Sie sind unter sich - wie stets. Ummantelt mit aufgedruckten Erkennungslogos aus Schriftzeichen, die ankündigen, dass es sich bei ihnen um Vertreter des wichtigste Gastland der Veranstaltung handelt. Die Bücher stehen Spalier in ihren Regalen und schweigen die Besucher an, die sich doch einmal zwischen sie verirren. Autoren findet man dort nicht . Bilder und Portraits fehlen, die zeigen, wer zur Zeit erfolgreich ist und vielleicht gern gelesen wird. Das ist ganz anders bei den Kollegen aus dem kleinen Norwegen-nur wenige Standreihen entfernt.
China ist angekommen und konzentriert sich an den Rand der Halle 6. Die Verlage stellen aus, was sie immer ausstellen und wie sie immer ausstellen. Bücher natur- und ingenieurwissenschaftlicher Leistungen, die nur zum Aus- und Einräumen bewegt werden und vermutlich nie in die Hände eines Besuchers finden werden schweigen neben Titeln zur alten Kultur und zum neuen Peking, die in Deutsch oder Englisch publikumsfreudlicher daherkommen.
Hinter den Standkulissen sitzen die meist jungen Ausstellerinnen und Aussteller beisamme, reden, wie sie auch in Shanghai oder Peking miteinander reden. Bücher stapeln sich manchmal in kleinen "Schmuddelecken" neben ihnen.
Nebenan ist Japan, der Erzfeind und -rivale, nur getrennt durch schmale Trennwände. Miteinander zu schaffen hat man nichts - friedliche Koexistenz.
Es ist sicher eine nette Sitte der Frankfurter Buchmesse, dem Gastland eine Plattform zu stellen, wo es sich gesammelt präsentieren. Im Falle Chinas stieß diese nette Sinne auf die alte chinesische Gewohnheit sich zusammenzuballen und abzusondern. Für den Dialog, den man sich wünscht, ob kontrovers oder nicht, bringt das leider sehr wenig. Besser wäre es gewesen, die Stände über die Halle zu verteilen, so dass der Besucher zumindest in Halle 6 das Gefühl hat, dass er hier an China nicht vorbei kommt.
Auch hat man nicht bedacht, dass China die Form der Autorenlesung, des Dialogs mit dem Werk des Autors nicht kennt. An Stelle interessanter Lesungen oder Begegnungen chinesischer mit deutschen Autoren tritt die steife, aus dem Reich der Mitte alt bekannte Version der Buchpräsentation und des Vortrags. Bücher mit chinesischen Symbolen werden in englischer Sprache präsentiert, vor einem verstreuten Kleinpublikum hält ein Mao-treuer Chinese, der in den USA aufgewachsen ist einen Vortrag darüber, dass China letztendlich Gott mit der Erfindung seiner Schrift erfunden hat.
Das aller Wichtigste fehlt außerdem: Chinesisches Essen, bei dem sich doch so wunderbar über alles reden lässt und das so manchen aus der Isolation heraus holt. Nur auf Ebene 6.3. findet sich ein Restaurant mit der innovativen Schriftzeichenkombination "Chinesisches Restaurant". Das Essen dort ist so teuer, dass es die meisten chinesischen Besucher zur Schnellimbiss-Pizza auf dem Freigelände treiben dürfte. Das ist leider das größte Versäumnis der Frankfurter Buchmesse 2009 mit dem Gastland China, denn vor lauter Diskussion um Dissidenten- und offizielle Schriftsteller wurde vergessen, dass der Mensch einen Magen hat und der chinesische Mensch einen ziemlichen großen. Bekanntlich lässt sich über alles gut reden, wenn der Magen gut gefüllt ist. Hier bleibt ein ungestilltes Hungergefühl zurück.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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