Magda

Mal sehen

29.08.2011 | 20:31

Wer soll für den Euro opfern?

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, forderte in einem Interview mit der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau dass die Deutschen mehr Opfer für den Euro bringen sollen. Man denkt, man liest nicht richtig.

Dass Deutschland vom Euro besonders profitiert, ist in den Medien lang und breit ausgeführt. Dass es u.a. auch die Dumpinglohn-Politik der vergangenen Jahrzehnte war und ist, welche die deutschen Exportüberschüsse und –erfolge erst ermöglich haben, ist landauf und landab beklagt und kritisiert worden. Dass die Renten - die ja an die Löhne gekoppelt sind - kaum noch steigen, ebenfalls bekannt.

Dass es die deutschen Steuerzahler sind, die alle milliardenschweren Rettungsschirme aufgespannt halten, weiß der BDI-Präsident sicherlich auch.

Dreist oder schlechte PR?

 

Die Deutschen haben wahrlich genug "bezahlt" für die gute Position der deutschen Wirtschaft. In solch einer Situation "Opfer" zu fordern, das ist wirklich ...ja, was ist das eigentlich? Dreist oder nur schlechte Kommunikation?

Nein, es ist die Furcht, dass der Euro doch noch kippt und damit die privilegierte Situation der deutschen Wirtschaft schwindet.

Es ist legitim, dass ein Wirtschaftsvertreter öffentlich Besorgnisse äußert, dass er die Haltung seines Verbandes noch einmal deutlich macht. Aber - der gleiche BDI-Präsident hat sich dieser Tage sehr abfällig über die Absicht einiger Vermögender in Frankreich mehr Steuern zahlen zu wollen geäußert.

Er nannte das einen PR-Gag. Das mag ja sein, wenn man nicht sicher wäre, dass er jede Art von Steuerforderung abgeschmettert hätte.

 Wie Keitel sich die Rettung des Euro vorstellt, wird in dieser Antwort deutlich:

„Zurzeit wird über eine europäische Wirtschaftsregierung diskutiert. Richtiger müsste es Finanzregierung heißen, denn es geht nicht um Dirigismus in der Wirtschaft, sondern um die stärkere und verbindlichere Koordinierung der Fiskalpolitik. Es existieren ja schon heute Schuldengrenzen für die Staats-Haushalte, aber sie werden nicht ernst genommen. Verstöße dürfen nicht länger hingenommen werden. Gegenseitige Hilfe funktioniert nur, wenn es auch gegenseitige Verpflichtungen gibt. Insgesamt müssen wir viel stärker konsolidieren. Klar ist: Wenn wir die europäische Integration weiter vorantreiben wollen, müssen sich alle Staaten an die Regeln halten oder nationale Kompetenzen abgeben. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, die Frage berührt zutiefst nationale Verfassungen und europäisches Recht. Trotzdem sollten wir diesen Schritt gehen.“

 Das ist Disziplinierung Europas unter deutscher Vorherrschaft. Genau das werfen Kritiker Deutschland vor.

 „George Soros, der US-Investor, hat in der Financial Times drei Schritte genannt, die den Euro retten könnten: Eine Reform des Bankenwesens, Eurobonds und ein geordneter Austritts-Mechanismus für unbelehrbare Schuldner.

Quelle Mittelstands-Nachrichten

 Da heißt es weiter: „Soros bringt seine Kritik an Deutschland auf den Punkt. Sie deckt sich im wesentlichen mit dem, was Analysten der UBS bereits vor einem Jahr prophezeit hatten: Der deutsche Exportüberschuss schaffe ein strukturelles Ungleichgewicht. Wichtigster Importeur deutscher Waren ist immer noch die Eurozone. Die Kritiker Deutschlands sagen: Auf Dauer kann es nicht funktionieren, dass ein Land einen Überschuss erwirtschaftet und andere ohne Defizit auskommen. Deutschland muss einen Preis für seine wirtschaftliche Dominanz bezahlen. Früher war das die harte D-Mark, künftig müsse es eine gemeinsame Bewertung der Schulden und Überschüsse aller Euro-Staaten geben. Dies wäre am besten durch die Eurobonds zu erreichen“.

