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Warum der Protest globalisiert werden muss, in die Zentren der Finanzwelt gehört und auch Deutschland erreichen wird
„Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht“ (Abraham Lincoln)
Das Imperium schlägt zurück
Trotz aller Unterschiede ist das Aufbegehren der Menschen in Nordafrika, Arabien, Israel, Chile und Südeuropa nicht nur ein Signal für die jeweiligen Machthaber, sondern auch eins für die Weltgemeinschaft. Mit „Occupy Wallstreet“ hat die globale Protestbewegung endlich auch die Finanzmärkte erreicht. Am 15. Oktober sind in 80 Ländern die Kritiker des Raubtierkapitalismus auf die Straße gegangen. Im Westen ist spürbar, dass die Regierungen und Parlamente hilflos und häufig auch willenlos den Vorgaben der eigentlich Mächtigen folgen. Deshalb richtet sich die Empörung nun auf das Zentrum der Finanzwelt, die Wallstreet. Die City of London, Frankfurt, Tokio sollen folgen.
Vor Kurzem schienen die Vorzeichen doch noch ganz andere zu sein. Nach der Bankenpleite riefen die Bosse der Finanzwirtschaft und von großen Konzernen nach der Hilfe des Staates, den sie kurze Zeit vorher noch zum Rückzug drängten. Die Zügelung der Finanzmärkte schien nur noch eine Frage der Zeit. Konservative Politiker entdeckten Keynes und steigerten die Investitionsquote. Die Mehrheit der Bevölkerung sprach unserem Wirtschaftssystem eine gerechte und soziale Ausrichtung ab. Der handlungsfähige Staat stand vor einem Comeback, die Krise sollte zur Chance werden.
Doch nun sind wir auf dem Weg, genau das Gegenteil zu tun. Wir erleben eine Schwächung der Politik, ihrer Regierungen und Parlamente, die sie selbst mit herbeiführt hat und die unsere Demokratie nachhaltig verändern wird. Absurderweise wird dazu wiederum die Krise als Begründung herbeigezogen. Obwohl das dicke Ende der Finanzkrise wohl noch aussteht – viele Banken zocken weiter und fahren erneut riesige Verschuldungen ein -, hat die neoliberale Politik nach dem Finanzcrash schnell wieder die Oberhand gewonnen. Auf die Krise von Banken, Wirtschaft und Euro wird mit alten gescheiterten Konzepten geantwortet: Schuldenbremsen, Kürzungen von Investitionen und Sozialleistungen, Schwächungen der Binnenkonjunktur.
Ausnahme Deutschland?
In Deutschland diskutiert man unterdessen darüber, ob man Griechenland und den Euro überhaupt retten darf oder Südeuropa nicht selber Schuld an seiner Misere sei. Bei aller berechtigten Kritik gegenüber den Rettungspakten und der griechischen Haushaltspolitik, wird auch hier wieder nicht der Gesamtzusammenhang gesehen. Unsere Regierung macht sich im Gegenteil stark dafür, dass Südeuropa radikal spart, Löhne und Sozialleistungen gekürzt werden müssen. Es ist kaum die Rede davon, dass die europäische Krise durch die Finanzkrise beeinflusst wurde und wird. Kein Wort darüber, dass durch Kürzungen der Löhne, Investitionen und Sozialleistungen die Binnenkonjunktur leidet und eine Volkswirtschaft sich so sicher nicht erholen kann. Damit wird insbesondere der deutsche Export geschwächt, weil sich unsere Produkte dann kaum noch jemand leisten kann.
Unsere Regierung suggeriert stattdessen, dass alle nur dem deutschen Vorbild folgen müssten, damit alles wieder in Ordnung kommt. Bei uns gibt es keine Diskussionen – wie in den USA -, dass Vermögende einen größeren Beitrag leisten müssten, obwohl hierzulande das Steueraufkommen auf Vermögen und Erbschaften rekordverdächtig gesunden ist.[1]. Beim Thema Arbeitslosigkeit rühmt sich die Politik gar für eine blitzsaubere Leistung, ohne darauf zu achten, welche belastende Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt gerade bei uns zu beobachten sind. Ausgerechnet die FDP erklärt in ihrer offiziellen Halbjahresbilanz, wie vorbildlich die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei und welchen tollen Beitrag die Liberalen dazu geleistet hätten.
