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 08:06
Fro schrieb am 07.11.2011 um 21:58
>>Da gibt es noch reichlich Spielraum für Finanzierungsmöglichkeiten notwendiger lebensqualitätsfördernder Maßnahmen.<<

Fragt sich nur, wer für wen finanzieren soll.
In den o. a. Grafiken fehlt der Hinweis, welche Einkommensschicht wie stark an den Steuereinahmen beteiligt wird.

Der "Progressionsbauch" in der Steuertabelle trifft nämlich heute schon normale Facharbeiter, Handwerksmeister und Angestellte ganz erheblich.

Welche Einkommensschicht von den ca. 40 Millionen Sozialversicherungspflichtigen bezahlt denn heute schon wieviel von der Einkommenssteuer?

Die oberen 1 % davon bezahlen 19,8 %,
die oberen 10 % davon bezahlen 50,7 %,
die oberen 20 % davon bezahlen 67,4 %,
die oberen 50 % davon bezahlen 92,5 %,
die unteren 50 % davon bezahlen 7,5 %
die untern 20 % davon bezahlen 0,1 %

Trotzdem wollen Sozen und Kommunisten wollen bei einem Wahlsieg die von ihnen selbst so definierten "Reichen" ab 60.000 € Jahresverdinest noch höher besteuern als heute schon!

So läuft der Hase hier!

Wer zur sogenannten "Mitte" gehört, müßte folglich reichlich beschränkt sein, wenn er Sozen oder Kommunisten wählen würde.

Herr @Fro, zu ihren Zahlen gehören in diesem Zusammenhang auch die Abgaben für Sozialversicherungen.
In einigen Ländern werden nämlich Renten und das Gesundheitswesen viel stärker über Steuern finanziert als bei uns.
Dazu muß auch gesagt werden, dass der Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherungen auch von den Arbeitnehmern in den Betrieben erwirtschaftet werden muß.
Dadurch haben normale Angestellte ab einem Bruttoeinkommen von ca. 60.000 €/Jahr unter Berücksichtigung der Einkommensteuer, der indirekten Steuern wie MwST, Mineralölsteuern usw. sowie den Sozialversicherungsabgaben (inc. Arbeitgeberanteil) nur noch ca. 30 % als Netto von ihrem Einkommen übrig!

Und die Sozen und Kommunisten wollen noch mehr einbehalten!
Pfui, Pfui und nochmals Pfui!

www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/einkommensteuer-10-prozent-zahlen-50-prozent-1490750.html
Magda schrieb am 08.11.2011 um 08:56
@ Fro - danke das ist die erklärende Statistik dazu.
Magda schrieb am 08.11.2011 um 08:58
"Fragt sich nur, wer für wen finanzieren soll.
In den o. a. Grafiken fehlt der Hinweis, welche Einkommensschicht wie stark an den Steuereinahmen beteiligt wird."

Ja sicherlich, es ist völlig legitim, darüber zu streiten. Auch ohne Sozen und Linken-Pfui-Bashing.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 09:09
Magda schrieb am 08.11.2011 um 08:58
>>Ja sicherlich, es ist völlig legitim, darüber zu streiten. Auch ohne Sozen und Linken-Pfui-Bashing.<<

Ich vermisse bei den Sozen und den Linken dann aber auch klare Hinweise in Wahlkämpfen dazu.

Besonders die Sozen setzen immer auf die "Mitte", sagen aber nicht deutlich, dass sie dieses in ihren Plänen noch stärker schröpfen wollen.

Besonders schlau sind die Linken.
So wollte Gysi im letzten Wahlkampf alle Armen reich machen und danach alle Reichen stärker besteuern. *schlapplach*

Aus den vorgenannten Gründen ist mein Bashing berechtigt, finde ich.
Fro schrieb am 08.11.2011 um 14:26
@Kritiker01

Du glaubst wirklich, die Vermögenden würden die meisten Steuern zahlen?

Es wird leider nie die Frage gestellt, woher die Großeinkommensbezieher ihre hohen Einkommen eigentlich beziehen. Und es wird nie über die einfache Tatsache gesprochen, dass sämtliche Abgaben, die ein Unternehmer und alle seine Angestellten zu leisten haben, in den Produkt- oder Dienstleistungspreis eingepreist sind.
Sämtliche Steuern werden letztlich vom Endverbraucher bezahlt.

Siehe auch meinen Blog: Die größte Steuerlüge aller Zeiten
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 22:15
Fro schrieb am 08.11.2011 um 14:26
>>Du glaubst wirklich, die Vermögenden würden die meisten Steuern zahlen?<<

Nein, das glaube ich ganz gewiß nicht.
Die wirklich Vermögenden können sich (leider gesetzlich zulässig :-( ) vorm Finazamt arm rechnen lassen.
Ich glaube, dass ich persönlich prozentual gesehen zu der Einkommensgruppe gehöre, die am meisten Steuern und andere Abgaben entrichten muß.
Deshalb ist hinsichtlich der immer wieder von den Sozen und ganz Linken beschworenen
"S O L I D A R I T Ä T" (kotz)
nach meinem persönlichen Ermessen schluß mit Lustig!
chrislow schrieb am 07.11.2011 um 22:13
Angenommen, es kommt so, dass zum Beispiel Griechenland (und vielleicht noch weitere Länder) wirklich aus dem Topf aus dem Schuldensumpf herausbezahlt werden, dann spielt es keine Rolle, was Kritiker1 so vorbringt. Denn es ist Politik, die auch diese Menschen einmal gewählt und akzeptiert haben - also die Bildung der Eurozone, Wirtschaftszielsetzungen, Liberalisierung ... usw.

