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2008 war die erste Berlinale, während der ich in Berlin wohnte. In jenem sowie im darauffolgenden Jahr arbeitete ich in einer kleinen Filmproduktion und hätte mich also durchaus akkreditieren können – wenn ich die Zeit gehabt hätte, mich morgens für Tickets anzustellen und tagsüber ins Kino zu gehen.
Stattdessen hielt ich im Produktionsbüro die Stellung, während meine Chefin von einem Empfang zum nächsten hetzte und ebenfalls nicht dazu kam, mehr als den Eröffnungsfilm zu sehen. Meiner Freundin, die Schauspielagentin ist, ergeht es Jahr für Jahr nicht anders. Es ist ein Irrglaube, dass alle, die irgendwas mit Film zu tun haben, während der Berlinale irre viele Filme gucken und sich zehn Tage lang blendend amüsieren.

Aber in diesem Jahr wird alles anders: Endlich habe ich einmal nicht die Anmeldefrist für die Presse-Akkreditierung verpasst, kann mich von der anderen Seite an das ganze Geschehen annähern und vor allem das machen, was mir bisher immer verwehrt blieb: Filme gucken! (Und auch das ganze Drumherum.) Die nächsten zehn Tage werde ich also ein wahnsinnig aufregendes Leben auf der Überholspur zwischen Hegel- und Potsdamer Platz führen! Jeden Tag stehen bereits zwischen zwei und vier Filme in meinem Online-Terminplaner und ich werde mich zudem in Pressekonferenzen begeben, um internationale Schauspieler anzuglotzen (der eigentliche Plan ist ja, das Startum endgültig zu entmystifizieren) und ich möchte beobachten, wie sich die routinierten Filmkritiker so verhalten. Außerdem will ich wissen, was das mit mir macht, wenn ich zehn Tage am Stück so viele unterschiedliche Filme anschaue.
Heute Morgen war ich bereits im Hyatt, um mein Badge abzuholen. Dort wurde ich Ohrenzeugin atemberaubender Dialoge:
"Wo sind wir hier?" – "Das ist hier das Hyatt!"
"Wo haben Sie die Berlinale-Tasche her?" - "Die ist von letztem Jahr. Ich glaube, Taschen gibt es nur für Menschen mit normalen Akkreditierungen." – "Eine normale Akkreditierung? Was ist das denn?"
Mir hingegen ist eine Berlinale-Tasche völlig egal. Denn damit in der Stadt herumzulaufen ist ja beinahe so unsouverän wie mit einer aus dem sogenannten Ampelmännchenshop, auf der in großen Lettern B E R L I N steht.
Terminplaner für Tag 1
Death Row von Werner Herzog (bereits heute Abend)
Pressekonferenz zur Juryvorstellung
Les adieus à la Reine von Benoit Jaquot mit anschließender Pressekonferenz
Nuclear Nation von Funabashi Atsushi
Kuma von Umut Dag
Gesichtete Promis: keine.
Alle Blogbeiträge zur Berlinale werden mit Hilfe des Berlinale-Tags zusammengefasst und unter dem Portlet in der rechten Spalte zu finden sein. Also denkt daran, Eure Texte zur Veranstaltung so zu taggen. Und auch der hochgeschätzte Matthias Dell wird natürlich von der Veranstaltung berichten. Ich freue mich!
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"Mir hingegen ist eine Berlinale-Tasche völlig egal. Denn damit in der Stadt herumzulaufen ist ja beinahe so unsouverän wie mit einer aus dem sogenannten Ampelmännchenshop, auf der in großen Lettern B E R L I N steht."
Ich grinse :-), grinse sogar sehr breit. Bis zu den Ohren. Aber diese Taschen werden Sie wohl eine Weile begleiten, auch unter denen, die den Vorzug eines Presseausweises haben :-) Vermute mal, da hat sich bis heute nichts verändert. Bin gespannt auf die Eindrücke. Und übrigens, manchmal ist so ein Empfang gar nicht schlecht. Manchmal trifft man da im lockeren Gespräch auf die Regisseure der "kleinen" Filme und die haben viel zu erzählen. Und viel Spaß beim Herzog heute :-) |
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Ja, die Taschen.. jedes Jahr eine Vollversammlung und ich habe gestern auch schon viele alte gesichtet.
Ich habe gar nichts gegen die Empfänge. Manche fand ich schrecklich interessant, aber ich war ja nie eingeladen : ) |
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schrieb am
09.02.2012 um 14:13
Maike, viel Spass beim Gucken, ich beneide dich, ohne lästigem Kartenbeschaffungskampf rein und raus ströhmen zu können von Kinosaal zu Kinosaal. Wir sehen uns, Zoltan
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Danke. Das ist wirklich ein Geschenk.
(Ich wollte mich ohnehin melden, wenn die Berlinale vorbei ist.) |
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"Gesichtete Promis: keine." - Wenn ich mal einen Promi (resp. Semi-Promi, Regional-Promi) erblicke, schaue ich immer haarscharf dran vorbei, damit es nicht so aussieht, als guckte ich demonstrativ weg, was ja auch irgendwie 'unsouverän' wäre. :)
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Goedzak, so mache ich das natürlich auch immer. Als ich vor vier Jahren bei meiner ersten Filmpremiere war, wusste ich allerdings gar nicht, an wem ich zuerst vorbeigucken soll.
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Da ist das Gute, dass ich die meisten "Promis" gar nicht erkenne. Allerdings ausgesprochen schlecht für meinen Job :S...
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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