Margareth Gorges

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16.12.2010 | 07:09

Die mediale Darstellung zweier Herren

Die mediale Darstellung zweier Herren

Geschrieben von Roberto J. De Lapuente

Die deutsche Medien- und Berichterstattungskultur neigt zur Qualität - zur qualitas, wovon sich Qualität ja ableitet, übersetzt also: sie neigt zur Beschaffenheit. Damit ist nicht viel ausgedrückt, nichts zum Wert gesagt, ist letztendlich nur in den Raum gestellt, dass die deutsche Medien- und Berichterstattungskultur eine Beschaffenheit besitzt - so wie alles auf dieser Welt. Und jene Beschaffenheit ist, dass sie tendenziös ist, manipulativ und verzerrt; jene Beschaffenheit ist, dass sie ihren Konsumenten ein Weltbild beschafft, das nicht objektiv und neutral ist, sondern die Summe herrschender Interessen.

In diesem Sinne gilt Julian Assange als Verbrecher; Silvio Berlusconi aber, der nun zeitgleich durch die Journaille geistert, wenn er schon nicht gefeiert wird, wird jedoch nicht mit kritischem Journalismus konfrontiert. Assange, der für Transparenz einsteht, wird inhaftiert und die schreibende Zunft baut hinter diese Dreistigkeit eine breite Kampagnenfront; über Berlusconi aber, dessen einzige Transparenz darin bestand, schüchtern zuzugeben, dass er der alleinige Herr des italienischen Informationsmarktes ist, wird relativ neutral und wertfrei berichtet. Assange ist Krimineller, weil er die verdeckten Handlungen im Namen der Öffentlichkeit ebenjener überstellte; Berlusconi ist kein Krimineller, obwohl er sich seine mediale Präsenz ungesetzlich erschlichen hat, in seinem Lebenlauf manches krumme Ding vorzuweisen hat. Assange ist Terrorist, weil er Klarheit in die Läufe der Politik und der Wirtschaft bringen wollte; Berlusconi ist tolerierter Staatsmann, obwohl er die Konsumenten seines Medienimperiums mit Titten und Wahlkampfparolen terrorisiert. Sperrt Assange lange weg, rufen sie, er hat fundamentale Umgangsformen verletzt; Samthandschuhe für Berlusconi, benutzen sie, immerhin ist er der gewählte Repräsentant seines Landes, auch wenn er die Umgangsformen eines italienischen Rottenführers an den Tag legt.

Man sieht, der deutsche Journalismus birgt Qualität, birgt Beschaffenheit - sie ist nur nicht hochwertig, nicht gut; sie ist einfach irgendwie beschaffen, schlecht beschaffen, von beschissenem Niveau. WikiLeaks fährt, auch dank des Journalismus', die Weihen einer Hexenjagd ein - Berlusconi und sein antiziganistischer, rassistischer und informationsdefizitärer Habitus darf sich mit halbwegs akzeptabler Berichterstattung herausputzen. Dieser besticht zwar Abgeordnete, um nicht aus seinem Amt scheiden zu müssen, gleichwohl kaum davon berichtet wird, weil man solche Bestechungen ja schlecht nachweisen könne - Assange gilt aber als Krimineller, als Vergewaltiger, als Bestie: eines Beweises bedarf es dazu nicht; da ist man gerne gutgläubig. Der Kanadier, so liest man heraus, habe ein seltsames Verhältnis zu Frauen - der Italiener legt jedes Püppchen in seinem Umfeld flach und erhält anerkennende Schulterklopfer. Hie erklärt man jemanden zum Helfershelfer von Terroristen; dort ist einer Terrorist, der Helfershelfer rekrutiert, dafür aber kaum gescholten wird. Assange ist Produkt der Meinungsfreiheit; Berlusconi will dieses Produkt aus seinen Sendeanstalten weitestgehend raushalten. Assange macht Regierungen und Konzerne weinen, weil die Menschen nun bestimmte Mechanismen schwarz auf weiß nachvollziehen können; Berlusconi hält Entertainer seines Imperiums an, vor der Kamera zu weinen, um seinen Wahlsieg zu forcieren.

Und was macht der Print, was das Fernsehen?
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