16.02.2012 | 23:04

Berlinale: Tag 8

 

Um vierzehn Uhr geht es los mit den ersten beiden Teilen von The Story Of Film: An Odyssey von Mark Cousins. Ich sitze ausnahmsweise am Rand, so störe ich niemanden, falls ich mal aufstehen muss. Rechts von mir, fast schon unter meinem Sitz stehen:
1 Flasche Wasser, 1 Marzipanbrot (vollständig ausgepackt), 1 Packung Kekse (bereits geöffnet), 1 Pudding, 1 Joghurt, 1 Becher Taboulé. (In etwa zwei Stunden wird jemand den Saal verlassen und trotz der beleuchteten Stufen direkt neben mir hinfallen und alles umwerfen. Danach werde ich versehentlich auf zwei Kekse treten und alles vollkrümeln.)

Mark Cousins ist anwesend und gibt eine kurze Einführung. Er wollte nicht die Dokumentation nicht zu journalistisch machen, der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Leidenschaft fürs Kino. Sechs Jahre hat er für die Dokumentation gebraucht. In einem historischen Abriss werden Filmausschnitte mit Filmaufnahmen, die die Drehorte heute zeigen, zusammen montiert. Dazu gibt es Interviews mit Augenzeugen und alles wird erzählt von einer großartigen Stimme aus dem Off. Mit jener Leidenschaft, die Menschen für Film haben und die mit dieser Dokumentation aufgezeigt werden soll, ist auch die Doku selbst gedreht. Und obwohl ich sehr erschöpft bin, ist es angenehm, dass ich einmal nicht festen Handlungssträngen folgen, ich in keine Geschichte einsteigen muss, sondern einzelnen Fragmenten. Es ist nicht schlimm, wenn man einmal unkonzentriert ist. Drei Mal schlafe ich ein – ich glaube jedoch nie länger als zehn Minuten. Nach vier Stunden findet einen zehnminütige Pause statt. Ein Mal gehe ich auf die Toilette.

 

Eigentlich wollte hier meine fragmentarischen Aufzeichnungen einstellen. Aber ich kann nur wenig entziffern, weil ich die meiste Zeit blind auf meinen Block gekritzelt habe. Vor allem die Dinge, von denen ich glaube, dass sie wichtig sind, erkenne ich nicht mehr. 

 

Nach sieben Stunden schmerzen meine Beine so sehr, dass ich mich morgen, wenn die Vorführung von Teil 3 und 4 sogar acht Stunden dauern wird, zwischendurch an den Rand auf die Treppen setzen werde, um die Beine auszustrecken und wenigstens waagerecht zu legen. Schon jetzt weiß ich, dass ich so viele, wundervolle Filme einmal im Kino sehen möchte! Es ist toll, wenigstens kurze Ausschnitte von geliebten Werken auf der Leinwand zu sehen und  auch jene, die ich vorher gar nicht kannte. Freundlicher Weise gibt es für die ersten beiden Teile auf Wikipedia bereits einen Episode Guide, der deutlich macht, was ich heute alles erfahren habe. 

Mit A Story of Film gelingt es Cousins auf wunderbare Weise, dass man sich neu oder anders oder mehr ins Kino verliebt. Und morgen kommen wir erst in der Welt des Kinos angekommen, in welcher ich aufgewachsen bin!

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Nashira schrieb am 16.02.2012 um 23:14
Macht man es richtig und geht tief in sich hinein, so trinkt, isst, krümmelt man beim Lesen von Maike Hanks lebendigen Berichten über die Berlinale mit. Es fehlt nur noch, dass man gedanklich hinter ihr mit auf die Toilette wackelt, sich streckt, reckt und Beinkribbeln verspürt.

Den Episode Guide werde ich mir mal anschaune.
Sarah Rudolph schrieb am 16.02.2012 um 23:21
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Nashira schrieb am 16.02.2012 um 23:15
Macht man es richtig und geht tief in sich hinein, so trinkt, isst, krümmelt man beim Lesen von Maike Hanks lebendigen Berichten über die Berlinale mit. Es fehlt nur noch, dass man gedanklich hinter ihr mit auf die Toilette wackelt, sich streckt, reckt und Beinkribbeln verspürt.

Den Episode Guide werde ich mir mal anschauen.
Georg von Grote schrieb am 16.02.2012 um 23:39
Lächel,

ich war mir sicher, dass diese Odyssey Maike Hank gefällt und sie trotz der anstrengenden Länge nicht aussteigt.
Ich habe sie "nur" auf DVD, Da ist es leicht. Da kann man stoppen. Zurückspulen. Noch mal ansehen.
Aber diese Doku handelt vom Kino und gehört ins Kino.
Und sie kann hungrig machen auf Kino. Sogar jemanden, der jahrelang Filme "professionell" ansehen musste. Weil man immer wieder etwas Neues entdeckt. Auch an Filmen, die man längst kennt.

Hier mal ein längeres Q&A mit Cousins, das denen, die es interessiert ein wenig über die Hintergründe verrät.

Maike Hank
Userflüsterin und Redakteurin
Mitglied seit:
2 Jahre 29 Wochen
Zuletzt aktiv:
24.05.2012
Status:
Redakteurin
Aktivität:
Beiträge: 162
Kommentare: 880
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
07:14
doimlinque hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
07:03
lothar.ackermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
06:33
lothar.ackermann hat gerade einen Kommentar geschrieben.
06:21
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
06:11
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG