Marc Biskup

Blog von Marc Biskup

27.11.2009 | 12:01

Ist das wirklich Liebe?

Matthias Glasners "This is love"

Quelle: Kinowelt

Es ist wie ein dumpfer Schlag in die Magengegend, der einher geht mit der Frage: Darf man das? Darf man wirklich so weit gehen? Matthias Glasner inszeniert in seinem neuen Film „This is love“ eindringlich die Liebe zweier Menschen, nicht die Liebe zueinander, sondern die Liebe in Abgründen in ihren ganz persönlichen Schicksalen.

Zu Beginn des Films wird man von Maggie (Corinna Harfouch) in ihre Welt eingeführt, die mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Mannes vor vielen Jahre in die Brüche geht. Seit diesem Zeitpunkt verliert sich die Kommissarin im Alkohol, was neben ihrem Beruf auch die Beziehung zu ihrer Tochter gefährdet.

Im nächsten Moment wird Chris (Jens Albinus) eingeführt, der im Auto sitzend einen beabsichtigten Unfall baut. Auf der Polizeiwache treffen sich die beiden Charaktere und es wird schnell klar, dass es um weit mehr geht, als „nur“ menschliche Liebe. Chris spricht und isst nicht und Maggie möchte herausfinden, was mit diesem Mann passiert ist. In zahlreichen Rückblenden, die nach und nach mit Chris aufbauendem Vertrauen zu Maggie entstehen, entwirrt sich die Geschichte zunehmend. Chris hat mit seinem Freund Holger (Jürgen Vogel) vietnamesische Mädchen von ihren Freiern nach Deutschland geholt, um sie dort wiederum an Paare zu verkaufen, die auf legalem Weg keine Adoption erhalten haben. Doch dieses Mal war alles anders. Jenjira (Lisa Nguyen) hat Chris Leben verändert.

Matthias Glasner schafft es, zwei weit voneinander entfernte Geschichten unmittelbar aufeinander treffen zu lassen. Ihm gelingt es eindrucksvoll, das kontroverse Thema der Kinderprostitution aufzugreifen und letztendlich in einer schockierenden Erkenntnis gipfeln zu lassen. Er thematisiert außerdem die Liebe in ihren tiefsten Abgründen und was sie zerstören kann. Chris und Maggie sind zwei Charaktere, die in der gleichen Gefühlswelt agieren, was der Grund dafür ist, dass sie sich gegenseitig ihre Geschichten anvertrauen. Dass die Emotionen so wunderbar hervor kommen, liegt nicht zuletzt an den hervorragenden schauspielerischen Leistungen.

Corinna Harfouch beweist mit dieser Rolle, dass sie zu der vorderen Riege der deutschen Darstellerinnen zählt. Allein ihr Auftritt als betrunkene Mutter in ihren eigenen vier Wänden ist eine große Leistung. Jens Albinus, gebürtiger Däne, beeindruckt mit seinem Spiel zwischen Verzweiflung und Besorgnis, was in einer Art Selbstverstümmlung ausartet. Wenn die Schicksale der beiden Hauptfiguren aufeinander prallen und das offen darlegen, was ihre derzeitige Gefühlslage verursacht, dann fühlt man sich als Zuschauer in den Magen geschlagen. Denn der Film spricht geradeaus und ist nicht „korrekt“. Wenn man erkennt, was das wahre Schicksal der Geschichte ist, dann fragt man sich: Darf man das? Darf man wirklich so weit gehen?

Die Antwort lautet: Ja! So einen eindringlichen bedrückenden Film hat Kinodeutschland gebraucht.

 

 

 

 
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Kommentare
Maike Hank schrieb am 27.11.2009 um 13:04
Danke für den Text. Ich bin sehr gespannt auf diesen Film. "Der freie Wille" hat mich seinerzeit sehr berührt. (Und auch so verstört wie kein Film jemals zuvor, was ja auch irgendwie ein Qualitätsmerkmal ist..)
Tessa schrieb am 27.11.2009 um 13:50
In der letzten Woche führte Mikael Krogerus für uns ein Interview mit Schauspieler Jens Albinus >> www.freitag.de/alltag/0947-jens-albinus-this-is-love-dogma-lars-von-trier
outnumber schrieb am 27.11.2009 um 14:57
der film interessiert mich auch.

sie haben eine gute kritik geschrieben. danke.
Marc Biskup
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