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Buchbesprechung: „Die 68er in der SPD – Marsch durch die Institutionen?“
Verantwortlich: Wolfgang Lieb |
Wer sich ein einigermaßen realistisches Bild über einen öffentlich weniger wahrgenommenen aber durchaus prägenden Teil der 68er-Bewegung verschaffen möchte, der sollte das Buch von Jeanette Seiffert studieren. Anders als die meisten anderen Autoren, die sich mit dieser Epoche der Nachkriegsgeschichte auseinandersetzen, betreibt diese von Professor Eckart Conze betreute und am Fachbereich Geschichtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg eingereichte Dissertation keine persönliche Vergangenheitsbewältigung und keine aus der heutigen ideologischen Sicht geprägte Abrechnung, sondern zeichnet an Hand von Quellen und Leitfadengesprächen mit unmittelbar Beteiligten die Entwicklung und den Niedergang der 68er aus der Perspektive des Sozialdemokratischen Hochschulbundes (SHB) und der Jungsozialisten (Jusos) nach. Für mich auch ein biografisches Geschichtsbuch.
Gegenstand der Untersuchung ist die Entwicklung des nach dem Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD mit den Mitgliedern des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) im Jahre 1960 neu gegründeten, zunächst der SPD nahe stehenden Sozialdemokratischen Hochschulbundes (SHB) und der später in Gang gekommenen Radikalisierung auch der Jungsozialisten (Jusos) und der Marsch einzelner Akteure durch die SPD bzw. durch die Landesparlamente, durch den deutschen Bundestag und – als lokaler Referenzfall – durch den Kölner Stadtrat.
Dabei werden die politischen Biografien von insgesamt 17 Aktivisten (etwa von Detlev Albers, Klaus-Uwe Benneter, Anke Brunn, Herta Däubler-Gmelin, Wolfgang Roth, Ottmar Schreiner, Karsten Voigt bis Christoph Zöpel) beschrieben, die über ihre Mitarbeit in der SPD, diese Partei und über die Partei die Gesellschaft insgesamt verändern wollten und bei denen überwiegend Politik zum Beruf geworden ist.
Es ist also eine Geschichte des „Marsches durch die Institutionen“ Anfang der 60er Jahre bis zum „Abmarsch in die Bedeutungslosigkeit“ Ende der 80er Jahre.
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Hoffentlich wird auch der Begriff "68er" selber bis auf seine Ursprünge zurückgeführt, die damit begannen, dass Matthias Walden, alias Baron von Sass, statt Hass? in der Gunst von Axel Springer beim Meinungszentralorgan Die Welt den Begriff "68er" als feurig brenzlige Kampfparole gegen de Studentenberwegung in schwarz- weissen Lettern und ihren bebilderten Vettern, Cousinen, Tanten, Onkels gebellt, dass es heut noch als schrille Gefahrenlage des Tinitus- Alarm- Ton in unseren Ohren schellt!?
schüss JP |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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