Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, forderte in einem Interview mit der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau, dass die Deutschen mehr Opfer für den Euro bringen sollen. Man denkt, man liest nicht richtig.
Dass Deutschland vom Euro besonders profitiert, ist in den Medien lang und breit ausgeführt. Dass es u.a. auch die Dumpinglohn-Politik der vergangenen Jahrzehnte war und ist, welche die deutschen Exportüberschüsse und –erfolge erst ermöglich haben, ist landauf und landab beklagt und kritisiert worden. Dass die Renten - die ja an die Löhne gekoppelt sind - kaum noch steigen, ebenfalls bekannt.
Dass es die deutschen Steuerzahler sind, die alle milliardenschweren Rettungsschirme aufgespannt halten, weiß der BDI-Präsident sicherlich auch.
Dreist oder schlechte PR?
Die Deutschen haben wahrlich genug "bezahlt" für die gute Position der deutschen Wirtschaft. In solch einer Situation "Opfer" zu fordern, das ist wirklich ...ja, was ist das eigentlich? Dreist oder nur schlechte Kommunikation?
Nein, es ist die Furcht, dass der Euro doch noch kippt und damit die privilegierte Situation der deutschen Wirtschaft schwindet.
Es ist legitim, dass ein Wirtschaftsvertreter öffentlich Besorgnisse äußert, dass er die Haltung seines Verbandes noch einmal deutlich macht. Aber - der gleiche BDI-Präsident hat sich dieser Tage sehr abfällig über die Absicht einiger Vermögender in Frankreich mehr Steuern zahlen zu wollen geäußert.
Er nannte das einen PR-Gag. Das mag ja sein, wenn man nicht sicher wäre, dass er jede Art von Steuerforderung abgeschmettert hätte.
Wie Keitel sich die Rettung des Euro vorstellt, wird in dieser Antwort deutlich:
„Zurzeit wird über eine europäische Wirtschaftsregierung diskutiert. Richtiger müsste es Finanzregierung heißen, denn es geht nicht um Dirigismus in der Wirtschaft, sondern um die stärkere und verbindlichere Koordinierung der Fiskalpolitik. Es existieren ja schon heute Schuldengrenzen für die Staats-Haushalte, aber sie werden nicht ernst genommen. Verstöße dürfen nicht länger hingenommen werden. Gegenseitige Hilfe funktioniert nur, wenn es auch gegenseitige Verpflichtungen gibt. Insgesamt müssen wir viel stärker konsolidieren. Klar ist: Wenn wir die europäische Integration weiter vorantreiben wollen, müssen sich alle Staaten an die Regeln halten oder nationale Kompetenzen abgeben. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, die Frage berührt zutiefst nationale Verfassungen und europäisches Recht. Trotzdem sollten wir diesen Schritt gehen.“
Das ist Disziplinierung Europas unter deutscher Vorherrschaft. Genau das werfen Kritiker Deutschland vor.
„George Soros, der US-Investor, hat in der Financial Times drei Schritte genannt, die den Euro retten könnten: Eine Reform des Bankenwesens, Eurobonds und ein geordneter Austritts-Mechanismus für unbelehrbare Schuldner.“
Quelle Mittelstands-Nachrichten
Da heißt es weiter: „Soros bringt seine Kritik an Deutschland auf den Punkt. Sie deckt sich im wesentlichen mit dem, was Analysten der UBS bereits vor einem Jahr prophezeit hatten: Der deutsche Exportüberschuss schaffe ein strukturelles Ungleichgewicht. Wichtigster Importeur deutscher Waren ist immer noch die Eurozone. Die Kritiker Deutschlands sagen: Auf Dauer kann es nicht funktionieren, dass ein Land einen Überschuss erwirtschaftet und andere ohne Defizit auskommen. Deutschland muss einen Preis für seine wirtschaftliche Dominanz bezahlen. Früher war das die harte D-Mark, künftig müsse es eine gemeinsame Bewertung der Schulden und Überschüsse aller Euro-Staaten geben. Dies wäre am besten durch die Eurobonds zu erreichen“.
Aber den Preis will Keitel nicht zahlen, er will Opfern für Deutschland und bezahlen soll der Steuerzahler.
Auch zu lesen bei: Magdas Kram