Margareth Gorges

Margareth Gorges

30.10.2010 | 12:12

In der Groteske

In der Groteske

 oder: so ein bisschen in eigener Sache.

Vor einer Weile habe ich hier festgestellt, dass "Unzugehörig" womöglich eine zeitlose Anlage sei, weil die darin enthaltenen Texte auch in Jahren, vielleicht sogar gar in Jahrzehnten noch, an Aktualität nichts einbüßen werden. Was traurig für die Gesellschaft sei, so entblödete ich mich nicht vorzubringen, sei für einen Autoren wenigstens insofern gut, dass er nicht der Vergessenheit anheimgestellt wird. Das ewige Leben eines Schreibenden wäre damit gesichert. Nun dünkt es mir aber, dass ich eine Kleinigkeit übersehen habe. So zeitlos wie ich meinte, ist mein Machwerk allerdings dann doch nicht. Skizzen, Polemiken und Grotesken wird untertitelt - und genau dort steht das Problem gedruckt! Skizze, Polemik, Groteske: das klingt wie Verfremdung der Realität - aber ich befürchte fast stündlich, dass sich manche meiner Texte nicht mehr unter diesem Label halten; dass sie irgendwann als Berichte einer Realität gelesen werden könnten, denn Polemik und Groteske sind hoch im Schwange derzeit - getarnt als Wirklichkeit.

Denn was ich ursprünglich als polemischen Text verortete, drängt sich mehr und mehr als Realität auf. Gleiches gilt für die Grotesken, die sich bereits heute, nicht ganz ein Jahr nach Erscheinen des Buches, immer mehr wie ein Ausschnitt aus dem wirklichen Leben anfühlen. Und so besonders skizzenhaft ist manches heute auch nicht mehr - fast ist es so, als habe man den Plan, die Skizze vollendet, damit man nun unverzüglich mit dem Aufbau - was heißt: Abbau, Sozial- und Demokratieabbau unter anderem - beginnen könne. Ich habe meine Grotesken auf die Behördengänge der Arbeitslosenverwaltung verlegt, nicht ahnend, dass die Situation für Erwerbslose heute noch grotesker ist als vormals. Das gesamte Land streitet sich über fünf Euro, die zusätzlich erteilt werden sollen; über das kontinuierliche Beschneiden der Freiheitsrechte für Erwerbslose keine öffentliche Silbe: wenn das nicht grotesker als jede Groteske ist! Jedenfalls ist es eine groteske Situation für ein Land, das sich selbst als Rechts- und Sozialstaat wahrnimmt. 
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