Margareth Gorges

Margareth Gorges

25.01.2012 | 17:30

Occupy und die Rechtspopulisten

Occupy und die Rechtspopulisten

Bislang haben die NachDenkSeiten die Occupy-Bewegung stets konstruktiv begleitet und als neue Form des Protests gesehen, der ohne eine klare politische Agenda daherkommt und seine Richtung erst noch finden muss. Wohin die Reise geht, war und ist vollkommen offen. Leider mehren sich in den letzten Tagen die Zeichen, dass die Occupy-Bewegung ihre Inhalte und Ziele dadurch kompromittiert, dass sie rechten Rattenfängern wie Hans Olaf Henkel hinterherläuft und Kritik an diesem Kurs mit Zensur belegt. Von Jens Berger

Kritik am Finanzsystem wird von nahezu allen politischen Kräften geübt und ist ohne konkrete Alternativvorschläge wohlfeil. Auch wenn eine „solidarischere Gesellschaft“, die sich die Occupy-Bewegung auf ihre Fahnen geschrieben hat, per definitionem nur über eine fortschrittliche Politik zu erreichen ist, gibt sich Occupy jedoch reflexhaft antiideologisch und lehnt jedwede Kategorisierung anhand der politischen „Gesäßgeographie“ strikt ab. Occupy Deutschland will weder links noch rechts sein. Mehr noch: Man vertritt sogar die Ansicht, dass es heute gar keine linke oder rechte Politik mehr gäbe (bzw. geben könne), die alten Grabenkämpfe Scheingefechte eines längt vergangenen Zeitalters seien und die heutigen Gräben nicht mehr zwischen rechts und links, sondern zwischen oben und unten verlaufen würden. Dass es Gräben zwischen oben und unten gibt, ist unbestreitbar. Umstritten ist jedoch, ob rechte Politik, die immer auch antiegalitär sein muss, überhaupt dazu geeignet sein kann, diese Gräben zu überwinden. Auch wenn man diese Frage dezidiert verneinen muss, ist diese Erkenntnis jedoch nutzlos, wenn der Adressat sich weigert, überhaupt einen Unterschied zwischen rechter und linker Politik wahrzunehmen.

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Bildnachweis: Hans Olaf Hynkel by Hartmut Runge

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 25.01.2012 um 17:55
Das ist interessant. Aus den USA gab es an der dortigen occupy-Bewegung auch diverse Kritik, u.a. allerdings, dass sie ausgesprochen antipalästinensisch eingestellt sein soll.
Angelia schrieb am 25.01.2012 um 21:42
ja Alien "dass die Occupy Bewegung so und so sein soll..." so reden Leute, die nie ihren Hintern in ein Camp bewegt haben, die weder an einer Demo noch an eine der zahlreichen AG´s teilnahmen und vor allem Eines immer nicht nicht verstanden haben, das Wesen der Bewegung. Ich komme übrigens gerade von einem Treffen... mal da gewesen Alien?
Alien59 schrieb am 26.01.2012 um 07:09
Wäre ein bisschen schwierig von Amman aus. Aber von meinen in Amerika lebenden Freunden gab es herbe Kritik - wegen der Art, wie sie in den Camps angegangen worden sind. Daher ....
Angelia schrieb am 25.01.2012 um 21:51
Frau Gorrges, sorry aber dies ist mal wieder ein Bericht der Nachdenkseiten, den man getrost unter eingeschnappte Leberwurst abhaken kann. Ja, es ist tatsächlich so, dass die LINKE versucht sich in der Occuoy-Bewegung unterzubringen und das mit Mitteln, die einfach nur aufdringlich sind. Da werden Fahnen von der Linken geschwenkt aber nicht ein einziges themenbezogenes Banner getragen. Mal abgesehen von den Versuchen ihre Ideologie bei Occupy unterzubringen. Und die Occupierer wehren sich zu Recht dagegen. Das ein ohnehin kritikresistenter Jens Berger als Chefideologie der Nachdenkenseiten darauf nicht nur allergisch sondern auch diffamierend reagiert, wundert also nicht.
Ich berichte übrigens von mittendrin und nicht, wie Sie, von außen vor Frau Gorges.
Margareth Gorges schrieb am 25.01.2012 um 23:11
Frau Angelia, eine Frage vorab :
Kennen Sie mich ? Also ich kenne Sie nicht , von daher ist es schon sehr merkwürdig ,oder um Ihre Worte zu nutzen " beleidigte Leberwurst" Art, davon auszugehn ich wär nicht mittendrin . Aber unwichtig

Der zuständig Herr der Facebook Seite für Occupy Germany auf dem das Drama ablief - hat sich eben gemeldet.
Nach dem Motto " wenn die Katze mal aus dem Haus ist " . ... und hat sich für das unfassbare Vorgehen entschuldigt und auch von dem unsäglichen Henkel Pamphlet das eine einzelne Admin. ohne Rücksprache gepostet hat.

Und nun beruhigen Sie sich wieder Angelia. Ich wünsche Ihnen - uns allen viel Kraft beim Aufbau Gegenöffentlichkeit.

mfg margareth gorges
Angelia schrieb am 26.01.2012 um 07:55
Na sehen Sie Frau Gorges, da war die ganze Aufregung ja fast umsonst :-) mit beleidigte Leberwurst war eigentlich Herr Berger gemeint... Ich bin ruhig, so lange ich mir aussuchen kann, mit wem und mit wessen Ideen ich kooperiere. ...

einen schönen Tag für Sie
KarinL. schrieb am 25.01.2012 um 22:58
Solche Bewegungen werden doch gerne unterwandert. Le Pen, die Rechten aus Frankreich, reihen sich auch bei den Globalisierungskritikern ein. Man muß aufpassen, das solche Bewegungen nicht gesteuert und unterwandert werden.
Angelia schrieb am 26.01.2012 um 08:05
... ich habe den Eindruck das Unterwanderungsproblem ist für Occupy zumindest in D gerade das kleinere..
Margareth Gorges schrieb am 26.01.2012 um 08:13
Angelia,
lesenswert :
Occupy am Scheideweg Anti-Ideologie ist noch kein Ziel

Als größeres, ja vielleicht als größtes Problem könnte sich schließlich die fast schon reflexartige anti-ideologische Haltung der Aktivisten erweisen, die letztlich jede konkretere gemeinsame Stoßrichtung zu verhindern droht. Ohne geteilte und einigermaßen verbindliche politische Orientierung dürfte es der Bewegung jedoch schwer fallen, einen klaren Kurs zu bestimmen: Will sie etwa der Eurokrise mit einem Plädoyer für die Angleichung der Lebensverhältnisse in Europa begegnen? Oder soll es zurück in den scheinbar leichter zu bewahrenden nationalen Sozialstaat gehen? Für eine Bewegung, die sich bei ihrem Aktionstag Mitte Oktober voller Stolz als eine globale präsentiert hat, sind solche Fragen von fundamentaler Bedeutung. Beim französischen Attac-Ableger haben sie jüngst zu schweren Zerwürfnissen geführt: Während dort die einen für die Stärkung der „nationalen Souveränität“ plädieren, halten die anderen am Ziel einer gerechten Globalisierung fest.

Die deutsche Occupy-Bewegung steht heute an einem Scheideweg: Noch ist sie ein lose verbundener Zusammenschluss von Aktivisten, die auf die Krise mit einem demokratisch motivierten Unbehagen reagieren. Sie könnte infolge dieser Unbestimmtheit zerfallen – oder aber den Versuch unternehmen, sich zu einer Allianz von kritischer Mittelschicht und Prekären zu verbreitern, die wirkliches politisches Gewicht in die Waagschale werfen kann. Das aber würde voraussetzen, dass sie mit konkreten politischen Positionen eine offensive Bündnispolitik betreibt.

www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/januar/occupy-am-scheideweg
Exilant schrieb am 26.01.2012 um 13:26
In der Tat sehr diffus, wie ich aus kurzen Gesprächen in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Freiburg entnehmen konnte. Während es bei der Mehrheit um eine "gerechte Gobalisierung" geht ("wir sind 99%"), habe ich vor kurzem in Freiburg festgestellt, wie ein Diskutant vom Zinssystem sprach und Philosophen wie Heidegger und Nietzsche pries.....
Margareth Gorges schrieb am 27.01.2012 um 09:16
Dagegen gibt es kaum Abwehrreflexe«
Occupy-Gruppen in Deutschland haben offene Flanke nach rechts. Ein Gespräch mit Alexis Passadakis
Anmerkung Jens Berger NachDenkSeiten ==>www.nachdenkseiten.de/?p=12043#h02 :

Mein Artikel „Occupy und Rechtspopulisten“ wurde in der Occupy-Gemeinde erfreulich konstruktiv aufgenommen, wie mir von Occupy-Aktivisten, die den NachDenkSeiten nahe stehen, berichtet wurde. Das ist natürlich erfreulich, mehr kann ein Autor kaum verlangen. Man hat sich auch förmlich bei der Freundin der NachDenkSeiten entschuldigt, die im Forum auf Facebook zensiert wurde. Auch wenn der Kompass manchmal fehlt, die Art und Weise mit der Occupy auf Kritik von außen reagiert, lässt zumindest hoffen.
Margareth Gorges
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