Magda

Mal sehen

22.06.2009 | 23:41

Spaziergang mit Bequemschuh, mp3 player und Mozart

Seit ich im Besitz eines mp3 players bin, erlebe ich die Wege meines Sonntagsspazierganges abwechslungsreicher. Nicht nur das Wetter, die Jahreszeit oder die eigener Stimmung färben alles ein, nein vor allem die ausgewählte Musik bestimmt den Film, der beim jeweiligen Spaziergang abläuft.

Also dann, hinein mit den Stöpseln in die Ohren. Heute soll es was Klassisches sein. Mozart soll mich begleiten. Zuerst ein Sängerinnenporträt.

Eine Auswahl der bekanntesten Arien von Erna Berger, die im Jahre 1990 gestorben ist, hochbetagt und geehrt. Sie rückte mir nahe durch ein bezauberndes Buch. „Auf den Flügeln des Gesangs“ . Darin schildert sie ein wahrhaft abenteuerliches Leben und eine Technik, mit der es ihr gelang, ihre alternde Stimme noch einmal „rauszureißen“ und ihr neuen Glanz zu verleihen. Sie hat eine leichte, etwas spitze Stimmlage. In den Mittellagen – wie alle Koloratursopranistinnen - ein bisschen trivial, aber mit schönen strahlenden Höhen.

Der erste Track ist: „Martern aller Arten“, die Arie der Constanze aus der „Entführung aus dem Serail“. Ach, die Martern werden so frohgemut und keck verlacht, dass es eine Freude ist.
Mir fiel bei diesem Gesang gleich eine herrliche Aufführung der jüngeren Gegenwart ein, bei der Klaus Maria Brandauer den Bassa Selim gibt. Der macht das entsprechende Gesicht dazu und man weiß wie das alles gemeint ist. Er wendet sich rettungslos bezirct, ans Publikum und sagt: „Auch wir wissen, was Liebe ist“. Und er guckt, als wollte er noch dazusetzen: „Und nun wollen wir aber in die EU“, denn eigentlich spielt das alles ja angeblich in der Türkei.

 Bei: „Lass Dich bewegen verschone mich“ fiel mein rückwärtsgewandter Blick auf den hinter mir herangeprescht kommenden Fahrradfahrer. Aber so direkt und platt  passen die Situationen nicht immer zur Musik. Ach – die ganze Breite dieser Musik und die Breite der Auffahrt auf den Autobahnzubringer nach Hamburg/Prenzlau – sie begegneten sich in dem Moment ,da sich die gefangene Constanze und ihr Geliebter Belmonte ebenfalls wieder begegnen. Ich blicke auf die schnellen Fahrzeuge, die mir entgegen rasen und höre, wie sich Constanze und Belmonte versichern, dass mit der Geliebten sterben ein seliges  Entzücken ist. Irgendwie passt das, denn sie singen - so ist eben Mozart – dass man genau weiß, es geht nicht um den Tod oder doch schon, aber eher um den „kleinen Tod“.

Dies alles im Sinne und in den Ohren biege ich in eine kleine Siedlungsstraße ein. Eigentlich ein bisschen öde, aber so mit der Arie der Susanne, der Rosenarie aus „Figaros Hochzeit“, da fällt der Blick in dieser Jahreszeit automatisch auf die roten Rosen im Vorgarten der Bewohner. Jeder schmiedeeiserne Zaun wird zur zierlichen Kulisse, die eine Mozartsche Oper dekorieren könnte.

Und da ist sie schon die „Die Zauberflöte“, die Königin der Nacht naht mit der „Hölle Rache“, die in ihrem Herzen kocht. Passt gut, denn die wärmende Sonne kommt heraus und erleuchtet die Szene wie ein Scheinwerfer .

Mein Spaziergang ist vorangeschritten, aber mir scheint fast, als sei meine letzte Musikauswahl ein bisschen selbstdisziplinierend und wollte etwas zurechtrücken. Vielleicht habe ich zuviel neckisches über die jeweiligen Mozar–Opern gesagt. Das ist ja immer nur die eine Seite bei diesem Musiktitanen.

