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Wohin führt der Weg des Bedingungslosen Grundeinkommens? Der Idee eines unbedingten, d. h. an alle und ohne Arbeitspflicht ausbezahlten Einkommens, das eine menschwürdige Existenz sichert? Schnurstracks zu seiner Verwirklichung? Mitnichten! Im sozialpolitischen wie -wissenschaftlichen Diskurs ist es zwar noch präsent. Das Gespenst des BGE aber, das noch vor einigen Jahren angesichts 5 Millionen Arbeitsloser im Sozialunternehmertum (Götz Werner (dm)) und parteiübergreifend herumspukte (Katja Kipping (Linkspartei), Dieter Althaus (CDU)), sowie nicht wenige seiner Gegner aufschreckte (Hubertus Heil (SPD), Oswald Metzger (von den Grünen zur CDU Konvertierter)), scheint nicht nur seine Schreckkraft verloren zu haben, sondern auch die Perspektive seines konkreten Gestaltwerdens.
Ein Grund mag in der Realitätsferne der Idee zu liegen. Es fehlt schlichtweg an einem breiten gesellschaftlichen Konsens als auch am politischen Willen zur Realisierung eines BGE. Die Mindestlohn-Debatte ist da tagespolitisch tauglicher und konsensfähiger. Und rückt die Einlösung des Heilsversprechens von der Vollbeschäftigung (freilich um den Preis eines stetig größer werdenden Niedriglohnsektors) in greifbarer Nähe, dann ist den Befürwortern jeder Wind aus den Segeln genommen.
Es ist daher an der Zeit, eine entschärfte Version des Bedingungslosen Grundeinkommens ins Spiel zu bringen, nämlich das Bedingte Grundeinkommen. Ein Grundeinkommen von, sagen wir 800 Euro monatlich, wäre an folgende Bedingungen geknüpft: Erstens steht es jedem Erwachsenen zu (ab dem 18. Lebensjahr). Damit ist die Gefahr gebannt, Kinder für Transferleistungen zu zeugen, statt Transferleistungen für Kinder zu erhalten. Zweitens ist die Auszahlung eines bedingten Grundeinkommens an den gesellschaftlichen Auftrag zurückgebunden, eine den Fähigkeiten jedes Einzelnen entsprechende Arbeitswelt zu schaffen, die, drittens, dieses Grundeinkommen nicht nutzt, um Kombilöhne zu fördern. Diese Bedingung positiv gewendet: es geht um eine gerechte Entlohnung für jede Art von Arbeit, in die Menschen Sinn (welchen Sinn auch immer) erblicken. Jemand der arbeitet, kann und sollte einen (und nicht den ganzen) Sinn darin sehen, dass er für diese auch gerecht bezahlt wird. Hierzu bedarf es einer Aushandlung eines breiten öffentlichen Konsens. Hinzu können bestehende Institutionen, wie die Agentur für Arbeit, so eingerichtet werden, dass diejenigen, die Arbeit suchen, nicht zu ihr gehen, weil sie müssen, sondern weil sie es wollen.
Es geht also um die Auferlegung individueller und gesellschaftlicher Bedingungen, die einem Grundeinkommen seiner Verwirklichung zuführen könnten. Jeder Erwachsene bekommt einerseits ein Einkommen und damit die Möglichkeit, den Kampf ums Dasein zu befrieden. Andererseits erwächst hieraus die soziale Verantwortung, stabile Strukturen und gerechte Institutionen zu schaffen, die Antworten sind auf die Frage, welchen Sinn und Wert Arbeit für jeden Einzelnen erfüllt und dieser heute noch zugeschriebenen werden kann. Dass aber die Verwirklichung eines bedingten Grundeinkommens ungleich schwerer ist, als die eines bedingungslosen, weil es zusätzlich soziale Phantasie einfordert, spricht nicht gegen seine Umsetzung. Vielmehr ist der totalitäre Anspruch der Bedingungslosigkeit Grund, warum man nicht ohne Weiteres dem Glauben verfällt, komplexe Probleme durch kahlschlagartige Forderungen zu lösen. Vielleicht kann gerade deshalb die den offenen Diskurs eher in Gang setzende Idee eines bedingten Grundeinkommens verfangen und das diffuse Gespenst in eine greifbare Gestalt verwandeln.
