Margareth Gorges

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04.04.2011 | 17:51

Der talentierte Mr. Rösler

Der talentierte Mr. Rösler

 Verantwortlich: Jens Berger |

In der FDP herrscht Endzeitstimmung. Mit der reinen Lehre freier Märkte lässt sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise kaum noch ein Wähler hinter dem Ofen hervorlocken. Da sich die FDP in ihrer Führungsebene jedoch auf Gedeih und Verderb an marktradikale und marktgesellschaftliche Dogmen gekettet hat, findet sich naturgemäß auch in der erweiterten Parteispitze kaum jemand, der eine inhaltliche Alternative zum scheidenden Vorsitzenden Westerwelle bieten könnte. Als Konrad Adenauer 1958 auf die Wehrmachtsvergangenheit der hohen Offiziere der neugegründeten Bundeswehr angesprochen wurde, sagte er sinngemäß, die NATO nähme ihm nun einmal keine 18-jährigen Generäle ab. Da der Wähler der FDP nun einmal auch keinen 18-jährigen Parteivorsitzenden abnehmen würde, schrauben die Liberalen die Altersgrenze der potentiellen Westerwelle-Nachfolger marginal nach oben. Der engere Favoritenkreis besteht aus Christian Lindner (32, Spitzname „Bambi“), Daniel Bahr (34) und dem immerhin schon 38 Jahre alten Philipp Rösler. Gerade so, als sei ein junges Alter bereits ein politisches Qualitätsmerkmal, verfallen die Medien in einen Jugendrausch, der eher an die Diskussion über Jogi Löws EM-Kader, als an die Frage, wer eine Partei führen soll, erinnert. Vor allem Rösler wird medial über den grünen Klee gelobt und bereits in das Amt des Westerwelle-Nachfolgers hineingeschrieben. Dabei gibt es selbst bei der FPD kaum einen Politiker, bei dem Anspruch und Wirklichkeit derart auseinanderklaffen. Aber vielleicht qualifiziert ihn ja gerade das für den Parteivorsitz.

Adrett, höflich, bodenständig, fleißig – das sind die Attribute, die man immer wieder hört, wenn die Anhänger von Philipp Rösler den FDP-Shooting-Star beschreiben. Diese Attribute sind zweifelsohne löblich, jedoch beschreiben sie eher das Anforderungsprofil für einen Ausbildungsplatz im Hotel- und Gaststättengewerbe und nicht die Qualifikationen, die für ein hohes politisches Amt erwartet werden müssen. Philipp Rösler studierte während seiner Bundeswehrzeit Medizin und widmete sich gleich nach seiner Promotion hauptberuflich der Politik. Als Jungpolitiker der FDP ist es nicht sonderlich schwer, schnell Karriere zu machen, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist. Der niedersächsische Landesverband der FDP, in dem Röslers Karriere begann, hat nicht einmal 7.000 Mitglieder – etwas mehr als halb so viel wie Hannover 96, der Sportverein aus der regionalen Landeshauptstadt. Die Jungen Liberalen, deren Vorsitz Rösler 2003 in den Landtag zu Hannover brachte, haben in Niedersachsen weniger als 900 Mitglieder. Wer es in der Politik zu etwas bringen will, hat es in diesem Landesverband, der während Röslers „Politikerlehrjahre“ vom wenig schillernden Bürokraten Walter Hirsche geführt – oder besser verwaltet – wurde, denkbar einfach. Rösler war seit seinem Einzug in den Landtag Hirsches Protegé; als Hirsche selbst zum Problemfall für die FDP wurde, nahm sich Guido Westerwelle des Nachwuchspolitikers an und positionierte ihn in der Rolle des Hirsche-Nachfolgers.

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