GLAUBENSSCHLACHTEN
Ausweitung der Kampfzone
Nur katholisch allein geht’s in diesem Teil (S. 125-175) nicht zu. Es ist Krieg. Nämlich Krieg des fundamentalistischen Islam gegen das Christentum, konstatiert Matussek. Da will er mitkämpfen. Da hat er sich die Huntingtonsche Ansicht – der die Theorien zum jeweiligen „Kampfauftrag lieferte – vom „Kampf der Kulturen“ völlig zu eigen gemacht.
Er zählt die Stationen dieses „Krieges“ auf und da wird alles hineingepackt, was wir so kennen. Vom Angriff auf das World Trade Center bis zum letzten Anschlag in Afghanistan. Alles Religionskrieg, alles, alles Huntington, (der übrigens in seinem letzten Buch bevor er starb, neue, andere Feinde im eigenen Lande ausgemacht hat, nicht die Muslime.)
Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zu einem Krieg des Islam gegen das Christentum zu interpretieren – das ist doch sehr einseitig und bezieht die Begründungen aus jenen eindimensionalen, schlichten medialen Verlautbarungen, denen Matussek mit seinem Buch eine weitere hinzufügt.
Auf Genauigkeiten kommt es auch gar nicht an, wenn man eine Religion pauschal angreift: „Was aber, wenn ihres mit einer Religion zu tun haben, die sich als Gefechtsideologie versteht und an aufklärerischen und demokratischen Domestizierungen überhaupt nicht interessiert ist“. (S. 124)
Ja, was dann? Dann sind alle erst mal abgewehrt, die die Rede von Bundespräsident Wulff, der auch den Islam zu Deutschland zählte, ausgleichend und vernünftig finden oder Patrick Bahners Buch „Die Panikmacher“ für interessanter halten als ständige Sarrazin-Warnungen.
Denn Matussek aber hat keinen Bock auf einen weisen Bundespräsidenten, der auch noch den „Nathan“ geben will, aber eben kein Lessing sei, was genau so albern ist, als sagte man Matussek wolle den Mephisto geben, sei aber kein Goethe, der ja den Islam zumindest tolerierte. Wenn Tatsachen – nämlich dass Muslime im Land sind – eingeräumt werden müssen, dann eher beiläufig und nicht in staatstragenden Reden, wie es der Bundespräsident tat, findet Matussek. (Einige Zahlen zu den Muslimen im Land gibt’s in diesem Freitag-Beitrag.)
Dann zitiert auch er mal wieder den heutigen türkischen Ministerpräsidenten mit seiner einstigen Rede:„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen....“ (Rest kann man googeln), Dass diese Rede ein Gedicht zitiert, das der heutige türkische Ministerpräsident in jungen Jahren auch einmal zitiert hat, sagt er nur teilweise. Es passt doch so ganz gut, alles.
Unter
„Liebesgebot“
ermutigt er uns alle, unseren Zorn- diesen dunklen Affekt“ gegen den „islamistischen Furor“ nicht zu verdrängen, sondern ihn einzugestehen. Wobei: Verdrängung ist nie gut, aber es ist auch nicht gut, wenn ein Hobbypsychologe erklären will, was „wir“ so verdrängen. Meinen Unwillen gegen Matusseks Thesen verdränge ich jedenfalls nicht.
Der Papst der Randschärfe
Das ist eine Deutung der so umstrittenen „Regensburger Rede“. Dazu wurde schon soviel geschrieben, ich erkläre es nicht. Aber Matusseks Erklärung der Intention der Rede ist höchst papst-affin, wie sowieso die Päpste seine allerhöchste Billigung finden. Was ich von diesem Papst halte, will ich da nicht auch noch kundtun.
Auf jeden Fall ist
Dschihad im Feuilleton
Matussek gegen Patrick Bahners „Die Panikmacher“, wie schon angemerkt. Und da nimmt er auch KritikerInnen des Islams in seine Truppen auf. Z.B. Ayaan Hirsi Ali. Deren persönliche Geschichte ist für ihn auch mal wieder nichts als ein Beweismittel gegen den Islam. Wobei: die Klitorisbeschneidung ist ein vorislamischer Brauch, der nicht in allen islamischen Ländern praktiziert wird. Darauf kommt wohl es nicht so an.
Matusseks Bombentheologie
Dass er in einem Spiegelbeitrag zum Kirchentag auch kriegerische Anwandlungen verkündet hat, fand ich ziemlich entlarvend. Der Dschihad geht durch alle Religionen.
Als ich die Überschrift der Polemik Bomben, und Beten, ja das geht las, dachte ich, da outet sich ein Selbstmordattentäter. Nein, das ist Matthias Matussek, der sich gegen Margot Käßmanns Friedensrhetorik wendet und ihr dazu diese Brachial-Losung entgegenschleudert. Ich fand, das gehört auch in den Hintergrund, wenn man Matusseks katholisches Abenteuer einordnen will.
Heiße und kalte Religionen
Hier führt er ein ordentliches Männergespräch mit Rüdiger Safranski über Religionen, die sich durch Zeit und Raum in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Über Erlösungs- und Zivilreligionen und die Gefahr, wenn Erlösung erwartet wird, die dann gar nicht eintritt und all die schönen Bergpredigt-Postulate viele Jahrtausende später im brutalen Alltag auch noch Gültigkeit haben sollen. So ungefähr.
Es ist gehobener Herrenabend mit Rotwein. Über Nietzsche und Erlösungserwartungen über das Gute, das mit dem Gelingen zusammenhängt (immer dieses Erfolgsorientiertheit -ts, ts.) Das liest sich nett. Mir ganz interessant war Safranski-Mattuseks Interpretation von Nietzsches „Gott ist tot“-Aussage. (S. 147 ff.)
Persönliche Anmerkung: Die innere Abkehr von einem personalen Gott ist in der Tat ein Akt der Emanzipation. Aber das tut trotzdem weh. Ich denke dabei auch an meine Mutter die in Situationen äußerster Bedrängnis im Gebet an einen persönlichen Gott Trost und Stärkung fand. Was hätte ihr eine „Gott-ist-tot-Botschaft – gesagt.
Ansonsten zucke ich immer zusammen, wenn ich in den „Worten zum Tage“ die Seelsorger über Gott reden höre. So anmaßend, als führten sie ständige Telefonate mit ihm.
Dann geht’s um die Transponierung der Erlösungserwartung von draußen nach drinnen – in den Menschen. So mäandert das Gespräch vor sich hin. Dass Matussek über die ritualisierten Gebete im Islam neben der „kalten Vollstreckung der Scharia und den zahllosen Verrichtungen“ mäkelt, ist komisch, denn einige Seiten später lobt er die katholischen Rituale, verteidigt die höchst formale tridentinische Messe gegen die Modernisierer. usw. (Wobei: Angesichts der Plattheiten mancher Predigt, ist einem der lateinische Singsang oft vertrauter und lieber.)
Dass auch der Safranski den Benedikt verteidigt , weil der was„Zartes, Kindliches, Unschuldiges“ hat, das hat meine Sympathie für den Deutschpapst nicht nennenswert beeinflusst.
Stattdessen liefere ich ein bisschen Religionstratsch:
Ratzinger galt in seinen jungen Jahren als Streber, der – als es opportun war – vorsichtiger Parteigänger des großen Theologen, Modernisierers und Beraters des 2.Vatikanischen Konzils (1962-1965), Karl Rahner, war. und später dann wieder – als die Ära Johannes Pauls II begann, die Pferde wechselte. Ein Mensch in einem Netz der Macht, geschmeidig, geschmeidig...was ist daran zu bejubeln. Safranski ist ja ohnehin kein Gottgläubiger, da will er wenigstens dem Erdenpersonal Höflichkeit erweisen.
EinKapitel hat Matussek der Religion und Satire gewidmet. Dazu hat schon ein anderer Leser gepostet.
www.freitag.de/community/blogs/rick/lachen-mit-matussek
(Fortsetzung angedroht)