Magda

Mal sehen

29.05.2011 | 11:41

Offener Brief an den Papst

Am 22. September kommt Papst Benedikt nach Berlin. Er stößt in Berlin auf alle Fragen und Konflikte, mit denen die Kirche gegenwärtig konfrontiert ist.

Deshalb haben sich kritische und engagierte Katholiken in einem Offenen Brief an den Papst gewandt, die Konflikte aufgegriffen, bei denen die Kirche eine unversöhnliche und dogmatische Haltung einnimmt und stellen dem Papst Fragen.

Hier eine Auswahl:

 "1) Papst Benedikt wird in Berlin von einem Bundespräsidenten begrüßt werden, der katholisch, geschieden und wiederverheiratet ist. Die katholische Kirche hat bis heute keinen Weg gefunden, wie sie mit dem Scheitern von Ehen und Neuanfängen umgehen kann, außer den der Exkommunikation

2) Papst B. wird sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Neben ihm wird ein schwuler und zugleich katholischer Bürgermeister der Stadt stehen. Die Schwulen- und Lesbenverbände in Berlin haben im Vorfeld des Papstbesuches bereits zu Protestaktionen und Demonstrationen aufgerufen. Wir schlagen vor, dass die Kirche diese Ankündigungen zum Anlass nimmt, homosexuellen Männern und Frauen zuzuhören, um ihren Zorn und ihren Schmerz über die Kirche besser verstehen zu lernen.Von Berlin aus begann die Aufdeckung des Missbrauchsskandals innerhalb der katholischen Kirche und anderen Institutionen. Es mehren sich die Stimmen, die sich wieder positive Meldungen aus der Kirche wünschen. Aber die Briefverfasser warnen vor einer Haltung des Verdrängens uns der Imagepflege.

...

6) In Berlin begann im Frühjahr 2010 für Deutschland die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in kirchlichen und anderen Institutionen. In diesen Tagen werden die Stimmen in der katholischen Kirche lauter, die sich nach dem ermüdenden, aufreibenden Jahr 2010 nun endlich wieder positive Schlagzeilen für die katholische Kirche wünschen und den Besuch des Papstes in Deutschland mit dieser Sehnsucht verbinden. Wenn diese Stimmen für die weitere Planung des Besuches Oberhand gewinnen, wird genau das Gegenteil passieren: Die Öffentlichkeit wird zu dem Schluss kommen, dass die katholische Kirche auch nach 2010 die Kategorien des Reputationsmanagements und der Image-Pflege noch nicht hinter sich gelassen hat. Deswegen wünschen wir uns auch für die weitere Phase der Vorbereitung des Papstbesuches eine hörende Kirche, die auch dann zuhört, wenn es weh tut – und ihr Oberhaupt in dieses Hören mit hineinnimmt.“

Noch viele andere Anmerkungen sind auf dem Blog zu lesen.

Es geht um eine hörende, eine zugewandte Kirche gegen eine Kirche der Repräsentanz und Reputation.

Den Brief haben eröffnet:

P. Klaus Mertes SJ, Ignatiushaus Berlin (Bekannt durch die Aufdeckung der Missbrauchsfälle)

Bettina Jarasch, Pfarrgemeinderatsvorsitzende St. Marien-Liebfrauen/St. Michael

Wolfgang Klose, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin

Eingeladen, an dem Offenen Brief mitzuwirken sind alle Bürger, die kritische Anmerkungen und Wünsche haben.

Hier gehts zum Blog "Nackte Sohlen"


 
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Kommentare
goedzak schrieb am 29.05.2011 um 12:10
Waaas, den Papst gibt es wirklich?!!!? - Ich dachte, das ist nur so'n sprichwörtliches Ding, "päpstlicher als der Papst" usw....

Ein jeder Herr ist Papst in seinem Lande.

Je näher dem Papst, je schlimmerer Christ.

Wer den Papst zum Vetter hat, ist bald Kardinal.

Der Papst frißt Bauern, säuft Edelleute und scheißt Mönche.
Magda schrieb am 29.05.2011 um 12:28
Ich kann sowas auch, mein Guter :-))

"Schade, dass der Papst nicht katholisch ist"

Ich glaube Kurt Tucholsky war der Urheber.

Gruß von mir
Erdlingsdings schrieb am 29.05.2011 um 13:15
ich hoffe der heilige Vater entschließt sich wärend seines Deutschland Besuchs auch ein paar Talkshows zu besuchen oder wenigstens einen Live chat zu rocken. Ich würde nämlich zu gern wissen ob die Sex- und drogenorgien im Vatikan wirklich so phenomenal sind wie ich vermute. Ich würde auch gern wissen welchen Stoff sich die Jungs reinzimmern das sie so coole Halos bekommen. Und zu guter letzt möcht ich den heiligen Mann bitten mir, als "Nr.1" Gottes und dem damit einhergenden Status "Unfehlbar", die Lottozahlen vom nächsten Samstag zu verraten, ich bin nämlich verdammt pleite und , da nicht getauft, nicht in der Position direkt in Verhandlungen mit Gott zu treten.
Knüppel schrieb am 29.05.2011 um 15:57
Ergänzung zu Punkt 6 )

"(...) Eine von der amerikanischen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kindesmissbrauch durch Priester nichts mit Homosexualität zu tun hat (...)

