59
]
Der Globalisieurungskritiker und Journalist
Harald Schumann in der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Als vor über 15 Jahren Harald Schumanns Buch "Die Globalisierungsfalle" erschien - damals war er noch Spiegelredakteur - fand ich, dass kein anderer so prägnant und verständlich Zusammenhänge erklären kann wie er. Inzwischen hat er mit seinen Warnungen genau so Recht behalten, wie ein gewisser Oskar Lafontaine, dessen Kritik an den Praktiken der Finanzmärkte, ohne Schumann-Lektüre mir nicht so einleuchtend gewesen wäre. Seitdem gab es eine Finanzkrise, die die Welt an den Rand des Crashs geführt hat, es gab Rettungsprogramme und dann gab es ... monatelang nichts. Jetzt hat Europa "Griechenland" und bald auch "Portugal" und erneut zeigt sich, dass sich an der Macht der Finanz- und Investmentbanker nichts, aber auch gar nichts geändert hat.
Brechend voller
Hörsaal in der HWR
Im Grunde ein Skandal, meinte Harald Schumann denn auch gestern im brechend vollen Hörsaal der "Hochschule für Wirtschaft und Recht" in seinem Vortrag.
www.hwr-berlin.de/
Gemeinsam mit der "Landeszentrale für politische Bildung"
www.berlin.de/lzpb/
ging es genau um dieses schwierige und doch für alle Menschen so wichtige Thema unter dem Titel: Demokratie als Illusion"
Die Macht der Banken und der Druck "von unten".
Es sei höchst alarmierend, wenn so wenige Menschen verstünden, dass sie auf offener Straße ausgeraubt würden, meinte Schumann. Dabei würden die Parlamente zunehmend zu Abstimmungsautomaten degradiert, wie es unter anderem die Griechenlandkrise nachweist.
Niemand hätte gedacht, dass - fast zwei Jahre nach dem Beinahe-Crash - die Politiker weiter von den Bankern vor sich her getrieben würden. Zunehmend setze sich die Welt der Finanzmärkte als "fünfte Gewalt" im Staat durch, die besser als die Wähler weiß, was gut für ein Land ist, wie es der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, unnachahmlich ausgedrückt hat.
Er wolle keine Verschwörungstheorien verbreiten, meinte Schumann, aber zunehmend verstärke sich der Eindruck, dass sich die Politik selbst entmachte und die Finanzoligarchen der Welt den Ländern die Bedingungen diktierten.
Er holte weit aus um diese Entwicklung nachzuzeichnen.
Dass es in den letzten 30 Jahren eine Einkommensverschiebung von "unten nach oben" und dies in gigantischem Ausmaße gegeben hat, belegte er mit Zahlen.
Nur ein Beispiel aus Deutschland:
Das reichste Zehntel der Bevölkerung besitzt fast zwei Drittel des gesamten Vermögens, dagegen verfügen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung nur über einen Anteil am Gesamtvermögen von weniger als zehn Prozent.
Dass die Reichen der Reichen immer neue Anlagemöglichkeiten für sich suchten, aber auch mit der Privatisierung der Alterversorgung neue "kreative" Anlageformen angestrebt wurden, war ebenfalls zu beobachten. Es gab nicht genug in der realen Wirtschaft. Dazu eine ständige Standortkonkurrenz der Finanzplätze - dies alles führte zur Vernachlässigung solider Bankwirtschaft und hebelte wichtige Regeln aus.
So wurde zum Beispiel die "Basler Regel", die eine bestimmte Höhe des Eigenkapitals festschrieb, als "Profitbremse" zunehmend ausgehöhlt. Auch die nachfolgenden Regeln (Basel II) wurden mithilfe von allerlei Rechenspielchen immer wieder umgangen.
Eigenkapital mindert den Profit
Eigenkapital mindert den Profit. Profitabel aber ist - wenn man die Risiken nicht bezahlen muss - das Spiel mit fremdem Geld.
So kommen die berüchtigten cds - (credit default swaps), also die Spekulation auf ausfallende Kredite völlig ohne Eigenkapital aus.
Investmentbanking, Hedgefonds und das ebenfalls hochriskante Privat Equity konnten ebenfalls unbehelligt von Eigenkapitalforderungen ihre Geschäfte machen.
Das Instrument des "Kredithebels" (die Arbeit der Großbanken mit hohen Summen von geliehenem Fremdkapital, um damit die Renditen auf ihr Eigenkapital zu vervielfachen) haben verheerende Folgen. Eigentlich sind sie auch gar nicht erlaubt, jedoch Kontrollen gibt es zu wenig. Gleichzeitig vervielfacht diese "Kredithebel-Praxis" auch die Verluste, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden.
Es ist nicht der "kleine Mann" in den USA oder hierzulande, der mit seinem Kredit das Problem stellt, sondern, die hohen Kreditvergaben waren - besonders in den USA - eine Folge der Umverteilungen sprich Verringerung der Einkommen. Alle anderen Probleme sind eine Folge von massiver Finanzjongliererei, deren Brisanz leitende Manager auch durchaus erkennen. Schumann verwies auf Aussagen, nach denen Verantwortliche meinten, sie hofften, sie seien schon in Rente, wenn die ganze Blase platzt.
Als die gesamten so zweifelhaft konstruierten Kreditpapier fielen, begann mit ihrem Fall eine weitere Finanzwette. Diese "synthetischen Kreditpakete" verscherbelte man noch, als ihre Wertlosigkeit schon ganz sicher war.
Eine dubiose Funktion haben dabei die Rating-Agenturen, die - so Schumann - Unterstützer der ganzen Praxis sind und keineswegs unabhängig.
Es ist eine Parallelgesellschaft mit unglaublicher Kreativität, deren Zynismus unendlich ist.
Alles haben die Finanzoligarchen bedacht, aber nicht, dass einer der Ihren, ein Institut komplett pleite gehen könnte. Dafür gab es kein Szenarium, darum die Hektik in der Zeit der Lehman-Brothers-Pleite, die sich aber schon wieder gelegt zu haben scheint. Denn, sie sind zu hoch verschuldet - die großen Bankinstitute, zu vernetzt um sie pleite gehen zu lassen.
Und damit ist das Grundprinzip der Marktwirtschaft, das besagt: "Wer investiert, ist auch für die Folgen zuständig", ist außer Kraft, meinte Schumann.
TV-Kanzler Ackermann
In Deutschland nimmt die Aushöhlung demokratischer Regeln groteske Züge an. Josef Ackermanns -Anwälte schrieben gleich selbst die Gesetze für die Bankenrettung. Die Regeln der Haushaltskontrolle bleiben konstant unbeachtet, das Parlament kann nichts tun. In Deutschland darf sich der Chef der Deutschen Bank solcherart im Fernsehen darstellen, dass Schumann - wie im Tagesspiegel geschehen, von "TV-Kanzler Ackermann" sprach.
www.tagesspiegel.de/meinung/tv-kanzler-ackermann/1838938.html
Tatsächlich hat, entgegen allen kämpferischen Geredes von Merkel und Schäuble, ja tatsächlich er die Bedingungen diktiert und zum Teil die Bundesregierung mit Horrorszenarien massiv unter Druck gesetzt. Die Rettung der Banken stand aber gar nicht auf de Agenda, wie aus Harald Schumanns Beitrag deutlich wird, sondern die Rettung des Kapitals der Bankengläubiger. Die wollten für eingegangene Risiken nicht zahlen. Und so ist es ja auch gekommen.
Simon Johnson, vormals Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, bezeichnete darum diese politische Aushöhlung bei gleichzeitiger Plünderung der Staatskassen als "Silent Coup", als Stillen Staatsstreich einer kleinen Clique von Finanzmanagern.
Gelernt wurde aus dem Desaster bis heute wenig bis nichts, die geplante Finanztransaktionssteuer - wann wird sie kommen? Kein Land kann einen Alleingang machen, das nützte niemandem. Es muss zumindest eine europaweite Lösung geben.
Alle versuchten Regelungen sind - dank massivster Lobbyarbeit - gleich wieder entschärft. Beispiel USA: Es gibt Kontroll- und Aufsichtsregelen, aber man lässt weiter die Offshore-Praxis zu und damit bleiben die diese Investmentinseln ohne Zugriff. Nicht verwunderlich meint Schumann, denn diese Kräfte haben Obamas Wahlkampf mit finanziert. Auch die EU-Richtlinien zum Eigenkapital (Basel III) sind schon wieder verwässert.
Ein "Klassenkampf von oben"
Wenn also - so Harald Schumann - die Finanzmärkte die Regeln der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt haben, dann könnten sie auch bald die Demokratie unter sich begraben, wenn ihnen keine Zügel angelegt werden. Es ist ein "Klassenkampf von oben", ein Kampf der Eliten, die sich vor unser aller Augen die Taschen voll stopfen. Solange Banken so groß sind, dass man sie nicht pleite gehen lassen kann oder dies zumindest behaupten, wird es keine Änderung geben. Darum ist dies die altererste, wichtigste Forderung: Aufhebung der Staatssicherung für zu große Banken.
Dass sich eine intensivere und unabhängigere Kontrolle - angesichts des jahrelangen, ständigen Rufes nach weniger Staat und mehr Markt - hierzulande schwer installieren lässt, von den Kosten ganz abgesehen, liegt auf der Hand.
Gegenwärtig sei die Bankenaufsicht unterbesetzt, mit jenen verflochten, die sie kontrollieren solle.
Außer stärkerer Kontrolle geht es vor allem darum, die Bürger, die zunehmend alarmiert sind, zum Engagement aufzurufen, sich sachkundig zu machen und dringende Forderungen unterstützen:
Eine Finanztransaktionssteuer muss in der gesamten Eurozone installiert werden
Es muss eine Wahrheitskommission geben, die gegen die Verschleierungen und Vertuschungen wirkungsvoll vorgehen kann
Gefragt werden müsste zum Beispiel: Welche Rolle spielte die Deutsche Bank bei der ganzen IKB-Affäre?
Konventionelle Medien
haben zu wenig aufgeklärt
Eines stellte sich bei der Gelegenheit auch mal wieder deutlich heraus: Die konventionellen Mainstream-Medien haben in dieser ganzen Finanzkrise reichlich versagt. Darum ging es unter anderem in der Diskussion. Die Medien reagierten ohnehin nur, wenn es verlangt würde, meinte Schumann. Dem journalistischen Nachwuchs stellte er kein gutes Zeugnis aus: Die sähen in diesem Beruf eine Lifestyle-Sache, "was mit Medien" zu machen. Aufdecken, Aufklären, politische Hintergründe - nur wenig sei da zu erwarten.
