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Noch einmal überregionale Berichterstattung über Johannes Heesters. Diesmal die Beerdigung in München. Es scheint von den öffentlich-rechtlichen Medien für sinnstiftend gehalten zu werden, auch darüber noch zu berichten.
Vielleicht weil Heesters so viel Identifikations-,Entlastungs-und Trostpotential in sich vereinigt. Dieses Methusalem-Alter. Es muss nicht das Elend nachlassender Kräfte sein, es kann auch sein wie bei ihm: Mit Frohsinn und einer Aufgabe bis ans Ende, mit einer viele Jahre jüngeren Frau, mit Beifall und einem weißen Schal, der keine Kapitulation bedeutet. Und am Ende konnte man immer ins Maxim gehen.
Gerade weil er ein Niederländer war, kann man mit Erleichterung oder Genugtuung an ihn denken. Auch die waren also nicht nur Widerständler, sondern auch Angepasste und manche Kollaborateure. Alles menschlich, alles Kunst und Operette.
Ich lese gerade die so umstrittenen Tagebücher von Fritz J. Raddatz 1982-2001. Er räsoniert Mitte der 80er Jahre: „Nachmittags weiter Lektüre im Giordano-Buch („Die zweite Schuld“ – M.) das mich sehr aufregt. ALLE seine Thesen sind richtig, entsprechend genau meiner Haltung und Überzeugung: NICHTS wurde wirklich aus den Köpfen und aus den Apparaten schon gar nicht ausgeräumt nach 1945. Das Land ist INNEN – und auch technisch – dasselbe geblieben.“
Dann schildert er eine Szene bei seinem Metzger, der uralte polnische Klischees aufwärmt: Die Polen seien schon immer „so“ (also dreckig und faul ) gewesen. Und dann klagt der Metzger darüber, dass auch andere Völker Kriege führten und dann kommt „Dresden“ und so weiter Und die Deutschen seien eben fleißig und - auf den Einwand Marshallplan - meint er sofort, sie wären auch ohne den vorangekommen.
Raddatz schreibt das gnadenlos, er ist ein Linker, aber einige Jahre später wird er in einem perfiden Beitrag seine "Trauer und Enttäuschung" über Christa Wolfs kurze Stasi-Kontakte bekunden. Da ist es wichtig, die linke Attitüde abzustreifen und wieder in Gnaden aufgenommen zu werden. Immerhin: Er dokumentiert es in seinem Tagebuch.
Christa Wolfs Beerdigung wurde überregional nicht beachtet –vielleicht ist das auch gut so. Ralph Giordano findet inzwischen Sarrazins Thesen durchaus richtig.
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oh, magda, danke für all diese zusammenhänge, die so gar nicht erfreulich sind. und umso wichtiger. einspruch nur: christa wolfs beerdigung wurde hier und da doch überregional beachtet. dass im aktuellen Spiegel unter der überschrift "Düsteres Licht" feist bejammer wird, es seien nur 300 menschen gekommen, wärend bei heiner müllers beisetzung noch rund 2000 gekommen seien, lässt mir erneut den kamm schwellen. zumal tellkamp und ruge als buchpreisträger ins feld geführt werden (paron für die militär-sprache), um zu dem schluss zu kommen: "So kommt die DDR wenigstens noch einmal zu Bestsellerehren." das ist in einer weisefeige und auch zynisch und billiges nachtreten zumal, dass mich geringeres kaum überraschen kann. wütend macht es dennoch.
Du schreibst zu heesters: "Gerade weil er ein Niederländer war, kann man mit Erleichterung oder Genugtuung an ihn denken. Auch die waren also nicht nur Widerständler, sondern auch Angepasste und manche Kollaborateure. Alles menschlich, alles Kunst und Operette." - und die niederländer sind da aufrichtiger, sie tun sich schwer mit der trauer, so wie sie sich schwertaten, heesters im land zu feiern. |
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@ kay.kloetzer - ich meinte nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Hier in Berlin hats der rbb natürlich gebracht, aber zdf und ard nicht, soweit ich das beobachtet habe.
