Magda

Mal sehen

15.09.2009 | 12:08

Komplett verloren - die Moderatoren

Während es bei dem gestrigen Duell der Spitzenkandidaten der Opposition von Seiten der Moderatoren eher bräsig, aber wenigstens nicht unpolitisch zuging, weil die ihren Kram beherrschen, war der wirkliche Skandal vorgestern - bei dem Kanzler-Duett – die Moderatorenriege.

Stellvertretend für viele andere, veriinke ich zu Carta, die alles haben und zum Thema weiter verlinken. carta.info/14806/tv-duell-der-tv-journalismus-hat-verloren/

Ob Illner oder Plasberg, Klöppel oder Limbourg, sie alle verstehen sich nicht als gute Dienstleister am Publikum, sondern reinweg und durchgängig als absolute Selbstdarsteller.

Wobei ich denke: Eitelkeit gehört sicherlich zu diesem Beruf, aber ganz offensichtlich wird nicht gesehen, dass sie nur dann sinnvoll ist, wenn sie in die richtige Richtung beflügelt. Plasberg hat inzwischen erkannt, dass er als Oberlehrer-Moderator ein bisschen Macht zu verwalten hat – einen Zipfel nur, aber den umkrampft er immer krampfiger. Sie zerren an den gar nicht vorhandenen Pointen rum, eine Schande.

 Es ist sehr zu wünschen, dass eintritt, was der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister fordert, - eine Debatte über die Medienkultur in diesem Lande.

 
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Kommentare
mh schrieb am 15.09.2009 um 12:16
nur wäre es ohne diese gangart der moderatoren nicht nur lahm sondern vollends langweilig und nutzlos gewesen.

bedingte das eine somit nicht das andere bzw. ist es in dem fall somit nicht einfach nur falsch dies zu kritisieren?

mfg
mh
Anette Lack schrieb am 15.09.2009 um 12:19
Danke Dir, für den Beitrag und den Hinweis auf Carta. Bin gleich mal drauf gegangen, und kann den Beiträgen dort und Dir nur zustimmen. Ich hab mich für meine Kollegen (denn Journalisten sind das nunmal) fast geschämt.

"Tigerente" - war Illner von allen guten Geistern verlassen? Auch dieses ständige Unterbrechen, um sich schrecklich dreist zu geben (Marke: der Journalist, der NACHHAKT) - unhöflich, arrogangt, ignorant. Diese Hinweise auf die bescheuerte Zeituhr, die keinen interessiert - die Anspielungen auf das alte Ehepaar, einmal mag ja noch gehen, aber mehrmals? Die Fragen waren natürlich vorher festgelegt, da muss man sich nichts vormachen. Viel Spontanität blieb da sicher nicht. Aber warum müssen das eigentlich vier sein? Ich weiss schon, wegen der Sender, einer von jedem. Trotzdem lächerlich. Auch Illner, als Frau ganz in weiss vor den dunkel gekleideten Herren. Huch, wie originell!

Wie die Hühner auf der Stange standen sie da rum. Genauso aufgeregt und hirnlos.

Herzlich, Anna
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 12:37
Mäkeln an der Hülle, während der Inhalt stinkt.

Ich persönlich empfinde es als Beleidigung, mir als mündigen Wähler in einer noch parlamentarischen Demokratie mit Mehrheitswahlrecht, so eine Inszenierung anzubieten. Keine Person, die es nicht im Vorfeld wüsste, käme durch das Betrachten des "Duells" darauf, dass es sich dabei immer noch um die eben benannte Demokratieform handelt. Berlusconis Italien, die USA oder irgendeine Möchtegerndemokratie nach jahrelanger Monarchie lägen näher.

Tigerentenkoalition war die passendste Bezeichnung für dieses billige Spektakel.

Passend dazu wird nun massiv über die Rahmenbedingungen gestritten. Die Rahmenbedingungen interessieren mich nicht im geringsten. Ich lege wert darauf, dass alle zu Wahl zugelassenen Parteien an so einer Veranstaltung teilnehmen. Ansonsten ist es eine billige Farce die unsere Demokratieform lächerlich macht.

Letztlich wird es eh auf die Frage rauslaufen: Wie bekommen wir es in Deutschland möglichst schnell hin mediale Verhältnisse wie in Italien zu bekommen?
poor on ruhr schrieb am 15.09.2009 um 12:49
Ich finde auch den Kommentar von Streifzug toll.
Einen deutschen Berlusconi sehe ich in der hiesigen Medienlandschaft noch nicht, aber von den Verhältnissen in Italien sehe ich uns trotzdem nicht so weit entfernt. "Die unerträgliche Leichtigkeit des
Politkerseins" zwang eigentlich auch einen in 45 Fersehjahren knallhart gestählten TV-Zuschauer wie mich zum Zappen, um danach das vorgespielte Theater wieder einige Minuten ertragen zu können! Bin ich Masoschist oder einfach nur blöd? Ich tendiere eher dazu, den Verursachern solch einer Schmierenkomödie die Schuld zu geben. Das ist der eigenen Psychohygiene zuträglicher. Empörend!
Magda schrieb am 15.09.2009 um 13:24
Lieber MH 20482 - nein, es ist nicht falsch, dieses zu kritisieren. Wahr ist , dass gerade diese Ansammlung der Moderatoren eine Heerschau der Medienkultur in diesem Lande bot und die ist niederschmetternd. Und ich finde es gut, dass dies zum Anlass genommen wird, darüber zu diskutieren. Das finde ich spannend. Unterhaltungswerte sind - aus meiner Sicht - da weniger die Parameter.
Und gestern bei dem kleinen Schlagabtausch war das – trotz der biederen Moderatoren – um Klassen besser.