Diskurs nach Abschluss
Auch über diese Fragen diskutierte ich mit Fräulein Juliane, die mich auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht hatte, anschließend im Restaurant gegenüber der Hochschule. Es gehöre zur guten Tradition der HWR, dass sie kritischen und warnenden Stimmen nicht nur zur Entfesselung der Finanzmärkte, sondern zu Wirtschaftsfragen generell Raum bietet, meinte sie. Wir bedauerten, dass die teilnehmenden Studenten recht wenig zum Fragen kamen, weil rechthaberische ältere Debattenredner nichts fragten, sondern umfangreiche Eigenbetrachtungen ablieferten. Und ganz perplex war ich, als eine - sich als Lehrerin vorstellende Zuhörerin - feststellte, dass sie das komplexe Thema nur zu 10 Prozent verstanden hätte. Also - Medien hin oder her - es gibt schon inzwischen immer mal wieder recht gute Darstellungen zum Thema. Und - auch hier hat das Internet seine Chance und Funktion. Darüber wurde erst gesprochen, als gefragt wurde, ob man Schumanns Beitrag im Internet findet.
Er ist da - in einer Audio-Fassung für die Urania. Aber, ich habe sie nicht geöffnet gekriegt.
Nachsatz: Heute morgen gab es ein Interview auf
www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1191001/
mit dem Ökonomen Max Otte, der sich gegen den Vorschlag einer Bankenabgabe anstelle der Finanztransaktionssteuer wandte. Das sei - so meinte er - viel zu wenig.
Die Moderatorin fragte zu riskanten Geschäften nach. Sie hätten die Finanzkrise verursacht und seien, genau jetzt in der Krise besonders lukrativ.
"Wie pervers ist das?"
Otte: "Das ist schon sehr pervers, aber solange wir als Gemeinwesen, als Politik nichts daran ändern, wird es wohl so weiterlaufen, denn die Banker sind ja sehr gut vernetzt und sie verstehen es eigentlich immer wieder, Regulierungsbemühungen zu hintergehen und zu unterlaufen und so weiterzumachen wie bisher. Außerdem hat die Politik das durchaus gewollt. Wir haben nämlich die Buchhaltungsregeln gelockert, sodass wir gar nicht mehr so genau reinschauen bei etlichen Banken, und im Prinzip das Signal gegeben, macht weiter wie bisher, verdient schnell wieder viel Geld, damit ihr wieder auf positive Eigenkapitalkonten kommt."
Aber auf diese Weise ist die so wichtige Forderung nach Erhöhung des Eigenkapitalanteils der Banken nicht gemeint. Sie stand ebenfalls bei Otte ganz oben auf der Agenda. Deutlich wurde nicht erst bei dieser Sendung, die Medien sind auch aufgewacht, wie die Bürger.
|
|
Was die unglaubliche Untätigkeit unserer Politikerkaste anbelangt- in der Schweiz auch gerne classe politique genannt- so lässt sich sagen, dass sie in den letzten drei Jahren eine Art Empörungskultur erschaffen haben, die sie mit ausgesuchter, sozialer Rethorik zu unterstreichen versuchen, auf die dann selbstverständlich keine nennenswerten Taten folgen.
Seien wir doch einmal ehrlich: Wir werden mit allen Mitteln für dumm verkauft, buchstäblich mit allen Mitteln. Niemand hat ein Interesse, dieses marode System auch nur ansatzweise zu verändern. |
|
|
@ THX1138 - "Niemand hat ein Interesse, dieses marode System auch nur ansatzweise zu verändern."
Danke erstmal fürs schnelle Lesen. Du hast Recht. Nur die Bürger können Druck machen, darauf hat Schumann immer wieder hingewiesen. Sein Glaube an die Demokratie ist da ungebrochen. Ich bin skeptischer. Ich wollte auch fragen - wenn diese Finanzkaste so rigoros gegen die Länder und die Menschen "kämpft" - was wollen die? Mehr als eine Yacht geht doch auch nicht. Was haben die davon, wenn sie die Länder auspressen wie Zitronen und selbst gar nichts gestalten wollen. Es ist eben doch die alte Frage "Wem gehört die Welt". |
|
|
Liebe Magda, wenn ich ehrlich sein will, werde ich erst heute Abend richtig Zeit haben, Deinen Beitrag durchzulesen. Die Quintessenz Deines Beitrags war mir eigentlich bereits schon beim Lesen der ersten Zeilen: Die tun nix.
Allerdings mit gutem Grund, wie ich glaube: Die Situation, in der sich viele Staaten heute befinden, ist verzwickter, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Man erinnere sich: Vor gut zwei Jahren hat die internationale Staatengemeinschaft sog. "Toxic Papers" von den Banken übernommen, für die kein Markt mehr existiert hat, weil sie illiquide waren. All diese CDO's, CDS' und dergleichen mehr, deren Zusammensetzung aus Krediten unterschiedlichster Arten bestehen- also auch Krediten aus dem sog. Subprimesektor des US-amerikanischen Immobilienmarktes (welche die Finanzkrise aufgrund der Zahlungsausfälle in diesem Segment ursprünglich ausgelöst haben)- befinden sich bis heute in staatlicher Hand. Wollen die Staaten zumindest wieder break-even aus diesem Schlamassel herauskommen, müssen sie diese Papiere zuerst wieder loswerden! Ergo kann ihr Interesse daran, ausgerechnet den Markt für diese Papiere und andere Produkte wirkungsvoll zu regulieren, gar nicht gross sein- die graben sich doch das Wasser nicht selber ab! Den Staaten sind also sozusagen die Hände gebunden, so einfach ist die Wahrheit! |
|
|
schrieb am
27.05.2010 um 15:18
>>Was haben die davon, wenn sie die Länder auspressen wie Zitronen und selbst gar nichts gestalten wollen.<<
Das habe ich mich auch schon gefragt. Rational ist das kaum erklärbar. Eher schon psychopathologisch, und zwar mit der totalen Abschottung von der Lebensrealität der Völker, mit denen man Schlitten fährt. Mit Menschen, die man kennt würde man wohl nicht so umgehen, trotz Macht. |
|
|
All diese CDO's, CDS' und dergleichen mehr, deren deren Zusammensetzung / Basis aus Krediten unterschiedlichster Arten bestehen- ...
wollte ich natürlich schreiben. |
|
|
Was die Finanzkaste will? Um Yachten etc. geht's schon lange nicht mehr!
Es gibt schöne Stellen in Carl Orffs 1943 (!) uraufgeführter Oper "Die Kluge" (seinerzeit fantastische Inszenierung vom Münchner Marionettentheater!): "Denn wer viel hat, hat auch die Macht, und wer die Macht hat, hat das Recht, und wer das Recht hat, beugt es auch, denn über allem herrscht Gewalt! Oh hätt ich meiner Tochter nur geglaubt!" "Für Geld, da lässt sich manches arrangieren!" (Kerkermeister) "Für Geld kannst du den Teufel tanzen sehn. Wo Geld ist, ist der Teufel, wo keins ist, ist er zweimal!" (Strolche) Dem ist nichts hinzufügen... Außer vielleicht, dass wir wohl nur beginnen können, im Kleinen/persönlichen Umfeld konkret und positiv gegenzuwirken... |
|
|
Es geht um Macht und Herrschaft ausüben, des sich hingeben in destruktivem Spiel, des sich erfreuen am menschlichen Elend der Anderen und das Auskosten von Größenwahn. Viele kleinegroße Neros: sie wollen Rom brennen sehen!
|
|
|
wenn man bedenken äußert, wird man im nachinein immer recht behalten haben. nicht umsonst wurde dieses bedenkenträgertum in großunternehmen zur überlebens- und aufstiegsstrategie hinperfektioniert.
das hier ist übrigens ein absoluter klassiker der einleitung von verschwörungstheorien: "Er wolle keine Verschwörungstheorien verbreiten, meinte Schumann" btw: als ich otte 2000 auf die uns gegebenen probleme, der damaligen zeit, hinwies, war der noch fleißig am nachkaufen seiner amazon, aol oder ebay-aktien... im späteren verlauf ist er dann auf den trend aufgesprungen, der sich in den nebensektoren der deutschen finanzszene ergab: verschwörungstheorien und negativismus. zeitlich glücklich kam dann sein buch raus, welches eigentlich nur die gängigen thesen dieser szene durchkaute... dazu muss man wissen, dass in deutschland kein bedarf für seriösen journalismus oder analysen besteht. es gibt 3 ertragreiche felder: a) die medien, die va dafür kassieren immer wieder neue aktien durchs dorf zu treiben und an die leute zu verticken b) die verschwörungstheoretiker, die sich mit büchern und seminaren über wasser halten c) man macht sein eigenes ding und in diesem ganzen gemisch der unprofessionellen plapperer, die auf den zahn gefühlt soviel ahnung haben wie eine erbse, gibts dann immer wieder fachfremde journalisten die das ein oder andere gut klingende aufgreifen und in die breite tragen. SPON, immer vorne mit dabei .. wobei die neben der FAZ dann noch am ehesten mal was aufklärenderes haben. in dem sinne gibts dann auch nur noch ein seriöses informationsmittel ... die börsenzeitung, gerne auch mal bankenfinanziert. was leute wie schumann nie begreifen werden, ist, dass die marktwirtschaft hier keineswegs außer kraft gesetzt wurde. sie hat funktioniert... genau so wie sie eben funktioniert oder simpler gesagt: eva hat nie eine andere wahl, als sich am apfel zu vergehen... denn bereits das paradies war eine illusion, in der die schlange die realität darstellte. (eine tolle analogie) die medien zu bash ist immer recht leicht. auch naheliegend. aber fakt ist, dass wer es wissen wollte, es wissen konnte. der spiegel hat frühzeitig über CDS, ABS & co. berichtet gehabt. hätte man lesen können, die wenigsten taten es. was einem in bezug auf das thema geld für eine welle an dämlichkeit in deutschland entgegenspringt, ist einmalig auf dieser welt. steinzeit. das fängt doch bei den kämmerern der städte an, die irgendwelche zinsswaps bei der deutschen bank kaufen, ohne zu wissen wie die funktionieren.. von ppp und co. reden wir da noch gar nicht. und der bürger... zinsgeile säue. sparbuch, da lernte man .. zinsen = geil. also wenns dann derivate sind, die zinsen abwerfen und die sind höher als das sparbuch, dann muss das ja noch geiler sind. daran änderte bisher auch die finanzkrise nichts. rentner entführen betrüger, weil se jemanden geld gaben der sie betrog, als er versprach das mal kurzerhand zu verdoppeln. dummheit ist da doch noch nett formuliert... aber schuld sind die anderen. könntne wir ewig so weiterführen, aber fakt ist .. menschen interessieren sich für vermeintlich komplizierte dinge immer erst dann, wenn sie schiefgegangen sind. mfg mh |
|
|
"was einem in bezug auf das thema geld für eine welle an dämlichkeit in deutschland entgegenspringt, ist einmalig auf dieser welt. steinzeit."
