Margareth Gorges

Margareth Gorges

22.11.2011 | 09:21

Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung "Deutscher Lernatlas

Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung – „Deutscher Lernatlas“ stellt den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand auf den Kopf

Wo die klugen Deutschen leben“, das ist die Titelgeschichte des aktuellen Spiegels. Und diese Geschichte beherrschte gestern die Schlagzeilen. Den ganzen Tag über konnte man in den Nachrichtensendungen und Nachrichtenagenturen vernehmen: „Deutliches Bildungsgefälle in Deutschland“ oder „Deutliches Süd-Nord-Gefälle“.
So entstehen Schlagzeilen: Der Spiegel – nach wie vor eine der maßgeblichen medialen Entscheidungsinstanzen dafür, welche Nachrichten in anderen Medien verbreitet werden – bekommt „exklusiv“ ein paar Tage vor Veröffentlichung durch die Bertelsmann Stiftung selbst deren neueste „Studie“ [PDF - 10 MB] vorab zugeschanzt und macht mit einer reißerischen Schlagzeile auf – und nahezu alle anderen Medien schreiben ab und übernehmen die Botschaft blind. Von Wolfgang Lieb
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Hätte die Bertelsmann Stiftung ihren „Deutschen Lernatlas“ ohne diesen Marketing-Coup auf ihrer Website veröffentlicht, hätten vielleicht einige Fachzeitschriften oder wenige Interessierte darauf reagiert, aber es hätte sicher nicht zu einer Hauptnachricht gereicht. Die Vorabmeldung im Spiegel verhilft Bertelsmann in die Tagesschau.

Nun könnte man ja sagen, Bertelsmann versteht eben etwas von der Vermarktung seiner Produkte, wichtig ist doch nur, dass das Thema Bildung eine breite Öffentlichkeit erreicht. Doch an dieser Stelle sei die Frage erlaubt, was hat Eigenvermarktung mit Journalismus zu tun hat?

Für diese Vermischung von PR und Journalismus, liegt der Grund ziemlich nahe: die Bertelsmann AG hat 74,9 Prozent der Anteile am größten europäischen Magazinhaus Gruner + Jahr und G+J hat wiederum eine Sperrminorität von 25,25 Prozent beim Spiegel-Verlag. So wäscht eben eine Hand die andere, der Spiegel erhält eine reißerische und auflagensteigernde Exklusiv-Meldung und die Bertelsmann Stiftung kann ihr Image als Bildungsförderer aufpolieren.

Dass diese „Bildungs-Studie“ steuerbegünstigt aus den Gewinnen des Bertelsmann Konzerns finanziert wurde, ist dem Spiegel natürlich nicht einmal einen Nebensatz wert. Selbstverständlich gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass die Bertelsmann-TV-Tochter, RTL, mit rund 300 Millionen Euro drei Viertel zu den Mehreinnahmen und damit den Löwenanteil zum Gewinn des Mutter-Konzerns von 665 Millionen Euro beitrug.

Doch gerade dieser Hintergrund hätte für ein kritisches Nachrichtenmagazin die eigentliche Story sein müssen. Der Spiegel hätte den Zynismus, der hinter der Studie versteckt ist, für jedermann offenkundig machen müssen. Stattdessen vermarktet er noch das Doppelspiel von Bertelsmann-Konzern und Bertelsmann Stiftung. Mehr…

 
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Kommentare
isegrim schrieb am 22.11.2011 um 12:11
Achtung Ironie!

Vielleicht soll ja auch die Studie von dem "braunen Terror" ablenken??
Oder soll die Studie mit dem Nord-Süd Bildungsgefälle einen Grund liefern, den Rechten Terror zu begründen???

Da der Spiegel ja so schön schreibt (Aktueller Spiegel Nr. 47 / Der braune Terror), das die Rechtsextremen, wenig Interesse und auch von der Intelligenz nicht so helle sind, das sie Traktate verfassen um Ihren Terror zu begründen und zu rechtfertigen.
Margareth Gorges schrieb am 22.11.2011 um 13:05
Die Bertelsmann AG ist der größte Oligopolist der veröffentlichten Meinung in Deutschland. Die Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Radiosender und nicht zuletzt die Verlage des Konzerns beeinflussen nicht nur die Meinungsbildung sondern auch die gesamte Stimmungslage und die Befindlichkeiten in Deutschland. Schon diese Medienmacht alleine stellt eine Bedrohung für die Meinungsvielfalt in Deutschland dar.

Wir halten die Bertelsmann Stiftung für eine undemokratisch und anti-parlamentarisch agierende Einrichtung. Wir haben das vielfältig beschrieben. Klicken Sie auf unsere Rubrik Sachfragen/Krake Bertelsmann. www.nachdenkseiten.de/?cat=27

Bertelsmann übt eine unkontrollierte und durch nichts als Geld legitimierte Macht in unserer Gesellschaft aus. Diese Meinung teilen wir mit vielen anderen Beobachtern des Geschehens. Mit vielen unserer Leser sind wir uns auch einig, dass die Bertelsmann Stiftung das Privileg der Gemeinnützigkeit nicht verdient und wirklich parlamentarisch-demokratische und soziale Verhältnisse in unserem Land nur wieder erreichbar sind, wenn der politische Einfluss dieses Konzerns gebrochen ist. Wenn das überhaupt noch irgendwann zu schaffen sein sollte, dann nur in einem breiten Bündnis aller Demokraten.
langweiler schrieb am 22.11.2011 um 19:54
"Der Spiegel (Eigenschreibweise: DER SPIEGEL) ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das im Spiegel-Verlag in Hamburg erscheint und weltweit vertrieben wird. Die verkaufte Auflage lag im vergangenen Quartal bei 971.524 Exemplaren[1] und hatte damit die höchste Auflage der wöchentlichen Nachrichtenmagazine wie Stern und Focus. Aufgrund seines Einflusses auf die öffentliche Meinungsbildung wird Der Spiegel oft als ein Leitmedium bezeichnet.[2][3] In der bundesdeutschen Pressegeschichte nehmen Der Spiegel und sein Gründer Rudolf Augstein eine zentrale Rolle ein.[4] Das 1947 gegründete Blatt erlangte seine Bedeutung im Kampf für die Pressefreiheit (Spiegel-Affäre) und durch die Enthüllung zahlreicher politischer Affären."
de.wikipedia.org/wiki/Der_Spiegel

lang ists her. Das war der Spiegel mal. Jetzt ist er nur noch eine reflektierende Fläche.
isegrim schrieb am 25.11.2011 um 12:47
@langweiler "Das war der Spiegel mal. Jetzt ist er nur noch eine reflektierende Fläche."
Ich denke der "reflektierende Spiegel" unseren heutigen Gesellschaft vorzuhalten ist wichtig, um auf die Fehler hinzuweißen, die jahrelang missachtet wurden.

Ich denke der "Lernatlas" ist wichtig und regt zur Diskussion an. Was deutlich gemacht wurde. (Habe den Artikel gelesen, ja ich gestehe und bekenne mich schuldig: Ich bin SPIEGEL Leser!!)
Bildung macht Glücklich.
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