Margareth Gorges

Margareth Gorges

07.06.2010 | 11:57

Hintergrundinformationen über Joachim Gauck u. Atlantik-Brücke e.V"

Hinweis aus    www.nachdenkseiten.de/ 

Hartz 4-Plattform: Gauck for President!

Nach Auffassung der Hartz4-Plattform könnte der Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck eine hoffnungsvolle Weichenstellung zum Stopp der galoppierenden Spaltung unserer Gesellschaft bedeuten, die Arme von Reichen sowie Regierende von Regierten trennt und schließlich zur Nichtwählerpartei als größter Volkspartei führt. „Wir teilen die Einschätzung, dass jetzt die Wahl-Alternative lautet: Bekommt Bellevue einen mainstreamigen Jung-Zweit-Ehemann und -Vater mit dort völlig deplatzierter Partei-Karriere oder einen Hausherren mit der für’s Amt unerlässlichen Erfahrung aus einem reichen Leben?“ so Brigitte Vallenthin, Hartz4-Plattform Sprecherin .
Quelle: Der Sozialticker

 Anmerkung KR: Hintergrundinformationen über Joachim Gauck:

 “Er ist Mitglied des Verbandes Atlantik-Brücke und Mitglied im Senat der von Helmut Schmidt, Kurt Biedenkopf u. a. gegründeten Deutschen Nationalstiftung.”
Quelle: Wikipedia

Welche Ziele verfolgt diese Stiftung? Siehe dazu ein Papier vom November 1996: “Wir brauchen in Deutschland politische Schritte mit einer längeren Perspektive. Folgende wichtige Komponenten sind für die Gesundung Deutschlands nötig:

  • Umbau der Sozialversicherung;
  • Renovierung der öffentlichen Finanzwirtschaft;
  • längeres Anhalten der Realeinkommen;
  • Verzicht auf weitere DM-Aufwertungen;
  • eine umfassende Deregulierung auf allen Gebieten.”

Quelle: Deutsche Nationalstiftung [PDF - 79,8KB]

In anderen Worten: Der Kandidat, zu dessen Wahl die Hartz IV-Plattform aufruft, ist Mitglied einer Stiftung, deren politische Intentionen in Hartz IV kulminierten (angemessen zynische Kommentare mögen unsere Leser sich jetzt bitte selbst dazu denken).
An der politischen Ausrichtung der Stiftung hat sich seither nichts geändert, im Gegenteil: 2009 meinte sie sich gar gegen Angriffe der FAZ wehren zu müssen: “In seinem Artikel bezichtigt Herr Weidermann Uwe Tellkamp rechtskonservativer, demokratieverachtender und nationalistischer Tendenzen und rückt die Deutsche Nationalstiftung wegen der Verleihung des Nationalpreises 2009 gleich mit in diese Ecke.”

Diese Gesellschaft scheint Gauck zu suchen.

Die politischen Kräfte, denen Gauck seine Dienste anbietet, haben verstanden:
„Zumindest die FDP hätte sich, wenn sie schon nicht einen eigenen Kandidaten durchsetzen konnte, für Joachim Gauck entscheiden können; für einen Mann, den man, sofern man ihn einer politischen Richtung zuordnen möchte, einen Liberalen wird nennen dürfen.
Wenn Sie Zeit haben, hören Sie einmal diese Rede und diese Rede von Gauck an; beide gehalten auf Veranstaltungen der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Besser kann man liberale Grundsätze kaum formulieren. “
Dass die LINKE Joachim Gauck trotz des zu erwartenden Medienechos nicht wählen will, verdient Respekt.

Die Hartz IV-Plattform steht mit ihrer Fehleinschätzung allerdings nicht allein. Auch die Frankfurter Rundschau trommelt kräftig für Gauck:

Dabei macht Gauck keinen Hehl daraus, wes Geistes Kind er ist: „Für ihn sei der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung. Das sehe man im linken Spektrum zuweilen ganz anders, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorglichkeit vertreten würden. Gauck sagte, Freiheit sei anstrengend und schwierig. Er kritisierte, für viele bestehe Glück darin, dass es ihnen morgen materiell besser gehe als heute. Diese Reduzierung des Lebensglücks auf Wohlfahrt und Wohlstand halte er für kindisch.“

Nachtrag I: Abrecht Müller regt an, die Genossinnen/en von der SPD sollten sich von Joachim Gauck doch einmal die Liste seiner Vortrags- und Gesprächsauftritte bei Arbeitnehmern und Gewerkschaften zeigen lassen.


Nachtrag II: Zu Christian Wulff ist bereits alles gesagt worden.

 
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Kommentare
apatit schrieb am 07.06.2010 um 12:15
Herr Gauck ist Rückfall in die Steinzeit, eben Karstgestein!
poor on ruhr schrieb am 07.06.2010 um 12:32
@apatit
Find ich auch!
Lukasz Szopa schrieb am 07.06.2010 um 12:38
Dass Herr Gauck kein "Linker" ist, muss man nicht mit diversen Zitaten beweisen. Abgesehen davon, dass auch solche Mini-Informationen "wer wo dabei ist" auch nicht ein Gesamtbild sein können - nur dessen Teil. Daher sind in meinen Augen Intwerview-Zitate viel sagender als Mitgliedschaften bei irgendwelchen Vereinen.
Für das von Ihnen präsentierte Zitat über Freiheit und Wohlstand bin ich Ihnen dankbar - es macht mir Gauck, den ich bisher wenig kannte, sympatisch. Denn nicht nur die Linke bevorzugt oft materielle Wohlfahrt geg. einer (auch geistigen) Freiheit, auch der Kapitalismus verspricht uns, dass das Glück darin bestünde, jeden morgen materiell besser dazustehen. Was in der Praxis - Gauck hin oder her - für die meisten, die am Rattenrennen mitmachen und an den Konsum glauben - in weniger Freiheit resultiert.
Technixer schrieb am 10.06.2010 um 16:13
Ähm naja du scheinst ja über DIE LINKE bestens bescheid zu wissen oder doch nicht?

Diese Partei ist kein sozialistischer Einheitsbrei, vielmehr solltest du dir vielleicht mal a) das Parteiprogramm durchlesen dann wüsstest du, dass "nicht nur die Linke bevorzugt oft materielle Wohlfahrt" dies scharf kritisiert wird.

Sie sind sich der Problematik der Wachstumsideologie durchaus bewusst und im Gegensatz zu den Betonköpfen aus CDU/CSU und FDP machen sich die Linken auch über Alternativen Gedanken.

NUR! Hier ist leider nicht soviel Kapital und wissenschaftliches Arbeiten erfordert nunmal Geld.
Wenn die Rechten ihren Thinktank Etat mal in die Erforschung von Alternativen stecken würden, wären wir wahrscheinlich schon viel weiter.
Karl Eduard schrieb am 29.06.2010 um 15:49
"Daher sind in meinen Augen Intwerview-Zitate viel sagender als Mitgliedschaften bei irgendwelchen Vereinen."

Völlig falsch - wenn es sich um einen der vielen nebeneinander bestehenden Lobby- und Eliteclubs handelt, und nicht um Vereine, die jeden Deppen nehmen, wenn er nur politisch richtig liegt. Club-Mitgliedschaften liefern nur einen Teil des Gesamtbildes - dieser Teil ist jedoch oft viel aufschlussreicher, als in Interviews gedroschene Phrasen, die oft mehr verschleiern.

Zudem gibt es oft Vereine mit harmlos klingenden oder gar irreführenden Namen (wie z.B. "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"). In solchen Fällen sind die Namen der Führungskader und Sponsoren und der Abgleich mit den Mitgliederlisten von Lobby- und Eliteclubs sowie mit diversen ehren- und nebenamtlichen Gremienmitgliedschaften für das Bild oft viel aufschlussreicher als die Selbstdarstellung der Vereine und ihrer Mitglieder in Interviews.
Lukasz Szopa schrieb am 30.06.2010 um 09:46
ok, einigen wir uns darauf, dass SOWOHL Aussagen wie Mitgleidschaften zum Gesamtbild und unserer Beurteilung eines Menschen beitragen. Beide können "vorgeschoben" wie auch ehrlich sein.
apatit schrieb am 07.06.2010 um 13:01
Lukas, Herr Gauck fordert von den Deutschen Tatkraft und Fuchtlosigkeit. Was meint der Mann, Tatktaft wieder Brennesselsuppe zu kochen oder furchtlos in Afghanistan den Bauchschuss hinzunehmen? Der teilt jetzt schon ordentlich ein, was man zu denken hat und was nicht. Ein Rechthaber.
koslowski schrieb am 07.06.2010 um 13:15
Der Blog von Frau Gorges zeigt einmal mehr das Elend mancher Linker in Deutschland:
- die Neigung, politische Gegner mit Hilfe von Zitaten und Kontakten zu anderen politischen Gegenern als Neoliberale zu "entlarven" ;
- die Besserwisserei: natürlich weiß Frau G. besser als die Hartz-4-Leute, ob der Kandidat für sie gut ist;
- die Abneigung gegen Argumente: im Blog von Frau G. Fehlanzeige;
- aber jede Menge "Respekt" vor der Führung der Partei DIE LINKE;
- der Verdacht, jeder der für Freiheit plädiert, sei ein potentieller politischer Gegner der Linken.
Magda schrieb am 07.06.2010 um 14:20
Lieber Koslowski, Gauck braucht man nicht zu entlarven, das macht der schon selbst. Das nützt nur nichts, weil die veröfentlichte Meinung anders tickt.