Tja, lieber MH - ich weiß wie Du denkst. Was mich ein wenig irritiert ist, dass Du Dein reiches Detailwissen immer ausspielst gegen Zusammenhänge, gegen Theorien und Ideen, die über den Alltag hinaus denken und schlussfolgern wollen. Da kommt bei Dir immer die gleiche Antwort: So sind sie halt, die Menschen. Oder - in Analogie zu Deinem "schuld sind die anderen" - die Anderen sind doof. Und dann gibts einen Schumann und reichlich Wirtschaftswissenschaftler, die das tun und warnen und vor allem die Menschen informieren. Schumann ist bekannt als guter Rechercheur, den einfach so als Spinner im Kämmerlein abzutun. Ich weiß nicht, Dafür ist er auch zu alert. Am Rande fand ich auch einen Hinweis interessant, dass die Front derer, die diesen ganzen Finanzzirkus als hochgefährlich und brisant einschätzen durch alle politischen Lager geht. Es ist das Gefühl, das viele auch bei den Internet-Entwicklungen haben - es gibt keine Kontrolle mehr, es hat sich was verselbständigt. Gruß Magda |
|
|
was mich an typen wie schumann stört ist hauptsächlich, dass sie ihre eigene verantwortung schon allein damit als abgegolten sehen, dass sie ihre büchlein schreiben und daran verdienen. dass sie ihre vorträge halten und daran verdienen. dass sie ihre artikel platzieren und daran verdienen etc.
das, was da stattfindet, hat absolut gar nix mit aufklärung zu tun. es ist das bedienen eines bestimmten gefühls, was manche menschen haben. es ist ein geschäft. eoquent dargelegt .. aber dennoch nur mit dem zusatz versehen: ja, ihr müsst euch mobilisieren und so. die, die da hingehen, sind aber ohnehin die mobilsierten. sie werden also nur noch in ihrem tun bestätigt und nicht erneut mobilisert. in kombination mit meiner obigen aussage, über die idioten, landen wir dann bei folgendem ergebnis: die einen rennen auf ihre informationsveranstaltungen und fühlen sich mobilisiert und aktiv. zahlen meist noch dafür. den anderen ist es scheissegal. ändern tut sich nix. der punkt bei dem spielchen ist, dass die warner wie auch die weghörenden genauso dazu gehören wie jene, die da immer hinrennen und sich informieren. jeder wird bedient, jeder kann dampf ablassen. alle schlafen zufrieden ein. es hat etwas von systemimmanenz "Er wolle keine Verschwörungstheorien verbreiten, meinte Schumann, aber zunehmend verstärke sich der Eindruck, dass sich die Politik selbst entmachte und die Finanzoligarchen der Welt den Ländern die Bedingungen diktierten." basistheorie: global governance in deiner darstellung, ka obs denn nun so gesagt wurde, werden auch schnell die begriffe vermögende, reiche und banken vermischt, zu einer masse an steuernden gebilden die alles dafür tun um renditen zu erzielen. sehr angelehnt an die rothschild-theorien, das alles. und die übertriebene darstellung... das gar niemand hätte eigenkapital gebraucht um zu spekulieren... das ist schlichtweg blödsinn. da werden mehrere wahrheiten zu einer einzigen vermischt. von der unterschwelligne darstellung der arbeit eines hedgefonds mal ganz zu schweigen... dass der hebel ein problem ist, wissen wir seit mehreren jahrhunderten. die gesellschaften erinnern sich daran 20-25 jahre. diese allerweltsweisheit gilt somit: IMMER les mal bücher über krisen der vergangenheit... wundersamerweise, haben die alle den gleichen inhalt. ;o) eben darum. der grund ist aber nicht, dass da nur renditehungrige gestalten rumsitzen... der grund ist, dass es für den moment der tat in unser aller interesse ist. nehmen wir die viel gescholtene deutsche bank. die wurde jahrelang in der luft zerfetzt, weil sie sich nicht in dem ausmaße an der spekulation beteiligte wie alle anderen auch. diese wechselwirkung, was tun andere staaten und wie wirkt sich das auf unsere reaktion aus .. beschleunigt in einer globalisierten welt, wird hier schon nicht mehr beachtet. das bleibt alles an der oberfläche der üblichen sprüche, polemiken, theorien. das lustige ist höchstens noch, dass sich das politische handeln jetzt dem anpasst... so wie es sich vorher den stars der öffentlichen meinung angepasst hat. der gleiche bullshit im gegensatz. wer schuldige sucht, soll einfach in den spiegel schauen. mfg mh |
|
|
@ magda
Den Blog habe ich gerne gelesen, danke für die investierte Zeit. @ mh "sehr angelehnt an die rothschild-theorien, das alles" yep "und der bürger... zinsgeile säue. sparbuch, da lernte man .. zinsen = geil" yep² |
|
|
während der hyperinflation wurden die franzosen verantwortlich gemacht. das endet in schönen bildern wie diesem, von theo matejko:
ähnhlich nett ergings den rothschilds... die generalpumpe, aufgrund der größe nur verlinkt: www.easypedia.gr/el/images/shared/b/b0/Die_Generalpumpe.JPG |
|
|
"...aber fakt ist .. menschen interessieren sich für vermeintlich komplizierte dinge immer erst dann, wenn sie schiefgegangen sind."
Sehr schön beobachtet. Das Beispiel mit der Rentnergang ist auch gut und klar war es die Gier mehr haben zu wollen, was sie da in die Falle tappen ließ, aber trotzdem wurden sie ja wohl unlauter hereingelegt. Ich bin zwar kein Befürworter der Selbstjustiz, aber, nur mal angenommen das würde Schule machen, hätte das bestimmt seine gewissen Wirkungen. "...was mich an typen wie schumann stört ist hauptsächlich, dass sie ihre eigene verantwortung schon allein damit als abgegolten sehen, dass sie ihre büchlein schreiben und daran verdienen. dass sie ihre vorträge halten und daran verdienen. dass sie ihre artikel platzieren und daran verdienen etc. das, was da stattfindet, hat absolut gar nix mit aufklärung zu tun. es ist das bedienen eines bestimmten gefühls, was manche menschen haben. es ist ein geschäft. eoquent dargelegt .. aber dennoch nur mit dem zusatz versehen: ja, ihr müsst euch mobilisieren und so. die, die da hingehen, sind aber ohnehin die mobilsierten. sie werden also nur noch in ihrem tun bestätigt und nicht erneut mobilisert..." Es dient der Selbstberuhigung und Selbstbeweihräucherung, der vermeintlichen Annahme etwas getan zu haben und zu den "Guten" zu gehören, oft mit der Klage verbunden: die Anderen tun ja nichts. "...in kombination mit meiner obigen aussage, über die idioten, landen wir dann bei folgendem ergebnis: die einen rennen auf ihre informationsveranstaltungen und fühlen sich mobilisiert und aktiv. zahlen meist noch dafür. den anderen ist es scheissegal. ändern tut sich nix. der punkt bei dem spielchen ist, dass die warner wie auch die weghörenden genauso dazu gehören wie jene, die da immer hinrennen und sich informieren. jeder wird bedient, jeder kann dampf ablassen. alle schlafen zufrieden ein." Was könnte das handelnde Subjekt der Veränderung sein. Ist es überhaupt vorhanden? Ich sehe keine Macht ( kein "revolutionäres Subjekt") die da irgendwo am Horizont erkennbar wird. Es gibt nur Gefühlslinke die sich sowas wünschen und träumerische Phantasien produzieren. Also, das mit der Systemüberwindung wird wohl erstmal nichts, es wird sich noch eine Weile halten. Vielleicht wird es irgendwann irgendwie auslaufen oder auch krachen, aber was danach kommt, weiß wohl keiner. |
|
|
"wer schuldige sucht, soll einfach in den spiegel schauen."
Ich denke die moralische Kategorie der Schuld hier einzuführen, bringt einen auch nicht weiter, weil die Verteilung der schuldhaft Handeln sehr unterschiedlich ausfällt. Eine Aussage alle sind irgendwie (gleich) schuldig verzerrt es. Selbst wenn es jemanden geben sollte, der ohne Schuld ist (ich werde jetzt regelrecht biblisch) :-) wäre er zumindest ein Betroffener oder Opfer der Auswirkungen. So wäre es eigentlich Wurscht ob er schuldig oder nicht schuldig ist. Das Ergebnis bleibt für ihn das Selbe. Wer Schuldige sucht, sollte sich also überlegen, ob es überhaupt mit Schuld etwas zu tun hat oder nicht viel mehr unter Ursache & Wirkung zu verbuchen wäre. ;-) |
|
|
es ging doch um schuld. die banker tun dies, die hedgefondsmanager und das und die politiker jenes. das läuft alles unter schuldverteilung und schuldsuche.
mfg mh |
|
|
Magda: ein toller Artikel, danke.
Ich fürchte, zu einem guten Teil sind wir wirklich alle ein wenig mit schuld: wer interessiert sich erst mal für Wirtschaft? An den Schulen lernt man, mit Verlaub, nichts darüber. In der Zeitung überblättert man gerne, was man nicht versteht - und die Zeitung sieht, dass das Wirtschaftsressort ja eigentlich für die Auflage nicht so wichtig ist, also braucht sie auch keinen Wirtschaftsredakteur, der wirklich etwas davon verstünde.... und so dreht sich die Spirale. Ich nehme mich da nicht aus. |
|
|
Zur "Schuldfrage" siehe weiter oben -
|
|
|
>>"Das ist schon sehr pervers, aber solange wir als Gemeinwesen, als Politik nichts daran ändern, wird es wohl so weiterlaufen,...<<
und hier stelle ich fest: Nicht nur pervers, sondern auch grundgesetzwidrig. Die Art, wie Eigentum verwendet wird, widerspricht ganz klar dem Artikel 14.2 Wer Artikel 14 und 15 gelesen hat, kann feststellen: Eine Regierung, die dem schädlichen Einsatz von Geld und Produktionsmitteln nicht mit Enteignung begegnet, missachtat das GG. |
|
|
So langsam werd ich echt sauer. es wird gejammert, geheult, gegen die Politiker gewettert, gegen die bösen Lobbyisten, die Wirtschaft und das Oligarchentum.