Das Klavierkonzert Nr. 20 in D Moll, das ich mir im Mozart-Übermut noch gewählt habe, schlägt voll zu und ruft mich ernst zur Ordnung. Als wollte der Maestro mir sagen: Ich bestimme, wann getändelt wird und wann nicht. Wie ein schicksalhafter Backenstreich - der erste Satz. Schluss – aus jetzt –nach Hause.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Titta schrieb am 23.06.2009 um 00:32
Magda jetzt hatte ich so einen schönen Kommentar geschrieben, und wer weiß, was wieder war, auf einmal ist alles weg.

Hier nun noch mal die Kurzfassung:

Ich kann dich so gut verstehen mit deinen neuen Gefühlen beim Bequemschuhen.

Leuten mit Stöpseln in den Ohren, besonders schlimm die mit den quietschbunten Kopfhörern, konnte ich bisher nichts abgewinnen. Aber seit ein paar Wochen habe ich nun auch einen MP3-Player. Die DB hat mich gezwungen. Mißmutige Mitreisende, graue Regenlandschaften, planmäßige Verspätungen samt verpaßten Anschlüssen, alles wird schön abgefedert. Du sitzt da, umhüllt von dicken Schals und Dreifachjacken frierend im ICE, und wirst gewärmt von Tönen, die sich sanft in deine Ohren schmeicheln.
Ein bisher unbekanntes Wohlbefinden ermächtigt sich deiner.

Bei mir funktioniert das allerdings vorrangig mit Jazz. (Bitte so aussprechen, daß das Wort im Munde zu schwingen beginnt.)

Ach Magda, ich geh mir jetzt was in die Ohren stöpseln... (ich verrat aber nicht, bei wem sich die Härchen an meinen Armen dann aufrichten)
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 00:48
Jazz, bingo, kennst du:

Ketil Bjørnstad - das Album: Devotions
Feist - The Reminder
Carla Bley - The Lost Chords Find Paolo Fresu
Queen Latifah - Trav'lin' Light- I'm Not In Love
Lucinda Williams - West - Wrap My Head Around That
Enrico Rava, Paul Motian & Stefano Bollani - TATI
Michael Bublé - Call Me Irresponsible

Ach, soll erst mal reichen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 00:52
Lucinda Williams ist zum Härchen aufrichten, aber kein Jazz!!!!!
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 00:53
Och, ist QuadenJazz :)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 00:54
Also, bitte!!!
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 00:57
Wie ist es mit:

Al Jarreau & George Benson - Givin' It Up
Larry Carlton & Lee Ritenour - Larry & Lee
Paul Motian - Garden of Eden
Manu Katché - Playground - Song for Her
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 00:59
Seh' ich etwa aus wie'n Jazz-Snob?
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 01:01
Weiter, hab heute die Spendierhosen an:

Herbie Hancock - River: The Joni Letters
Miles Davis & Thelonious Monk - Miles Davis & Thelonious Monk Live At Newport 1958 & 1963
Omar Sosa - Afreecanos
Mario Biondi & The High Five Quintet - Handful of Soul
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 01:03
Ok, für meisterfalk:

Deep Purple - Machine Head (25th Anniversary Edition)
George Thorogood & The Destroyers - Anthology
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 01:04
Na, gut, dann Miles & Thelonius, ausnahmsweise...
I.D.A. Liszt schrieb am 23.06.2009 um 01:05
Für meisterfalk ist eher
- Led Zeppelin IV
- Led Zeppelin: The Song Remains the Same
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 01:09
Jeff Beck?
Larry Carlton?
Titta schrieb am 23.06.2009 um 01:26
So Jungs, und wer hat jetzt den längsten?

Also ihr seid sie! Ich quäl mich ab mit dieser Inbox und ihr verlustiert euch hier!
Titta schrieb am 23.06.2009 um 01:30
Also mal ehrlich, so ganz richtiger, wirklich guten Jazz geht sowieso nur bis max. 1950. Bebop würg.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 09:11
@ streifzug
"QuadenJazz :)"
yo,yo! wenn was nicht passt, wird es passend gemacht!

lucinda williams ist eine kleine, dünne frau mit riesiger Gitarre.
sie macht tollen contry-rock.zum glück keinen jazz...

www.youtube.com/watch?v=4mlp7N3t1fs
Lucinda Williams - Can`t Let Go
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 11:21
chrisamar, ich habe Musik von ihr und finde sie gut :)
Danke für den Link.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 01:09
Ich habe, seit ich zu Hause bin, Attwenger und Tinariwen gehört!
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 01:10
Sun?
Streifzug schrieb am 23.06.2009 um 01:13
Sammy Hagar & The Waboritas?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 01:13
Nee, song, aber die liebste ist mir most.
I.D.A. Liszt schrieb am 23.06.2009 um 01:14
Eine schöne Geschichte (oder ist es ein Essay? Oder waw?). Leider mag ich Mozar nicht. Ich glaube, er ist mir noch zu barock.
Aber Jazz mag ich auch nicht. Und was ich gar nicht haben kann, sind Stöpsel in meinen Ohren.
Darum muß ich mir immer das doofe Gesabbele meiner Umwelt anhören. Das hat auch sein Gutes, weil ich dann Gespräche am Handy hören kann, die ich in Susanne Langs Blog 'Stör ich? Nein? Gut, denn der Alltag sucht... (www.freitag.de/community/blogs/susanne-lang/stoer-ich-nein-gut-denn-der-alltag-sucht-) posten kann.
Titta schrieb am 23.06.2009 um 01:28
Hab ich genauso gedacht!
Aber weil ich ja jetzt regelmäßig Bahnfahren muß und mitunter acht Stunden da eingesperrt hocke. Die Musik hilft einfach wirklich enorm dabei, wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist. Aber auch nicht immer.
Hat son bißchen was von Paralleluniversum.
Titta schrieb am 23.06.2009 um 01:33
Und dieser eine da hatte doch recht: Einfach zuviele Noten bei Mozart! Das wird so schnell so anstrengend.
Aber Freejazz (heißt der heute überhaupt noch so) ist noch viel nerviger und anstrengend.
Überhaupt, dieses ganze Bebop (schreibt man das überhaupt so?) Zeug. Irgendwie merkt man dem, daß die dauernd auf Koks und werweißsonstnoch waren.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 01:35
Das schönste auf der Welt, jedenfalls musikmäßig, ist eine leicht verzerrte Gretsch und ne rauchige Stimme dazu. Gute Nacht!
merdeister schrieb am 23.06.2009 um 06:55
@ Titta

wenn ich im Zug keinen Bock mehr auf Musik habe, höre ich Podcasts, da lernt man dann noch etwas.
Titta schrieb am 23.06.2009 um 10:49
Hach, da wirft die Jugend wieder mit Begriffen um sich. Podcast? Ist dachte, so was raucht man, im Bedarfsfalle, nun gut, heute wird so was gehört. Man lernt ja nie aus!
merdeister schrieb am 23.06.2009 um 20:48
Podcasts sind Radiosendungen, die im Internet abrufbar sind und die man abonnieren kann, wie RSS-Füße. Und dann kann man die hören, wann man will. Mit Quarks & Co geht das auch...
Titta schrieb am 23.06.2009 um 20:51
Kaum hat man den einen Begriff geklärt, taucht gleich der nächste auf.
merdeister schrieb am 23.06.2009 um 22:06
Quarks und Co ist eine Wissensendung im WDR, sehr zu empfehlen.
Titta schrieb am 23.06.2009 um 22:15
Du Schelm!
Magda schrieb am 23.06.2009 um 09:01
Ich stelle fest, ich habe einen Unterhaltungswert. Man (die üblichen Verdächtigen) unterhält sich gern in meinem Blog. Das ist doch auch schon mal was. Ich mag nebenher auch ganz gern andere Musik, auch ganz triviale. Aber - ich war treu und "bloggish-authentisch". Es war nun mal Mozart, den ich sehr mag.

Jazz ist nicht so sehr mein Ding, aber bitte, wem es konvenieret.

Was ich sehr gut finde im Zusammenhang mit mp3player ist - neben podcast - auch gut, die Literatur. Darüber will ich nächstens auch mal schriftlich nachdenken - wie diese Audiobücher das Leseverhalten beeinflussen.