Was ich dazu anzumerken fand, habe ich an anderer Stelle geschrieben.

www.freitag.de/community/blogs/magda/joachim-gaucks-totalitaere-aufklaerung
.
Mich stört an Joachim Gauck, dass er einfach nicht der ist, für den er sich ausgibt. Er ist ein Beispiel gelungener voreiliger Anpassung an das westdeutsche System. Er war es, der die Bürgerrechtler damals aus der Stasi-Zentrale rausverhandelt hat und dann - schon mit westlicher Billigung - Aktenchef wurde. Die Bürgerrechtler wollten es anders.
Ein eitler Mann, der zu DDR-Zeiten überhaupt nie gekämpft hat, höchstens erst, als auch viele andere sich schon was getraut haben, nämlich Ende der 80er Jahre. Bis dahin war er brav und zeiht jetzt die DDR-Bürger der erhöhten Anpassung. Biographen haben herausgefunden, dass er ohnehin mehr zufällig in diesen politischen Wendezirkus geraten ist.

www.focus.de/kultur/buecher/buch-abnorme-persoenlichkeit_aid_184723.html
Hier noch eine völlig unverdächtige Anmerkung.

Wenn man ein bisschen googelt, dann kann man das unnachahmliche Interview in der NZZ

www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/es_gibt_ein_richtiges_leben_im_falschen_1.5776051.html

nachlesen,in dem er sich dermaßen beweihräuchert, dass einem übel wird.

Im gleichen Interview: Die Eltern waren beide in der NSDAP. Das hat er vorher nie irgendwie kundgetan. Dafür kann niemand was, aber er stellt wegwerfend fest, dass die ja nur Mitläufer waren. In der Nazizeit war Anpassung offensichtlich nicht so schlimmes Mitläufertum. Dass er den Antifaschismus der DDR abgelehnt hat, bitteschön, der war so politisch instrumentalisiert wie im Westen heute auch. Aber seine Haltung gegenüber der DDR ist von Hass geprägt.

Dass er eitel ist, nehme ich nicht mal übel, aber seinen äußerst angepassten Duktus: Beispiel: Rede vor der Naumann-Stiftung: Da warnt er vor einer antikapitalistischen Welle und meint: Letztendlich sei es nur der Kapitalismus, der einen effizienten Sozialstaat schaffen könne. So kann man denken, aber dann ist man eben FDP-nah und nicht unabhängig.

Außerdem: Wenn er mal den milden Augenaufschlag vergisst, dann wird er auch ganz schön pampig: einen Journalisten, der ihn ironisch beurteilt hat, nannte er dann schnell mal einen Kriegsgewinnler.

Die Freiheit zu preisen, das ist ihm unbenommen.