Bewegt auch nur einer hier mal seinen Hintern auf die Straße, wenn Attac oder die Linken rufen? Nein! denn "mit diesen linken Spinnern" will ja keiner was zu tun haben. Komischerweise finden die Texte aber Beachtung Als ich hier einen Aufruf für eine Demo (Gegen Sozialabbau) vor dem Kanzleramt gepostet habe, standen 20 Leute da und ich wette keiner von euch, die sich hier echauffieren. Stattdessen wird stillschweigend zugesehen wie die neoliberale Katze aus dem Sack gelassen wird. Militarisierung zur Wahrung deutscher Handelsinteressen, Aushöhlung der Demokratie in Deutschland in Europa durch die Wirtschaft, das schließen von Schulen, Schwimmbädern, allgemein das Verkommen des Gemeinwesen und so weiter. Wir sehen es tagtäglich vor uns. Was macht ihr hier alle? Hä? Nichts! Es geht sogar soweit, dass nichteinmal die Petitionen (makefinance.org) unterzeichnet werden, eine simple E-Mail, kein Spam. Nichts. Die Petition dümpelt bei 30.000 Unterschriften rum. mh hat schon völlig recht. Die meisten Menschen, vor allem in Deutschland, scheint diese Ungerechtigkeit in ein kleinkindliches Jammerstadium zu versetzen und zu hoffen das Diejenigen welche die Suppe versalzen haben, sie auslöffeln? Tut mir leid, aber das musst jetzt mal sein. Ich sehe es ja, wie wenig Menschen in Berlin zu den Demos und Flashmobs der vielen vielen linken Verbände hingehen. Also aufhören zu jammern und Druck machen. Wer zuviel arbeiten muss kann das Ganze auch finanziell unterstützen. Es ist bemerkenswert wie teuer Flyer, Transparente usw. so sind. |
|
|
schrieb am
27.05.2010 um 18:41
>>Bewegt auch nur einer hier mal seinen Hintern auf die Straße, wenn Attac oder die Linken rufen?<<
Ja, das tue ich schon lange. Man sieht es eben hier nicht. >>Nein! denn "mit diesen linken Spinnern" will ja keiner was zu tun haben.<< Passt mir auch nicht, der Schuh. Denn dass die SPD mich 1972 rausgeschmissen hat, war heilsam: Seit dem gehöre ich selber zu den linken Spinnern. |
|
|
"Was macht ihr hier alle? Hä? Nichts!" -
Nee, ich war gestern bei Schumann und heute habe ich das hier geschrieben. Es ist doch auch wichtig, wenn man versucht, Zusammenhänge zu erklären, wie es hier im Blatt ja auch im redaktionellen Teil geschieht, mit Interviews zum Beispiel. Denn - halten zu Gnaden - gerade linke Infos sind manchmal sowas von verquast formuliert, die bringen die Leute doch eher dazu, sich abzuwenden, als sich zu argumentieren. |
|
|
da wiederum stimme ich magda zu.
sowas funktioniert auf vielen ebenen. das generelle problem aber ist ohnehin, dass es gar keine linke position gibt, sondern ganze viele linke positionen und die teilweise recht abstrus. nehm mal meinen beitrag vom letzten samstag. da fängt man dann an aus ner marx'schen sicht zu diskutieren, obwohl er an das realexistierende dasein angelehnt war. das ist ja alles schön und gut, mit diesem marx, hilft nur nicht weiter, aus dem heraus das aktuelle system zu betrachten, welches bekanntermaßen vollkommen anders aufgebaut ist. und da verlieren sich die linken in soviele tausend einzelteile, dass sie ohnehin keinen gegenpol darstellen können. da hilft auch kein protest. mfg mh |
|
|
schrieb am
27.05.2010 um 20:43
@Technixer:
Du hast völlig Recht. Wir müssen umdenken. Wir müssen dringend aktiv werden. Jeder von uns. |
|
|
schrieb am
27.05.2010 um 20:47
@Technixer
Du hast völlig Recht. Wir müssen dringend aktiv werden. |
|
|
Gut, Technixer: Vor Jahren, als Heiner Geissler attac beitrat, dachte ich: Gut, ich setze mich mal in Kontakt mit denen- womöglich kann man da wirklich etwas bewegen, im Kollektiv, zusammen, da geht was.
Und dann kam da das erste Treffen- und ich musste erschüttert feststellen, dass die Leute da- hauptsächlich StudentInnen- kaum in der Lage waren, Finanz- und Kapitalmärkte, Aktien und Obligationen, Optionen und ETF's etc. auseinanderzuhalten. Da war nur so die Rede von Finanzwirtschaft, Finanzhaien etc., die man irgendwie bekämpfen müsse. Ja, irgendwie. Ich weiss nicht, wie das heute ist- aber ich kam damals ziemlich schnell davon ab, attac beizutreten. Zudem waren die, so schien es mir, auch noch hauptsächlich mit sich selbst und den betont nicht-hierarchischen Strukturen beschäftigt. Die Welt der Finanz- und Kapitalmärkte ist ziemlich komplex und wer sich da nicht wenigstens ein bisschen auskennt, verliert sich schnell in Schattenboxereien. Zudem ist es doch so, dass auch ein Grossteil der Finanzoberen- zumindest während bemerkenswert langer Zeit- selbst keine Ahnung hatte, was da in ihren Büchern so alles schlummerte- was dann die Finanzkrise erst recht ins Rollen gebracht hat. Mittlerweile wissen wir mehr: Konrad Hummeler hat damals die grossen Finanzistitute (v. a. CS und UBS) Wurstwarenfabriken genannt, die buchstäblich alles verwursteten, was sich an Krediten so alles verwursten lässt. Und verwurstet wurde solange und so intensiv, bis keiner mehr wusste, wo das Risiko in seinen Büchern schlummerte: Ein CDO von einem CDO von einem CDO von einem CDO von einem CDO von einem CDO... das ging dann soweit, dass einzelne Banken z. B. in New York gar nicht mehr nachweisen konnten, dass sie die rechtmässigen Eigentümer der Häuserkredite waren, die sie einforderten. Sogar Studentendarlehen wurden da manchmal miteingepackt! Viele von uns- ich manchmal miteingeschlossen- sind von der Komplexität unserer Zeit bisweilen stark bis sehr stark überfordert: Ursache und WIrkung zusammenzubringen, ist heute häufig gar nicht mehr möglich. Vielmehr hat man es mit tausenderlei Wirkungen zu tun, die sich keiner Ursache mehr zuordnen lassen. Ich denke, das ist die Crux an der heutigen Zeit- nebst vielem anderem auchn noch. |
|
|
das ist auch einfach eine zeitfrage... man kann einzelne komplexe unter halbwegs annehmbaren aufwand behandeln, wenn man denn generell in der materie steckt und somit ein grundverständnis hat.
die vermeintliche komplexität vernebelt aber auch oftmals einfach nur den blick fürs wesentliche, denn die funktionsweisen sind generell immer gleich. auch bei der 10ten abart einer hypothekenverbriefung. ich sehe das problem da ganz woanders. zwei punkte: a) vielen menschen glauben sie sind informiert, weil sie etwas gelesen haben. b) nahezu alle betrachtungen sind unkomplex. sie beziehen sich auf ein thema, dieses thema wird aber nahezu nie mit anderen vorgängen verknüpft. die rückkoppelung von ereignissen ist selbst jenen nicht klar, die sich mit diesen ereignissen auskennen. ich formulierte das mal mit dem beispiel, dass erst seit anfang des jahrtausends in der ökonomie begonnen wurde andere wissenschaften mit einzubeziehen. bspw. halte ich die netzwerk-theorie für essentiell bei der betrachtung jeglicher von menschen ausgelöster vorgänge. das ist nun aber soziologie und eben nicht mehr direkt ökonomie. allerdings entscheidend, wenn man dann in der ökonomie die informationsverarbeitung von märkten betrachtet .. ums mal simpel zu halten. immerhin haben wir es mittlerweile geschafft uns vom homo oeconomicus zu lösen. das darf man als erfolg werten. das ist aber auch so ein ding... das konnte man wissen. jeder der lebt und sich selbst gegenüber halbwegs ehrlich ist, wusste das immer. und da kommen wir zum vielgescholtenen börsenhandel.. wer da überleben will, der muss wahrheiten aktzeptieren und hinnehmen. meinungen sind im fluss .. diesen zwang haben wir in dieser intensität nirgens auf der welt, dabei wirkt er ausgesprochen positiv und heilend auf das menschliche dasein, da sichtweisen flexibilisiert und nicht mehr ideologisiert werden. aus dieser erkenntnis wurde mE die stärke des marktes abgeleitet, dessen selbstheilungskräfte immer wieder betont werden. es funktioniert nur eben nicht, weil nur ein teil des marktes so agiert und der rest wesentlich uneffizienter und weniger selbsthinterfragend und nicht dieser steten anpassung unterliegt. d.h. hier besteht eine große diskrepanz zwischen den verschiedenen aktionsformen, die zu verwerfungen führen müssen. mfg mh |
|
|
@ mh - "und da kommen wir zum vielgescholtenen börsenhandel.. wer da überleben will, der muss wahrheiten aktzeptieren und hinnehmen. meinungen sind im fluss .. diesen zwang haben wir in dieser intensität nirgens auf der welt, dabei wirkt er ausgesprochen positiv und heilend auf das menschliche dasein, da sichtweisen flexibilisiert und nicht mehr ideologisiert werden."
Gegen den Börsenhandel sind überhaupt keine Kritiken gegangen. Es geht immer um diesen überblähten Finanzmarkt. Das hast Du doch kürzlich an anderer Stelle auch mal angemerkt. Und auch das Verhältnis reale Wertschöpfung und Finanzprodukte hattest Du mal beim Wickel. Noch eines: Nachgefragt, wo er einen Nutzen dieser Art von Finanzmärkte sieht, verwies er auf das Beispiel Chinas. Ohne diese auch schnellen Möglichkeiten zur Kreditaufnahme wäre es nicht möglich gewesen, diese unglaubliche wirtschaftliche Entwicklung zu finanzieren, meint er. Nur. Die ganzen Transaktionen dort laufen unter rigider staatlicher Kontrolle. Mach Dir Deinen Reim drauf. Eine Apologie der chinesischen Kommunisten hat er nicht gemeint, aber mehr staatliche Kontrolle, sonst waltet das Chaos irgendwann. |
|
|
@mh: "nahezu alle betrachtungen sind unkomplex."
Man kann es mit der Komplexität auch einfach mal völlig übertreiben. Ein gutes Beispiel dafür: der Handel an der Börse ist so vielschichtig dimensional und folgt zig tausend verschiedenen Gesetzmäßigkeiten. Was dazu führt, dass man via Zufallsprinzip genauso richtig liegt, weil kein Aas mehr genau durchsieht. Die hatten das mal getestet, in dem sie mit Dartpfeilen auf Aktien (Portfolio)geworfen haben und zum Teil besser waren als die Börsenprofis mit ihrer sauteuren Software. Die Wirtschaftsform wie sie derzeit existiert, führt in der Umwelt und Gesellschaft zu klaren Ergebnissen. Eine relativ einfach Ursache-Wirkungsbeziehung. Das wird ein Börsenprofie wie du mh selbstredend bestreiten, aber es ist nun mal sichtbar. Umweltzerstörung, erodieren sozialer Standards, Zunahme psychischer Erkrankungen, Zerfall von Gemeinwohlorientiertem nachhaltigen Handeln. Die Vernetzung dieser Bereiche stehen eng mit der Entwicklung der Börse zusammen. In der Le Monde Diplomatique hat FrédéricLordon mit seinem Text "Ein Würfelbecher namens Börse" ziemlich gute Argumente dargelegt, warum diese Einrichtung nicht den Nutzen bringt den ihr euch selbst immer dick und fett auf die Stirn schreibt, nämlich die angebliche Kapitalisierung der Wirtschaft. Wenn ihr das leisten würdet, wäre die ganze Kohle nicht im Finanzmarkt. Auch ist bemerkenswert wie herrlich wankelmütig die Börsianer sind, so schnell wie Kapital wieder abgezogen wird, sobald mal ein klein bisschen schief geht in einer Firma. Das ethisch-moralische, ökologische und soziale Maßstäbe an der Börse nicht greifen ist klar. Wer nur hinter einem Bildschirm Zahlen verschiebt und schaut ob er am Ende des Tages eine höhere Zahl da zu stehen hat, sieht natürlich nicht, dass Spekulation mit Nahrung Menschen verhungern lässt, er sieht auch nicht das Handel mit Edelhölzern die Urwälder verschwinden lässt oder dass Rohölförderung immer skurrilere Züge trägt, weil spekulative Nachfrage die Förderungen auf Maximum laufen lässt (Lettre), bzw. die Gier nach dem schwindenden schwarzen Gold selbst die entlegensten Winkel der Erde zerstört (Petrobas will in 5000m Tiefe bohren, wenn da was schief geht, kann das nicht repariert werden). Ihr begreift nicht, dass ihr als Aktionäre mit eurer Renditesucht, Firmen dazu veranlasst "effizienter" zu arbeiten. Das anfangs zugeflossene Kapital, fließt in dreifacher Menge wieder aus den Firmen heraus. Worauf das hinaus läuft sehen wir europaweit seit Jahren. Monopolisierung, die Fusionitis als regelrechte Krankheit, bloß nicht die Eigenkapitalrate als Börsennotiertes Unternehmen zu hoch halten, weil man ja sonst ein Übernahmekandidat ist. Es ist relativ einfach zu begreifen, dass wenn ich etwas herstelle/fördere/abbaue und von einen Tag auf den anderen ganz viel Geld dafür bekomme, dass ich versuche noch mehr zu erarbeiten (primärer sektor). Immer mehr und mehr um den Boom auszunutzen. @ THX1138: wie mh es so schön beschreibt, das ist ziemliche Fitzelarbeit, eben WEIL wir nicht unkomplex vorgehen sondern verstehen wollen was tatsächlich passiert. Menschen wie Juraprofessor Andreas Fisan, Prof. Elmar Altvater, Prof. Peter Grottian sind keine Menschen, die einfache Erklärungsmuster propagieren. Es mag stimmen das Neoliberale und deren Vettern mehr Ahnung von der Börse haben, aber gerade DANN ist es eine Schande das sie so weiter machen, obwohl sie wissen welchen Schaden sie mit ihrem handeln anrichten. Noch schlimmer sind allerdings solche Menschen wie mh die schon aufgegeben haben. Wie er in seinen Texten schreibt, weiß er, dass ein Großteil gequirlte Scheiße ist in unserem Wirtschaftssystem und begründet sein Nichthandeln damit, dass es ja sonst andere tun würden. Diese Argumentation habe ich in einem anderen Zusammenhang schonmal gehört und sie hatte auch damals nichts gutes bewirkt. Nachwievor versuchen wir a) und gegenseitig durch Recherche aufzuklären und b) auch Proteste und Aktionen zu organisieren. Das erfordert viel Zeit, die meisten von uns studieren oder gehen arbeiten. Die meisten Menschen erwarten Ad hoc Lösungen, die haben wir nicht zu bieten. Die hat keiner zu bieten und die Neoliberalen erst Recht nicht. Aber wenn du Ad hoc was tun willst, dann geh einfach mal zu einer Demo. Genau das ist nämlich der Punkt. Was meint ihr denn was los wäre, wenn die 11,3 Millionen Nichtwähler von der Bundestagswahl oder die 6,7 Millionen Hartz IV Empfänger, auf die Straße gehen? So schnell könntet ihr gar nicht kucken wie der Wirtschaft auf einmal ein ganz anderes Lüftchen um die Nase wehen würde. Und davor haben die Schiss und zwar gewaltigen. Die Angst ist sogar so groß, dass der BND damit betraut ist. Letztes Jahr als der DGB zur Großdemo rief, wurde mit der Polizei vorher von den Veranstaltern ausgeknobelt wieviele Menschen mobilisiert werden sollen. |
|
|
schrieb am
28.05.2010 um 00:25
@Technixer
"Die hatten das mal getestet, in dem sie mit Dartpfeilen auf Aktien (Portfolio)geworfen haben und zum Teil besser waren als die Börsenprofis mit ihrer sauteuren Software." Wenn ich mich richtig erinnere, warf sogar ein Affe die Dartpfeile...:-) |
|
|
@magda: das war doch nun aber eindeutig eine herleitung meinerseits... die zu etwas ganz anderem führte.
zu china: das war jahrzehntelang und ist es auch heute noch einer der betrügerischsten aktienmärkte dieser welt. da ist absolut gar nix rigide kontrolliert. es gibt nur einschränkungen genereller natur, die in den letzten jahrzehnten immer weniger wurden. der aufschwung chinas beruhte hauptsächlich auf westliche direktinvestitionen. z.b. war es für nike billiger dort näherinnen zu beschäftigen die ihre schuhe zusammennähen, statt eine maschine hinzustellen. so billig war china seinerzeit. @technixer: ich schrieb auch: "die vermeintliche komplexität vernebelt aber auch oftmals einfach nur den blick fürs wesentliche, denn die funktionsweisen sind generell immer gleich. auch bei der 10ten abart einer hypothekenverbriefung." der wallstreet affee, der mit dem darpfeilen, wurde mittlerweile wegen erfolglosigkeit entlassen. die knallköpfe hatten dahinter ja tatsächlich einen fonds stehen.^^ sowas wird in bezug auf den durchschnitt imer wieder mal eine zeitlang funktionieren und wer mathematisch völlig unbegabt ist, wird da sicher auch immer was tolles und sich bestätigendes dran finden. (wahrscheinlichkeiten sind keine konstante) :P "Umweltzerstörung, erodieren sozialer Standards, Zunahme psychischer Erkrankungen, Zerfall von Gemeinwohlorientiertem nachhaltigen Handeln. Die Vernetzung dieser Bereiche stehen eng mit der Entwicklung der Börse zusammen." das ist ein problem des gesetzgebers. wenn die strafen für die verletzung von umweltverschmutzungen so niedrig sind, dass es sich finanziell lohnt dagegen zu verstossen, weil die rendite entsprechend höher ist, dann tun unternehmen sowas. und wenn es a nicht tut, tut es b. das hergeben und zerfallen von sozialleistungen hängt unmittelbar mit der wirtschaftlichen entwicklung eines landes zusammen. nur wem es gut geht, der kann es sich leisten sein sozialsystem auszubauen. da politiker immer nur wahlen gewinnen wollen, ist deren handeln nicht darauf ausgelegt, ein sozialsystem so zu strukturieren, dass es auch überlebensfähig ist. das einzige was die können ist bürokratie schaffen durch die innere kosten stark erhöht erhöht werden. da kannste dann auch die gelder suchen, die uns heute fehlen. "Gemeinwohlorientiertem nachhaltigen Handeln" wer tut und tat das denn jemals? es gibt in der historie unserer art ganz wenige fälle, in denen das gesellschaftlicher usus war. und fairer umgang mit einander ist immer dann gegeben, wenn es den leuten in der breite gut geht. sobald es ein wenig kriselt, wird gekämpft. wir sind mittlerweile nur technisch so weit, dass es größere auswirkungen hat. und dabei habe ich absolut gar kein problem mit einer gescheiten finanzmarktregulierung. habe ich hier mehr als einmal geschrieben, dass ich bspw. keinen grund darin sehe mit weißen oder öl zu spekulieren. das ist blödsinnig. bloß da brauche ich nicht drüber reden ... wenn ich das thema börse für eine herleitung zu einer ineffizienz innerhalb unseres systems nehme und ihr dann beginnt über börse zu reden .. (unkomplex) statt über den punkt der ineffizienz. soll heißen: eingangsthese bestätigt. :P mfg mh |
|
|
weißen = weizen
zum glück habe ich mich nicht mit der gegenfarbe verschrieben, da hättet ihr euch ja wieder gefreut...^^ mfg mh |
|
|
"das ist ein problem des gesetzgebers. wenn die strafen für die verletzung von umweltverschmutzungen so niedrig sind, dass es sich finanziell lohnt dagegen zu verstossen, weil die rendite entsprechend höher ist, dann tun unternehmen sowas. und wenn es a nicht tut, tut es b."
Da lieferst Du wieder ein Stichwort. Der Gesetzgeber, also der Staat ist in den letzten Jahrzehnte als eine Art überflüssiger Moloch dargestellt worden. Allenthalben ging die Rede - vor allem von den Neoliberalen- dass man auf den Staat eigentlich verzichten kann. Staatliche Kontrolle ist ja beinahe sowas wie Sozialismus. Die Rede von der Senkung der Staatsquote habe ich gerade wieder gehört. Zusammen mit dem unglaublichen Lobbyismus und der Erweiterung der gesetzgebenden Akte auf Europa ist es sehr schwer geworden, wichtige Regeln durchzusetzen. Der Staat ist eigentlich fast schon geentert von den großen Lobbyisten. Diese merkwürdige Arbeitsteilung in den Ministerien, wo Spezialisten aus den Verbänden die Gesetzestexte schreiben, ist nur ein Indiz dafür. Man kann aber ohne effiziente Kontroll- und Sanktionsmechanismen am Ende nichts wirklich durchsetzen. |
|
|
Ja, Technixer, und dann gibt es da noch jene, die ganz gezielt Verwirrung stiften und die Welt noch komplexer darstellen, als sie sonst schon ist. Denn orientierungslose Menschen sind manipulier- und steuerbar, das zeigt auch die Geschichte.
Allerdings, und das möchte ich betont haben, halte ich die Banken und Finanzdienstleister nicht für die Hauptschuldigen an den derzeitigen Verwerfungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüge. Sie tragen zugegebenermassen einen Grossteil der Schuld an den derzeitigen Verwerfungen- doch an den Entwicklungen in der Vergangenheit waren nahezu alle Akteure, vom einfachen Bürger über den Politiker bis zum Hedgefundsmanager (weibliche Form mit inbegriffen) in irgendeiner Form beteiligt: Im Schnäppchenzeitalter haben alle nur noch eines im Kopf gehabt- gut, vieleicht nicht alle, aber doch ein ganz betrachtlicher Teil aller Menschen in unseren Volkswirtschaften: Nutzenmaximierung. Wo der Konsument billiger konnte, hat er auch billiger gekauft, wo der Politiker konnte, hat er auch das maximal mögliche (Wahl)resultat erzielt und wo der ...Banker konnte, hat er die maximal mögliche Rendite herausgeholt. Das Angst da ist in luftigen Höhen, das sieht man zum Beispiel im Börsenbrief einer schweizerischen Investmentgesellschaft, den ich gerade in der Hand halte: Da ist zuerst die Rede davon, dass der Linksrutsch in NRW tatsache geworden ist ("Der Linksrutsch ist Tatsache geworden."), dann ist da die Rede von politischen Zündschnüren, "(...) Griechenland ist vieleicht die Zündschnur, die brennt, aber nicht das Pulverfass." Süäter dann wird angemerkt, dass "den gegen den Euro wettenden Spekulanten der Kampf angesagt wird" etc. Ich denke, man begreift langsam, dass man den Menschen im Informationszeitalter (das ist ein wesentlicher Faktor, der gerne unterschätzt wird!) kein A mehr für ein U vormachen kann. |
|
|
@mh: "a) vielen menschen glauben sie sind informiert, weil sie etwas gelesen haben."
