Magda

Mal sehen

26.12.2009 | 19:53

Meisterhafte Schräglage-Literatur II

Ihr Lieben,

Es ist Weihnachten und darum Gelegenheit, ein neues verschrägtes Werk aus den Tiefen von

134226.homepagemodules.de/t408f18-Textsammelstelle-fuer-RH.html

vorzustellen.

Diesmal mit Dimensionen, die ihresgleichen suchen.

Es handelt vom Flugwesen, von zu transportierenden Instrumenten und außen angebrachtem menschlichen Zubehör.

Man muss sich das mal überlegen. Woher kommen solche innovativen literarischen Funken. Ich weiß es nicht, ich verweise nur... nämlich auf unteres Werk.

Der Forstflieger

von SternOttakring

unter besonderer Berücksichtigung von Fred-Außenborder

(Untertitel von Magda)

Im Winter 17 erwarb ich mein Brodt als freier Forstflieger für diverse Agenturen, so auch das kaiserliche Holzcontor.

Am letzten Tag des Jahres erhielt ich Auftrag, einen Posten Stutzflügel nach Hannencourt la Mare - ein malerischer Ort hoch in den Pyrenäen - zu expedieren und auf dem Rückflug einen Halbzug Unsriger ins Reich zu bringen, die unter Camouflage von dort aus - dem bereits erwähnten Hannencourt la Mare - dem Feind Paroli boten.

Man lud die Hollebecks (Stutzflügel, a.d.V.) in meine Riesen-Rumpler, zurrte einen dick eingemümmelten Klavierstimmer aus Holstein, er war aus Holstein, ledig und auch sonst recht unbescholten, wie aus den Papieren zu entnehmen war, an die Halterung für Außen zu transportierende Klavierstimmer, die ohne großes Aufheben installiert wurde, wünschte mir Viel Glück, Kammrad! und gaben mit der bekannten Flagge "Start!" das Zeichen "Start!".

Über Gdingen - ich flog eine Schleife, um den Feind zu täuschen - geriet ich unversehens in Turbulenzen. Ohren steif halten! gab ich Weisung an Fred-Außenbord, wie ich ihn für mich getauft hatte, eigentlich Fred la Mare wie ich seinen Papieren ebenfalls entnommen hatte, worauf er: Sind schon steif! signalisierte.

Kein Wunder, bei der Schweinekälte, sinnierte ich und steuerte den Aeroplan mehr nach links, da dort die Wirbel schwächer waren, wie im Pilotenhandbuch nachzulesen war, ein feiner Kniff, schwächten sich die Wirbel doch bereits nach kurzer Zeit.

Über Brescia warf ich ein Fuder Kurzwaren für einen dortigen Grossisten - der Namen tuth hier nichts zur Sache - ab, und steuerte ins Zielgebiet, welches bald darauf erreicht war. Nach umfangreichen Landemanövern rollte die Rumpler auf einer Wiese aus und kam vor einem Blüthner-Imperial zum Stehen.

Hast du den Stimmer dabei? empfing mich Corbusier - ein alter Bekannter aus Deutsch-Südwest - und legte den Ellenbogen quer auf die Tasten, hier, hör selbst, es fehlt am Sustain!, wie er augenscheinlich nachwies, indem er mit dem abgerissenen Pedal herumfuchtetelte, mit dem ein Pianist mit Grundausbildung schon bald den Klang erzielt, der als Sustain die Süße zeugt, die in der Spätromantik so manchen in die Wälder trieb, um dort am murmelnd Bächlein zu verdämmern.

Ihr müßt zuerst den Schnee abkehren, gab Fred zum Besten, und macht mich endlich los, mich frierts wie ein Schock Schneider.

Kein Wunder, bei der Schweinekälte über Gdingen, bemerkte ich und löste die Verspannung, was dazu führte, daß der Außenborder wenig später das Pedal neu eingehängt und mit einem Draht im Innenraum des Imperial herumfuhrwerkte.

Zäher Bursche, meinte Corbusier, wobei nicht klar war, meinte er den Blüthner oder dessen Insasse, denn mittlerweile war

Fred in den Innenraum gekrochen, wo er an Hebeln zog und Löcher in die Resonanzen sägte, durch die er Drähte schob und dabei sang und pfiff wie eine Horde Amseln im April.

Was soll ich noch erzählen: Die Hollebecks kippten wir in die Odelgrube des Bürgermeisters, ich nahm die Unsrigen an Bord und ließ mir noch am gleichen Tag im Holzkontor den Fuhrlohn ausbezahlen. Fred habe ich nie wiedergesehen und Corbusier fiel ein Jahr später bei der Maiandacht, als - doch dies ist eine andere Geschichte.

 
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Kommentare
archinaut schrieb am 26.12.2009 um 21:52
...hänge noch etwas verträumt in Deiner Exkursion an den Meeres- und Liebesstrand - aber auch hier wieder ein toller Flug, danke, liebe Magda.....
Magda schrieb am 26.12.2009 um 22:00
Hat Dir gefallen, das mit dem Meer? Freue ich mich.
Aber jetzt, wo Jakob Augstein schon wieder in zwei Teilen den Ernst der Lage vor Augen führt, frage ich mich: Was soll man denn - als "ernstzunehmende" Bloggerin - bloß schreiben.

Aber das nächste wird eine Schlägerei. Eros und Thanatos. Nach der Liebe kommt Gewaltverherrlichung.

Der Text hier ist wirklich sehr schön schräg, wa? Wo nimmt der das immer her, der Sternkringel.

Gruß und schöne gewesene Weihnachten und schönes Silvester.
archinaut schrieb am 26.12.2009 um 22:27
Liebe Magda,

das Meer ist ja immer unendlich schön, mit wie auch ohne Liebe, mir geht es jedenfalls so, dass ich auch die trockensten Themen am besten nautisch begreife :-))

SternOttakring erinnert mich an dadaistische bzw. expressionisatische Autoren, wie z.B. Heinrich Harry Schmitz, außerdem an einen Wiener Stadtteil mit einer alten Brauerei....

Dir auch einen schönen Weihnachtsausklang und einen rutschfreien Start in das kommende Jahr!
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