Beste Grüße und lasst Euch beim weiterschwatzen nicht stören :-))
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 10:35
Bei mir beeinflussen Hörbücher eher das Schlafverhalten. Eine Zeitlang habe ich jeden Abend ein Stück "Zauberberg" gehört und bin so gut wie nie bis zum Ende wachgeblieben.
Magda schrieb am 23.06.2009 um 10:41
Ja, ich schlafe auch oft drüber ein. Aber das ist hin und wieder ja auch sehr erstrebenswerter Effekt.
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 10:45
Hin und wieder, ja.
Aber in jenem Falle wollte ich meine Deutschlehrerin mit meinem Mann-Zusatzwissen beeindrucken. Im Unterricht hat sie dann aber lieber mit einer Schülerin gefachsimpelt, die den "Untertan" gelesen hatte.
Dann habe ich mir also den "Untertan" auf DVD geholt...
Titta schrieb am 23.06.2009 um 10:57
Ich finde deine Lehrerin sehr sympathisch, das ist nämlich auch der bessere Mann. Und wer beim Zauberberg wach bleibt, na ja. Aber ich hör jetzt mal lieber auf, denn über Th.Mann könnte ich mich ähnlich auslassen wie über gewisse Philosophen. Und das endet dann wieder in so endlosen Diskussionen, obwohl ich mich eigentlich nur mal kurz auskotzen wollte.
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 11:01
@Titta: Endlose Diskussionen sind doch klasse! Magda hat sicher nichts dagegen, mit 150 Kommentaren eine Woche lang im Ranking zu stehen...
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 11:01
@Titta: Endlose Diskussionen sind doch klasse! Magda hat sicher nichts dagegen, mit 150 Kommentaren eine Woche lang im Ranking zu stehen...
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 11:01
Ja, es ist der bessere Mann. Unbestritten.
Magda schrieb am 23.06.2009 um 11:35
Tom Zille schrieb am 23.06.2009 um 11:01 @Titta: Endlose Diskussionen sind doch klasse! Magda hat sicher nichts dagegen, mit 150 Kommentaren eine Woche lang im Ranking zu stehen...

Frechheit. Ich bin altersweise und stehe über allen Eitelkeiten dieser Welt.

Und vor allem - ma chere Titta - Isch liebe Thomas Manns Zauberberg. Ach ach. Und nun macht mal schön weiter.

Beste Grüße
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2009 um 22:23
Noch ein später Vorschlag: Eine Reise nach Triebel im schönen Vogtland. Vipassana-Meditation. Zehn Tage lang kein Handy, kein TV, keine CD, kein mp3, kein gar nichts. Hervorragendes Essen. Und:
Stille.
Zehn Tage im Schweigen versinken - da beginnt die Welt auf ganz eigene Art zu klingen. Die größte Komposition überhaupt.
Magda schrieb am 23.06.2009 um 23:12
Triebel im Vogtland. Ach, herrlich.
Vielleicht gibt es Landstriche, in denen man nur schweigen kann.

Aber eben sang der göttliche Grebe: "Urlaub in Deutschland" - das war sehr bewegend. Allerdings auch laut.
I.D.A. Liszt schrieb am 24.06.2009 um 00:04
@ Magda:
Was ist das nun schon wieder? Ich dachte, Du seiest altersstarrsinnig!

@ Thomas und Heinrich:
"Der Zauberberg" ist doch toll!
"Der Untetan" ist ganz toll.
Und Thomas hat selbst einmal gesagt, daß sein Bruder der wirkliche Künstler in der Familie sei.

Wer möchte schon einem Literaturgiganten wie Thomas MAnn wiedersprchen?!

@ Tom Zille:
Die Verfilmung des "Untertanen" ist auch toll.
Titta schrieb am 24.06.2009 um 01:00
@GerhardHM

Fahren Sie dann schon mal vor und fangen damit an?
Titta schrieb am 24.06.2009 um 01:02
Magdas Blog auf 150 Kommentare hochschrauben. Gut. Aber doch nicht mit den Manns. Da gibt es doch Spannenderes. Ich meine, Männer wären schon was Spannendes, aber nicht grad der eine.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.06.2009 um 07:50
@Titta
Ich war doch schon längst dort. Deswegen ja mein Hinweis. Es gibt in Indien auch 60-Tage-Kurse. Für diese muß man allerdings dann erhebliche Bedingungen erfüllen.
Es gibt übrigens eine sehr interessante finanzielle Regelung. Der erste 10-Tage-Kurs kostet bei eigenem Nichtgefallen nichts(!). Alle Kurse werden per freier Spende der TeilnehmerInnen finanziert. Allein darüber, daß dies in ca. 60 Ländern seit vielen Jahren funktioniert, könnte man schon mal nachdenken.

www.dvara.dhamma.org/index.php?id=dvara&L=1

Ist unsere westliche Welt zu laut? Na, aber sicher doch!
Magda schrieb am 24.06.2009 um 09:40
Herrlich diese Reisepläne. Nach Triebel zum "Schweigen in der Region" (Grebe) und nach Indien zum umweltunfreundlichen Fernschweigen.

Ich bin - wie I.D.A.Liszt (bald kriegst Du aus Bequemlichkeitsgründen einen Spitznamen - das kommt von den prätentiösen Nickkreationen) auch eine Verehrerin beider Männe (siehste Titta - da sind sie die Männer)

Ich fand Heinrich Mann genauso lesenswert wie den Thomas Mann. Heinrich Mann ist der sinnliche-lebensnähere immer gewesen.
Aber mir scheint das Verhältnis wie das von etwas derberer Sexualitat zu verfeinerter Erotik. Die gibt’s schon auch bei Thomas Mann.

Heinrich Mann hat auch viel früher als Thomas Mann die Weltläufigkeit der Literatur und damit im Grunde die Demokratie verteidigt. Da war das jüngere Brüderchen noch in sehr konservativ-nationalistische Überlegungen verstrickt. Es gab zwischen den beiden deshalb einen heftigen Bruderstreit und jahrelanges Schweigen. Anlass war der Zola-Essay, den Heinrich Mann damals schrieb. Darin gab es u.a. diesen bitteren Satz: "Sache derer, die früh vertrocknen sollen, ist es, schon zu Anfang ihrer zwanzig Jahre bewußt und weltgerecht hinzutreten". Zack und stehn – kann man da nur sagen.
Thomas Mann rächte sich in seinen Betrachtungen mit dem Begriff des „Zivilisationsliteraten“. Na gut.
Später hat Thomas Mann dem Bruder ja auch geholfen.

Übrigens, wenn manchmal nach berühmten literarischen Zitaten gefragt wird: Da nenne ich immer „Latini Carduzzi Ratzi-Mausi-Falli, lass mich in Frieden“. Das sagt sich der junge Castorp angesichts der Fortschrittsgläubigkeit eines gewissen Settembrini.

Am „Zauberberg“ gefällt mir ganz besonders das „Schneekapitel“.

Also Thomas Mann hat schon auch Lebendiges.

In diesem Sinne
Morgengrüße
Titta schrieb am 24.06.2009 um 10:32
Ja, Magda

besonders lebendig ist Th.Mann in seinen Möbelbeschreibungen, da kommt kein Ikea-Katalog mit.
Nein, aber kein Streit schon am frühen Morgen. Außerdem hat da jeder seine Vorlieben und die aus gutem Grund, und deshalb gibt es da nichts zu bekritteln. (Auch Vorlieben sind heilig.)

Umweltunfreundliches Fernschweigen - da hab ich mich wieder köstlich amüsiert. Mit der sachte anklingenden Kritik an solchen Veranstaltungen hast du sicherlich recht. Schweigen kannst du in jedem heimischen Kloster genauso gut.
(Womit ich jetzt nichts gegen Ihr grundsätzliches Anliegen gesagt haben will, GerhardHM, damit haben Sie sicherlich recht.)

So, jetzt muß ich raus, schuften für die Kontemplationsbedürfnisse meiner Mitmenschen.

LG
Titta
Magda schrieb am 24.06.2009 um 15:31
Kontemplationsbedürfnisse meiner Mitmenschen.

Du bist bestimmt Pfarrer/in?
Magda
Ort:
Berlin
Mitglied seit:
3 Jahre 14 Wochen
Zuletzt aktiv:
20.05.2012
Status:
Publizistin
Aktivität:
Beiträge: 567
Kommentare: 9344
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
22:42
oi2503 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:41
luggi hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:40
lothar.ackermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:37
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:37
gewissen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG