Margareth Gorges

Margareth Gorges

01.03.2010 | 10:46

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) regiert ?!

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) regiert ?!

Zur Verdeutlichung wer in diesem Land wirklich regiert und die Fäden zieht- Schauen Sie sich bitte das folgende Video in Ruhe an .

In diesem Video gibt es eine Sequenz, in der diverse Politiker an unterschiedlichen Orten, unabhängig voneinander, das selbe sagen: “Sozial ist, was Arbeit schafft.” “Sozial ist, was Arbeit schafft.” “Sozial ist, was Arbeit schafft.”

Georg Schramm bezeichnete die Politiker vor Jahren schon als Marionetten, die uns auf der Berliner Puppenbühne Demokratie vorspielen, während die Fäden von anderen gezogen werden.

Solche Informationen hält man für irre, weil man sie nicht glauben möchte. Aber die Wirklichkeit ist vermutlich noch schlimmer. Bestätigt wird, was Schramm kabarettistisch behauptete, unter anderem durch den folgenden Beitrag auf den Nachdenkseiten, der einen wichtigen Link enthält:
==>Gerade CDU/CSU und FDP sind über weite Strecken fremdbestimmt
www.nachdenkseiten.de/?p=3716#more-3716

Auch dieser Auszug aus dem Buch von Prof. Dr. Christoph Butterwegge et. al. zeichnet noch einmal sehr deutlich die Geschichte, den Ursprung und die Ziele der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nach

==> Über die INSM in „Kritik des Neoliberalismus“

Wer sind also die neoliberalen think tanks, Reforminitiativen, Berater und Gruppierungen, die starke Medienpräsenz erlangen, die politische Themensetzung maßgeblich beeinflussen, politische Inhalte bestimmen und auf die öffentliche Meinungsbildung einwirken? Einer der einflussreichsten und finanzstärksten Akteure der öffentlichen Meinungsbildung bzw. -manipulation ist derzeit die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM).

Bereits ihr Name ist in doppelter Hinsicht missverständlich, irreführend und provokativ. Der Begriff „Initiative“ suggeriert Entschlossenheit, Unternehmungsgeist und Einsatzbereitschaft. Dabei denkt man gleichsam an eine alternative politische Organisationsform, etwa an eine Bürgerinitiative, die aktiv wird, um politische Missstände zu kritisieren und diesen entgegenzuwirken. Bei der INSM handelt es sich jedoch um nichts weniger als um eine Bürgerinitiative „von unten“. Denn sie ist ein Projekt der gesellschaftlichen Eliten mit marktradikaler Ausrichtung, macht sich jedoch – zumindest sprachlich – alternative Politikformen zu eigen und missbraucht diese für ihre Interessenpolitik. Mittels eines semantischen Taschenspielertricks vermag diese Organisation vorzutäuschen, sie agiere im Interesse des „kleinen Mannes“, obwohl sie im Jahre 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall, der Interessenvertretung der Metall- und Elektroindustrie, mit der Absicht gegründet wurde, auf die politische Meinungsbildung im Interesse der Privatwirtschaft einzuwirken.

Meinungsumfragen ließen damals erkennen, dass in der Bundesrepublik starke Widerstände gegenüber der neoliberalen Umstrukturierung der Gesellschaft und dem Abbau sozialer Absicherung existierten. Selbst der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“, welcher während des Kalten Krieges dazu diente, der Bevölkerung in Abgrenzung zum „real existierenden Sozialismus“ die Machtstrukturen des „Rheinischen“ Kapitalismus schmackhaft zu machen, schien in Zweifel gezogen zu werden. Man beauftragte deshalb eine PR- und Marketingagentur mit dem Ziel, durch strategische Öffentlichkeitsarbeit ein wirtschafts- und unternehmerfreundliches „Reformklima“ zu erzeugen. Den Zuschlag erhielt die Agentur Scholz & Friends, die unter dem erschwindelten Etikett „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ eine vermeintlich überparteiliche Reformbewegung kreierte, die zwar über keinerlei Basis in der Bevölkerung verfügt, wie sonst für eine Bewegung typisch, allerdings großzügig von Gesamtmetall alimentiert wird.

Aus diesem Grund stehen der INSM genug Mittel zur Verfügung, um ständig Kampagnen loszutreten, welche die Bürger/innen für den Markt und die neoliberalen Reformen begeistern sollen.Die zahlreichen „Reform“initiativen und Organisationen, die mittlerweile neoliberale Lobbyarbeit betreiben, sind kaum noch zu überblicken. Manche existieren nur für kurze Zeit oder nutzen lediglich das Internet als Kommunikationsmedium, andere arbeiten mit einer langfristigen Perspektive, um ihren ideologischen Masterplan in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen umzusetzen. Durch die arbeitsteilige Aufgabenerfüllung wird der Anschein erweckt, als ob kein ideologischer Zusammenhang zwischen den einzelnen Initiativen bestünde und die Republik durch einen vielfältigen Pluralismus an Initiativen und Organisationen geprägt sei. Wie eng die meisten Gruppierungen jedoch miteinander vernetzt sind, zeigt sich meist, wenn man ihre Wortführer betrachtet. Es handelt sich um einen kleinen, überschaubaren Personenkreis von Spitzenmanagern, Professoren, Publizisten und Politikern, die das neoliberale Projekt in der Öffentlichkeit bewerben.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Systemfrager schrieb am 01.03.2010 um 13:33
Was wir in den letzten Jahren erleben ist nichts Ungewöhnliches und schon gar nichts Neues. Das alles ist nichts anderes als Weimar v 2.x. So einfach ist es.

Die Geschichte wiederholt sich!
mehr >>>
nuntius schrieb am 01.03.2010 um 17:06
Ich glaube nicht, das sich Geschichte wiederholt, der Vergleich mit der Weimarer Republik hinkt erst Recht. Denn die situation nach dem 1.WK und nach Ende der Systemauseinandersetzung (Ost7West) ist nicht mal ansatzweise zu vergleichen.
Hier wirken eher klare ökonomische Gesetze.
In der Auseinandersetzung Ost/West war das Kapital gezwungen auf Profit zu verzichten um sein System erfolgreich darzustellen. Seit dem diese Auseinandersetzung gewonnen wurde werden auch die ökonomischen Gesetze wieder frei entfaltet. An erster Stelle den Drang nach mehr neuem Profit und die Rückholung des verzichteten Profits aus den Jahrzehnten davor. Dies zeigt sich in sinkenden Reallöhnen bei steigender Produktivität, und in der Übertragung gesellschaftlichem(staatlichen) Eigentum in private Hand, sowie der rücksichtslosen Plünderung des Staats(sprichVolks)vermögens auf Generationen hinaus, durch die explodierende Staatsverschuldung.

Die Politik schafft dafür nur das propagandistische Mäntelchen egal wie sie sich nennt.
Fro schrieb am 01.03.2010 um 18:30
Danke Margareth, man kann gar nicht oft genug auf diese Machendschaften hinweisen und daran erinnern, von wem wir hier eigentlich regiert werden.
Bildungswirt schrieb am 01.03.2010 um 20:12
Guter aufklärerischer Beitrag.
Dennoch bleibt folgendes ungelöste Problem:
a) Die hier lesen, wissen das schon, wenigstens im Kern
b) Die es besonders nötig hätten, lesen weder den Freitag noch die Nachdenkseiten
c)Kritk wird von der Gegenseite einfach ignoriert bzw. ausgesessen.
d) Das Sperrfeuer der plumpen Meinungsmache lädt schon wieder 10-fach nach.

Trotz alledem und alledem ...
Gruß BW
digitus schrieb am 01.03.2010 um 20:20
"a) Die hier lesen, wissen das schon, wenigstens im Kern
b) Die es besonders nötig hätten, lesen weder den Freitag noch die Nachdenkseiten
c)Kritk wird von der Gegenseite einfach ignoriert bzw. ausgesessen.
d) Das Sperrfeuer der plumpen Meinungsmache lädt schon wieder 10-fach nach."


Wunderbare, sehr treffende Analyse in vier Sätzen ... bloß was ist die Konsequenz: Sich aufhängen oder weiter versuchen, die verkrusteten Augen der Zeitgenossen zu öffnen?
Fro schrieb am 01.03.2010 um 22:06
Es wird schon etwas aus dem Freitag nach Außen sickern...:)
In sofern: Nicht nachlassen darüber zu berichten.
Bildungswirt schrieb am 01.03.2010 um 22:31
Lieber Digitus,
"Sich aufhängen oder weiter versuchen, die verkrusteten Augen der Zeitgenossen zu öffnen?"

Na, wer wird den gleich verzagen, die all zu spitzen brechen ab sogleich, du lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit.....

