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Das weiße Band ist ein Spielfilm des Österreichers Michael Haneke (”Funny Games”, “Die Klavierspielerin”). Der Film erzählt eine deutsche Kindergeschichte, die sich in einem norddeutschen Dorf vor Ausbruch des 1. Weltkrieges ereignet haben soll. Und diese Geschichte ist sehr mysteriös.
Der Film wirkt außerordentlich subtil aufs Gemüt. Eine ausweglose Landszenerie wird gezeigt. Aus diesem sozialen Kontext kann hier Niemand entrinnen. Alltags-Szenen zeigen zum Teil berührend abstoßenden Zwang im Einzelfall, der Zuschauer wird so mit eigenem Erleben konfrontiert. Und wenn er solche Szenen als opfer oder Täter nicht kennt, dann zeigen ihm diese Momente, was wirklich geschieht, wenn er im wahren Leben sonst wegschaut.
Das Dorfdrama ist eine Mahnung, den Mitmenschen Respekt zu zollen. Durch den Missbrauch von Macht werden Biografien unglücklich beeinflusst oder zerstört, Unterwürfigkeit oder Sadismus der Boden bereitet.
Schläge, Körperverletzung, Zucht und Ordnung wie gezeigt, wecken Gedanken an gewisse Klosterschulen, Verhörmethoden bei der GESTAPO oder Farbige, die sich dank Waffengewalt nackt dem polizeilichen Sadismus in sachsen-anhaltinischen Zellen unterwerfen dürfen.
Mir fallen da auch dem Volke verordnete Nacktscanner in den Sinn. Bisher durften Sicherheitsbeamte von Hand zufassen, wie es ihnen beliebte, nun soll eine Peepshow veranstaltet werden. Nur eben nicht für Pater. Gleichheitsgrundsatz? Achtung vor der Menschenwürde?
Ich denke weiterhin an die Prügelstrafe im Kaiserreich, im dritten Reich und auch an Schulen nach dieser Zeit, an waterboarding, an gewisse Gefängnisse im IRAK, an misshandelte Frauen, die türkische Gefängnisse trotzdem überlebt haben, an Gefangene, die in deutschen Polizeirevieren im 21. Jahrhundert aus Versehen verbrennen. Achtung vor der Menschenwürde?
So bin ich froh, dass zu "diffiziler Gewalt", also einer eher unangenehmen Sache, die es schon immer gab, in Deutschland überhaupt eine Diskussion geführt wird.
Neuerdings bemerken wir sexuell belästigte Jugendliche in Klöstern und führen eine Diskussion zu Gewalt in dieser Gesellschaft. Um Mißbrauch in dem landläufigen Sinne - wie bei Vergewaltigungen - geht es hier nicht einmal.
Die Presse heizt das Thema aber so an, als ob Voyeurismus oder die Betatscherei von Frischfleisch an Heimen, Internaten, Zeltlagern, Gefängnissen usw.
nicht zum Leben dazugehört, sondern gerade erst erfunden worden wäre, um dieselbe Sünde bis in einen unbestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit hinein verdammen zu können - so gewissermaßen als seichte Nachverbrennung zur Hexenverfolgung. Wem nützt das? Den Opfern? die Welt war noch nie wie im Streichelzoo eingerichtet. Und die Diskussion bezieht neuerdings auch die lang anhaltenden Schäden an der Psyche mit ein, wenn wie in solchen oder vergleichbaren Fällen der Wille gebrochen wird. Niemand weiß genau, wieviele gebrochene Menschen wegen solcher früh im Leben stattfindender Ereignisse oder Zwänge unter uns weilen. Sprechen wir darüber.
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"Der Film wirkt außerordentlich subtil aufs Gemüt. Eine ausweglose Landszenerie wird gezeigt. Aus diesem sozialen Kontext kann hier Niemand entrinnen. Alltags-Szenen zeigen zum Teil berührend abstoßenden Zwang im Einzelfall, der Zuschauer wird so mit eigenem Erleben konfrontiert. Und wenn er solche Szenen als opfer oder Täter nicht kennt, dann zeigen ihm diese Momente, was wirklich geschieht, wenn er im wahren Leben sonst wegschaut."
Mehr muss man eigentlich nicht lesen, weil im ersten Abschnitt alles gesagt ist, was an Assoziationen zu diesem Film zu erwähnen ist. Ich habe zu Hanekes Filmen ein sagen wir mal "gebrochenes" Verhältnis. Mir ist seine Weltsicht nun wirklich zu düster, zu skeptisch und zu absolut. Das Leben ist anders, das Leben - auch auf dem Lande - war sicher nicht nur von Unterdrückung, Seelenterror und was weiß ich bestimmt, sondern auch vom Säen und Ernten, von Dorffesten und Besäufnissen. Oder, im Bezug auf das Kaiserreich: Ich denke da auch an Bücher wie Stefan Zweigs "Die Welt von gestern". Man konnte im Europa vor 1914 reisen wohin man wollte, durch ganz Europa. Der deutsche Kaiser selbst war eine zwiespältige Gestalt, die vom dumpf-tönenden Chauvinismus bis zur Kunstausübung alles umfasste. Die Menschen - sicher vor allem in den Städten - lebten eng, viele elend, aber dennoch galt dass Stadtluft frei macht. Die ersten sexualwissenschaftlichen Forschungen oder Freudsche Erkenntnisse, alles das gehört auch in diese Zeit. Und so gibt es mancherlei, was da einzuwenden wäre. Der Kameramann hat gestern noch über das schwarz-weiß des Films ganz interessantes gesagt. Es ist aus meiner Sicht - ein kunstvoll-gnadenloses schwarz-weiß. |
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ja, danke, kunstvoll-gnadenlos ist wohl der richtige Ausdruck und ist nicht zur familiären Belustigung beim kinogang geeignet.
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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