Das ist allerdings eine elementare Erkenntnis: Viele Menschen lesen einen einspaltigen Artikel über igendein Thema, mit dem sie bislang nie zu tun gehabt haben- und glauben plötzlich, Bescheid zu wissen. Das ist eine der der vielen Illusionen des Informationszeitalters. So richtig klar wurde mir das, als ausgerechnet Hans Magnus Enzensberger eines schönen Tages in der Zeit ein Essay über die Finanz- und Kapitalmärkte geschrieben hat: Bereits nach wenigen Zeilen brach ich die Lektüre ab. Wer gewisse Vokabeln einsetzt, sollte auch deren Bedeutung (und die übergeordneten Zusammenhänge) kennen- sonst lässt er es lieber bleiben. |
|
|
@magda: da ist es wieder, das neoliberal. wenn es denn wirklich neoliberal gewesen wäre... dann hätten wir ein paar probleme weniger, denn genau solche sachen soll der neoliberal agierende staat regeln. also rahmen stecken und diese absteckung kontrollieren.
das ist aber nicht erfolgt. bei den lobbys kommen wir da schon eher zusammen. aber auch unter dem gesichtspunkt, dass das volk als solches sich bisher keine lobbys geschaffen hat und die politik als volksvertreter nicht mehr von diesem bestimmt wird. wir sollten dabei aber nicht ausser acht lassen, dass deutschland vorn vorneweg ein vereins- und verbandsbestimmtes land war. seit es lobby heißt, sehen wir darin erst ein problem. mfg mh |
|
|
"und da verlieren sich die linken in soviele tausend einzelteile, dass sie ohnehin keinen gegenpol darstellen können. da hilft auch kein protest."
So ist es. Auch wenn da eine halbe Millionen auf die Straße gehen, wird das die Adressaten nicht weiter jucken. Das sind alles Aktionen der Hilflosigkeit. |
|
|
@ mh- "wir sollten dabei aber nicht ausser acht lassen, dass deutschland vorn vorneweg ein vereins- und verbandsbestimmtes land war. seit es lobby heißt, sehen wir darin erst ein problem."
Nee, Lobbyismus hat mit Vereinswesen und Verbandswesen nur bedingt zu tun. Was ich meine ,sind die - von mir schon genannten Auswüchse, dass Industrie- und Wirtschaftslobbyisten - nicht der kleine Verein - voll Einfluss haben oder solange antichambrieren bis sie sich durchgesetzt haben. Die haben ja auch "Druckmittel". |
|
|
seh da nicht den dissens. die sammeln sich doch auch alle in verbänden und vereinen. :D
vom prinzip her ist das auch keine andere arbeit, nur mit mehr cash im background und somit mehr macht. also die struktur wie sie ist, nur professionalisiert. mfg mh |
|
|
liebe magda, du hast in tiefstem nebel in ein wespennest gestochen mit deinem blog zur finanzerei.
frag mich, weil das thema wurde, ob mensch wirklich verstehen muss, was die da treiben in banken, börsen, lobbyistenzirkeln, parteigremien, parlamenten und unterausschüssen. genügt es nicht, zu sehen, was für folgen das zeitigt? was den mix aus institutionen wie banken, medien, parteien, verbänden usw. betrifft, beweist die realität nicht, dass die kausalität aufgehoben ist, vielmehr, dass nichts positives resultiert, wenn die eingaben negativ sind. historisch ist das ein alter hut. nach der grobialischen phase kommt die feinkörnigere der reife oder zivilisation. aber nirgendwo ein zusammenhang. das verbindliche ist mangelware im anything goes, im markt, der alles machen soll. als platon seinen idealen staat entwarf, lag athen in den letzten zuckungen. sich trotzdem über das zu verständigen, was besser wäre als die vorhandene gesellschaft, dazu war die akademie in athen da, und dazu ist unser forum da. ceterum censeo: die banken haben zu dienen, nicht zu herrschen, wie wirtschaft überhaupt. die kontrolle muss unabhängig von lobby und geldgeschenken sein. schaun wir mal, ob wir ein paar unbestechliche finden. die setzen wir dann ein. |
|
|
@ h.yuren- "frag mich, weil das thema wurde, ob mensch wirklich verstehen muss, was die da treiben in banken, börsen, lobbyistenzirkeln, parteigremien, parlamenten und unterausschüssen. genügt es nicht, zu sehen, was für folgen das zeitigt?"
Nee, das kann ich so nicht sehen. Mir haben Schumanns Einlassungen sehr geholfen, vor allem, wenn man in der Kommunikation mit anderen Leuten erklären will, wie was zusammenhängt. Da genügt es - wie ich finde - nicht, zu sagen: Guckt Euch die Erde an, seht die Folgen. Keine Folgen ohne Ursachen. Denke ich Gruß |
|
|
magda, du weißt, dass ich grundsätzlich für aufklärung zu haben bin. aber mir genügt z.b. zu wissen, dass die zentralbanken für null komma nix geld bieten, damit die banken es mit hohen zinsen verleihen können. hast du den deal verstanden mit oder ohne schumann?
wenn die leutchen das geld arbeiten lassen, weiß mensch, wie das zu verstehen ist. |
|
|
Danke h.yuren, genau das meinte ich mit meinem Kommentar.
mh schreibt "Eingangsthese bestätigt" meine nämlich auch. Keinerlei Systemkritik nur ein bisschen reparieren (die politiker sollens richten) und schon gehts weiter. Nur wohin soll die Reise gehen lieber mh? Auf meine konkret genannten Beispiele bist du nicht eingegangen. Ich hake also nochmal nach, am besten mit dem Beispiel Tropenholz. Das meiste Tropenholz kommt aus armen Ländern. Offizielle Drohungen westlicher Industrienationen den Abbau einzuschränken, führten dann zu eher schlecht als recht ausgestatteten Rangern die riesige Gebiete bewachen sollen. Mittlerweile wissen selbst arme Menschen was sie mit Raubbau anrichten, aber was macht man, wenn man von dem Geld drei Monate überleben sichern kann oder den Kindern einen Schulaufenthalt? Nun kommt die Börse und der Handel ins Spiel; die Unternehmen, welche mit "legalem" (also umdeklariertem) Tropenholz handeln, sind allesamt börsennotierte Großkonzerne bzw. deren kleine Tochtergesellschaften. Steigt die Nachfrage nach Anteilen (aus welchen Gründen auch immer) muss das Unternehmen auch seinen Umsatz und mithin seinen Gewinn steigern um der folgenden Renditeerwartung nachzukommen. Können sie dies nicht, fällt der Nominalwert pro Aktie und das Kapital wird abgezogen. Kann dann der Umsatz durch mehr legalen Abbau nicht erhöht werden, steigen ergo die Schwarzmarktpreise. Somit erhöht sich der Anreiz für den Raubbau in geschützten Gebieten. Auf die Sache mit der Ölpreisspekulation verzichte ich mal. Um nochmal darauf hinzuweisen, die Börse ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das Gewinnorientiert "arbeitet" das heißt die die Anzahl täglich durchgeführter Transaktionen zu maximieren, ergo werden die einen Teufel tun und irgendwelche freiwillige Begrenzungen einführen. @thx; warum haben die Menschen denn die Geiz-ist-geil Mentalität so herrlich gut adaptiert? Doch nur weil die Löhne seit Jahren stagnieren und zum Teil sinken, dass ist doch ein Kreislauf. Jahrelang wurde man medial mit "Sparen, sparen wir müssen sparen" beschallt, alles wurde enger geschnallt, auch wenn Außenhandel mit bis zu 33% Rendite vor Steuern aufwarten konnte (Sprecher der Deutschen Bank, zum Thema 25% und mehr seien unrealistisch, siehe FAZ). Die Reichen sind immer reicher und reicher geworden, fühlen sich trotzdem prekarisiert. Ich möchte an die Pessimisten hier mal eine Frage stellen: Sind denn schon jemals mal viele Menschen in Deutschland auf die Straße gegangen? Ich sage ja und mit konkreten Ergebnissen; das Bildungsstreikbündnis (auch wenn die Medien das nahezu totgeschwiegen haben) hat es geschafft das Frau Schavan sie angehört hat und diskutiert hat. Mit konkreten Ergebnissen, diese sind zwar klein, aber in Anbetracht dessen dass fast nur Studenten demonstriert haben schon eine beachtliche Leistung. Die 68er, die Leipziger Montagsdemos, sie alle haben etwas bewirkt, ihr spielt den Mächtigen doch in die Hände wenn ihr alles hinnehmt. Achso, zum Thema "wir hätten ja keine Alternativen zu bieten" das ist jetzt hier nicht euer Ernst oder was?! Es kann ja wohl nicht die Aufgabe von finanziell eher schlecht ausgestatten NGOs sein, bis ins Kleinste ausgefeilte Alternativen zu entwickeln, während die milliardenschwere neoliberale Thinktank Industrie und Wirtschaftsinstitute die Daumenschrauben der Bevölkerung anziehen, aber ansonsten keine Ahnung haben wohin dieser Affenzirkus führen soll und sich auch einen Dreck darum kümmern. Die Reichen müssen gezwungen werden sich darum zu kümmern und dies funktioniert nur über Druck von unten. Außerdem gibt es im Kleinen durchaus überzeugende Konzepte, aber sie werden nicht beachtet, weil kein Druck dazu da ist. Schaut euch Frankreich mit seiner Protestkultur und Griechenland, wenn plötzlich die Bevölkerung der mächtigsten Wirtschaftsnation aufbegehrt, sollten diese Konzepte einfach mal umgesetzt werden. |
|
|
@ h.yuren- "magda, du weißt, dass ich grundsätzlich für aufklärung zu haben bin. aber mir genügt z.b. zu wissen, dass die zentralbanken für null komma nix geld bieten, damit die banken es mit hohen zinsen verleihen können. hast du den deal verstanden mit oder ohne schumann?"