Hallo Anna, das dachte ich mir, dass Dir das auch auf die Nerven ging. Bei der Gelegenheit musste ich auch noch über das Thema „Boulevardisierung“ nachdenken, das ja immer mal eine Rolle spielte. Wenn schon so was, dann wäre da doch eine Chance gewesen, ins Menschliche.
Was hätte die Moderatoren – wenn sie miteinander gearbeitet hätten statt gegeneinander – gehindert, gegen Ende der Sendung mal so ein paar persönliche Fragen zu stellen. Niemand hat was dagegen. Aber, wenn so was überhand nimmt, dann denkt man am Ende, die wollen Politik verhindern, statt was zu erfragen. Und dann in diesem infantilen Ton (Tigerente) Ich dachte bei der ganzen Veranstaltung immer an dieses berühmte Ballwerfen auf Politikerköpfe, dieses Jahrmarktsspiel. Und wie sie da alle so mutig tun und eigentlich nur stillos und dreist sind.

streifzug – „Mäkeln an der Hülle, während der Inhalt stinkt.“

Ein bisschen mehr Dialektik hat meisterfalk in einem anderen Blog gefordert. Wenn kompetente und kritische Leute beginnen, über diese Formen nachzudenken oder – wie Du schreibst – über die Hülle, dann kann sich das durchaus auch auf den Inhalt auswirken, wie wir mal in ML gelernt haben. Von daher finde ich ist dieses ziemlich einhellige Echo auf die Moderatoren-Elite schon ein gutes Symptom.
Ich musste an von Rossums „Meine Sonntagabende mit Sabine Christansen“ denken. Der auch eine Form kritisiert und daran aber sehr schön die politischen Hintergründe aufreiht. Die Diagnose ist: Die TV-Stationen arbeiten an der Entpolitisierung der Leute solange, bis das skandalisiert und ein Thema wird.

poor on ruhr - "Bin ich Masoschist oder einfach nur blöd? Ich tendiere eher dazu, den Verursachern solch einer Schmierenkomödie die Schuld zu geben."

Weder noch

Grüße
Magda
mh schrieb am 15.09.2009 um 13:52
gestern, war es seitens der moderatoren ein gekünsteltes "unruhe reinbringen" um zu garantieren, dass man ja besser da steht als der merkelmeier.

dass die moderation dann noch diese zahlenreiterei förderte, die selbst mich als zahlenaffinen menschen sowas von langweilte und ohne den kontext kaum noch folgwen ließ, war ebenfalls mies gemacht

ich fand das alles nicht erhellend. aber beim mekelmeier-duell wars eindeutig notwendig um überhaupt etwas bewegung drin zu haben. dass die art und weise schrott war, streite ich dabei keinesfalls ab .. beim dreierduell wars aber qualitativ unterste kanone.

btw: lafontaine war absolut enttäuschend. guido wie zu erwarten und trittin hat mit ein paar dingen punkten können.

ich schau höchst selten tv, ggf. nur zu solchen anlässen. das scheint mir immer noch die angemessenste reaktion darauf.

btw. darfst mich auch mh nennen, magda. da bin ich tolerant.

mfg
mh
Magda schrieb am 15.09.2009 um 14:12
@ mh 20483 "btw. darfst mich auch mh nennen, magda. da bin ich tolerant."

Ach, wirklich? - ich fand es so gut, immer weiter durchzuzählen. Das würde doch der Zahlenaffinität von Euer Ehren Genüge tun. Ich hebe es mir auf, bis ich die Reihenfolge vergesse.
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 18:46
@Magda,

wenn die Kritik an der Hülle etwas am Inhalt ändert, bleibt die generelle Form trotzdem bestehen. (Ich kenne Rossums Bücher).

Das ist ein sehr alter Marketingtrick. Den Kunden zwischen zwei Möglichkeiten wählen lassen, obwohl er das Angebot als solches ablehnt.

Ich lehne diese scheindemokratische Hülle ab. Egal, mit welchem dialektischen Inhalt sie gerade gefüllt wird. Ich will weder das Eine noch das Andere. Ich bevorzuge demokratische Formate.
Tom Zille schrieb am 16.09.2009 um 21:19
mh:..."ich fand das alles nicht erhellend. aber beim mekelmeier-duell wars eindeutig notwendig um überhaupt etwas bewegung drin zu haben."

Ich glaube, intelligentere Journalisten mit eigener Persönlichkeit hätten mit anderen Fragen sicher auch andere Antworten hervorgerufen. Es ist ja nicht so, dass aus "merkelmeier" nichts herauszuholen wäre.

@streifzug: obwohl da "@magda" davor stand, habe ich das mit der "scheindemokratischen Hülle" gelesen. Ich finde, das kann man nicht so stehen lassen. Die Auswahl der Kandidaten tangiert die anderen Parteien deshalb nicht, weil außer Merkel und Steinmeier niemand wirklich Kanzler werden kann.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.09.2009 um 21:33
Eine humane Welt braucht keine Moderatoren, Berater, Politiker, Vermittler der antagonistischen Unterschiede.
Wenn es die nämlich nicht mehr gibt, reden Menschen mit Menschen.
Mehr nicht, nicht weniger.
Eine blank machbare Utopie.
Magda schrieb am 17.09.2009 um 15:15
Hallo Rainer Kühn,
dann ist dieses schöne Lied eines gewissen Peter Alexander "Hier ist ein Mensch" ja die Hymne der wirklich blank machbaren Utopie. - Ach, das ist schön.

tinyurl.com/ml5pgm

Da isser.
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