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Ich habe den Eindruck, Sie verwechseln Realität und Status quo miteinander. Wenn also der Status quo dekadent ist, sind deswegen neue Ideen und Paradigmenwechsel "realitätsfern"?
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Mit Kapital hat noch niemand eine Idee geschaffen und an Kapital für ein bedingungsloses Grundeinkommen mangelt's ja gar nicht. Es mangelt nur an der Bereitschaft der Habenden mit den Habenichtsen bedingungslos zu teilen. Es mangelt an der Bereitschaft, selber zu verzichten, auf dass ein Anderer einen Vorteil davon habe. Neid und Missgunst sind die eigentlichen Antipoden des bedingungslosen Grundeinkommens. Das ist vorhersehbar und nur allzu menschlich.
Das Recht auf Arbeit wurde durch die Technisierung unserer Arbeitswelt obsolet. Ein Roboter stellt keine Bedingungen und braucht kein Einkommen und doch macht er die Arbeit. Wer wollte, wer könnte damit um Arbeit zu vergleichbaren Bedingungen konkurrieren? Das bedingte Grundeinkommen wird damit zu sozialer Prostitution. Nein, Danke. |
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>>Quo vadis – Bedingungsloses Grundeinkommen?<<
Kein Panik, es wird kein BGE in Deutschland geben! Niemals! Einfach, weil es von viel zu vielen Menschen nicht erwirschaftet würde. Außerdem würden wir mit einem BGE von Millionen Menschen z. B. aus Afrika überrannt werden. Herrgott, bitte scheiß keine BGE-Dukaten vom Himmel! |
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Ich möchte noch ergänzen: Wie könnte man die bestehende Institution "Agentur FÜR Arbeit" so einrichten, dass Menschen, die Arbeit suchen, nicht zu ihr gehen, weil sie müssen, sondern weil sie wollen? (Soziale Phantasie!)
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Marcus Erben schrieb am 09.11.2011 um 09:50
Wie könnte man die bestehende Institution "Agentur FÜR Arbeit" so einrichten, dass Menschen, die Arbeit suchen, nicht zu ihr gehen, weil sie müssen, sondern weil sie wollen? -> Das stellt sich automatisch durch die Vereinsamung der arbeitslosen ein. Zumindest geht die Theorie davon aus. In einem Gesellschaftssystem, indem Vollbeschäftigung als der kitt zwischen den Individuen dient und keine andere Idee des Zusammenshalts mehr besteht, bleibt dem Einzelnen nur die Möglichkeit auf Gemeinschaft, sich im Arbeitsleben seine Einsamkeit zu stillen zu versuchen. Dabei spielt auch der bei Arbeitslosigkeit nicht mehr zu bewerkstelligende Konsum eine Rolle. Konsum als Gesellschaftskitt und Identifikationsfunktion - damit man etwas zu erzählen hat ... womit man angeben kann ... oder so. Konsumverweigerer und dazu gezwungene (durch mittellosigkeit) werden mit der Zeit ausgestoßen aus dem Alltagsgeschehen und der Wahrnehmung.Darüber hinaus hat man ohne Konsumgüter (auch nur einen Mindestanteil) keine Chance mehr einer immer durchorganisierteren Gesellschaft zu folgen - womit sich auch das jeweilige Bewusstsein der Individuen voneinander immer mehr unterscheiden, was in Kommunikationsproblemen mündet. |
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>>Das Recht auf Arbeit wurde durch die Technisierung unserer Arbeitswelt obsolet.<<
Der Satz wirft Fragen auf. Versuch einer Antwort: 1. Definition: 1.1 Es widerspricht der Natur des Menschen, in sattem Zustand wie ein sattes Reptil den ganzen Tag an der Sonne zu verpennen. Er/sie tut irgend etwas. Ein Recht darauf, irgend etwas zu tun, haben Menschen. Am besten kann das realisieren, wer nicht darauf angewiesen ist, seine Arbeitskraft (im Folgenden („AK“) zu verkaufen. (1.2) Für diesen Zustand wurde der Spruch geschaffen: „Ich lasse mein Geld arbeiten.“ Nimm also dein Milliärdchen, halt, nicht alle sind so reich, nimm also deine 100 Milliönchen, geh zum Anlageberater der Bank und sage: „Lieber Anlageberater, ich suche einen Job für mein Geld. Denn es soll mich frei und unabhängig von Stressmaloche machen und meinen Lebensunterhalt sichern.