Aber den Preis will Keitel nicht zahlen, er will Opfern für Deutschland und bezahlen soll der Steuerzahler.  

 

Auch zu lesen bei:  Magdas Kram

 

 

 
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Kommentare
Achtermann schrieb am 29.08.2011 um 21:04
Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, forderte in einem Interview…

So ein Präsident bekommt zu jeder Unzeit ein Mikrofon unter die Nase gehalten. Er kann den größten Stuss und die gruppenegoistischsten Forderungen stellen, sie werden gedruckt oder gesendet und als gewichtige Beiträge zur deutschen Wirtschaftspolitik behandelt.

Wo bleibt der Präsident des Hartz-IV-Verbandes, der in nahezu jede Talkshow eingeladen und befragt wird, der den Mindestforderungen seiner Klientel Gehör verschaffen kann? Aber auch dieser würde nichts bewegen können. Die demokratischen Mittel, die wirtschaftspolitische Richtung der Wenigen, die oben sind, zu beeinflussen, stehen vielleicht auf dem Papier, für die Praxis nutzen sie nichts.
Fro schrieb am 30.08.2011 um 00:48
„Dass Deutschland vom Euro besonders profitiert...“

So ziemlich die Einzigen, die davon profitiert haben sind die Kapitaleigner der Exportindustrie. Was die hiesigen Bürger davon hatten hast du ja anschaulich beschrieben: Nur Verluste. Der Binnenmarkt ist unübersehbar am verelenden...
Ich betone das auch deswegen noch einmal, weil dieses Argument „vom profitierenden Deutschland“ von allen Parteien gerne ins Feld geführt wird, um uns Bürgern den Rettungsschirm und den erweiterten Rettungsschirm „Eurobonds“ schmackhaft zu machen.

Soros ist ein Großspekulant, der für den Eurobond ist, weil die privaten Gläubiger damit für die Bewältigung der Schuldenkrise aus dem Schneider wären, und den Finanzmärkten zukünftige Risiken für die nächsten Jahre (bis zur endgültigen Pleite Europas) erspart blieben. Eine Servicedienstleistung der europäischen Bürger an die Finanzmärkte, die mit ihren braven Helfern und Rettern nichts weiter vorhaben, als sie auszunehmen....Irre, dass da alle Parteien mitmachen wollen.
Klar ist, dass die Eurobonds kommen – was Merkel zur Zeit abzieht ist meines Erachtens Theater. 1. Um den Druck auf „notleidende Staaten“ zu erhöhen, um sie gefügig zu machen die gewünschten neoliberalen Bedingungen zu erfüllen, - und 2. den Bürgern, die ja die Kosten dafür tragen müssen, vor der nächsten Wahl zu erklären, sie habe alles versucht Nachteile abzuwenden, aber die anderen....

Dabei könnte alles so einfach sein: Die Systemkrisenkosten mögen die Systembefürworter – insbesondere diejenigen, die von diesem System profitiert haben, begleichen.
Und: Wer Risiko-Geschäfte betreibt, muss die Konsequenzen eines Scheiterns dieser Geschäfte selber tragen.
Wo ist da das Problem? Für finanzielle Notlagen deutscher Spekulanten haben wir ja auch noch HartzIV...
archinaut schrieb am 30.08.2011 um 02:46
Ich geb' mein Schloss.... hihi ;-))
Magda schrieb am 30.08.2011 um 08:48
@ archinaut - aber bitte vorher ölen. Is ja ganz verrostet das Ding. :-))
archinaut schrieb am 31.08.2011 um 01:46
...... zur letzten Ölung?-))
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 08:24
Dass es u.a. auch die Dumpinglohn-Politik der vergangenen Jahrzehnte war und ist, welche die deutschen Exportüberschüsse und –erfolge erst ermöglich haben, ist landauf und landab beklagt und kritisiert worden.

Das ist m. E. falsch, weil beim Dumping Güter billiger als deren Herstellungskosten soimnd, verkauft werden.
Unternehmen, die das tun, sind schnell pleite.

Unsere Exporterfolge basieren auf einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, mit allen Facetten, d. h. Preiswürdigkeit, Qualität, Innovation usw..

Wenn die Kunden im Ausland beim Mangel auch nur einer dieser Facetten unsere Produkte nicht mehr kaufen will, beeinträchtigt das den Exporterfolg.

