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Ein Helmut-Kohl-Denkmal in Dresden braucht kein Mensch. Am wenigsten der Ex-Politiker und Wendegewinnler selbst.
Die an Provinzpossen nicht gerade arme Provinzstadt Dresden, von der ihre Bewohner denken, sie sei der Nabel der Welt, legt wieder nach. Da ja bald das soundsovielte Jubiläum zur Deutschen Einheit oder Mauerfall oder oder bevorsteht, musste irgendetwas her. Da bekanntlich in Sachsen und somit auch Dresden, die wohl lustigste CDU vom ganzen Bundesrepublikland wohnt, fiel ihr was Tolles ein. Wir brauchen unbedingt ein Helmut-Kohl-Denkmal in unserer Stadt, am besten irgendwo bei der Frauenkirche! Die unvermeidliche Werbeagentur mit dem heiteren Namen FDP sprang dieser super Idee sogleich bei. Abgesehen davon, dass das Aufstellen von Denkmälern lebender Personen irgendwie Personenkult ist und solch Kult somit irgendwie auch ein bisschen anrüchig, und man ja auch jüngst überall wieder das böse K-Wort hören muss und somit die Partei, welche die friedliche Revolution schließlich ganz alleine durchgeführt hat, also die Sächsische CDU, da ein bisschen schief liegen könnte, betreffend der Assoziationen, die solche Ansinnen hervorzurufen in der Lage sind, war es doch schön zu sehen, wie die Widerstandskämpfer von der Dresdner Union für dieses Denkmal stritten. Kohl hatte am 19.12.1989 vor der Ruine der Frauenkirche gesprochen und dabei bekanntlich ziemlich viel versprochen. Wofür es dann später im wackeren Halle (Saale) ein paar unfreundliche, wahrscheinlich auch schon Dioxin-Eier regnete.
„Helmut Kohl als Kanzler der Einheit hat einen großen Anteil an der Wiedervereinigung Deutschlands" bzw. „die Ehrung Kohls soll damit auch ein Teil der Gedenkkultur Dresdens sein" diktierte die Bürgermeisterin Dresdens (CDU) der Presse in die Blöcke. Der Finanzausschuss der Stadt strickte sogleich einen Antrag um bis zu 30.000 Euro Fördergelder aus einem entsprechenden Landesprogramm zu beantragen. Zarte Hinweise der Parteien von grün bis dunkelrot, dass doch die friedliche Revolution weniger durch Kohl oder die West-CDU, sondern vielmehr von mutigen und anfangs auch noch unter erheblichen Risiken demonstrierenden DDR-Bürgern ganz unterschiedlicher Provenienz gemacht worden sei, wurden geflissentlich ignoriert.
„Peinlich, peinlicher, Dresdner CDU“ sagte SPD-Stadtratsfraktionschef Peter Lames und: „Es ist peinlich, wie die Dresdner CDU den langjährigen Kanzler und Parteivorsitzenden instrumentalisiert, um die Einheit Deutschlands als Verdienst der CDU darzustellen.“ In ähnliches Horn stieß die Stadt-Linke und schlug vor, anstelle einer Helmut-Kohl-Gedächtnis-Kultstätte für verirrte JU-Schnösel doch lieber ein „Wir-sind-das-Volk“-Denkmal aufzustellen. Dieses Ansinnen kann man nun auch wieder irgendwie verstehen. Schließlich haben neben der glorreichen Dresden-CDU auch noch zwei, drei andere Bürger den Kohlschen Auftritt am 19.12.1989 in Dresden vorbereitet, ja möglich gemacht und als gewissermaßen Abfallprodukt dieser Ereignisse die gefühlt achtundsechzigste Wiederwahl von Helmut Kohl indirekt unterstützt. Zum großen Entsetzen der irgendwie West-Linken. Aber das ist beinahe eine andere Geschichte.
Nun wäre Kohl nicht Kohl, wenn er dieser Posse nicht noch einen Schwung hinzugefügt hätte. Ausgerechnet über den Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) – auch ein großer Widerstandskämpfer – ließ er der Dresdner CDU mitteilen, dass er nicht gefragt worden sei und überhaupt grundsätzlich die Aufstellung von Denkmälern seiner Person ablehne. Vielleicht weiß Kohl noch, im Gegensatz zu seinen Parteigenossen im Sächsischen, was das Wort Personenkult bedeutet und vor allem an was es erinnert. Vielleicht ist Kohl aber auch kurz eingefallen – möglich wäre es ja – dass ein ehemaliger Spitzenpolitiker, der sich semikriminell verhalten hat und illegal Spenden einsammelte und nebenbei das Wort „Ehrenwort“ desavouierte nicht auch noch auf einen Ehrensockel gestellt werden sollte. Eine gedenkmalte Spendenaffäre im Sachsensumpfland hätte zwar eine gewisse Ironie, allerdings ist einer der gelogen hat, bis heute lügt, nicht gerade ein Vorbild für die Dresdner Jugend (ausgenommen Junge „Liberale“ und Junge Union, die ja schließlich lernen müssen wie es geht).