“ Der Anlageberater wird Jobs für das Geld anbieten. Niemand, der es hat, wird weggeschickt: „Tut uns leid, kein Job für Ihr Geld da. 1.2. Wer kein Vermögen besitzt, muss irgendwie anders für seinen/ihren Lebensunterhalt sorgen. In der Regel geschieht das, indem ein Käufer für die ARBEITSKRAFT(im Folgenden AK) gesucht wird. Dabei geht es nicht darum, sich mit etwas zu beschäftigen, das den Menschen interessiert, sondern vom Käufer der Arbeitskraft mit etwas zu beschäftigt zu werden woran der KÄUFER der AK interessiert ist. Man kann Glück haben und findet eine Lohnarbeitsstelle, die auch den Anspruch auf Interessantheit erfüllt. Aber das keine Voraussetzung für Lohnarbeit Dafür bezahlt der Käufer einen Preis. Natürlich will der Käufer immer nur so viel bezahlen, wie er unbedingt muss. Diese Form des Erwerbes wird Lohnarbeit genannt. 1.3 Es gibt Arbeiten, die niemand gerne macht, weil sie mit Schmutz, Lärm, gesundheitsmindernden physischen oder psychischen Belastungen verbunden sind. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten; Für diese Arbeiten können durch attraktive Bezahlung oder sonstige Vorteile Menschen gefunden werden, die sie tun wollen. Oder Menschen sind unter dem Druck der Armut für geringe Bezahlung dazu bereit. 1.4 Weil Verkäufer von AK auf den Verkauf angewiesen ist, wird ein Recht auf Arbeit propagiert, was eigentlich heissen soll: „Recht auf Lohnarbeit“. Dieses Recht sagt natürlich nichts über den Verkaufserlös der AK aus. Es bedeutet lediglich, dass es ein Recht darauf geben soll, die AK zu irgendeinem Preis zu verkaufen. Das Übrige regele der freie Markt. 1.5 Um jeden Tag AK verkaufen zu können, muss der Verkäufer seine AK reproduzieren können. Die Reproduktionskosten sollen von der Agentur für Armut bezahlt werden, wenn der AK-Verkäufer mal keinen Käufer hat, um in Bereitschaft gehalten zu werden. Sollte ein Verkaufserlös für die AK-Reproduktion nicht ausreichen, weil AK-Käufer mittels eines hohen Angebotes den Preis drücken konnten, dann soll die Agentur für Armut einen Ausgleichsbetrag für die AK-Reproduktion weiterbezahlen. Über die Reproduktionskosten wird viel diskutiert, zum Beispiel hat Anfang diesen Jahres Definitionsgruppe entschieden, dass ein Bier zum Feierabend nicht zu den Reproduktionskosten gehöre, sonder Luxus sei: Das Bier wurde durch Mineralwasser ersetzt. Dass irgendwie Wohnen dazugehört, ist zurzeit noch unstrittig, Heizen der Wohnung ist aber umstritten. Die Notwendigkeit einer Sättigungsbeilage wird zurzeit noch nicht bestritten. Solche Definitionstätigkeit wird als hochwertig eingestuft und sehr viel besser bezahlt als z.B. die Arbeit einer Krankenpflegefachkraft. 2. gesellschaftlich notwendige Arbeit: Viele Dinge des alltäglichen Bedarfes sind Arbeitsergebnissse. Zum Beispiel Behandlung von Krankheiten, Brot, Toilettenpapier, Zeitungen, Frisur,…. In vielen dieser Arbeitsbereiche kann die Mühe durch technische Entwicklungen reduziert werden. Weil die Reduzierung der Mühe nicht allen Arbeitsbereichen gleichmässig verläuft, wird eine funktionierende Gesellschaft die Mühe immer wieder neu verteilen. Das führt zu einer allmählichen Reduzierung der Lebensarbeitszeit. Es gibt keinen gesellschaftlich vernünftigen Grund dafür, dass die Einen durch die Arbeit Stresskrankheiten bekommen, während die Anderen Däumchen drehen. Ein Gesellschaft, die die Mühe nicht besser verteilen kann, hat versagt. Allerdings gibt es einen kapitalistischen Grund für dieses Versagen: Mehrwertanteil des AK-Käufers hängt natürlich auch von der Arbeitszeit des einzelnen Verkäufers ab. Deswegen lassen AK-Käufer ständig die Parole verkünden, dass Reduzierung der Mühe zwangsläufig zu einer Reduzierung der Zahl Arbeitsverträge führen müsse. --- >>Ein Roboter stellt keine Bedingungen und braucht kein Einkommen und doch macht er die Arbeit. Wer wollte, wer könnte damit um Arbeit zu vergleichbaren Bedingungen konkurrieren?