Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Matussek an die Welt IV (Finale mit Bild)

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Eigentlich wollte ich meine Bemühungen um das Buch über Matusseks katholisches Abenteuer schon beenden. Die Riesenode an den „Jahrtausendpapst“ Johannes Paul II. habe ich nur gelesen, weil die Lektüre mal wieder vor Augen führt, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. Ich sehe da einen machtbewussten Kirchenfürsten, gekleidet ins Gewand gewinnenden Wesens, aber knallhart und erbarmungslos, sendungsbewusst und medienscharf. Und dort wo andere Güte und Freundlichkeit sehen, sehe ich List und eine gewisse Schläue. Und ich sehe sein Sterben – von Matussek mit tiefem Griff in die Harfe beweihräuchert – als gespenstisches Schauspiel eines Menschen, der von der Erdenmacht nicht loskommt. Ich sehe das ständig „lächelnde Unbeugsame“ als eine Maske der Falschheit und Grausamkeit durch die Jahrhunderte. Sie sind unfromm – die Päpste. Man ist halt nicht unparteiisch.

Nein, das will ich nicht weiter verfolgen.. Die flappsigen Bemerkungen über ein Priestertum für Frauen –all das kommt konservativ und alltäglich des Wegs und erinnert an die Tatsache, dass Männer im Augenblick ohnehin verunsichert sind und dabei wenig Souveränes herauskommt.

Aber dann kommt noch ein Teil über

Gottes eigenes Land

Warum die Amerikaner den Höchsten auf ihrer Seite wissen

Dieser Abschnitt hat mich deshalb interessiert, weil eine andere ernsthafte Autorin sich schon vor einigen Jahren Gedanken über das Selbstverständnis der USA im Vergleich zu Europa gemacht hat. Gret Haller heißt sie und hat in „Die Grenzen der Solidarität, Europa und die USA im Umgang mit Staat, Nation und Religion“ gravierende Unterschiede benannt, die – wie sie am Beispiel ihrer Mission als Ombudsfrau für Menschenrechte in Bosnien Herzegowina erfahren hat – die Zusammenarbeit mit den USA dort sehr erschwert haben. Ich kann das Buch nur empfehlen – hier ein Link mit guten Besprechungen und Zusammenfassungen.

Wie Gret Haller stellt auch Matussek in seiner Schau auf das religiöse Leben in den USA fest: „Es ist im Kern rebellisch, antistaatlich.“ Oder: „Seinem Wesen nach ist der amerikanische Individualismus nicht als – die grenzenlose Einsamkeit mit Gott.“ Diese Einsamkeit mit Gott scheint am Ende auch die Konstruktion amerikanischer Identität als eines von Gott auserwählten Volkes“ zu begründen.

Es wird in der Tat nirgendwo auf der Welt so sehr darauf geachtet, dass der Staat sich aus den religiösen Dingen – wie überhaupt aus den meisten gesellschaftlichen Entwicklungen –heraushält wie in den USA. Und nirgendwo ist andererseits ein Land so durchtränkt von Religiosität wie in den USA. In Europa ist es – im Verlaufe einer langen Entwicklung –hingegen so, dass der Staat sich mit der Trennung von Kirche und Staat mühsam von der Religion befreite. Die Kirche aber –wie man sieht – Einfluss behält und der Staat sie alimentiert.

Die Entwicklung fasst Haller in eine kurze Formel: „Europa brauchte die Freiheit zum Staat, um die Freiheit von der Religion durchsetzen zu können, die Vereinigten Staaten brauchten umgekehrt die Freiheit vom Staatum die Freiheit zur Religion durchsetzen zu können.“

Zurück zu Matussek: Er schildert diese völlig freie Entwicklung des religiösen Marktes in seinen Auswirkungen an Beispielen, beleuchtet den Einfluss fundamentaler Sekten und der Evangelikalen. Auch Harlems Pastoren, die Schwarzen Gemeinden schildert er und ihre Widersprüche.

Dann kommt er auf die katholische Gemeinde, die er in seiner Korrespondentenzeit besuchte: Die „Blessed Sacrament Church“ Und der dortige Pfarrer war natürlich „Father O’ Connor“.In New York mag es noch so sein, dass irische katholische Wurzeln zu finden sind, aber inzwischen hat der volksfromme Katholizismus der Hispanos ebenfalls nicht unbeträchtlichen Einfluss und erschüttert die Mehrheitsgesellschaft der WAPS – White Anglo Saxonian Protestants –nachhaltig. intensiv.

Der durch seinen „Kampf der Kulturen“ hinlänglich bekannte Samuel Huntington hat in seinem 2004 erschienenen Buch neue „Clashs“- diesmal im eigenen Land – prognostiziert. In „Who are we“ wendet er sich vehement gegen die Kultur der Hispanisierung des Landes. Die Bastion , die er verteidigt ist die der ‚“weißen Protestanten uund er macht dabei denkerische Volten, wie sie auch einem Sarrazin eigen sind. Die Ängste sind die Gleichen – in Deutschland wie in Übersee: Die Furcht vor „Überfremdung“ in einer pluralisierten Welt und die Konzentration auf die größte Gruppe der Migranten dabei ganz gleich welche Religion sie ausüben. Dazu gibt’s von mir diesen Beitrag.

Abspann über Deutschland

Nach einigen Reportagen aus dem religiösen Leben des gesamten Kontinents kommt Matussek auch nach Deutschland zurück. Er beschreibt religiöse Aktivisten in einer Welt, aus der das Religiöse schwindet zwischen Prenzlauer Berg und Oberammergau. Und bei den Passionsspielen muss er auch noch mal an den Islam, die Scharia und all die befremdlichen Aussagen eines Bundespräsidenten denken. Und dann geht er hin und beklagt seine Rückkehr „ins Land der politischen Lüge und der religiös indifferenten Zweckmäßigkeiten und der rhetorischen Ingenieurskunst nützlicher Phrasen“. Er meint damit aber nicht sich selbst.

Und für die Geduldigen zum Lohne ein Zeugnis meines kindlichen Glaubensbekenntnisses: Heilige Kommunion in den fünfziger Jahren in der Diaspora in Leipzig-Leutzsch :

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Das ist ein bisschen albern, aber ich halte mich da – ungenau zitiert - an den Bibelspruch, “Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder...“ Der liegt mir mehr als Matusseks „Verlorener Sohn“-Spruch.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.