Es gibt einen neuen Vorschlag, abermals von der Linken. Nehmt doch das Geld, ohnehin beantragt, und stellt 100 Bänke auf, die in der Stadt verteilt, an wichtige Ereignisse von 1989 erinnern – auch an Kohls „Liebe Landsleute!“-Rede im Dezember. Vielleicht wird’s auch nur eine Gedenktafel. Man sieht, der Stadt Dresden und ihren Einwohnern geht es ausgesprochen gut, da sie keine anderen Probleme zu haben scheinen.
Dresden die Stadt im Osten und natürlich der Welt!
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Das ist ja wieder sowas von herrlich. Leider auch wahr, dass die CDU sich rückwirkend als große Widerstandskämpferin darstellt und gerne in dem hinteren Ausgang von Politikern Platz nimmt, zu denen sie aufschaut.
Naja, gut, dass Kohl selbst soviel Sinn für die Posse hat. Vielleicht gibts irgendwann mal eine entsprechend Kohl- oder Birnensorte. |
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"Vielleicht gibts irgendwann mal eine entsprechend Kohl- oder Birnensorte." - schöne idee, magda, gehr aber nur mit bananen-geschmack!
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als ich die zeile las, hoffte ich auf eine fiktion. nun scheint es doch real-satire zu sein. hm. wenn sie wenigstens spenden gesammelt hätten ...
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Denkmal bauen. Da gäbs bei nächster Glegenheit wieder was zum Schleifen.
www.v-like-vintage.net/de/foto_details/10652_foto_Riesa+Stalindenkmal/ |
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Oh, Sachsen geht es wirklich so gut, dass es Gelder nicht besser zu verteilen hat. Da ein Kohl-Denkmal aber wohl auch eine einheitsdeutsche Bedeutung haben sollte, sollte doch überlegt werden, was letztendlich erreicht wurde und ob es nicht immer noch was zu tun gäbe. Abgesehen davon, dass Denkmäler, zumal für Einzelpersonen, ohnehin eine heikle Angelegenheit, weil sie in ihrer Bedeutung äußerst temporär und nahe an der Geschichtsklitterung, sind, stünde hier die Frage, wer denn nun wirklich andächtig vor einem solchen Kohls verweilen würde.
Aber, wie auch immer. Ich halte es da mit Bertolt Brecht. |
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andere provinzpossen im barockstädtchen dresden, die mit der oben beschriebenen durchaus korrespondieren, bleiben eher unterbelichtet, obwohl die presse auch zuweilen darüber berichtete, so z.b. über die tatsache, daß die dresdner staatsanwaltschaft eine anklage gegen vier fraktionsvorsitzende der partei die linke zusammengezimmert hat, im nachgang zur blockade des naziaufmarschs am 13. februar 2010, und sie beschuldigt, eine demokratisch legitimierte demonstration verhindert resp. zu deren verhinderung aufgerufen zu haben - die selbstanzeige eines grünenpolitikers in dieser sache wurde seitens der staatsanwaltschaft einfach ignoriert, wie auch einschlägige rechtsgutachten zur praxis zivilen ungehorsams (ich werde im verlaufe dieser woche dazu einen beitrag einstellen); man ist in dresden wie ganz sachsen bestrebt, im zeichen der hier konstruierten extremismustheorie der öffentlichkeit immer wieder zu signalisieren, daß der kampf gegen nationalistische, faschistische ideologie, der kampf gegen rechts letztendlich eine sache der linken sei, das ganze also eine auseinandersetzung zwischen den gesellschaftlichen rändern links und rechts der (gutbürgerlichen) mitte der gesellschaft, dabei sind diese nationalistischen und faschistoiden ideologien längst in der sogen. mitte angekommen resp. waren dort nie ganz verschwunden, ein beleg dafür bildet z.b. der erfolg von sarazzins thesen in gutbetuchten wie auch kleinbürgerlichen kreisen, auch hier in dresden ...
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Es ist genau so wie Du schreibst. Banalitäten überdecken tatsächliche Skandale. Und die Diffamierung von Antifaschisten ist ein solcher Skandal. Ich bin jedenfalls auf Deinen angekündigten Beitrag gespannt.
l.g. |
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Wunderschön!
HELl strahlender MUT, dieses Anliegen so herrlich zu ver- KOHLen und damit DENKanstöße zu geben, sich doch MAL auf Dinge zu stürzen, die wahrlich wichtiger sind ! Oder man versprüht Vorfreude auf bald wieder blühende Landschaften, ergeht sich in Hinweisen für die Ägypter, geht gar gemeinsam mit anderen Parteien wirklich brennende Themen an, um sie einer Lösung zuzuführen und nicht zu zerreden. |
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Schon vor Jahren begann man, überall im Land, in Gedenken an die Einheit und ihren Vollstrecker Bäume zu pflanzen.
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Also ein Birnenbaum als Kohl-Denkmal. Hat was und kostet fast nix. Und die JUler und Jungen "Liberalen" übernehmen Pflege und Ernte. Beratung dafür gibt es bei der Grünen Liga ...
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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