Profit für die Minderheit
Jahrzehntelang kamen Phasen des Aufschwungs auch bei den Arbeitnehmer/innen und den weniger vermögenden Schichten an. Einen wirklichen sozialen Ausgleich gab es nie, aber die soziale Marktwirtschaft schuf in vielen europäischen Ländern Wohlstand und Wachstum, von denen nicht nur eine Minderheit profitierte. Dass dieses Wachstum schon immer auf Kosten von Verlierern ging und nur durch die Ausbeutung und Plünderung von Ressourcen und Natur ermöglicht wurde, war lange nur ein Randthema. Immer mehr des in den letzten Jahrzehnten erwirtschafteten Wohlstands konzentriert heute auf eine kleine Oberschicht. Die weltweite neoliberale Welle – die auch viele sozialdemokratische und sozialistische Parteien erfasste –, ließ die Kluft zwischen Reich und Arm wachsen.
Von allen OECD-Ländern haben zwischen 2000 und 2008 in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut am stärksten zugenommen.[2] Sozialleistungen wurden abgebaut, Fordern wurde groß geschrieben, das Fördern dabei aber meist vernachlässigt. Die Mittelschicht musste den Gürtel enger schnallen und immer mehr Menschen sind vom Abstieg bedroht. Der unbefristete Arbeitsplatz mit steigenden Löhnen ist zur Ausnahme geworden. Von sozialer Marktwirtschaft kann schon lange keine Rede mehr sein.
Aufschwung für wen?
Aber da war doch der tolle deutsche Aufschwung, der in Europa doch nun wirklich Maßstäbe gesetzt hat. Ja, die Arbeitslosigkeit ist erfreulicherweise zurückgegangen. Das ist ein Erfolg, auch wenn die Statistik weiterhin viele Menschen auslässt und der Rückgang fast gar nicht die Arbeitslosengeld II-Empfänger/innen erreicht hat.[3] Und diejenigen, die Arbeit haben, bekommen immer seltener eine faire Entlohnung. Die Arbeitsbedingungen werden eher schlechter, Mitbestimmung wird zurückgeschraubt und den Mitarbeiter/innen wird immer mehr abverlangt. Die prekäre Beschäftigung hat in den letzten Jahren – auch während des Aufschwungs – zugenommen.
Schmelzende Mittelschicht
Jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz ist also bereits im Niedriglohnsektor angesiedelt. Da wieder herauszukommen wird immer schwieriger. Es kommt zu einem Verschleiß von Talenten und Möglichkeiten. Abstürze von einem geregelten, gut entlohnten Arbeitsplatz in die Arbeitslosigkeit oder den Niedriglohnsektor sind viel häufiger, als der Aufstieg in diese Gruppe. Insgesamt kommt die Chancengleichheit – die von allen Parteien immer wieder betont wird – unter die Räder. Wer einmal unter die Armutsgrenze gerutscht ist, schafft es immer seltener seine Einkommenssituation wieder zu verbessern. 16 Prozent der Deutschen waren 2008 armutsgefährdet – Tendenz steigend. Die Gebildeten bleiben auf der anderen Seite weitgehend unter sich. Ein Gymnasium besuchten Ende des Jahrzehnts etwa 60 Prozent Kinder aus Akademikerhaushalten, aber nur 10 Prozent von Eltern, die einen Hauptschulabschluss oder keinen Schulabschluss vorweisen. Zu diesen Ergebnissen ihrer langjährigen Untersuchungen kommt das unverdächtige Bundesamt für Statistik.[5] Kinder, die den Mittelschichtstatus der Eltern halten wollen, haben ohne Abitur schon schlechte Aussichten.