Höhere Löhne würden die Wettbewerbsfähigkeit reduzieren und zu höher Arbeitslosigkeit führen. Dann wäre der Bedarf an Sozialtransfers noch höher, bei gleichzeitig niedrigerem Steueraufkommen.

Die Frage nach einer anteiligen Euro-Rettung durch Deutschland würde sich dann gar nicht mehr stellen.

Es gäbe dann die PIIGSFD-Staaten! ;-)

Der Wohlstand in der Breite incl. der Absicherung der Renten und auch die Währungsstabilität (DM oder Nord-Euro) wären m. E. durch eine solide Wirtschaftspolitik bei gleichzeitiger Steuereinsparung für überflüssige Ausgaben am ehesten sichergestellt.

Unsere Wirtschaft, vor allem die Industrie, ist vergleichsweise ganz gut.

Wir haben aber zu viele überflüssige Ausgaben!

Einige Beispiele:

1.
Ca. 50 Milliarden/Jahr Schuldendienst (Zins plus Tilgung) für die Schulden von Bund/Ländern/Kommunen.

2.
Alleine 176 Milliarden/Jahr Etat für Arbeit und Soziales.
Damit werden schwerpunktmäßig die Renten gestützt und vor allem Hartz 4 bezahlt.
Wesentliche Kosten entstehen dem Steuerzahler hier vor allem durch das schlecht gemachte Zuwanderungsgesetz, welches uns vor allem schlecht qualifizierte Armutsflüchtlinge im Zusammenspiel mit unseren vergleichsweise hohen Sozialleistungen beschert hat.
Jeder dieser Zuwander kostet incl. der "Nebenkosten" etwa
800 €/Monat.
Dieses Geld würde ich lieber bei den Rentnern sehen, welche hier im Land bei uns Jahrzehnte gearbeitet haben.

3.
Mehrere Milliarden/Jahr für angeblich klimarettende Maßnahmen.
D. h., Subventionen für das EEG, Gebäudesanierungen etc..
Diese Maßnahmen beeinflussen das Klima nicht!
Eine Warmzeit wird es irgendwann trotzdem wieder geben.

4.
Steuerflucht in Schweiz u. ä.. verhindern, bzw. eine gerechte Besteuerung für flüchtiges Kapital einführen.
Hier gibt es zumindest tlw. Erfolge in der letzten Zeit, die m. E. aber nicht ausreichen.

Es gibt noch viel mehr Einsparungmöglichkeiten; die vorgenannten 4 sind aber ganz sicher wesentlich!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 08:25
will = wollen
Magda schrieb am 30.08.2011 um 08:45
"Unsere Exporterfolge basieren auf einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, mit allen Facetten, d. h. Preiswürdigkeit, Qualität, Innovation usw.."

Die Preiswürdigkeit - ? - aber na gut, basiert auf dem Lohnverzicht der Arbeitnehmer in den entsprechenden Branchen seit vielen Jahren. Da gibts Statistiken. Seit 20 Jahren sind die realen Löhne da eher gesunken als gestiegen.
www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_02.c.289465.de

Die Rede ist auch, dass Deutschland so innovativ eben nicht mehr ist - Sie können ja ein Beispiel sagen, wenn Sie was parat haben. In der Autoindustrie ist sie es nicht mehr. Und - deutsche Qualität, bitte wo? Die Niedriglohnpolitik war eine Liebesgabe an die deutsche Wirtschaft so wie der Euro auch. Einzig und allein, um on top zu bleiben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 09:01
Noch einmal der Kommentar, mit (hoffentlich) weniger Fehlern:

Dass es u.a. auch die Dumpinglohn-Politik der vergangenen Jahrzehnte war und ist, welche die deutschen Exportüberschüsse und –erfolge erst ermöglich haben, ist landauf und landab beklagt und kritisiert worden.

Das ist m. E. falsch, weil beim Dumping Güter billiger als deren Herstellungskosten sind verkauft werden.
Unternehmen, die das tun, sind schnell pleite.

Unsere Exporterfolge basieren auf einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, mit allen Facetten, d. h. Preiswürdigkeit, Qualität, Innovation usw..