Mir fällt dabei Peter Rühmkorf ein, der sich zu dem Freiheitstaumel auch schon mal geäußert hat. In seinem Tabu I: "Tabu Freiheit das große Passepartout für jederart Gruppenegoismen, Stammesfehden, kompromissunfähiges Selbstbestimmungswüten. Kenn das Ende vom Lied, das sich immer wieder für einen Anfang hält, noch von früher her auswendig- "Freiheit das Ziel,/Sieg das Panier/ Führer befiel - /Wir folgen Dir"

Rühmkorf war nicht irgendein Linker, sondern SPD-nah. Wenn man so will, macht einen gerade dieses Freiheitsgejuble ohne Substanz immer misstrauisch. Bei Gauck doppelt.
apatit schrieb am 07.06.2010 um 17:45
Freiheit ist anstrengend, denn man muß wählen. ( J. Gauck in der Welt am 06.06.10 )
Entlarven kann man nur, wenn die Maske die man trägt nicht festgewachsen ist...
Ludwig Hasselberg schrieb am 07.06.2010 um 19:18
Danke für die Literaturhinweise zu Gauck. Die Biografie werde ich mir vielleicht besorgen, wenn er die Wahl gewinnt. Das NZZ-Interview hinterlässt bei mir einen sehr seltsamen Eindruck... einige Aussagen wirken etwas bizarr, um es mal so auszudrücken.
Fritz Teich schrieb am 07.06.2010 um 22:16
<<
Er war es, der die Bürgerrechtler damals aus der Stasi-Zentrale rausverhandelt hat
>>

Das hat er doch gut gemacht.
koslowski schrieb am 07.06.2010 um 22:22
@Magda 14:20

Sehr geehrte Magda,
es mag sein, wahrscheinlich ist es so, dass Gauck nicht nur der ist, als den er sich darstellt und als den die Mainstream-Medien ihn feiern. Für ihn spricht meiner Meinung nach, dass seine Kritiker, und leider auch Sie, ihm vorhalten, sein Blick auf die DDR sei von Hass geprägt. Mich erinnert das an die aggressive Ablehnung jeder Form von Kritik an Nationalsozialismus und seinen willigen Helfern in der deutschen Gesellschaft durch Eltern und Lehrer in der 60er Jahren in der alten BRD. Der Überbringer schlechter Nachrichten wird nicht geliebt.
Ich räume gern ein, dass es mir, der im Westen sozialisiert wurde, leichter als Ihnen fällt, den Kandidaten Gauck zu unterstützen. Sein Plädoyer für die Freiheit erscheint mir sympathischer als das der Westerwelle u.a., weil es durch durch ein Leben beglaubigt wurde, keineswegs ein "Freiheitsgejuble ohne Substanz".
Rühmkorf schätze ich sehr, weiß nicht in welchem Kontext die von Ihnen zitierten Sätze stehen. Wenn Sie auf Gauck gemünzt sein sollten, muss man dem Dichter zu Gute halten, dass er zum Zeitpunkt seiner Notizen ( 1989-91 ) über diese, wie ich finde, eindrucksvolle Persönlichkeit noch kein ausreichendes Wissen haben konnte.
Magda schrieb am 07.06.2010 um 23:02
"Mich erinnert das an die aggressive Ablehnung jeder Form von Kritik an Nationalsozialismus und seinen willigen Helfern in der deutschen Gesellschaft durch Eltern und Lehrer in der 60er Jahren in der alten BRD."

Lieber Herr Koslowski,
das ist jetzt nicht Ihr Ernst? Unglaublich.
Magda schrieb am 07.06.2010 um 23:06
Und ich bitte Sie, meine Argumente wenigstens zu lesen ,statt so ein beliebiges Statement abzusondern.

Nee, lohnt nicht.
koslowski schrieb am 07.06.2010 um 23:13
"Nee, lohnt nicht."

Dabei sollten wir es belassen. Alles Gute für Sie!
Wolfram Heinrich schrieb am 07.06.2010 um 23:37
@Magda
"Mich erinnert das an die aggressive Ablehnung jeder Form von Kritik an Nationalsozialismus und seinen willigen Helfern in der deutschen Gesellschaft durch Eltern und Lehrer in der 60er Jahren in der alten BRD."

Lieber Herr Koslowski,
das ist jetzt nicht Ihr Ernst? Unglaublich.


Erbarmen mit uns Westlern. Wir haben noch gelernt, daß die Ostzone ein riesiges KZ sei, mit dem Spitzbart aus Pankow als oberstem Wächter.

Ciao
Wolfram
mahung schrieb am 08.06.2010 um 02:05
"erscheint mir sympathischer als das der Westerwelle"

Homophobie lieber Koslowski? Ach Quatsch, ganz weit hergeholt! Holzhammervergleich? Sehnse!

"Mich erinnert das an die aggressive Ablehnung jeder Form von Kritik an Nationalsozialismus und seinen willigen Helfern in der deutschen Gesellschaft durch Eltern und Lehrer in der 60er Jahren in der alten BRD. Der Überbringer schlechter Nachrichten wird nicht geliebt".

Dazu ein Zitat was ich meinetwegen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hier posten werde:

"Die Gleichung Rechts gleich Links ist eine Verharmlosung rechter Gewalt und der neonazistischen Ideologie. Die Positionen, die seitens der Linken, auch der radikalen Linken in Bezug auf Freiheit, Vielfalt und menschliche Entwicklungsmöglichkeiten formuliert werden, unterscheiden sich fundamental von den völkischen, rassistischen Vorstellungen, wie Sie die Rechte propagiert. Dieser Gegensatz wird unterschlagen."

Prof. Dr. Ulrich Bröckling

Und das ist nur der Bezug auf die Gegenwart. Der ewig dumme Nazivergleich Ihres Beitrages ist historisch unspezifisch, undifferenziert und deshalb genauso stil- und sinnlos wie meine Homophobieunterstellung im Eingangssatz. Denken Sie einmal darüber nach!
koslowski schrieb am 08.06.2010 um 08:49
Bin Ihrer Aufforderung gefolgt, habe über Ihren Eintrag nachgedacht und bin zu diesen Ergebnissen gekommen:
1. Die didaktische Raffinesse Ihres Homophobie-Vorwurfs ist beträchtlich. Meinen Respekt!
2. Dem Professor Bröckling kann ich zustimmen: Die Gleichsetzung von rechts und links, von nationalsozialistischer und stalinistischer Diktatur ist falsch und gefährlich.
3. Der Vergleich der beiden deutschen Diktaturen ist natürlich legitim; der würde, wenn man ihn auf die Ideologie beschränkt, im Ergebnis auf die Unterschiedlichkeit und Gegensätzlichkeit der Regime, wie Bröckling es beschreibt, hinauslaufen.
4. Differenzierter müsste das Ergebnis ausfallen, wenn man den Vergleich auf das Herrschaftssystem oder z.B. auf die Geltung von Bürgerrechten und individuellen Freiheitsrechten in den beiden Regimen ausdehnte. Hier sind Gemeinsamkeiten unübersehbar, sie bilden den Kern der seriösen Totalitarismus-Forschung.
5. In meinem Eintrag vom 07.06. 22:22 habe ich nicht Nationalsozialismus und Kommunismus gleichgesetzt, sondern die Reaktionen von Menschen in Beziehung gesetzt, die nach dem Ende von Nationalsozialismus und Kommunismus mit aggressiver Ablehnung auf jene reagieren, die eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten in der Diktatur einforderten. Hier ist vom "Hass" Gaucks auf die DDR die Rede; ich erinnere mich daran, dass meine Eltern und Lehrer noch in den 60er Jahren Thomas Mann, Willy Brandt und anderen Emigranten vorwarfen, aus "Hass" auf Deutschland unbequeme Wahrheiten über die NS-Diktatur und ihre Unterstützung durch große Teile der deutschen Gesellschaft zu verbreiten.
6. Mein Eindruck ist, dass manche, die hier über Gauck diskutieren, ihm übel nehmen, dass er als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen ihren Wunsch zu vergessen nicht nachgekommen ist.
Magda schrieb am 08.06.2010 um 13:05
"6. Mein Eindruck ist, dass manche, die hier über Gauck diskutieren, ihm übel nehmen, dass er als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen ihren Wunsch zu vergessen nicht nachgekommen ist."

Gauck hat vergessen, das ist das Problem. Und er macht das eigene Leben und seine späten Einsichten zum Maßstab. Und sich selbst zum "Erklärer" der Ossis. Danke nein. Vergessen wollen die Leute ja überhaupt nicht. Sie wollen sich nur nicht reinweg immer so erinnern, wie es "vorgeschrieben" ist.

Die Geschichte mit Thomas Mann ist doppelt quer. Der hat sich - 1949 - von der damaligen DDR durchaus "instrumentalisieren" lassen. Das hat man ihm noch mehr angekreidet als alles andere.
Uwe Theel schrieb am 08.06.2010 um 13:54
@ koslowski schrieb am 08.06.2010 um 08:49

Werter Koslowski,

wenn Sie das

2. Dem Professor Bröckling kann ich zustimmen: Die Gleichsetzung von rechts und links, von nationalsozialistischer und stalinistischer Diktatur ist falsch und gefährlich.