Damit ist alles zum Thema: „Leistung muss sich wieder lohnen“ gesagt. Eine Studie des Soziologen Wilhelm Heitmeyer stellte fest, dass das Bürgertum verroht und zunehmend eine Ideologie der Ungleichwertigkeit entsteht. Laut der Hans Böckler Stiftung schmilzt die Mittelschicht: Seit 2000 wächst das untere Einkommenssegment, bis 2008 nahm gleichzeitig die Zahl der Besserverdiener zu. Das abstiegsbedrohte Bürgertum „wehrt“ sich, laut der Studie von Heitmeyer, durch Abgrenzung und durch Abschottung beispielsweise gegenüber Migrant/innen oder anderen Minderheiten.
Radikaler Kurswechsel
Der Blick hinter die Kulissen entblößt, dass auch in Deutschland der Schein trügt und die Verwerfungen auch in der Phase des Aufschwungs nicht eingedämmt wurden. International wird immer deutlicher, was uns alles noch bevorstehen könnte. An den Finanzmärkten hat man nicht dazugelernt. Der Crash wurde nicht von den Verursachern der Krise, sondern von den Staatshaushalten, also von den Bürger/innen, bezahlt. Vieles davon durch massive Neuverschuldungen. Der verspottete angeblich überflüssige Staat war gut genug die Banken zu retten und mit Konjunkturprogrammen Schlüsselindustrien aufzupäppeln.
Wir sollten diese Entwicklungen nicht mehr verschweigen und nicht so tun, als würden wir in Deutschland auf einer Insel der Seligen leben. Wir müssen mutige und auch unpopuläre Maßnahmen ergreifen:
Empören und Alternativen aufzeigen
Dies sind alles nur Ansätze, die von vielen schlauen Leuten längst detaillierter ausformuliert und vorgeschlagen wurden. Bisher ohne große Wirkung, denn statt die gescheiterte Periode von Deregulierung und Privatisierung umzukehren, wird die neoliberale Vorgehensweise konsequent fortgesetzt. Nein schlimmer, die Finanzwirtschaft verlangt absolute Freiheit und Deregulierung für ihre Geschäfte, will aber genau diese neoliberalen Spielregeln nicht einhalten und erwartet in der Krise, dass Staat und Steuerzahler planwirtschaftlich zur Rettung eilen. Eine Pervertierung des freien Marktes. Wie auch bei der Atomenergie gilt das Prinzip: Profit privatisieren, Risiken vergesellschaften. Aber bisher legt kein Staat seine Scheuklappen ab, stattdessen versuchen sie mit den gleichen Methoden, die uns in die Krise reingeführt haben, wieder rauszukommen. Damit ist die nächste Krise vorprogrammiert.
Wir brauchen endlich eine Debatte nicht nur über einzelne Symptome, sondern über unser „Wirtschaften“ im Allgemeinen. Sozial ist unser System schon lange nicht mehr, ökologisch und nachhaltig war es noch nie und auch die vielbeschworene Chancengleichheit ist eine Illusion. Wir schauen zu, wie eine Elite unser ganzes Leben ökonomisiert und den Grundsatz, dass die (Finanz-)Wirtschaft für den Menschen da ist, völlig umkehrt. Lassen wir uns nicht mehr zum Narren halten. Stellen wir endlich die Systemfrage. Nur eine radikale Kurskorrektur, neues Denken wird uns in eine Balance zwischen Wirtschaft, Umwelt und sozialem Leben bringen.
Der Protest und die Empörung auf den Plätzen dieser Welt und an den Finanzmärkten machen langfristig nur dann Sinn, wenn Alternativen angeboten werden. Dazu müssen wir neue zeitgemäße Konzepte erarbeiten – jenseits des überkommenden neoliberalen Denkens, aber auchjenseits des Griffs in die sozialistische Mottenkiste. Der Kommunismus hat weder den undemokratischen Versuchungen standgehalten, noch war er nachhaltig und ökologisch. Die Zeit ist reif für einen dritten sozial-ökologischen Weg, in der die wirtschaftliche und politische Macht international reguliert wird, sie konsequent regionalisiert und ihr völlige Transparenz verordnet wird.