<< Muss er auch nicht. Mit jeder Maschine, die uns die Arbeit erleichtert, können wir bei gleicher Produktion etwas weniger arbeiten. Die Produkte können, wenn sie erstellt sind, benützt werden. Es gibt keinen Grund, jemand vom Kreislauf Produzieren/Konsumieren auszuschliessen. Denken wir besser darüber nach, wir diesen Kreis umweltverträglicher und gesundheitsverträglicher gestalten können. Roboter können dabei helfen, auch beim der Ausgestaltung Ausbau von Rohstoffkreisläufen. --- --- Alle Modelle, die eine kapitalistische Wirtschaft voraussetzen, müssen davon ausgehen, dass ein Käufer der AK andere Ziele hat als die Verkäufer. Es nützt also in DIESEM Falle nichts, sich Idealzustände vorzustellen, denen die kapitalistische Betriebswirtschaft nicht folgt. --- >>Wie könnte man die bestehende Institution "Agentur FÜR Arbeit" so einrichten, dass Menschen, die Arbeit suchen, nicht zu ihr gehen, weil sie müssen, sondern weil sie wollen?<< Wenn interessante Tätigkeiten für unterschiedlichsten Fähigkeiten und Neigungen geboten wären, mit denen man sich ein attraktives Gehalt verdienen kann?<< Andere Frage: Nehmen wir mal an, wer zum Arbeitsamt geht auf der Suche nach einem Arbeitskraftkäufer, würde dort angestellt. Einstufung je nach Qualifikation des Tarifes des öffentlichen Dienstes. Das AA bietet seine Angestellten als Leiharbeiter an, wo bei der Entleiher das Gehalt plus eine Bearbeitungsgebühr bezahlen muss. Nach einem halben Jahr muss der Entleiher den Branchentarif seines Geschäftsbereiches plus Gebühr bezahlen. Die Zusatzgebühr steigt allmählich an, sodass es für den AK-Käufer irgendwann einmal interessant würde, einen direkten Anstellungsvertrag anzubieten. Diese Form der Leiharbeit muss keinen Profit erwirtschaften, sondern lediglich kostendeckend wirtschaften. Damit könnte sie auch mit etwas besseren Gehältern gegenüber privaten Leihfirmen konkurrenzfähig sein. Natürlich wäre das auf den ersten Blick teurer als die Bezahlung von Arbeitslosengeld, weil das Gehalt ja auch in Bereitschaftszeiten ohne Arbeitseinsatz bezahlt würde. Man müsste allerdings die gesellschaftliche Gesamtrechnung mit einbeziehen, dass RV und KK spürbar entlastet würden, weil es ja nur noch Tarifgehälter gibt. Und zwar auch wieder mehr Branchentarifgehälter, die über dem öffentlichen Tarif liegen. Zudem könnte der Wegfall der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung einen, wenn auch geringen, Binnenmarkteffekt haben. Die Regelarbeitzeit wird sofort generell mit Lohnausgleich auf 35 Std. pro Woche bzw. 147 Std. pro Monat begrenzt. Das bedeutet weniger Ausfallzeit der AA-Beschäftigten, aber auch weniger Personalabbau in der Wirtschaft. Es wird im Arbeitszeitgesetz festgeschrieben, dass künftig die Arbeitszeit wieder an Produktivitätssteigerungen anzupassen ist. Wobei auch Lebensarbeitszeitkonten geführt werden können. Es ist darauf hinzuwirken, dass diese Anpassungen je nach regionalem Produktivitätsfortschritt zur Pflicht für alle EU-Länder gemacht werden. Wenn die unmittelbare ökonomische Existenzbedrohung nachlässt, machen wir uns in Ruhe daran, über Möglichkeiten demokratischer Formen der gesellschaftlich nötigen Arbeit nachzudenken. Zum Beispiel das Prinzip Qualität vor Quantität, sowohl bei Arbeitsergebnissen als auch bei Arbeitsbedingungen. --- BGE Bei allen BGE-Diskussionen wird eine Zahl in den Raum gestellt. genannt. Zur sind das 800 €. Wie kommt man auf die Zahl? Das sei die €-Summe, die ein Menschen zum Leben braucht, für Wohnen mit Heizen und Beleuchten, Atzung, Kleidung, usw. Bedürfnisse darüber könnten durch Zuverdienest abgedeckt werden. Der Hartz4-Regelsatz besteht zur Zeit aus Wohnungskosten plus 364 €. In einer Stadt wie München, wo Wohnungskosten auch für eine 1-Zimmerwohnung kaum unter 500 € liegen, sind das also ca. 860 €, in Städten mit niedrigeren Wohnungskosten liegt der Satz etwas unter 800 €. Man kann also feststellen, dass ein durchschnittlicher Hartz4-Satz die Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens bestimmt. Es gibt verschiedene Finanzierungsmodelle. In allen ist der Wegefall der Hatz4-Verwaltung ein wesentlicher Posten. Die Kosten der Verwaltung sind im Wesentlichen Gehälter, die eingespart werden. Das heisst, die Leute die bis jetzt Hartzanträge prüfen, Bewilligungs- und Ablehnungsbescheide verschicken, Einsprüche gegen Ablehnungen bearbeiten, sich um die Klagen gegen Ablehnungen kümmern, nach gewonnenen Prozessen neue Bescheide erstellen: Die gehen auf die Suche nach einer anderen Verdienstmöglichkeit. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wird verstärkt, und so bleiben die Arbeitsentgelte auch ohne den Druck des Harz4-Systems niedrig. Die nach einer Ausbildung eine Verdienstmöglichkeit suchen und die ein Tarifgehalt hatten und wieder suchen, die werden damit nicht weniger. Letztlich sollen das BGE in Höhe von 800-€-Grundeinkommen also den Prekärarbeitsbereich rationalisieren und ihn keineswegs abschaffen. Vertreter des BGE sagen allerdings, dass damit die Entscheidungsfreiheit erreicht werden solle, eine Arbeit anzunehmen oder nicht. Damit würden AK-Verkäufer nicht länger den Käufern nachlaufen, sondern AK-Käufer müssten sich wieder mehr um die Verkäufer bemühen. Mit attraktiver Bezahlung inklusive Erschwerniszulagen und attraktiven Rahmenbedingungen. Es könnte sich dann ergeben, das monotone, schmutzige, lärmbelastete und sonst wie belastende Tätigkeiten besser bezahlt werden müssten als angenehmeren Jobs. Wo die Grenze liegt, ab der sich dieser Zustand einstellen könnte, ist unklar: Die einen meinen, schon ab 1000 € BGE, andere sagen: Nicht unter 1200 €. Die vorgelegten Finanzierungskonzepte können jedenfalls den Anspruch der Befreiung der Lohnarbeit von ökonomischen Zwängen nicht erfüllen. Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum man immer wieder die besagte 800 € kommt: Solange Privateigner der Produktionsmittel über den Besitz frei verfügen, können sie die AK wo anders einkaufen, wenn hier das Lohndumping und die Zunahme von Arbeitsstress nicht mehr durchsetzbar ist. Damit landen wir schon wieder bei einem alten Vorschlag: Zollfrei darf nur importiert werden, was unter hier gültigen Standards produzierte wurde. Sonst nähern wir uns eben an China an, ob mit oder ohne BGE. uff... |
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schrieb am
09.11.2011 um 20:37
@Korrektur:
>>...Roboter können dabei helfen, auch beim der Ausgestaltung Ausbau von Rohstoffkreisläufen.<< = Roboter können dabei helfen, auch bei der menschen- unmd umweltverträglichen Ausgestaltung der Arbeit und beim Ausbau von Rohstoffkreisläufen. --- @Kritiker01: >>Es gibt nämlich auch viele Menschen mit der Natur derartiger Reptilien!<< Ich habe noch kein gesundes Kind erlebt, das eine Stunde in völliger Inaktivität aushielte. Wenn es ausgeschlafen hat, versteht sich. Ader Menschen können krank und inaktiv WERDEN. Manchmal ist die Phantasie und Kreativität schon mit 10 Jahren geplättet. Auch habe ich schon Rentner erlebt, die nach 40 Jahren monotoner Arbeit nichts mehr mit sich anfangen konnten, ein Jahr lang herum sassen und dann einfach wegstarben. Das heisst nicht, dass dies die Natur des Menschen wäre. |
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claudia schrieb am 09.11.2011 um 19:25