3. Der Vergleich der beiden deutschen Diktaturen ist natürlich legitim; der würde, wenn man ihn auf die Ideologie beschränkt, im Ergebnis auf die Unterschiedlichkeit und Gegensätzlichkeit der Regime, wie Bröckling es beschreibt, hinauslaufen.


ernst nehmen, dann können sie das

4. Differenzierter müsste das Ergebnis ausfallen, wenn man den Vergleich auf das Herrschaftssystem oder z.B. auf die Geltung von Bürgerrechten und individuellen Freiheitsrechten in den beiden Regimen ausdehnte. Hier sind Gemeinsamkeiten unübersehbar, sie bilden den Kern der seriösen Totalitarismus-Forschung.

nicht gleichzeitig behaupten

Das praktizierte Herrschaftssystem (einer Demokratie, wie einer Diktatur) ist zusammen mit dem Reproduktionssystem die materielle Basis, das sich in ihrem geistigen Überbau, also auch der "dazugehörigen" Ideologie, nur abbildet.

Da sie die Herrschaftspraxis rechter und von ihnen so genannter linker Diktatur nicht nur vergleichen, sondern, "differenziert" gleichsetzen ist ihre Ausrede auf der Ebene der Ideologie zu "unterscheiden" nur ein billiger Trick eben bürgerlicher Ideologie. Sie sind nicht einer Meinung mit Prof. Bröckling.

Auch was sie in Ihrem Punkt 5) schreiben ist - mit Verlaub - verdrehtes Zeug:

Die Generation ihrer Eltern hasste Brandt und Mann, deren Unterstellung von Hass bei diesen entbehrte jeder Grundlage. Brandt war Widerstandskämpfer. Gauck ein Abwickler in Kohls Auftrag als Kommunismusbekämpfer. Ob ihn dabei "Hass" trieb, oder die passende Ideologie, macht für die Poltik einer BRD nach Köhler im Falle Gauck keinen Unterschied. Das eine ist nur der emotionale Ausdruck des Rationalsierten davon. Dass Gauck in der DDR Pfarrer wurde, weil er sich politisch nicht gemein machen wollte, spricht nicht dagegen, er hätte sich Kommunisten abgeben müssen. Das blieb ihm als Pfarrer in der DDR erspart.

Was sollte Gauck können, das ihn mit dieser Einstellung vereinen statt spalten (Rau) ließe. Seinen Arbeit als Stasiunterlagen-Chef legititiemiert ihn nicht als Widerstandskämpfer, etwas wofür Brandt gehasst wurde.

Über den möglichen Hass von DDR-Bürgern auf Gauck nach der Wende mögen diese berichten, das steht mir nicht zu.

Ich argumentiuerte nur auf einer historisch-politischen Ebene.
Wolfram Heinrich schrieb am 07.06.2010 um 13:29
Wenn Joachim Gauck gewählt würde oder zumindest so viel Stimmen bekäme, daß Wulff nur noch so grade eben noch gewählt wird, dann käme die schwarzgelbe Koalition ganz schwer ins Trudeln, wahrscheinlich hätte es sich dann sogar ausgemerkelt.

Ich verstehe, daß die Die Linke nicht von Gauck begeistert ist, bin ich auch nicht. Ich halte es aber für absolut bescheuert, diese Gelegenheit für eine hinterfotzige Aktion nicht zu nützen. Auch SPD und Grüne kämen ganz schön ins Jappsen, wenn sie mit den Linken zusammen Gauck wählen würden. Natürlich darf Die Linke dergleichen Absicht nicht vorher ankündigen, da sonst die täglich mehr werdenden Stimmen für Gauck aus dem Lager von CDU/CSU und FDP wieder abspringen würden.

Kommt also runter von euren Prinzipien und seid mal so richtig gemein.

Ciao
Wolfram
Alien59 schrieb am 07.06.2010 um 14:27
Sehe ich so ähnlich - aber auch vor allem, weil ich auf keinen Fall Wulff haben möchte!
luggi schrieb am 07.06.2010 um 14:29
Genau, Wolfram, und dann zeigen wir der ganzen Welt, zu welchen Repräsentanten und -onkels die politische "Klasse" in Deutschland unfähig ist.
...und morgen lacht über uns die Welt. Punkt.
Wolfram Heinrich schrieb am 07.06.2010 um 14:33
@Alien59
Sehe ich so ähnlich - aber auch vor allem, weil ich auf keinen Fall Wulff haben möchte!