[1] DIW: Nur 2,3% des Steueraufkommens insgesamt (einschließlich Sozialversicherung) stammen in Deutschland noch aus Vermögen. 1965 waren es noch 5,8%. In Frankreich sind es 7,8%, in den USA sogar 12,1%.
[2] OECD 2008: Growing unequal? Income distribution and poverty in OECD countries, Paris.
[3] Eine 5-Jahres-Bilanz des Deutschen Landkreistages vom August 2011 zeigt einen geringen Rückgang der SGB II-Empfängerzahlen von 7,4 auf 6,3 Mio. (-14,6 %), während allerdings im gleichen Zeitraum die Arbeitslosigkeit von 4,37 auf 2,95 Mio. Personen (-32,6 %) und damit erheblich stärker gesunken ist. Der Anteil der SGB II-Leistungsempfänger an den Arbeitslosen ist von 64 % vor fünf Jahren auf 71 % angestiegen.
[4] Laut dem Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) arbeiten davon 2/3 zu Niedriglöhnen.
[5] Bundesamt für Statistik Datenreport 2011
[6] Laut der neusten Prognos-Studie würde durch einen Mindestlohns die Erwerbseinkommen der privaten Haushalte um 14. Mrd. ansteigen und der Staat somit Einkommensteuereinnahmen von 2,7 Mrd. verbuchen. Darüber hinaus würden laut dieser Berechnung 1,7 Mrd. unterstützende Transferleistungen entfallen.
[7] Siehe: Tacheles Schuldenbremse stoppen (Mai 2009) www.marco-buelow.de/buelow/eigene-texte/tacheles.html
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vielen Dank für diesen sachlichen gut recherchierten Artikel.
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werter Marco Bülow,
die endlose Wiederholung der ewig gleichen Phrasen "die Banken und die Neoliberalen sind schuld" ist ebenso endlos langweilig wie falsch. Wenn Sie in Ihrem Blog mal konkret beziffern, wie viele Milliarden widerrechtlich über staatliche deutsche Landes-und Bundesbanken in den amerikanischen Immobilienmarkt transferiert wurden, könnte ich Ihnen mal etwas TSI, KfW, Asmussen, Schöpfung von Giralgeld über 8 Billionen staatlicher EU-Kreditnahme respektive Verflechtung von politischer Macht und Finanzsystemen verraten. |
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Frau von Gutenberg,
wenn sie meinen Artikel gelesen haben, werden sie zugeben, dass er sich kaum auf die Formel: "Die Banken sind schuld" reduzieren lässt. Ich habe versucht eine Reihe von Problemen anzusprechen. Ihr Einwand ist gerechtfertigt, aber er widerspricht meinem Text nicht. An einigen Stellen unterstreiche ich die Verantwortung der Politik, die dieser nicht nachgekommen ist. Ich selbst habe mehrere Artikel und auch ein Buch ("Wir Abnicker" über die Verantwortung der Politik, über Lobbyismus etc geschrieben der sich in erster Linie an die Abgeordneten richtet. Am System sind aber immer mehrere Gruppen beteiligt und ich glaube, auch die sollte man ansprechen. Dazu gehört nun mal auch die Finanzwirtschaft. Die Verflechtung zwischen der Finanzwirtschaft und der Politik nehme ich dabei keines Wegs in Schutz. mfg |
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Werte Frau von Gutenberg,
Sie haben vollkommen recht, es sind vorderhand nicht die „… die Banken und die Neoliberalen (…) schuld …“. 'Schuld' sind jedoch diejenigen, gleich welcher Provenienz, die eigensüchtig und materialistisch sind. Und gerade solche Menschen finden sich vorzugsweise im Neoliberalismus und seinen Umtrieben, wie dem internationalen Finanzwesen zuhause, so wie Fliegen auf einem Haufen. |
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Auch das ist viel zu einfach. Eigensinnig und materialistisch ist der Mensch an sich. Die Frage ist nur bis zu welchem Grade. Der Neoliberalismus ist freilich die Pest des 20. und 21. Jahrhunderts, nichtsdestotrotz ist noch tiefer zu graben wenn man die Ursachen seiner Ausbreitung, welche die wirklich relevanten sind um eine Änderung herbeizuführen, zu erfassen sucht. Es gibt keinen Neoliberalismus ohne ein System welches ihn beheimatet. Und da rede ich nicht von Kapitalismus sondern unserem antiken, antidemokratischen, zentralgesteurtem und zweckentfremdeten Politiksystem. Niemand auf der Welt legitimiert die Aufhebung eines Glass-Steagle Act oder liberalisiert die Bankenwelt aus langeweile. Zu kurze Leitungen zur Wirtschaft, zu lange Leitungen zum Volk.
