Am 22. September kommt Papst Benedikt nach Berlin. Er stößt in Berlin auf alle Fragen und Konflikte, mit denen die Kirche gegenwärtig konfrontiert ist.
Deshalb haben sich kritische und engagierte Katholiken in einem Offenen Brief an den Papst gewandt, die Konflikte aufgegriffen, bei denen die Kirche eine unversöhnliche und dogmatische Haltung einnimmt und stellen dem Papst Fragen.
Hier eine Auswahl:
"1) Papst Benedikt wird in Berlin von einem Bundespräsidenten begrüßt werden, der katholisch, geschieden und wiederverheiratet ist. Die katholische Kirche hat bis heute keinen Weg gefunden, wie sie mit dem Scheitern von Ehen und Neuanfängen umgehen kann, außer den der Exkommunikation
2) Papst B. wird sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Neben ihm wird ein schwuler und zugleich katholischer Bürgermeister der Stadt stehen. Die Schwulen- und Lesbenverbände in Berlin haben im Vorfeld des Papstbesuches bereits zu Protestaktionen und Demonstrationen aufgerufen. Wir schlagen vor, dass die Kirche diese Ankündigungen zum Anlass nimmt, homosexuellen Männern und Frauen zuzuhören, um ihren Zorn und ihren Schmerz über die Kirche besser verstehen zu lernen.Von Berlin aus begann die Aufdeckung des Missbrauchsskandals innerhalb der katholischen Kirche und anderen Institutionen. Es mehren sich die Stimmen, die sich wieder positive Meldungen aus der Kirche wünschen. Aber die Briefverfasser warnen vor einer Haltung des Verdrängens uns der Imagepflege.
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6) In Berlin begann im Frühjahr 2010 für Deutschland die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in kirchlichen und anderen Institutionen. In diesen Tagen werden die Stimmen in der katholischen Kirche lauter, die sich nach dem ermüdenden, aufreibenden Jahr 2010 nun endlich wieder positive Schlagzeilen für die katholische Kirche wünschen und den Besuch des Papstes in Deutschland mit dieser Sehnsucht verbinden. Wenn diese Stimmen für die weitere Planung des Besuches Oberhand gewinnen, wird genau das Gegenteil passieren: Die Öffentlichkeit wird zu dem Schluss kommen, dass die katholische Kirche auch nach 2010 die Kategorien des Reputationsmanagements und der Image-Pflege noch nicht hinter sich gelassen hat. Deswegen wünschen wir uns auch für die weitere Phase der Vorbereitung des Papstbesuches eine hörende Kirche, die auch dann zuhört, wenn es weh tut – und ihr Oberhaupt in dieses Hören mit hineinnimmt.“
Noch viele andere Anmerkungen sind auf dem Blog zu lesen.
Es geht um eine hörende, eine zugewandte Kirche gegen eine Kirche der Repräsentanz und Reputation.
Den Brief haben eröffnet:
P. Klaus Mertes SJ, Ignatiushaus Berlin (Bekannt durch die Aufdeckung der Missbrauchsfälle)
Bettina Jarasch, Pfarrgemeinderatsvorsitzende St. Marien-Liebfrauen/St. Michael
Wolfgang Klose, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin
Eingeladen, an dem Offenen Brief mitzuwirken sind alle Bürger, die kritische Anmerkungen und Wünsche haben.
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