Stimmt schon, die meisten haben ja gefiebert, dass endlich der Himmel über Pankow ruhig und still über dem Ortsteil liegt, dass die Marktschreier auf dem Anger nicht gegen röhrende, im Landeanflug befindliche Maschinen anschreien müssen, um ihre Salatköpfe an die Kunden zu bringen.
Am Cafe Canape in der Wolfshagener stand monatelang ein Schild: „Noch xxx Tage“. Und man wusste, was das zu bedeuten hat. Die wollten eine Party feiern und nun ist es noch nicht so weit.
Mir gings anders. Natürlich finde ich es auch gut, dass der Lärm abnimmt, aber – andererseits - werde ich die Flieger, die ich zu den meisten Wetterlagen von meiner Couch aus in ihrem ruhigen, fast schwimmenden Herannahen beobachten kann, vermissen.
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Seltsam finde ich, dass die schwersten und größten Maschinen am langsamsten zu fliegen scheinen und am trägsten in der Luft hängen. Die Papstmaschine vor einiger Zeit – vier Triebwerke hatte sie - trieb über unser Haus wie ein himmlischer Walfisch. Ich dachte gleich an den Propheten Jona, der ja auch in solch einem Walfischbauch verschwunden war. Aber, aus diesem Sinnieren schreckten mich damals die Düsenjäger der Luftwaffe, die die Maschine begleiteten. Nee, da war kein Prophet unterwegs, sondern ein Staatsgast.
An anderen Tagen im Dunkeln erscheinen die landenden Maschinen wie Lampions am Himmel. Unser Haus hat sehr gute schallisolierte Fenster, das mindert den Lärm enorm.
Es sollte also bald vorbei sein damit und ich dichtete schon – in Abwandlung eines Liedes aus Schuberts „schöner Müllerin“: „Und der Himmel da oben, wie ist er so leer“. Mein Mann schüttelt immer den Kopf über diese Anwandlungen, denn der findet es besser, wenn nicht alles über unseren Kopf hinweg geschieht.
Und nun geht das noch bis September mit den Anflügen, weil der neue Flughafen nicht fertig wird zur Zeit. Es ist eine Blamage für Berlin, für Pankow ist es für die Meisten eine Enttäuschung oder - für mich - ein kleiner Aufschub. Wenn mir später – vielleicht im Oktober – die Maschinen „fehlen“, kann ich noch immer nach Rahnsdorf fahren. Da wohnt ein Verwandter und dessen Haus liegt dann im Bereich des Flugverkehrs. Den werde ich trösten und von seinem grünen Rasen in den blauen Himmel gucken.