Ja, wir leben in einer bleiernen Zeit (dagegen waren die 70er Jahre gold und da meinte man ab 1977 alles sei vorbei - deutscher Herbst), aber
Zeiten ändern sich, manchmal weiß man gar nicht, warum (erst viel später wird's klar), also,
den eigenen Kopf anstrengen, mehr Theoriearbeit leisten,sich mit komplexen Themen beschäftigen, mehr beißende Satire, mehr unkonventionelle Wege gehen, einfach abtauchen und frische Luft schnappen, weg vom mainstream, TV abschaffen, verblödende Zeitungen nicht mehr lesen, sich im Freitag nicht über banale Tagespresse aufregen (so kann man von der organisierten Meinungsmache auch beschäftigt werden, ohne es zu merken)
Nicht die Illusionen von JA (sonst ja ganz in Ordnung , der Typ) vom gehobenen Boulevard glauben und noch 50 Dinge mehr ...

Gruß BW und immer ein Lächeln auf den Lippen
Bildungswirt schrieb am 01.03.2010 um 22:43
noch ergänzend. Und mit ein bißchen mehr Aufklärung ist es auch nicht getan.
vgl. auch:
www.freitag.de/community/blogs/bildungswirt/bildungsverfall-bildungsverlust--eine-blanke-beobachtung

Trotz alledem und alledem schlagt die Trommel

Gruß BW
lebowski schrieb am 02.03.2010 um 10:45
Moin! Diesen Sonntag bei "Anne Will" war er wieder da: Der unvermeidliche, Prof. Dr. (What a joke!) Arnulf "ich-kann-zu jedem-Thema-meinen-Senf-dazugeben" Baring.
Per Unterschrift wurde sogar daraufhin gewiesen, dass es sich um einen Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Ein echt mutiger Schritt. Denn mittlerweile wissen genug Leute, was die INSM für ein Laden ist.
Und da man sich auch weiterhin in den Talkshowredaktionen nicht scheut, uns akademische INSM-Mietmäuler wie Hürther und Raffelhüschen als unabhängige Experten vorzuführen, ist dieses Verhalten fast schon Grund genug, die Fernsehgebühren zu verweigern.
lebowski schrieb am 02.03.2010 um 10:47
Sorry!
Muss natürlich heißen:
"Per Unterschrift wurde sogar daraufhin gewiesen, dass es sich um einen Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft handelt."

Hier noch ein Link dazu:
lebowski2.wordpress.com/2010/03/01/plagte-dich-unbekannter-anne-will-redakteur/
Margareth Gorges schrieb am 02.03.2010 um 11:18
Wolfgang Lieb kommentierte die Anne Will Sendung unter Punkt F
www.nachdenkseiten.de/?p=4630#h03

In der gestrigen Sendung kritisierte der INSM-Botschafter Arnulf Baring, dass „alle Parteien außer der FDP in Deutschland Sozialstaatsparteien“ seien. Weder Anne Will, noch einer der Mitdiskutanten wies Baring darauf hin, dass der Sozialstaat in unserer Verfassung verankert ist und somit auch für alle Parteien eine unverfügbare Norm ist. Wenn die FDP also den Sozialstaat ablehnte, so stellte sie sich außerhalb des Grundgesetzes. Baring mit seiner Position ohnehin – aber das ist ja nicht neu, und dennoch wird dieser „Botschafter“ der Propagandaagentur INSM immer wieder in die Talk-Shows geladen.
Doris Brandt schrieb am 02.03.2010 um 20:29
Danke für den Beitrag. Es kann nicht oft genug erwähnt werden, was diese zweifelhafte Initiative unter dem Deckmäntelchen "Soziale Marktwirtschaft" alles steuert. Meinungsmache leicht gemacht, und keiner hat's gemerkt! Zudem dieser "kleine überschaubare Kreis von Spitzenmanagern, Professoren, Publizisten und Politikern" eine Art Rotationsprinzip bei Talkshow-Besuchen a là Anne Will praktiziert.
Margareth Gorges
Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
Ort:
Homburg
Mitglied seit:
3 Jahre 0 Wochen
Zuletzt aktiv:
16.02.2012
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 740
Kommentare: 377
Mein Projekt:
Logbuch
14:41
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
14:38
keiner hat gerade einen Kommentar geschrieben.
14:35
Jacob Jung hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
14:30
Nostradamus hat gerade einen Kommentar geschrieben.
14:24
Peter Remagen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Berlinale

Christian Kracht Imperium Kiepenheuer & Witsch 2012

256 Seiten. Gebunden.

18,99
 
In seinem neuen Roman erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans spielt - und erschafft so zugleich eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns >> mehr
Liebeshandlung - Eugenides

Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Café Moskau

Ausgabe 07/12
16.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG