Margareth Gorges

Margareth Gorges

29.09.2011 | 17:55

„Generation Benedikt“ ...deutsche Tea-Partybewegung

„Generation Benedikt“ könnte der Pfeiler einer deutschen Tea-Partybewegung sein – mit beachtlichem Einfluss auf die Öffentlich-Rechtlichen.

Verantwortlich: Albrecht Müller |

 Beim Schreiben der beiden Beiträge „Zur besonderen Verankerung der Union bei Medien und Vorfeldorganisationen“ und „Steht die Kirche des Papstes auf den Boden der FDGO?“ kannte ich die PR-Organisation „Generation Benedikt“ noch nicht. Ein Leser der NachDenkSeiten, M.K. aus Bayreuth, machte mich auf diese Internetseite aufmerksam. Dort erfährt man, dass Vertreterinnen und Vertreter dieser Organisation anlässlich des Papstbesuches bei Maybritt Illner, in der Phoenixrunde, beim SWR und im Hessischen Rundfunk aufgetreten sind. Albrecht Müller.

Auch bei einer Reihe anderer Gelegenheiten waren Vertreterinnen und Vertreter der „Generation Benedikt“ Interviewpartner und auffallend lang zu Wort gekommen.
Die “Generation Benedikt” ist ein “papsttreues Jugendnetzwek”, gegründet 2005 nach dem Weltjugendtag in Köln. Einige ihrer Vertreter sind auch schon früher im Fernsehen aufgetreten. So einer der Gründer, Nathanael Liminski, der bereits zweimal Gast bei Sandra Maischberger gewesen ist, am 3.12. 2007 und am 6.4.2009, wo er seine fundamental-katholischen Ansichten (weitgehend identisch mit den fundamentalistisch-christlichen, die wir aus den USA kennen) vorstellen durfte: Kein Sex vor der Ehe, Warnung vor einer ‘Verhütungsmentalität’ will sagen keine künstliche Verhütung u.ä..
Eine sogenannte Sprecherin der Gruppe, Larissa Elter, war am 19.09.2011 bei HART ABER FAIR zu Gast.
Und dann waren mehrere Mitglieder der Gruppe als Kommentatoren und Ko-Kommentaren bei den verschiedenen Events des Papstbesuches im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen in Aktion. So z.B. hier beim WDR mit einer unglaublich „pluralen“ Besetzung.

Recherchen zeigen, dass der Begriff „Generation Benedikt“ schon 2005 von der rechtskonservativ orientierten ‘Jungen Freiheit’ (!) gebraucht wurde .

Es gibt zumindest eine personelle Verknüpfung mit dem Opus Dei. Der Vater eines der jungen Gründer der „Generation Benedikt“ ist ein Journalist aus dem Kreis des Opus Dei: Jürgen Liminski . Liminski arbeitet auch für den Deutschlandfunk. Opus Dei ist eine sektenartige Formation rechtskonservativer Katholiken.

„Generation Benedikt“ – eine PR-Organisation rechtskatholischer Kreise

Nach meiner Einschätzung ist die „Generation Benedikt“ gegründet worden, um Public Relations für den jetzigen Papst und seine konservativen Anliegen zu machen. Vermutlich verfügt die Organisation über ausreichend finanzielle Mittel. Das alles ist legitim. Warum soll der Vatikan keine PR machen? Warum soll Opus Dei keine PR machen? Warum soll der Vatikan bzw. katholische Kreise in Deutschland nicht die Gelegenheit des Weltjugendtages in Köln nutzen, um effektive Public Relations zu machen? Für diese Effizienz kann man diese Organisationen sogar bewundern.
Die Bewunderung verwandelt sich in Wundern, wenn man beobachtet, welchen Einfluss diese Organisation auf die Programmgestaltung der Öffentlich-rechtlichen Sender hat. Eigentlich haben die Vertreter von Public-Relations-Organisationen in Talkshows und in Interviews nichts zu suchen. Offensichtlich haben aber die Planer der verschiedenen Formate unserer Sender schon jedes Gefühl für journalistischen Anstand verloren. Oder sie stecken mit den PR-Treibenden unter einer Decke.
Dafür spricht viel. Der Einfluss von PR Agenturen auf die privaten (!) Produktionsgesellschaften unserer Talkshows ist sehr groß. Es ist anzunehmen, dass zur Begleitung des Papstbesuches effiziente und teure PR Agenturen engagiert worden waren. Eine scheinbar unabhängige Organisation wie „Generation Benedikt“ ist dann ein gutes Medium, um die entsprechenden Personen in die Sendungen zu schleusen. Mit Demut, die der Papst gepredigt hat, hat dies dann alles wenig zu tun.

Warum muss dieser Vorgang Demokraten interessieren?

Weil Demokraten an der Entwicklung einer deutschen Tea-Party-Bewegung nicht interessiert sein können.
Weil Demokraten Pluralität verlangen müssen. Der Einfluss der Katholischen Kirche und insbesondere konservativer Kreise aus der Katholischen Kirche in den öffentlich-rechtlichen Medien ist unangemessen hoch. Er steht in keinem Verhältnis zum geringen Einfluss jenes großen Teils unserer Volkes, der mit Religion nicht viel anfangen kann. Er steht auch in keinem Verhältnis zum vergleichsweise geringen Einfluss der Evangelischen Kirche und der anderen Religionsgemeinschaften.

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 30.09.2011 um 01:18
Der Einfluss der Katholischen Kirche und insbesondere konservativer Kreise aus der Katholischen Kirche in den öffentlich-rechtlichen Medien ist unangemessen hoch".

Das trifft, meine ich, wenn auch nicht ganz so heftig im Beritt und Auftritt, auch auf die Evangelischen Kirche in den Medien, Parteien, das ganze staatsnahe Stiftungswesen zu.

Mir ist auch in etlichen Talkrunden aufgedallen, wie bemüht diese Vertreter/nnen der "Generation Benedikt" sind, selbstkasteiend Kreide zu fressen, bis ihnen von lauter faden Argumenten der trockene Mund weiss vorn Kreide wird.
Pickelhaube schrieb am 03.10.2011 um 20:56
Meine liebe Margareth Gorges,
Sie machen einen Fehler, wenn Sie die Tea-Party-Bewegung mit "religiösen Rechten" gleichsetzen. Sie ist rechtslibertär, aber zugleich hält sie sich aus "social issues" wie Schwangerschaftsabbruch, Religion oder gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft heraus. Ganz einfach deshalb, weil ihre Mitglieder dazu konträre Positionen vertreten.
Die Tea-Party-Bewegung macht nichts anderes als ihr historisches Vorbild, die Boston Tea Party: Sie widersetzt sich zu hohen Steuern.
Ob Ihre zweite Gleichsetzung zutriff, dass nämlich der Papst Benedikt XVI ein Mann des opus dei ist, kann ich als Nicht-Kirchenmann nur schwer beurteilen. Ich bin da eher auf der Linie unseres Herausgebers, Jakob Augstein, und sehe in der Kirche einen Vertreter europäischer Wertvorstellungen - aber auch nicht mehr.
Trotzdem, Ihr Blog hätte mehr Kommentare verdient. Vielleicht kommen sie noch.
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