Siehste, das habe ganz zu erwähnen vergessen, weil es so selbstverständlich ist.

Ciao
Wolfram
poor on ruhr schrieb am 07.06.2010 um 14:36
@Wolfram Heinrich

:)

Herzliche Grüße

rr
Wolfram Heinrich schrieb am 07.06.2010 um 14:37
@ luggi
...und morgen lacht über uns die Welt. Punkt.

Lachen tun die auf jeden Fall, ob es nun Wulff oder Gauck wird.

Ciao
Wolfram
P. S.: Ich würde übrigens beide nicht erkennen, wenn ich sie auf der Straße träfe. Noch nicht mal dann, wenn sie mir den Familiennamen anvertrauten.
claudia schrieb am 07.06.2010 um 14:48
>>Auch SPD und Grüne kämen ganz schön ins Jappsen, wenn sie mit den Linken zusammen Gauck wählen würden.<<
dann würde Gauck, sobald seine Buprä-Apanage fix ist sich als IM outen und CDSPFDPGrün würden trommeln und trompeten, dass er ohne die Linke ja gar nicht Bundespräser hätte werden können...
Dann würde die Linke sagen: "Und ohne uns hätte sich niemals herausgestellt, dass SPD und Grüne einen IM als Bundespräser haben wollten."

Nettes Spielchen, ja.

Hoffentlich hilft es mir gegen die Altersarmut...
Wolfram Heinrich schrieb am 07.06.2010 um 15:00
@claudia
Nettes Spielchen, ja.
Hoffentlich hilft es mir gegen die Altersarmut...


Das eher nicht, aber all die würdesteifen Kasperl etwas aufzumischen und in Verlegenheit zu bringen... Ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen.

Ciao
Wolfram
Katharina Körting schrieb am 07.06.2010 um 16:04
au ja, lasset uns mal so richtig gemein sein: www.freitag.de/community/blogs/johanna-k/gluecksgriff-gauck
Katharina Körting schrieb am 07.06.2010 um 16:03
zelotti schrieb am 07.06.2010 um 19:13
Oh Mann! Neoliberaler als Köhler kann ein Präsident nie mehr werden, und was interessieren uns denn irgendwelche Honoratiorenclubs mit Helmut Schmidt. Gauck spricht für sich selbst, alles andere ist billige Kampagne. Gauck ist eben einer, der gut mit links und rechts kann und den richtigen Ton findet. Der Katholik aus Osnabrück kann da nicht mithalten. Ihm fehlt genau der weltanschauliche Optimismus, den Gauck ausstrahlt. Wulff steht für die katholisch-konservative Stromlinienförmigkeit. Abscheulich.

www.youtube.com/watch?v=cnT5pKMt1Mo
Fritz Teich schrieb am 07.06.2010 um 22:18
<<
Verbandes Atlantik-Brücke
>>

Jetzt dachte ich, ich wuerde etwas ueber die erfahren, Pustekuchen!
Margareth Gorges schrieb am 08.06.2010 um 07:51
Ein Gaukler für alle

Mehr Mut, verlangt er. Mehr Mut von Politikern, die Dinge auch mal beim Namen zu nennen, Kontroversen zu suchen, Risikobereitschaft generell. Mehr Mut, denn es bräche nicht gleich alles zusammen. Phrasenhaftes Gedresche, doch erquickliches Labsal für die bürgerliche Mitte - Gauck, der alternative Bundespräsident, der freigeistige, humane Streiter, der besser zum Präsidenten aller Deutschen taugt, als sein jüngerer Zwilling aus Hannover: er weiß seiner Klientel zur Ohrenweide zu werden.

Zeigt mehr Mut, erklärt er der Welt, einen Mut, wie Gerhard Schröder damals. Gauck der Verklärer sozialdemokratischer Wohltaten: "Als Bundeskanzler Schröder einst die Frage aufwarf", so schwatzt er, "wie viel Fürsorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko eingegangen. Und es begann eine Phase, in der Politik und Risiko zusammen gingen. Solche Versuche mit Mut brauchen wir heute wieder." Mut wie Schröder, mehr Mut zur Reform, Mut zu neuen Hartz-Experimenten. Gauck: das ist der nonkonformistisch duftende, der sich unpolitisch anfühlende Kandidat - der Kandidat aller Deutschen. Einer, der wenig übrig hat für die Habenichtse; einer, der die Mittellosen kritisierte, weil sie sich immer montags trafen, zu Demonstrationen, zu Montagsdemos. Töricht und geschichtsvergessen seien jene gewesen, kritisierte Gauck dereinst, die den Begriff Montagsdemo verwendeten. Heute ist er es, der seine possierliche und törichte Geschichtsvergessenheit zur Schau stellt, weil er aus Schröder einen waghalsigen und mutigen Herkules spinnt. Was für ein selbstgerechter Offenbarungseid!

Gauck, dem es einstmals um grundsätzliche Gesellschaftskritik ging, um Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit; der denen, die bei Montagsdemos gegen Hartz IV aufliefen als Rat angedeihen ließ, dass ihre Protesthaltung allerdings im Rahmen eines demokratischen Systems geschähe: mit mehr Pathos könnte man sagen, dass es ihm immer wieder montags auf Leben und Tod ging, während das Kurz- und Knapphalten von Erwerbslosen eine montägliche Luxusproblematik darstellt.

Gauck, ein Gaukler, der sich selbstbeweihräuchernd vorgaukelt, nur sein soziales und politisches Engagement hätte Berechtigung gehabt. Der zudem nie müde wurde zu erläutern, dass diese Art Reformen am unteren Ende der gesellschaftlichen Skala, unbedingt notwendig seien, umgesetzt werden müssten. Der gelobte und propagierte Präsident für alle, der da spricht; ein Gaukler für alle, den man über uns kommen lassen wird...

Geschrieben von Roberto J. De Lapuente
ad-sinistram.blogspot.com/2010/06/ein-gaukler-fur-alle.html
weinsztein schrieb am 10.06.2010 um 01:42
Ich rate der Linken dringend davon ab, für Joachim Gauck zu stimmen. Eine Mehrheit für Gauck brächte Angela Merkel nicht in Verlegenheit, kein bisschen. Sie könnte sich selbst zitieren, nämlich ihre Rede anlässlich seines 70. Geburtstags.

Dass die Linke mit Luc Jochimsen eine Kandidatin von Rang aufstellt, halte ich für eine adäquate Antwort auf die Nominierung Gaucks durch Rotgrün. Welche politischen Entscheider machten wohl Luc Jochimsen zur Chefin des Hessischen Rundfunks?

Zur Person:
Luc Jochimsen war 1961 bis 1975 freie Autorin, 1975 bis 1985 Redakteurin von Panorama in Hamburg. 1985 bis 1988 war sie für die ARD Korrespondentin in London. 1988–1991 war sie Verantwortliche für die Abteilung Feature/Auslandsdokumentation des NDR und 1991–1993 Leiterin des ARD-Fernsehstudios in London. 1994 bis 2001 war sie Chefredakteurin Fernsehen des Hessischen Rundfunks und moderierte unter anderem die Politiksendung 3 zwei eins.
Bei der Bundestagswahl 2005 zog sie über die Landesliste Thüringen der Linkspartei/PDS in den Deutschen Bundestag ein und wurde kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Sie schlug unter anderem vor, den 8. Mai (Ende des Zweiten Weltkrieges) als Nationalfeiertag einzuführen. Zur Bundestagswahl 2009 gelang ihr der erneute Listeneinzug in den Bundestag. Bei der Einweihung des Ehrenmals der Bundeswehr im Bundesverteidigungsministerium im September 2009 erschien sie mit einem Schal mit der Aufschrift „Nun erst recht. Raus aus dem Krieg“, weswegen ihr der Zutritt zu den Feldjägern verweigert wurde.

Auszeichnungen:
1971: Adolf-Grimme-Preis
1981: Alexander-Zinn-Preis
1984: Prix Italia
2000: Hedwig-Dohm-Urkunde
2001: Hessischer Verdienstorden

(aus: wikipedia)
Margareth Gorges
Mit dem Wissen wächst der Zweifel” (J.W.v.Goethe) www.NachDenkSeiten.de
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