Den Spiegel-Beitrag habe ich mir noch gar nicht angesehen Danke Dir. Übrigens der Raddatz liest sich sehr spannend trotz all der Widersprüche. Sein damaliger Beitrag über Wolf ist auch im Netz nicht mehr zu finden. Gruß |
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ich war überrascht bis überwältigt, wie die agenturen auf den tod christa wolfs reagiert haben. natürlich auch hilflos, aber offensichtlich in der ahnung, dass es um eine große geht.
dass allerdings auch wir müde werden, uns und unser denker zur verteidigen, schützen, zu begleiten - da ist auch was dran. aber es ist kein anlass für triumph (der aus den Spiegel-zeilen spricht), sondern anlass zur sorge. wie frau dahn (?) schrieb: wehe dem sieger! |
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Mir gings um Folgendes: Der Tod von Christa Wolf wurde - natürlich - überregional berichtet.
Mir gings allein um die Beerdigung. Das war ganz deutlich, dass dies nicht mehr so breit berichtet werden sollte. Ich wüsste nebenher gern manchmal, wer bei solchen Sachen die Order ausgibt. War ganz auffällig. |
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Es gibt auch viel Lästerei über solche Mumien wie Heesters, ganz ist das Plebejertum noch nicht verschwunden, irgendwo versteckt existiert der Witz der Subalternen noch.
Von den Haupt- und Staatsmedien ist wohl nix mehr zu erwarten |
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Diesem Wunsch des archinauten schließe ich mich gerne an! :)
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Günter Gaus war Anfang der 1970er Chefredakteur des Spiegel. Während dieser Zeit schrieb Eff Jott Raddatz ab und an für's Blatt.
Im Freitag 11/1999 las ich von Gaus: www.freitag.de/1999/11/99110301.htm">Die Kraft der Hauptsätze - Zum 70. Geburtstag von Christa Wolf. Daraus: "Ich weiß von einigen westdeutschen Feuilletonisten, gegenüber welchen politischen Zumutungen sie in Redaktionskonferenzen, vor größerer Öffentlichkeit ohnehin, geschwiegen haben, gekuscht. Diesem Mangel an Zivilcourage entsprach die Eilfertigkeit, mit der sie, als der Wind so wehte, die Schriftstellerin Wolf monatelang an den Aktenpranger stellten und ihr Anpassung und unstatthaftes Stillschweigen in der DDR vorwarfen." |
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born2bmild schrieb am 31.12.2011 um 09:02
So was nennt man dann wohl "Elefantengedächnis" Chapeau ! |
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Danke nochmal an die Kommentatoren:
@ goedzak - ich habe noch nicht mal was gegen den Heesters. Der hat eben seinen Kram gemacht, ich will da gar nicht moralisieren. Aber, der Umgang mit ihm aber jetzt hatte was so entlarvend-typisches. @ archie - mach ich, ich schreibe weiter, obwohl es nicht immer mehr Spaß macht. @ born2bmild - ja, der Gaus, der hat das wirklich noch mal alles beim Namen genannt. Allen Euch wünsche ich ein Frohes Neues Jahr |
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Aber liebe Magda,
die Spaßgesellschaft ist aus, jetzt wird's ernst.... |
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:) ...aber bitte nicht zu sehr. :)
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"die Spaßgesellschaft ist aus,
jetzt wird's ernst...." Hilfe, archie, mach mir keine Angst. Andererseits - wir haben nicht viel zu verlieren. :-)) |
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.... hat Frau Merkel nicht so was ähnliches gesagt ?-))
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Genau, der hab ich das doch eingeflüstert.
Angie habe ich gesagt, denk an das Proletariat, das auch nichts zu verlieren hat... usw. Das hat sie dann gleich eingesehen. |
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Du.....
bist die Merkelflüsterin? Hab ich mir doch längst gedacht! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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