Wenn die Kunden im Ausland beim Mangel auch nur einer dieser Facetten unsere Produkte nicht mehr kaufen wollen, beeinträchtigt das den Exporterfolg.

Höhere Löhne würden die internatiuonale Wettbewerbsfähigkeit reduzieren und durch geringere Exportleistung zu höherer Arbeitslosigkeit führen. Dann wäre der Bedarf an Sozialtransfers noch höher als heute schon, bei gleichzeitig niedrigerem Steueraufkommen.

Die Frage nach einer anteiligen Euro-Rettung durch Deutschland würde sich dann gar nicht mehr stellen.

Es gäbe dann die PIIGSFD-Staaten! ;-)

Der Wohlstand in der Breite incl. der Absicherung der Renten und auch die Währungsstabilität (DM oder Nord-Euro) wären m. E. durch eine solide Wirtschaftspolitik bei gleichzeitiger Steuereinsparung für überflüssige Ausgaben am ehesten sichergestellt.

Unsere Wirtschaft, vor allem die Industrie, ist vergleichsweise ganz gut.

Wir haben aber zu viele überflüssige Ausgaben!

Einige Beispiele:

1.
Ca. 50 Milliarden/Jahr Schuldendienst (Zins plus Tilgung) für die Schulden von Bund/Ländern/Kommunen.

2.
Alleine 176 Milliarden/Jahr Etat im Bundeshaushalt (Entwurf 2012)für Arbeit und Soziales.
Damit werden schwerpunktmäßig die Renten gestützt und vor allem Hartz 4 bezahlt.
Wesentliche Kosten entstehen dem Steuerzahler hier durch das schlecht gemachte Zuwanderungsgesetz, welches uns vor allem schlecht qualifizierte Armutsflüchtlinge im Zusammenspiel mit unseren vergleichsweise hohen Sozialleistungen beschert hat.
Jeder dieser Zuwander kostet incl. der "Nebenkosten" etwa
800 €/Monat.
Dieses Geld würde ich lieber bei den Rentnern sehen, welche hier im Land bei uns Jahrzehnte gearbeitet haben.

3.
Mehrere Milliarden/Jahr für angeblich klimarettende Maßnahmen.
D. h., Subventionen für das EEG, Gebäudesanierungen etc..
Diese Maßnahmen beeinflussen das Klima nicht!
Vor allem sind die Maßnahmen zur Reduzierung von CO² in der Atmosphäre Humbug!
Eine Warmzeit wird es trotzdem wieder geben.
Z. Zt. leben wir nämlich noch in einem Eiszeitalter!
Den Wechsel von Eiszeitalter und Warmzeiten hat es schon immer - auch ohne Menschen - gegeben.
Die Einflußfaktoren dafür sind vielfältig, das C0² hat wahrscheinlich (falls überhaupt) nur eine marginalen Einfluß!

4.
Steuerflucht in die Schweiz u. ä.. verhindern, bzw. eine gerechte Besteuerung für flüchtiges Kapital einführen.
Hier gibt es zumindest tlw. Erfolge in der letzten Zeit, die m. E. aber nicht ausreichen.

Es gibt noch weitere Einsparungmöglichkeiten.
Die vorgenannten 4 sind aber ganz sicher wesentlich!
abghoul schrieb am 30.08.2011 um 09:13
Dumpinglohn hat nur indirekt mit der Ware zu tun.
Die Arbeit wird unter dem Wert gehandelt, nicht das Produkt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 09:32
@abghoul schrieb am 30.08.2011 um 09:13
Dumpinglohn hat nur indirekt mit der Ware zu tun.
Die Arbeit wird unter dem Wert gehandelt, nicht das Produkt.


In solchen Fällen wäre der Profit höher.
In meiner Berufspraxis (ich habe längere Zeit in der Kostenrechnung für die Herstellkostenermittlung und Preisbildung sowie im Controlling für die Standortermittlung) gearbeitet) habe ich derartiges noch nicht erlebt. Die erzielten Umsatzrenditen lagen meistens zwischen 1 - 3 %.
Häufig stand die Firma sogar kurz vor der Pleite!