(...) Die Forscher haben für die 143-seitige Arbeit über insgesamt fünf Jahre andere wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet, interne Dokumente gesichtet und Kirchenvertreter interviewt. Sie erklärten, dass Priester, die vor ihrer Weihe schwulen Sex gehabt haben, nicht eher Kinder missbrauchen als die Vergleichsgruppe - Schwule hätten als Priester lediglich mehr Sex mit männlichen Erwachsenen. Die Autoren erklärten sogar, dass seit den 1970er Jahren die Zahl der Misshandlungen abgenommen habe, obwohl viel mehr junge Schwule eine berufliche Laufbahn als Priester eingeschlagen hätten (...)

(...) Über das eigentlich wenig überraschende Ergebnis gibt es innerhalb der katholischen Kirche keinen Konsens: Immer wieder haben hochrangige Kirchenvertreter erklärt, dass sich Homosexuelle eher an Kindern vergingen als Heterosexuelle (...)

(...) Konservative katholische Gruppen haben bereits erklärt, dass sie die Ergebnisse der Untersuchung nicht anerkennen werden (...)" Quelle: www.usccb.org/mr/causes-and-context-of-sexual-abuse-of-minors-by-catholic-priests-in-the-united-states-1950-2010.pdf und "Kindesmissbrauch: Katholische Studie entlastet Homosexuelle" www.queer.de/detail.php?article_id=14268

Dazu schreibt 'Queer.de' User bibo am 19.05.2011 um 17:54:37 h
Kommentar # 1
u.a. "(...) die missbrauchsfälle der kirche haben aber in den meisten fällen nichts mit der sexuellen orientierung zu tun, sondern sind ein machtinstrument gegenüber jüngeren und schwächeren (...)" www.queer.de/detail.php?article_id=14268&antwort_zeigen=ja#c1

darauf antwortet

'Queer.de' User tom21 am 19.05.2011 um 19:05:07 h
Kommentar # 7

"Antwort zu Kommentar #1 von bibo:
Das Problem ist doch auch, dass die Sexualität in der Ausbildung zum Priester nicht richtig oder gar nicht angesprochen wird. Und Homosexualität ist nach unseren derzeitigen Papst vom grund auf Sünde. Die Priester sind dann in sexueller Hinsicht Kleinkinder. Ihnen fehlt sogar teilweise die Einsicht. Um was zu ändern, müsste sich die Ausbildung zum Priester ändern, aber da weigern sich die erzkonservativen Bischöfe, Kardinäle und natürlich auch der Papst Benedit XVI. Ist auch klar, denn so hat man mehr Kontrolle über die Priester.
Ist übrigens sehr gut im Buch von David Berger "Der heilige Schein" erklärt." www.queer.de/detail.php?article_id=14268&antwort_zeigen=ja#c7

und

'Queer.de' User Fino schreibt am 19.05.2011 um 19:48:06 h
Kommentar # 8

"Da wissenschaftliche Fakten, Logik und Argumente die Kirche noch nie interessiert haben, wird das auch diesmal ungehört verhallen!

Und die Kirche wird weiterhin versuchen, den massenhaften Missbrauch über Jahrzehnte auf die "böse Homosexualität" zu schieben. Und genug Anhänger werden auch dies unreflektiert glauben, weil das leichter ist, als selbst mal nachzudenken."
www.queer.de/detail.php?article_id=14268&antwort_zeigen=ja#c8

Ansonsten, liebe Magda, danke für das Blog und ich nehme mal wieder eine "Kreuz-und-que(e)r-Verlinkung" vor ... :-)
www.freitag.de/community/blogs/sexpower/der-heilige-vater-kommt-nach-berlin

Gruß
Knüppel
Magda schrieb am 29.05.2011 um 19:36
Hallo Knüppel,
ich habe den Link zu Dir glatt vergessen.
Danke für die Infos dazu.
Knüppel schrieb am 29.05.2011 um 20:55
@Magda

Hallo Magda,

ist ja auch keine "Pflicht" ... :-)

Ich mach's halt meist, wenn mehrere über dasselbe Thema schreiben, damit potenzielle LeserInnen verschiedene Aspekte und Sichtweisen finden, ohne lange suchen zu müssen. So findet sich jetzt in meinem Blog auch ein Link zu Deinem Blog.

Einen schönen Sonntagabend!
Gruß
Knüppel
Nietzsche 2011 schrieb am 29.05.2011 um 21:25
So sehr die Anliegen zu unterstützen sind - passieren wird wohl nichts Substanzielles. Viel eher ist zu vermuten, dass der Papst wie ein Popstar empfangen wird (ähnliches gab es ja schon in Australien). Nix da mit gläubiger Andacht. Damit wird der Papst austauschbar wie jeder Politiker.
archinaut schrieb am 30.05.2011 um 00:58
Liebe Magda,
ja es ist ein Kreuz mit der Papsterei.....
(wurde zum Glück in der anderen Konfession sozialisiert,
bei uns gibt es höchstens mal 'ne flotte Bischöfin ...)
h.yuren schrieb am 30.05.2011 um 22:16
liebe magda, gibt es immer noch diese institution papst? war nicht vor einigen jahren von einer päpstin die rede?

das amt des pontifex maximus ist ein rest aus dem heiligen römischen reich deutscher nation. dass wir noch immer über diese reste - besonders in d - stolpern müssen!
die geschichtsbücher müssen unbedingt entrümpelt werden... sonst glauben die ahnungslosen menschen weiterhin, dass es sowas wie papst noch gibt.
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