Ich danke Dir aufrichtig, dass Du mich von der Nutzlosigkeit meines Beitrages, über ein Feld, das ohnehin alle verstanden haben, profunde überzeugen wolltest. Mir wird langsam eigen, wenn ich sowas lese. Vielleicht ist auch das Interview mit Flassbeck in der Printausgabe sinnlos, denn Du weißt ja alles schon. Nein, es genügt eben nicht, eine eigene Überzeugung zu haben, wie man am Publikum dort gemerkt hat. Das ist eine höchst egozentrische Einstellung. Man muss Zusammenhänge schon nochmal darstellen. @ Technixer "Danke h.yuren, genau das meinte ich mit meinem Kommentar" Danke für die freundlichen "Hinweise". Ich dachte, die Systemkritik ergibt sich aus dem Beschriebenen. Die einzelnen Beispiele dafür, wie Mechanismen wirken, wie die mit dem Tropenholz wären dann ja eigentlich auch obsolet. Das weiß man doch, wie h.yuren sagt, oder nicht? Dass die "Politiker" es richten sollen, steht bei mir nicht, aber dass sie unter Druck geraten müssen. Und diesen Druck muss man erzeugen, das ist sicherlich richtig. Nur: Die Leute müssen auch erklärt kriegen, einfach Zusammenhänge. Und nicht jemanden,der herkommt, sie scharf anblickt und sagt: "Banken sind Scheiße". |
|
|
@Technixer: "warum haben die Menschen denn die Geiz-ist-geil Mentalität so herrlich gut adaptiert? Doch nur weil die Löhne seit Jahren stagnieren und zum Teil sinken, dass ist doch ein Kreislauf." Ja, natürlich: Billige Menschen müssen billige Güter kaufen, das hat schon Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson vor Jahren einmal festgestellt. Wobei in unserem Zusammenhang einschränkend festgestellt werden muss, dass diese Geiz-ist-geil-Mentalität alle Bevölkerungsschichten erfasst hat. Auf den riesigen Parkplätzen vor den Superdiscountern Aldi, Lidl & Co. stehen jeweils Cayenne, X5, Q7 und AMG Mercedes wie selbstverständlich neben Klein- und Kleinstwagen oder uralten Schrottbüchsen. Sinnigerweise ist die Werbeagentur (Weber, Hodel, Schmid WHS AG) die seinerzeit den erwähnten und zur Metapher gewordenen Claim für Saturn kreiert hat, selber in Konkurs gegangen...
Doch zurück zu Deiner Kernfrage, warum die Menschen nicht mehr auf die Strasse gehen: Du hast mit Recht die Zeit um 1968 als Beispiel genannt. Doch diese "Revolution" fand in einer wohlgeordneten, übersichtlichen und durch die Wirtschaftswunderjahre wohlgenährten Zeit statt. Unsere Zeit ist da ganz anders, vor allem ist es nicht mehr so einfach (wenn nicht sogar unmöglich), den Freund vom Feind zu trennen, Ursachen und Wirkungen zu benennen, kausale Zusammenhänge zu erkennen und Gut und Böse auseinanderzuhalten. Alles hängt "irgendwie" miteinander zusammen, das ahnen wir doch nur schon in dem Augenblick, indem wir hier miteinander über Java Appletts und 2 Gigahertz-Computer kommunizieren und unsere Texte schreiben. Die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts nutzen wir alle- ohne uns richtig bewusst zu sein, was diese Möglichkeiten im Endeffekt für Auswirkungen haben. Wir sind alle Bestandteil einer technologisch geprägten Umwälzung, wir sind Opfer und Täter zugleich. Wenn wir auf die Strasse gehen, dann müssten wir konsequenterweise auch gegen uns selbst vorgehen. Da kommt mir spontan eine frühe Grafik von Klaus Staeck in den Sinn: Mann der Arbeit aufgewacht! Man kommt in der Argumentation halt immer wieder auf eine Entwicklung zurück, die Frank Schirrmacher bereits schon in Pay Back beschrieben hat. Unsere zeit sehr gut zusammengefasst hat Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister in der Clinton Administration in seinem Buch "Superkaitalismus": „Der wahre Schuldige ist etwas, das ich Superkapitalismus nenne: Ein immer stärker werdendes Wirtschaftssystem, in dem Konsumenten und Anleger immer mehr Macht haben und Arbeitnehmer und Bürger immer weniger. (...) Die Machtverschiebung, die wir in den letzten Jahren beobachten konnten, ist also auch eine Verschiebung in uns selbst und hat einen Wandel unserer Weltsicht, unserer Prioritäten, unseres Alltages und der gesamten Gesellschaft zur Folge." |
|
|
@Magda; du warst bei der Veranstaltung von Harald Schuhmann, gut ok. De facto hättest du deine Informationen aber auch aus der verfügbaren Literatur ziehen können. Natürlich ist ein Vortrag angenehmer und die geballte Ladung Information. Aber damit ist noch gar nichts erreicht.
Zur Person Harald Schuhmanns möchte ich anmerken, dass er genauso ist wie Dirk Müller. In Krisenzeiten kommen immer irgendwelche Leute, die vorher ganz prächtig mit den bestehenden System verdient haben, hervor die nun ihr Fähnlein neu ausrichten. mh hat diesbezüglich Recht, ich hatte damals mit Herrn Schuhmann bei einer DGB Veranstaltung persönlich das Vergnügen; er war der Meinung man müsse nur den Kredithebel begrenzen und alles wäre wieder in Butter und Blasen würden vermieden. Doch 1,5 Jahre später stößt er in das Horn von Attac, wortgleich. Rhetorisch jedoch weitaus besser, sonst wäre er nicht Chefredakteur. Zum Thema Lobbyismus und dem deutschen Verbändestaat kann ich dir nur beipflichten Magda. Lobbyismus gibt es überall, in den USA ist er noch ausgeprägter als hier und das obwohl Deutschland ein Verbändestaat ist. Am Montag (31.05. um 18:00Uhr) ist im OSI der FU Berlin Nina Katzemich von Lobbycontrol und wird ein Ründchen aus dem Nähkästchen plaudern. Ihr seid herzlich eingeladen. Wer sich informiert, der kann auch selbst über jetzt schon nutzbare Alternativen nachdenken, bspw. sein Konto nicht mehr bei der Deutschen Bank, Citybank, DreBa usw. zu haben sondern bei der GLS oder anderen gemeinnützigen Banken. Der Normalbürger, also die Masse der Bevölkerung hat kein Aktien Portfolio. Den Schuh der Mitverschuldung durch angebliche Unwissenheit und "Gier" ihr Geld in Immobilienfonds angelegt zu haben, diesen Menschen anzulasten ist ein Hohn. Sehr wohl überlegt und platziert durch INSM und Co. |
|
|
@ Technixer "du warst bei der Veranstaltung von Harald Schuhmann, gut ok. De facto hättest du deine Informationen aber auch aus der verfügbaren Literatur ziehen können."
Es ist nun mal der Journalisten Brauch, eine Veranstaltung zum Anlass zu nehmen. Wenn ich hier einen "Vortrag" abgeliefert hätte, wäre ich weniger beachtet worden . Was soll denn diese unsinnige Belehrung? Außerdem - auch dort versammeln sich Gleichgesinnte, die es gut finden, nochmal paar Argumente und Zusammenhänge zu hören, auch wenn sie nicht alle teilen oder viel weitergehende Forderungen haben. Schumann hat ja auch beim "Bankentribunal" mitgewirkt und ist bei "attac" aktiv. "Zur Person Harald Schuhmanns möchte ich anmerken, dass er genauso ist wie Dirk Müller." Nein, nein und nochmal nein. Schumann/Martins "Globalisierungsfalle", sehr informativ und ziemlich alleingestellt, ist schon vor 15 Jahren erschienen. "Rhetorisch jedoch weitaus besser, sonst wäre er nicht Chefredakteur." Ja, es wäre gut, sich manchmal um eine bessere - und wie ich finde - weniger besserwisserische Rhetorik zu bemühen. Außerdem: Schumann ist nicht Chefredakteur. Er ist beim Tagesspiegel als Journalist für besondere Aufgaben. Er ist vom "Spiegel" weggegangen, weil Aust damals einen Beitrag von ihm über Windenergie nicht wollte. Also an diesen Details stimmt wenig. "Den Schuh der Mitverschuldung durch angebliche Unwissenheit und "Gier" ihr Geld in Immobilienfonds angelegt zu haben, diesen Menschen anzulasten ist ein Hohn. Sehr wohl überlegt und platziert durch INSM und Co." Das sehe ich auch so und - aber nicht weil Schumann ebenfalls drauf hingewiesen hat. Generell bin ich der Meinung, dass sich hier eine merkwürdige Debatte entspinnt. Ich bin sehr einverstanden, dass mehr Aktivität erforderlich ist. Was hindert die Leute? Ich weiß es nicht. Aber mich nun - für einen zusammenfassender Beitrag über den Vortrag eines Globalisierungs- und Bankenkritikers - zu schelten, weil ich die Systemfrage nicht gestellt habe, ist mir überhaupt nicht einleuchtend. |
|
|
die ueberbringer schlechter nachrichten wurden schon immer gekoepft, heute nur noch verbal und du nun stellvertretend fuer alle anderen... ;)
also das generelle informieren, ueber solche vortraege wuerde ich nicht in abrede stellen wollen. es gibt immer mehrere wege und nur einer ist sicher nicht sinnvoll. warum sich wenig regt, scheint mir jedenfalls eindeutig... uns geht es im grossen und ganzen doch recht gut. und taeglich ueberleben wir mindestens eine krise. gefuehlt, muesste ich schon laengst tot sein. mfg mh |
|
|
Dann hast du mich missverstanden. Wie schoneinmal in einem anderen Blogbeitrag von dir. Scheinbar sind meine Formulierungen doch nicht so zu verstehen wie ich sie gemeint habe. Ich habe dich nicht ein bisschen gescholten, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass die dargebrachte Information auch angelesen werden kann.