So, muß jetzt ins Büro, - nachher gehts (hoffentlich) weiter! ;-)
Magda schrieb am 30.08.2011 um 11:25
@ arno schmidt - auf alles will ich nicht eingehen. Aber ich habe verstanden, dass es darum geht, einen Bandarbeiter bei VW in Deutschland so weit zu bringen, dass er einsieht, ein Hirsebauer in Afrika und ein Bandarbeiter in China haben es schwerer.

Was Sie nicht sehen wollen ist, dass der Konsum im eigenen Lande nicht gerade steigt, wenn die Löhne so niedrig sind. Und damit alle anderen, die nicht im Export ihr Geld verdienen, angeschissen sind.

Dass die Unternehmen andauernd prima Gewinne machen, die sie natürlich an ihre Aktienbesitzer weitergeben und weniger an die Arbeiter, bedenken Sie dabei auch nicht. Sie verweisen da lieber auf die "armen Bauern" in Afrika. Die Globalisierung macht kreativ in der Erfindung von Hindernissen für einen gerechten Lohn.

Sowas erzählt immer der Onkel von der INSM und ein bisschen Sarrazin ist auch dabei. Vor allem bei Ihren Vorschlägen zur wirtschaftlichen und klimatischen Gesundung.
Tschüs
Ehemaliger Nutzer schrieb am 31.08.2011 um 22:24
"auf alles will ich nicht eingehen. Aber ich habe verstanden, dass es darum geht, einen Bandarbeiter bei VW in Deutschland so weit zu bringen, dass er einsieht, ein Hirsebauer in Afrika und ein Bandarbeiter in China haben es schwerer. "

Vor allem geht es darum, den Bandarbeiter von VW mit dem Bandarbeiter in China gewerkschaftlich zu organisieren. Da wird nämlich auch mächtig gedöst. Aber was soll man schon über Herrn Sommer schreiben....Das ist jetzt nicht der luzideste Einwand meinerseits, aber die Richtung stimmt.
HN
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 09:22
@Magda schrieb am 30.08.2011 um 08:45
Die Preiswürdigkeit - ? - aber na gut, basiert auf dem Lohnverzicht der Arbeitnehmer in den entsprechenden Branchen seit vielen Jahren. Da gibts Statistiken. Seit 20 Jahren sind die realen Löhne da eher gesunken als gestiegen.

Ja, das stimmt so.
Aber die Alternative hierfür wäre (wie o. a.) eine Reduzierung des Exportes mit höherer Arbeitslosigkeit usw..

Die Rede ist auch, dass Deutschland so innovativ eben nicht mehr ist - Sie können ja ein Beispiel sagen, wenn Sie was parat haben. In der Autoindustrie ist sie es nicht mehr. Und - deutsche Qualität, bitte wo?

Das stimmt auch. Zumindest teilweise!
Um so schlimmer!
Falls die Innovation und die Qualitätsstandards nicht mehr ausreichen und zusätzlich noch die Kosten davonlaufen, ist es bald Essig mit unseren Exporterfolgen und damit auch Schluß mit unserem relativen Wohlstand!

Innovation, Qualität und Preise korrespondieren miteinander.
D., h., man kann u. U. höhere Preise kalkulieren und damit höhere Löhne ermöglichen, wenn die Innovation und die Qualität gut sind.

Darauf basiert das "ganze System".
Beispiele:
Ein Schwarzer in Afrika muß häufig den ganzen Tag lang hart auf dem Hirseacker arbeiten und bekommt dafür weniger als ein deutscher Ingenieur in 5 Minuten Arbeitszeit.

Ein Bandarbeiter, der bei VW in Deutschland Teile zusammenschraubt konkurriert aber mit einem chinesischen Bandarbeiter, der bei VW in China das gleiche macht.
goedzak schrieb am 30.08.2011 um 10:35
Konsumieren, in Urlaub fahren, Geld ausgeben - das hilft der Wirtschaft, auch bei schlechtem Wetter!

apatit schrieb am 30.08.2011 um 11:04
“Dass Deutschland vom Euro besonders profitiert, ist in den Medien lang und breit ausgeführt“
Ohne große Ökonomie zu machen, ich als Verbraucher schaue nur was liegt für 50 Euro bei mir im Einkaufskorb? Der Boden leicht bedeckt und dann vergleiche ich mit der DM, da war bei gutem Einkauf das Ding fast voll! Dann schaue ich mir die Unterschiede bei Lohn in Ost und West an gewürzt mit Inflation. Reiche werden immer reicher - und wir haben uns wohl zu fühlen. K..z grenze erreicht!
Magda schrieb am 30.08.2011 um 11:26
@ apatit - das geht uns auch so. Und immer sagt man dann, das sei die "gefühlte" Teuerung. :-))
GEBE schrieb am 30.08.2011 um 16:25
Tja, @ goedzak,

und den Kühen hat man allerorten auch schon ein wichtiges Sensorium abgetrennt: die Hörner!
gweberbv schrieb am 30.08.2011 um 11:33
"Auf Dauer kann es nicht funktionieren, dass ein Land einen Überschuss erwirtschaftet und andere ohne Defizit auskommen."

Es ist erstmal kein Problem, wenn Länder im Außenhandel mit Deutschland ein Defizit ausweisen. Problematisch wird es, wenn dies auch im Handel mit dem Rest der Welt der Fall ist.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 14:47
@Magda schrieb am 30.08.2011 um 11:25
@ arno schmidt - auf alles will ich nicht eingehen. Aber ich habe verstanden, dass es darum geht, einen Bandarbeiter bei VW in Deutschland so weit zu bringen, dass er einsieht, ein Hirsebauer in Afrika und ein Bandarbeiter in China haben es schwerer.

Nein, darum geht es nicht.
Es ist nur so, dass es dem Schwarzen in Afrika zusammen mit seinen Landsleuten nur deshalb so relativ schlecht geht, weil diese keine Produkte herstellen und exportieren können, für die irgendwelche Kunden im In- oder Ausland viel Geld bezahlen würden.

Durch die Globalisierung ergeben sich besonders für einfache Tätigkeiten Konkurrenzsituationen. D. h., dass rein von der Tätigkeit her gesehen die Leistung von Bandarbeitern in China und in Deutschland gleichwertig sind. Durch Niedriglohn haben die Chinesen aber einen Standortvorteil, der nur durch andere Faktoren wieder kompensiert werden kann.
In meiner Firma übrigens sorgen die Bandarbeiter in den Fabriken in Billiglohnländern indirekt für eine Quersubventionierung der Bandarbeiter in Deutschland!


Was Sie nicht sehen wollen ist, dass der Konsum im eigenen Lande nicht gerade steigt, wenn die Löhne so niedrig sind. Und damit alle anderen, die nicht im Export ihr Geld verdienen, angeschissen sind.

Sie übersehen aber offensichtlich, dass Konsum erst verdient werden muß.
Sonst könnten Sie ja beispielsweise die Hart4-Sätze verdoppeln und würden damit auch den Konsum steigern.
Nur das Geld für die Hartz 4-Verdoppelung müßte zuvor von anderen Bürgern mit Beschäftigung verdient werden.
Diesen Bürgern müßte man die Wertschöpfung durch Steuern nehmen um sie den Hartz4lern zu schenken.
Da wäre es schon besser, möglichst viele Hartz4ler arbeiten zu lassen, ihnen ngemäß ihres Arbeitsmarktwertes zu entlohnen und sich selber ihrer Konsum erarbeiten zu lassen.
Dann könnten auch die Steuern gesenkt werden, weil weniger Sozialtransfers notwendig wären.

Wenn Sie die Löhne wegen gewollter Konsumsteigerung zum hoch festlegen, verlieren Sie u. U. die Wettbewerbsfähigkeit und machen Pleite.
Dann haben Sie noch mehr Hartz-4ler und weniger Steuereinnahmen.
So einfach geht das nicht mit der Konsumsteigerung!


Dass die Unternehmen andauernd prima Gewinne machen, die sie natürlich an ihre Aktienbesitzer weitergeben und weniger an die Arbeiter, bedenken Sie dabei auch nicht. Sie verweisen da lieber auf die "armen Bauern" in Afrika. Die Globalisierung macht kreativ in der Erfindung von Hindernissen für einen gerechten Lohn.

Die Aufteilung des erwirtschafteten Mehrwertes in Aktiengesellschaften zwischen den Beschäftigten und den Aktionären erfolgt durch Tarifverhandlungen und durch Vorstands- und Aufsichtsratsbeschlüsse für die Dividenden nach der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens und nach betriebswirtschaftlichen Erwägungen.
Schließlich muß auch Investiert werden in Maschinen und Anlagen, in die Produktentwicklung usw..
Außerdem müssen Steuern vom Unternehmen und den Beschäftigten abgeführt werden.
Die Dividenden betragen bei den DAX 30 Unternehmen nur
ca. 4 % des Aktienwertes.
Höhere Renditen wären an der Börse durch Kursgewinne erzielbar.
Aber, die meisten Aktionäre haben in den letzten ca. 3 Jahren auch auch herbe Kursverluste hinnehmen müssen.
Schauen Sie sich die Aktienkurse der DAX-Unternehmen mal über die letzten 10 Jahre z. B. an!


Sowas erzählt immer der Onkel von der INSM und ein bisschen Sarrazin ist auch dabei. Vor allem bei Ihren Vorschlägen zur wirtschaftlichen und klimatischen Gesundung.
Tschüs

Ich kenne den Onkel von der INSM nicht und Zusammenhänge mit Sarrazins Thesen kann ich nur insofern erkennen, dass er darauf hinweist, dass durch unqualifizierte Zuwanderung die wirtschaftliche Stärke Deutschlands als Voraussetzung für einen anständigen Wohlstand gefährdet ist. Damit hat er m. E. Recht!

Zusammenhänge zwischen Wohlstand und "Klimarettung"
erkenne ich insofern, dass durch künstlich hochgetriebene Ernergiekosten unsere vor allem industrielle Wettbewerbsfähigkeit leidet und es auch blödsinnig ist, wenn man viel Geld in die CO²-Reduzierung steckt, ohne das davon nachweislich die Klimaziele (z. B. max. + 2° C in 30 Jahren) erreichbar sind.
Magda schrieb am 30.08.2011 um 17:10
Ich bedanke mich für das Seminar in Makroökonomie. Und den Katalog der Belehrungen.

Es muss aber doch so sein, dass es Leute gibt, die das - selbstverständlich ganz unvernünftig - anders sehen.

Und wenn Sie dann noch einbeziehen, dass die Interessen der großen Unternehmen - die in Deutschland nicht soviele Steuern zahlen, wie sie sollten - manchmal mit den Interessen der Arbeitgeber kollidieren. Und wenn Sie denen und mir dann so ein arrogantes: So ist das halt - oder wie die Kanzlerin sagt - TINA, entgegenhalten, dann wundere ich mich nicht, dass das bald mal richtig knallt. Und dass dann Leute sich wundern, dass sie vorher Dinge nicht gesehen haben, mit denen man das hätte verhindern können.

Da helfen auch keine xPunkte-Programme.
Magda schrieb am 30.08.2011 um 17:19
Hier ein Zitat zu den Lohnkosten von Heiner Flassbeck. "
Sind es wirklich nur die Lohnstückkosten, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft auf Dauer bestimmen? Ist da nicht doch wieder zuviel Denken in den Kategorien des „Standortwettbewerbs“ im Spiel und eben nicht die Tatsache, dass einzelne Unternehmen mit ihren Produkten miteinander in Konkurrenz stehen? Führt es nicht wenigstens auch zu einem Wettbewerbsvorteil, wenn ein Staat gemessen an anderen viel für Bildung und Wissenschaft und damit für Innovation und im Ergebnis für Produktivität tut? Oder umgekehrt, könnte es auf Dauer nicht auch zu Wettbewerbsverschiebungen im Positiven oder im Negativen kommen, wenn ein Staat hohe Steuern einzieht, um hohe soziale oder Umweltstandards zu haben und andere Staaten solche volkswirtschaftlichen Kosten vernachlässigen?"

Der ganze Beitrag hier: www.nachdenkseiten.de/?p=7775

Heiner Flassbeck zur aktuellen Eurokrise...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 17:19
... , dann wundere ich mich nicht, dass das bald mal richtig knallt.
-
Und, - wem ist dann geholfen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 16:10
auf den Punkt gebracht!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.08.2011 um 16:11
@ Magda .....auf den Punkt gebracht!
Magda schrieb am 31.08.2011 um 10:15
@ Helena Neumann - danke :-))
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