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Banken spekulieren mit Geldkrediten, Unternehmer mit Arbeit für Geld! Was ist das für eine gesellschaftliche Arbeit?
Wir leben in einer doppelten Freiheit: Wir sind freie Personen, Rechtspersonen, die Verträge schließen und kündigen. Aber wir sind auch frei von den Mitteln, die wir benötigen, um in der Arbeitsteilung der Gesellschaft frei tätig zu werden. Wir sind also juristisch frei und ökonomisch freigesetzt. Wie sind wir dazu geworden? Wenn Ausbildung Lernen zum Vergleich mit Noten macht, bei dem 60% nie zur (Elite-)Bildung kommen (EU-Beschluss!), 1.dann werden unsere gesellschaftlichen Fähigkeiten auf eine m. o. w. entwickelte Arbeitsfähigkeit reduziert (methodische Kompetenzen, Flexibilität) 2. dann werden unsere Interessen nicht für den Bedarf der Menschen geschult, sondern auf den bloßen Wunsch nach einem Job reduziert, über dessen Inhalt andere entscheiden (wir lernen nicht nur Bewerbungen, oft ohne Wirkung, zu schreiben) 3. dann können wir unsere Arbeitsfähigkeit nicht selbst betätigen, sondern benötigen eine Erlaubnis in Form eines Arbeitsvertrags (50% der Auszubildenden haben zur Zeit keinen Übernahmevertrag!) 4. dann verlieren wir sogar unsere Arbeitsfähigkeit selbst, wenn wir arbeits l o s werden, weil uns die Erlaubnis fehlt. Aufruf zur Diskussion dieser Fragen. Vgl. auch www.magazin-auswege.de/tag/findeisen/ |
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"Damit wird insbesondere der deutsche Export geschwächt, weil sich unsere Produkte dann kaum noch jemand leisten kann."
Also der griechische Ottonormalverbraucher hat sich weder deutsche Oberklassewagen noch deutsche Waffen gekauft. Die Kredite welche u.a. die Deutsche Bank abschreiben müssen, sind ja an den griechischen Staat gegangen und die haben diese nicht nachhaltig investiert (Bildung, Infrastruktur, Kultur usw.) sondern bspw. in Waffen und Klientel. Der deutsche Waffenexport kann von mir aus einbrechen, denn dann müssten sich unsere Führungseliten neue Geschäftsfelder suchen. Was du in deinem Blog schilderst genügt nicht einmal Ansatzweise der Überschrift. Du stellst gar nicht die Systemfrage, sondern unterbreitest Vorschläge das System zu retten (Konsum > Binnenkaufkraft usw.). Du willst den "Wachstumsfetisch überwinden" schreibst im selben Satz aber von nachhaltigem und zukunftfähigen Wachstum. "Stellen wir endlich die Systemfrage. Nur eine radikale Kurskorrektur" Eine Kurskorrektur ist kein Systemwechsel bzw. Alternative. So garstig es auch klingen mag, die Schwächung der Binnenkaufkraft hat den Konsum und somit die Müllproduktion abgeschwächt. Solange der Großteil der Menschen kapitalistisch denkt, finde ich "mehr von Allem" vollkommen falsch. Der Text im Ganzen wirkt, als ob du die Quadratur des Kreises probierst. |
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danke für den artikel, viele gute infos und details zur situation. neue konzepte oder systeme werden nur dann zustimmung finden, wenn sie versprechen probleme zu lösen. dafür brauchen wir einen konsens darüber, worin das problem der finanzkrise besteht. ständig fehlt an einer stelle geld, während es woanders im überfluss vorhanden ist. woher kommt das ? m.e. gleicht unser globales wirtschaftssystem einem monopoly-spiel bei dem nicht jeder 4000 (€) bekommt wenn er über los kommt. einige teilnehmer unseres spieles bekommen 4000 € stündlich, andere 25 € monatlich. nationale und regionale kaufkraftunterschiede können diesen gewaltigen unterschied nicht rechtfertigen oder ausgleichen. da, wo zuviel bezahlt wird, sammelt sich geld an, woanders fehlt es. das modell der gemeinwohlökonomie (www.gemeinwohl-oekonomie.org) macht an dieser stelle z.b. den vorschlag einkommen auf einen spread von 1:20 zu begrenzen. hätte von euch jemand bock an einem monopoly-spiel teilzunehmen, bei dem er vielleicht derjenige ist, der immer nur 200 (€) bekommt ? ich nicht. wo liegt das eigentliche problem unseres wirtschaftens ? meine antwort: unser wirtschaftssytem ist profisport um, mit und für geld. ein gnadenloser konkurrenzkampf um profit und wachstum, mit siegern und verlierern. muss das wirklich sein ? warum ? global betrachtet gibt es kein wachstum und keinen profit ohne verlierer, das, was die eine volkswirtschaft, oder das eine unternehmen an geld gewinnt, fehlt an anderer stelle. der grund dafür liegt einzig und allein darin, dass es uns beim wirtschaften nicht mehr um das gegenseitige versorgen in einem arbeitsteiligen und harmonischen wirtschaftskreislauf geht, sondern um das geldsammeln. geld ist kein tauschäquivalent mehr, sondern hat einen sinnlosen eigenwert erhalten. das verhältnis von tauschäquivalentsanteil zu kapitalanteil im geld lässt sich ungefähr am verhältnis von realwirtschaftsumsatz zu kapitalmarktumsatz ablesen...........wir brauchen weder kommunismus noch sozialismus um den wahnsinn zu beenden, wir müssen dem geld einfach nur wieder seinen ursprünglichen sinn zurückgeben, es wieder zum tauschäquivalent machen, dann kann jeder ensprechend seiner arbeitsleistung nach marktwirtschaftlichen prinzipien seine leistungen tauschen oder auch für sich behalten. dafür brauchen wir auch keine revolution, das lässt sich ganz einfach parallel zum bestehenden sytem etablieren, in brasilien funktioniert regionales, entkapitalisiertes geld bereits hevorragend. jedes system ist nur so gut wie seine mitspieler, wir müssen uns einfach mal an der eigenen nase packen, anstatt anderen vorzuschreiben zu wollen, wie sie in zukunft wirtschaften sollen. der sozialismus ist nicht gescheitert weil er vom modell her falsch war, sondern weil er totalitär war und nicht die geeigneten, freiwillgen mitspieler gefunden hat. kibbuze in israel hingegen funktionieren seit jahrzehnten hervorragend. die bereitschaft zu solidarität und kooperation statt konkurrenz ist m.e. eine frage der sozialem intelligenz, vielleicht der menschlichen reife. wer lieber profisport um geld betreiben will, warum nicht. ich habe nichts dagegen, so lange niemand von mir verlangt mitzuspielen.
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>>...kibbuze in israel hingegen funktionieren seit jahrzehnten hervorragend.<<
Das ist ein Beispiel. Ein anderes ist die Mondragón Corporación Cooperativa (MCC). Dort liegt der Beweis vor, dass ohne Renditeforderung von extern besser gewirtschaftet werden kann. Die MCC ist sogar nach kapitalistischen Massstäben erfolgreicher als kapitalistische Konzerne. Wie kommen wir dahin? letztlich ist es eine Machtfrage. Die wird ganz sicher nicht im Mehrheitsinteresse beantwortet werden, wenn SPD/Grün nach 2013 die Agenda 2020 umsetzen. Wir haben ja die Erfahrungen aus der Zeit von 1998 - 2005. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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