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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
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Allerlei Alltägliches

Nachdem ich ein paar Tage ein bisschen ein Maulwurf war, sehe ich jetzt – auf einmal - viel zu hell und muss mich gewöhnen. Der braune Schleier, der alles verdunkelte und eintrübte, ist weg. Dafür ist das Auge blutunterlaufen und es ziert mich ein malerisches Veilchen. Eine segensreiche Sonnenbrille ist zur Hand, durch die ich – trotz veränderter Stärken – doch noch einiges erkenne. Die Augenärztin, die mich heute nachuntersuchte, äußerte ihre volle Zufriedenheit.

Diese Konsultation verschiedener Arztpraxen ist ein bürokratischer Akt. Ich brauchte eine Überweisung von meiner praktischen Ärztin, danach eine Überweisung zur Tagesklinik. Nach erfolgtem Katarakt-Eingriff gibt’s eine Überweisung zurück.

Mir ging durch den Kopf, dass solche Praxen eine ziemliche Knochenmühle sind mit immer den gleichen Vorgängen. Den ganzen Tag ein Durchlauf wie beim Friseur, allerdings mit hochqualifizierter Behandlung. Und am Ende wird einem auch alles wieder abgenommen wie beim Friseur der Umhang: Der Kittel, die Haarhaube, die Plastiktüten um die Schuhe. So und nun „Bittesehr“ – eine Tasse Kaffee. Immer die gleichen Durchsagen. Frau X bitte zu mir, Frau Y bitte zu Frau Doktor. Messungen, Technik usw.

Die ambulante Behandlung mit der reisenden Narkosearztgruppe – alles Routine, die nur durchbrochen wird, wenn was nicht so funktioniert. Wenn sie – wie bei mir – keine Vene finden, in die sie eine Zuleitung (ich kenne den Fachbegriff nicht) für das Beruhigungsmittel legen können. Jetzt habe ich an beiden Handrücken, an der Handseite und an beiden Armbeugen Blutergüsse. Ich war schlecht drauf, hatte fast 200 zu ich weiß nicht Blutdruck. Dann liegt man und guckt in irgendwelche Farben und Muster. Viel Rot, weil es diesmal ja auch ein bisschen mehr geblutet hat. Wie auch immer – jetzt sehe ich auch mit dem „Zweiten besser“. der Spruch stimmt wenigstens mal.

Es dauert aber noch Wochen bis alles so ist, wie es sein soll. Ich bin schon jetzt froh. Wenn mich eine nette Dame, die hier leider nicht mehr schreibt, harsch aufforderte: „Geh gucken“, denn tu ich das, dann gucke ich. Heute habe ich nach einem jungen Mann geguckt, der vor den Schönhauser Allee Arcaden seiner Ruhe pflegte. Mir ging durch den Kopf, wie so jemand auf diesen Liegeplatz kommt. Der will die Welt weniger erkunden, er will ihr trotzen, sie verachten und das soll sie aber auch spüren, die Welt. Wie lange diese Ein-Mann-Demo dauerte, weiß ich nicht, denn ich musste noch ein bisschen weiter. Auf jeden Fall nahm ich mir vor, Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ mal wieder zu lesen.

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Ich ging zum Weinhändler, der verlegen – ich musste in dem dunklen Laden mal die Brille abnehmen - auf mein Veilchen blickte. Ich tat ihm Leid, ich erwies mich des erwiesenen Mitleids würdig und erwarb dankbar schönen Rotwein, der gut zu meinem Veilchen passt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.