Ein guter Kommentar wie ich meine. Aber tlw. schon in der Präambel mit verkehrtem Ansatz. >>Es widerspricht der Natur des Menschen, in sattem Zustand wie ein sattes Reptil den ganzen Tag an der Sonne zu verpennen.<< Es gibt nämlich auch viele Menschen mit der Natur derartiger Reptilien! ;-) Ergo: Nichts wird mit BGE! |
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Ganz einfach: die Produktion wird so erhöht, daß ein ausreichendes Warenkontigent für jeden da ist. Dazu braucht man bei der heutigen Produktivität höchstens ein Drittel der arbeitsfähigen Menschen.
Die bekommen so viel mehr Lohn, daß es genügend gibt, die für richtigen Luxux zu arbeiten beginnen. Allerdings muß man vorher erklären, wie das genau geht. Mit der jetzigen Wirtschaftstheorie, dem realitätsfremden Neoliberalismus geht das natürlich nicht. |
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schrieb am
09.11.2011 um 19:52
Richard der Hayek schrieb am 09.11.2011 um 19:47
>>Ganz einfach: die Produktion wird so erhöht, daß ein ausreichendes Warenkontigent für jeden da ist. Dazu braucht man bei der heutigen Produktivität höchstens ein Drittel der arbeitsfähigen Menschen.<< O. K., dann will ich aber zu den anderen 2/3 gehören und satt den ganzen Tag in der Sonne liegen. Naja, manchmal auch ein bißchen Angeln zwischendurch und gleichgesinnten Frauen nachstellen! ;-) |
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Freust du dich schon ?
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schrieb am
09.11.2011 um 20:00
Richard der Hayek schrieb am 09.11.2011 um 19:57
>>Freust du dich schon ?<< Wie verrückt! Bin jetzt neuerdinmgs unter diesen Bedingungen ein gnadenloser Fighter für's BGE geworden! |
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Ein interessanter Syllogismus!
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">>Es widerspricht der Natur des Menschen, in sattem Zustand wie ein sattes Reptil den ganzen Tag an der Sonne zu verpennen.<<
Es gibt nämlich auch viele Menschen mit der Natur derartiger Reptilien! ;-) Ergo: Nichts wird mit BGE!" Ein interessanter Syllogismus |
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schrieb am
09.11.2011 um 21:09
@Richard der Hayek:
>>die Produktion wird so erhöht, daß ein ausreichendes Warenkontigent für jeden da ist.<< Wir haben ja schon eine Überproduktion, die per Exportüberschuss verramscht werden muss. Auf Pump, anders geht es ja nicht. Und dann müssen halt Kredite gerettet werden, wenn so viel Überproduziert wird, dass es nur auf Pump losgeschlagen werden kann. >>Dazu braucht man bei der heutigen Produktivität höchstens ein Drittel der arbeitsfähigen Menschen.<< Dann müssen die halt ziemlich viel schuften, mindestens 40 Std. pro Woche, 46 Wochen pro Jahr und mindestens bis 67. So ist das machbar, dass zwei Drittel Reserve sind, die nur ab und zu und für sehr wenig Geld schuftet. >>Die bekommen so viel mehr Lohn, daß es genügend gibt, die für richtigen Luxux zu arbeiten beginnen.<< Ja, das Drittel bekommt deutlich mehr als die industrielle Reservearmee. Und die hat das Wenige ja nicht kontinuierlich. Das ist das heutige Modell. Man könnte auch die Arbeit so verteilen, dass niemand Stress hat, alle mehr freie Zeit für sich und die Produkte machen wir trotzdem. Wir könnten auch feststellen, dass wir ingesamt eh zuviel arbeiten. Stelle ein Jahr alle Produktwerbung ein und wir schaffen das, was wir dann noch brauchen, mit einem Drittel der heutigen Lebensarbeitszeit. Einschliesslich der Exporte, die in einer ausgeglichenen Handelsbilanz einen gewissen Import abdecken. Mit der jetzigen Wirtschaftstheorie, dem realitätsfremden Neoliberalismus geht das natürlich nicht. Denn die jetzige Wirtschaftsreligion sagt ja, dass ein Mensch malochen muss bis der Arzt kommt. Aber Maloche bis der Arzt kommt reicht halt nicht für alle. Oder wir konsumieren bis der Notarzt kommt. |
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Nein, das ist ja der Clou.
Diese Theorie sagt, daß die Produktion gerecht verteilt wird, und daß jeder Eingriff von außen die Leistung schwächt. |
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schrieb am
09.11.2011 um 21:48
gerecht?
Irgend jemandem wird das schon gerecht werden. >>...und daß jeder Eingriff von außen die Leistung schwächt.<< Stimmt. Ohne Eingriff von aussen könnten wir das doch viel effizienter gestalten: Mit weniger Arbeit, weniger Material- und Menschenverschleiss würden wir uns mehr Lebensfreude leisten. |
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Ich sage ja, daß diese Theorie realitätsfremd ist.
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Alle diese Kommentare von Daniel Meister, Guttenberg & Co berufen sich auf diese Theorie, und auch die politischen Entscheidungen.
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schrieb am
09.11.2011 um 22:19
Marcus Erben schrieb am 09.11.2011 um 20:22
>>Ein interessanter Syllogismus!<< Egal! Ich will jetzt sofort das BGE! Nur noch Angeln und in der Sonne liegen. Zwischendurch auch mal hübschen Frauen nachstellen. Vielleicht hilft mir ja @claudia dabei! ;-) |
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schrieb am
10.11.2011 um 08:16
Na ja, mal abgesehen von "F. v. Gutenberg" haben sich die Kommentare der Geschmacksrichtung Sozenschreck/Mandelbrot mit wechselnden nicks weniger auf Hayek/Friedmansche Theorie berufen, sondern sich dargestellt als das Drittel, das noch gute Gehälter bezieht und zum Zielpersonal der Agenda2010/INSM-Propaganda gehört.
Sie vertreten keinen Glauben an das Gute Kapitalismus, sondern einfach die Regierungsrhetorik: „Sozen/Kommunisten = Pfuipfui“ „Industrielle Reservearmee = faules asoziales Pack“ oder „Industrielle Reservearmee = leider alternativlos, weil nur so mein guter Job noch ein bisserl weiter laufen kann.“ Eher schon meine ich den Glauben, der nicht Berge, aber Menschen versetzt, und zwar in Traumwelten, zu erkennen bei den Jüngern des BGE: Der kapitalistische Staat sei edel, hilfreich und gut, er stelle das Hartzsystem kostenneutral auf derzeit 800 € Garantieeinkommen um. (Nach Kreditrettung 5.0 und HRE 3.0 werden es wohl nur noch 500 € sein, aber daran wollen wir heute lieber nicht denken.) So wird die Drittelgesellschaft plötzlich eine Schmusegesellschaft: Die Nochverdiener dürfen stolz sein auf ihr Nocheinkommen und weiter stressen, und die 800-€ler sind dann plötzlich auch gut, weil uns ja die Arbeit ausging und sie bescheiden mit 800 € für alles plus ab und zu ein bisserl Leiharbeit irgendwie auskommen. Nicht gerade das Salz der Erde, aber das Salz der Exportkonjunkturen. Nicht wenige mieten eine Garage und träumen in der Zuverdienstwarteschleife davon, bald Millionär zu werden. Die BGE-Fraktion verspricht wie die Agenda 2010 nichts ausser Jugend- Mittelalter-und Altersarmut, aber im Gegensatz zur Schröder/Hartz/Westerwelle/vdLeyen/Merkel/Steinbrück-Fraktion ruft sie zum Träumen auf. Andere Unterschiede kann ich nicht erkennen. Dazu gehört auch, dass Scheinselbständige, die sich mit Prekäreinkommen abrackern bis sie aufgeben, zu Heroen der nun aber wirklich mal endgültigen Kapitalismusvariante hochstilisiert werden. Ich kenne einen, der stolz von seinem 12-Stundentag berichtete und dass er nach nur einem Jahr einkommensmässig schon mal den Hartz4-Satz überschritten habe und dass er der VW-Stiftung sehr dankbar ist. Dagegen können wir nur einen wachsenden Widerstand stellen. Es gibt einen Punkt, an dem tatsächlich von oben eingelenkt wird. Der „New Deal“ in den USA hat das gezeigt. Allerdings hatten die damals wirklich Angst vor dem wachsenden Bevölkerungsanteil, der Sozialismus statt Armut bevorzugte. Wobei damals allen klar war, dass ein US-Sozialismus anders aussähe als der Sowjetsozialismus, schon wegen der vollkommen anderen Startbedingungen. Solcher Druck von unten könnte hier auch entwickelt werden, wenn ausserparlamentarische Proteste mit einem veränderten Wahlverhalten korrelieren. Die Alternative (das heisst immer weiter wie jetzt) bedeutet, dass die faschistoide Tendenz, die schon in der Agenda 2010 angelegt ist, sukzessive zu einer immer fester zugreifenden gesetzlich fixierten Gewaltherrschaft wird. Mit meinem (natürlich unausgegorenen) Beispiel „Alle Arbeitsuchenden werden zu Angestellten des Arbeitsamtes und wenn keine Not mehr herrscht machen wir in Ruhe weiter mit Zukunftsplänen" habe ich während des Schreibens entwickelt, in ca. 10 Minuten. Im Grunde geht es mir darum, die Phantasie wiederzuentdecken und erst mal auf konkrete Zustände anzuwenden. Wenn wir viele Ideen sammeln, können wir schauen, welche davon weiter „ausgegoren“ werden können. Zur Zeit ist das Alles zu wenig verknüpft, zuviel „irgendwie“. |
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schrieb am
10.11.2011 um 08:25
claudia schrieb am 10.11.2011 um 08:16
Ich werde das Gefühl nicht los, dass es für mich nun doch nichts mit dem BGE werden soll! ;-) |
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schrieb am
10.11.2011 um 10:25
Noch ne Anmerkung:
Zitat von oben: >>Bei allen BGE-Diskussionen wird eine Zahl in den Raum gestellt. genannt. Zur Zeit sind das 800 €.<< Das war der im vergangenen Jahr mit viel Werbe-Rhetorik hochgepuschte BGE-Hype. Wahrscheinlich sind mittlerweile ein paar Leute zum Nachdenken gekommen und haben den gleichen Schluss gezogen wie ich: Wenn ein BGE in Höhe des Hartz4-Regelsatzes einfach auf die derzeitige Situation draufgestülpt wird, dann ist das nichts anderes als eine Rationalisierung des Hartz4-Systems: Die aufgeblähte Hartzbürokratie ürde abgebaut und mit den dort "freigesetzten" Mitarbeitern die Lohnkonkurrenz der Arbeitsuchenden noch mal angeheizt. Ich habe aber immer wieder (auch hier) betont, dass der Gedanke an einen Garantieanteil am gesellschaftlichen Arbeitsergebnis nicht vollständig aufgegeben werden sollte. Schon weil damit auch gesellschaftlich nützliche* Nichtlohnarbeit materiell gesichert werden könnte. Das aber innerhalb eines Langzeitkonzeptes für ein Wirtschaften, dass allen die Teilhabe am Kreislauf Arbeit/Nutzung der Arbeitsergbnisse ermöglicht. Nicht aber als "Patentlösung" innerhalb eines Wirtschaftsystems, das "Arbeit" ausschliesslich als Kapitalrenditegenerator werten kann und deswegen den fortwährenden Druck auf den Preis der AK als vorrangiges Ziel behandelt. Solange diese Wirtschaftsystem beherrschend ist, müssen Notlösungen gefunden werden, wobei auch Augenmerk auf die Durchsetzbarkeit zu richten ist. --- *"gesellschaftlich nützliche..." nicht alles was Privatprofit einfährt bringt gesellschaftlichen Nutzen; nicht alles was KEINEN Privatprofit bringt ist für die Gesellschaft nutzlos. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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