Aber schon ohne diese Belastung braucht sich niemand hier seiner "Steuerlast" zu beschweren. Das Gebilde "Bundesrepublik" ist im Zweifel nur so zusammen zu halten. und wenn sie wollen, dass es bestehen bleibt, dann werden sie zahlen müssen.

Aber meckern und jammern ist ja leider schon lange in Mode - egal, wie "vermögend" wer ist, beschweren kann man sich ja mal vorsorglich...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 14:10
chrislow schrieb am 07.11.2011 um 22:13
>>...dann spielt es keine Rolle, was Kritiker1 so vorbringt. Denn es ist Politik, die auch diese Menschen einmal gewählt und akzeptiert haben - also die Bildung der Eurozone, Wirtschaftszielsetzungen, Liberalisierung ... usw.<<

Einspruch Euer Ehren!
Die Menschen haben Politiker gewählt, welche z. B. die Maastricher Konvergenzkriterien mit dem "no bail out" Passus festlegten.
Danach wurde dieser Passus und andere Verträge gebrochen, ohne das Volk zu befragen!
Ich hätte niemals einen Politiker gewählt, der solche Vertragsbrüche sanktioniert!
Magda schrieb am 08.11.2011 um 17:35
Hm, das ist eher ein Statement, das mehr genereller Natur ist. Und das gilt nicht nur für Fragen der Finanzierung, der Staatsschulden und der Steuereinnahmen.

Wenn sie so gegen die Sozen wettern, dann müsste Ihnen Angela Merkel näher stehen? Die aber macht das doch im Moment gerade mit den Vertragsbrüchen usw.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 22:19
Magda schrieb am 08.11.2011 um 17:35
>>Wenn sie so gegen die Sozen wettern, dann müsste Ihnen Angela Merkel näher stehen? Die aber macht das doch im Moment gerade mit den Vertragsbrüchen usw.<<

Nein, die FDJ-Angie steht mir überhaupt nicht nahe.
Die würde ich zusammen mit der CDU ganz sicher nicht wählen.
Den restlichen Schei*haufen im Bundestag auch nicht!
claudia schrieb am 08.11.2011 um 13:44
>>Aber meckern und jammern ist ja leider schon lange in Mode - egal, wie "vermögend" wer ist, beschweren kann man sich ja mal vorsorglich...<<
Und die in den vergangenen 12 Jahre am Meisten verloren, jammern und meckren am Wenigsten, denn sie sind mit dem Überleben voll ausgelastet. Die sich von ihren Herrchen zum lauten Bellen animieren lassen sind diejenigen, denen die Puste noch nicht ausgegangen ist. Ich kenne das aus dem früheren Kollegenkreis: Gerade die das Propagandageschrei mit der grössten Begeisterung mitgemacht hatten, waren am stillsten und depressivsten, als es sie selber erwischte.

---
>>Unumstößlich ist, dass der Sozialstaat ohne ausreichende Steuermittel in eine Dynamik der Erschöpfung gelangt, die schwierig rückgängig zu machen ist....<<

Unumstößlich ist, dass der Militärstaat ohne ausreichende Steuermittel in eine Dynamik der Erschöpfung gelangt, die schwierig rückgängig zu machen ist…<<

Soviel dazu, dass jeder etwas Anderes als „guten“ und „schlechten“ Steuerverbraucher definieren kann.

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In der BRD sollten Renten, Behandlung im Krankheitsfalle und eine Arbeitslosenversicherung ausdrücklich nicht aus Steuermitteln finanziert werden, sondern aus Beiträgen der Versicherten. In Zeiten so genannter „Vollbeschäftigung“ mit guten Arbeitseinkommen funktionierte das. Aus Steuermitteln wurden nur diejenigen unterstützt, die nicht in der Lage waren, sich den Lebensunterhalt selber zu verdienen: Die Sozialhilfe. Alle wussten, dass es Sozialhilfeempfänger gibt. Aber niemand kam auf die Idee, Sozialhilfeempfänger zu beneiden oder gar als „Staatschädlinge“ zu beschimpfen. Wir waren alle froh, dass wir was verdienen uns ein bisserl was leisten konnten.
Und die Arbeitslosen? Ich spreche vom Beginn der 70er Jahre, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

Andere Staaten machen das anders.

Die Arbeitslosenversicherung nahm damals hohe Überschüsse ein. Es liegt auf der Hand,
dass gerade diese Versicherung mit dem Einnahmeüberschuss hätte Rücklagen bilden müssen, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein. Denn je mehr Schadensfälle eine Arbeitslosenversicherung zu bearbeiten hat, umso geringer sind die Beitragseinnahmen. Die Einnahmeüberschüsse wurde baer abgezogen und für Dinge verwendet, die mit einer Arbeitslosigkeitsversicherung nicht das Geringste zu tun hatten.

Es nützt nun nichts, zu jammern, dass der Staat für einen Mangel, den er durch Veruntreuung der Beitragsgelder selbst verursachte, mit Transferleistungen einzuspringen hat. Die heute am lautesten schreien, sind gerade diejenigen, die das Absaugen des Einnahmeüberschusses der AV am heftigsten gegen Kritiker verteidigt hatten.
Es nützt heute auch nichts mehr, zu heulen, dass ja ab 1970 eine „Sozen“/FDP-Regierung am Schlammassel werkelte. Denn die so agitieren wissen recht gut, dass die den gleichen Lobbyisten aus der Hand frass wie heute und wie ihre Wahlkonkurrenten.

---
Als der Einkommensteuerspitzensatz gesenkt wurde, wurde die Progression im oberen Teil stärker abgeflacht als in der Mitte. Dadurch entstand die Wölbung, auf die FDP heute ihre Wahlpropaganda stützt. Allerdings bedeutete das nicht, dass der mittlere Teil stärker belastet wurde als zuvor. Er war nur weniger beschenkt worden als der obere Teil. Hätte man alle mit einer gleichermaßen abgeflachten Progression beschenkt, dann wäre der Einnahmeverlust drastischer ausgefallen. Der Staatshaushalt hatte ja auch andere Geschenke zu verkraften: Den Wegfall der Vermögens- und Erbschaftssteuer, die Herausnahme von Kapitalerträgen aus der Einkommenssteuer durch eine einheitliche KapSt von 25 % auf alle Kapitalerträge, die politisch gewollten Ausfälle bei der Körperschaftssteuer.

Ich hatte damals ein Monatsgehalt von 3250 € brutto. Die Steueränderung brachte mir etwas mehr als 10 € pro Monat ein. Ein lächerlicher Betrag, aber ich hatte weder davor noch danach zu darben. Weiter oben war die Sache natürlich interessanter. Damals sagte ich einem SPDler in der Gewerkschaft: „Ich brauche das bisschen Geld nicht. Meine Kollegen brauchten es auch nicht, niemand von uns hat erleichtert aufgeatmet, weil man nun der Armut entronnen wäre. Steckt das Geld besser in Arbeitsämter, zwecks Förderung der Weiterbildung, da ist es besser angelegt“. Die Antwort: „Bei der Arbeitslosigkeit reformieren wir ja auch. Lass uns nur machen, du wirst ganz sicher nicht mehr die PDS wählen, wenn wir mit Allem durch sind“. Tja.

---
Nun wird unser Propagandist sagen: „Ja, das waren die Sozen und Grünen. Die scheissen immer auf den grössten Haufen.“ Stimmt. Aber es war niemals ein kleines Wörtchen der Kritik von CDU/CSU/FDP zu hören. Sie sassen still grinsend da und liessen die Regierung ihren Job machen. Und sie hätten ja mittlerweile zwei Jahre Zeit gehabt, die enormen Steuerausfälle rückgängig zu machen.

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Wenn die enormen Steuergeschenk der vergangenen 12 Jahre rückgängig gemacht werden, dann ergibt das eine bestimmte Mehreinnahmesumme. Die kann geteilt werden: Die eine Hälfte dient der Verbesserung bei den strukturellen Aufgaben des Staates. Die andere Hälfte dient der Schuldenreduzierung. Wenn erst mal alle Steuereinnahmen für den Schuldendienst draufgehen, dann ist es zu spät. Nach heutigen Berechnungen wird das ungefähr um das Jahr 2050 der Fall sein.

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>>Sozen und Kommunisten<<
Ein kleiner Trost für den „Kritiker 01“:
Thilo Sarrazin ist ein Sozi
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 14:17
claudia schrieb am 08.11.2011 um 13:44
>>Sozen und Kommunisten<<
Ein kleiner Trost für den „Kritiker 01“:
Thilo Sarrazin ist ein Sozi

Ja, aber einer, den vor allem der linke Flügel der Sozen gerne aus der SPD herauswerfen wollte.
Siggi Pop und die Störenfrieda der SPD sind heute noch ganz geiferig darüber, dass das nicht geklappt hatte.
claudia schrieb am 08.11.2011 um 17:42
1. eine Korrektur:
Das Monatsgehalt war sechstausendnochwas DM, und das Nettogehalt war nicht um 10 €, sondern um 10 DM gestiegen.

---
2. Der Kreis ist oben nicht geschlossen:
Wenn die Steuersenkung von Kapitalerträgen und hohen Gehältern mehr übrig lässt, dann wird nach weiteren Anlagemöglichkeiten gesucht. Die Bank bietet Staatsanleihen an, eine sichere Zinseinnahmequelle. Denn der Staat muss ja mehr Kredit aufnehmen wenn die Steuereinnahmen sinken. Nun hat sich der Kreis geschlossen.
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