"Aber damit ist noch gar nichts erreicht." mit diesem Satz bezog ich mich mittelbar darauf, dass viele Menschen, vor allem Studenten, denken, nach so einem Vortrag wäre der Demokratie genüge getan, man gehört ja jetzt schließlich zu den Kritikern. Doch dann fängt die eigentliche Arbeit ja erst an, sich nämlich Gedanken über Alternativen zu machen und sie zu veröffentlichen, wie zum Beispiel das Attac Positionspapier www.freitag.de/community/blogs/technixer/attac-positionspapier-zum-diktat-von-iwf-und-eu Ich weiß das Herr Schumann beim Tribunal war, als Zeuge und er war ziemlich gut. Würde sogar behaupten neben Sven Giegold einer der besten Zeugen, was meiner Abneigung gegen ihn als Person, aber keinen Abbruch tut. Zum Thema Details, liebe Magda weiß ich nicht warum du gleich so gereizt reagierst. Uns wurde Herr Schumann als Chefredakteur des Wirtschaftsteils im Tagesspiegel vorgestellt. Wenn ich mich also vertan habe dann nur in seiner Position innerhalb dieser Tageszeitung. Zweitens; dass Herr Schumann die Globalisierungsfalle vor 15 Jahren geschrieben hat ändert nichts an daran, dass er die Finanzmärkte damals nicht für das Grundübel gehalten hat. Jetzt sieht seine Position wesentlich differenzierter aus. Wie ich auch obig bemerkt habe. Er sagt ja nun jetzt, dass die Finanzmärkte wesentlich geschrumpft werden müssen und da sie das nicht von selbst tun, halt per Gesetz zerschlagen. Er fordert jetzt Tobin, höheres Eigenkapital, Kredithebelbegrenzung u.v.m. ein ganzes Maßnahmenpaket. Langfristig betrachtet hält er (ebenso wie Attac) eine Abschaffung für sinnvoll. Zum Thema Aufklärung, ich glaube die wenigsten Menschen interessieren sich für Hintergrundinformationen. Sie sehen was passiert und sind unzufrieden. Dann kommt die Intelligentia und veröffentlicht Dinge wofür der Arbeitnehmer einfach keinen Kopf hat. Zur Massenmobilisierung absolut ungeeignet. Deswegen kommen auch kaum Leute zu Griechenland Demos. Aber für Brot und Spiele sind sie alle zu haben, weil es sie vom grauen garstigen Alltag ablenkt. Die wenigsten wollen sich dann noch mit Politik beschäftigen. Mein Beispiel mit Edelhölzern war direkt an mh gerichtet und an Leute die mit hohem Bildungsgrad und Blauäugigkeit an den Börsen agieren. Ich frage dich Magda, welche Menschen sind hier in der FC aktiv? Zum Großteil Menschen mit einem hohen Bildungsgrad, ACHTUNG! das bedeutet nicht das man dafür studiert haben muss. Momentan habe ich folgendes Bild, sowohl Ottonormalverbraucher, als auch die intellektuelle Schicht, verharren in gebannter Wut. Sie hören sich Vorträge en masse an. Es wird geschrieben, dass die Tasten qualmen, aber Druck erzeugen durch Demonstrationen, Flashmobs etc. tun nur ganz wenige. Das ist meine Kritik. Sie ist an alle gerichtet die sich über das bestehende System aufregen, echauffieren, mit der Stammtischgabel in den Ackermann und die Merkel zu stechen und trotzdem nichts tun, außer die Untaten stillschweigend hinzunehmen. Scheinbar ist meine Rhetorik dann doch nicht so ausgefeilt, um diesen Widerspruch deutlich zu machen. Zu gut greift das "es-bringt-ja-doch-nichts". |
|
|
ich muss gestehen, dass ich absolut nicht wuetend bin. es passiert me nur das, was passieren muss.
genaugenommen bin ich sogar sehr dankbar jetzt zu leben, denn mit 30 jahren nun schon grenzverschiebungen, euopaeische zusammenschluesse, 2 waehrungswechsel, mehrere finazmartkrisen, wirtschaftskrisen und verfallsszenarien erlebt zu haben, bringt mir einen wissenschub, den ich theoretisch nie in dieser kurzen zeit erlangt haette. anschauungsmaterial en masse und redefreiheit obendrein... da darf man auch mal dankbar sein, zumal es mir immer gut ging. das grundsaetzliche problem, dass wir nicht aufloesen werden, ist, dass wir keine uebergreifende struktur haben. im gegenteil, verschiedene nebeneinander wurschtelnde systeme aus gruppierungen, die alle verschiedenen sachzwaengen unterliegen und somit theoretis h ein sehr beschraenktes aktionsfeld, aus dem auch nicht rauszukommen ist. ich mag krieg nicht, aber hatte halt bisher diese aufbrechende funktion die wir aus dem system selbst heraus bisher nicht hinbekommen. mfg mh |
|
|
"Zum Thema Details, liebe Magda weiß ich nicht warum du gleich so gereizt reagierst. "
Kann ja sein, dass ich Gereiztheiten aus einer anderen Kontroverse hier mit eingeschleppt habe. O.K. "Zum Thema Aufklärung, ich glaube die wenigsten Menschen interessieren sich für Hintergrundinformationen" Mag sein, aber ich hoffe, Du meinst damit jetzt nicht h.yuren. :-)) So wie Du über Menschen schreibst, klingt es elitär, ist aber wohl richtig. Es betrübt mich, aber ich sehe da weniger "die Menschen", als das Laufrad, in dem sich alle bewegen. "Es wird geschrieben, dass die Tasten qualmen, aber Druck erzeugen durch Demonstrationen, Flashmobs etc. tun nur ganz wenige. " Da hast Du natürlich Recht. Nur, ich weiß einfach nicht, warum das so ist. Es fehlt ein Element, das die Menschen direkt drauf stößt. Eine sozial und auch von der Umwelt her einschneidende Sache. Aber ist das dann wieder "wünschenswert". Ich denke gerade an den "Golf von Mexiko". Gruß Magda |
|
|
"So wie Du über Menschen schreibst, klingt es elitär"
Also einem streng definierten Personenkreis im negativen gehöre ich nichts an (eine Gruppe überdurchschnittlich qualifizierter Personen). Denn die sogenannte gesellschaftliche Elite ist ein so ekelhafter Vetternwirtschaftshaufen (der Spiegel über die Verhinderung des Klassenaufstiegs) dass dieses Wort "Elite" also von electus = ausgelesen, keineswegs mehr mit Leistung gleichzusetzen ist. Ich distanziere mich von denen. Ich sehe das Ganze eher Pragmatisch, der Eine interessiert sich halt für Verbrennungsmotoren und Fußball, der Nächste hat halt andere Interessen. Von diesem Standpunkt aus, kann man den Desinteressierten keinen Vorwurf machen. Ich kenne genügend Menschen die nach neun Stunden Arbeit einfach nicht mehr können, weil Mobbing, Arbeitsdruck sie auffrisst. Die wollen etwas Schönes erleben in ihrer Freizeit um Kraft zu schöpfen für folgende Arbeitstage. Diese Menschen rafft man nur mit klaren Statements auf und DAS ist meiner Auffassung nach die Aufgabe der intellektuellen Linken (nix Elite). Mensch und Umwelt vor Profite! |
|
|
lieber technixer, mit der kontofrage sprichst du einen wunden punkt an. eben habe ich die nachricht von utopia.de erhalten, dass greenpeace und andere die atombanken auf ihre geberlaune inspiziert haben. die deutsche bank erscheint unter den 10 weltbesten nuclearbanks. also da und von den verbandelten banken so schnell wie möglich weg! kein konto mehr bei einer atombank!
|
|
|
@mh: "warum sich wenig regt, scheint mir jedenfalls eindeutig... uns geht es im grossen und ganzen doch recht gut." darüber grübel ich auch die ganze zeit nach. zwei gedanken die meines erachtens nicht dafür sprechen, das deswegen kein Aufstand herrscht:
a) die situation in den meisten anderen ländern ist weitaus schlimmer, trotzdem begehren die menschen nicht auf (afrika, indien) und gerade da müssten alle sturm laufen b) elias canetti spricht von einer art fehlendem massenkristall, etwas womit sich alle identifizieren können, diese gemeinsamkeit fehlt insbesondere in den sozialen bewegungen. das paradoxon daran ist, dass ja eigentlich alle ein soziales, gerechteres, ökologischeres nachhaltigeres wirtschafts- und gesellschaftssystem wollen. ein besseres miteinander und nicht gegeneinander. es ist extrem schwierig trotz dieser starken gemeinsamkeiten, die sozialen bewegungen unter einen hut zu bringen. diese diese beiden punkte führen vermutlich zu dem resultat des verharrens und stillstandes. ich würde nicht behaupten dass es daran liegt das es den menschen noch zu gut geht und deswegen kaum aufbegehren existiert. bildung und kritik muss man sich leisten können, dass können die westlichen gesellschaften. doch warum verharrt auch die geistige elite? trotz der eklatanten widersprüche? |
|
|
@Technixer
@mh: "warum sich wenig regt, scheint mir jedenfalls eindeutig... uns geht es im grossen und ganzen doch recht gut." Das wird sich demnächst ändern. „b) elias canetti spricht von einer art fehlendem massenkristall, etwas womit sich alle identifizieren können, diese gemeinsamkeit fehlt insbesondere in den sozialen bewegungen. „ Das genau ist es, was wir brauchen - und es kann auch ein ganz einfacher Kristall sein. Ein Demokratiesierungskonzept, oder ein gerechtes allgemeinwohlförderndes Krisenkostenfinanzierungsgesetz: Mittlere und untere Einkommensbezieher werden für die Kosten nicht herangezogen.... "doch warum verharrt auch die geistige elite? trotz der eklatanten widersprüche?" Das frage ich mich auch |
|
|
Danke für den Beitrag Magda, scheint eine interessante Veranstaltung gewesen zu sein. Ich finde Aufklärung sehr wichtig und die klare Benennung des Unrechts auch. Und je mehr man erfährt, wie das ganze läuft, um so gewisser wird man, dass es so nicht weitergehen kann und einschneidende Maßnahmen her müssen.
Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung ist dafür, dass die eigennützigen Lobbyverbände keinen direkten Einfluss auf die Politik haben dürfen. Und das Grundgesetz sagt eindeutig, dass die Abgeordneten Vertreter des ganzen Volkes sein sollen und alle Staatsgewalt vom Volke ausgehen soll. Verflechtungen der Politik mit, und Abhängigkeiten von der Finanz-und Großindustrie müssen unterbunden werden. Das ist auch national zu lösen. Ich finde, dass dieses Thema viel zu wenig lösungsorientiert in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Die Macht einer kleinen Minderheit über die Mehrheit wird fast schon als unantastbares Naturgesetz hingestellt... |
|
|
>>Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung ist dafür, dass die eigennützigen Lobbyverbände keinen direkten Einfluss auf die Politik haben dürfen.<<
Nur: Das müsste man erst mal durchsetzen, gegen die Lobby. Dazu hab ich vor Jahren einen Vorschlag gemacht: Wir gründen eine Volkslobby. 20 Millionen wären gut, 25 besser. Wir einigen uns auf ein paar einfache Ziele, die von einer möglichst breiten Mehrheit der VL beschlossen werden können und nach Prioritätenliste abgelobbyt werden: Was die meisten Stimmen hat, zuerst usw. Jedes Mitglied zahlt pro Jahr 10 DM oder heute 10 € in die Lobbykasse. Nach Abzug der Verwaltungskosten haben wir dann ein hübsches Sümmchen, mit dem Parteien und Abgeodnete korrump- äh lobbysieren können. Und mit unseren vielen Wählerstimmen wählen natürlich immer die, die wir gekauft haben... |
|
|
Gute Idee.:)
Meine Priorität hätte ein gerechtes Krisenkostenfinanzierungsgesetz. Die Verantwortlichen sollen zahlen und die, die es sich leisten können. |
|
|
da lese ich doch lieber das Original im Tagesspiegel, das ist wenigstens ohne "links":
www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/die-krise-ein-schauspiel-der-ohnmacht/1714228.html |
|
|
Hallo Magda, wie immer ein Artikel der alles sehr gut beschreibt und ich denke da sofort an den B.B." Erst kommt das Fressen, dann die Moral ".
|
Ausgabe 06/12
09.02.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen