Margareth Gorges

Margareth Gorges

27.09.2011 | 09:31

Regierungs-PR und Pseudojournalismus auf Kosten der Gebührenzahler

Regierungs-PR und Pseudojournalismus auf Kosten der Gebührenzahler

geschrieben am 27. September 2011 von Spiegelfechter

Als der CNN-Mann Peter Arnett im Jahre 1997 als erster westlicher Journalist den Terrorfürsten Osama Bin Laden interviewen durfte, musste er zuvor seine Fragen schriftlich vorlegen. Um unangenehme Nachfragen zu verhindern, sorgte bin Ladens PR-Abteilung dafür, dass während des gesamten Interviews kein Dolmetscher vor Ort war. So kam es, dass Arnett das Interview seines Lebens führte, ohne zu verstehen, was sein Gegenüber sagte und ohne dass er in der Lage gewesen wäre, an interessanten Punkten nachzuhaken. Da hatte es Günther Jauch an diesem Sonntag mit Angela Merkel schon bedeutend einfacher, immerhin sprechen sie beide die gleiche Sprache. Dennoch machte Jauch von seinem Recht, Nachfragen zu stellen und an interessanten und kontroversen Punkten nachzuhaken, keinen Gebrauch. Jauch fühlte sich offensichtlich wie Arnett gebauchpinselt, dass er ein 60-minütiges Exklusivinterview mit einer Person führen durfte, die ansonsten keine Exklusivinterviews gibt. So verkam die Sendung zu einer faden PR-Veranstaltung für die Bundeskanzlerin und markierte dabei einen neuen Tiefpunkt im öffentlich-rechtlichen Reigen der journalistischen Minderleistungen.

Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen.
Georg Schramm

PR beim Grüßaugust

Wenn sich die Kanzlerin dazu entschließt, eine Talk-Show durch ihre exklusive Anwesenheit zu adeln, verbindet sie dies stets mit einem ganz konkreten Ziel. Ihre beiden letzten Exklusivauftritte bei Anne Will und Maybrit Illner liegen nun bereits zwei Jahre zurück und waren fester Bestandteil in Merkels PR-Offensive im Superwahljahr 2009. Dass Will und Illner nicht über höfliche Belanglosigkeiten und artig vorgelesene Steilvorlagen für die Wahlkämpferin hinauskamen, konnte damals wie heute Kenner der Materie nicht wirklich überraschen. Die großen Abendtalkshows der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zeichnen sich seit jeher durch ihre bedingungslose Kritiklosigkeit an den Mächtigen aus und ihre kärtchenhaltenden Impresarios gefallen sich offenbar gut in der Rolle des netten Grüßaugusts.

Weilter auf den NachDenkSeiten

 
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Kommentare
Margareth Gorges schrieb am 27.09.2011 um 09:38
Als Reaktion auf das deutsche Staatsfernsehen ein kleiner Ausschnitt aus dem aktuellen Bühnenprogramm von Georg Schramm: "Meister Yodas Ende" zum Nachlesen und zornig werden:

"Ich warte heute noch drauf das in einer Talkshow endlich mal einer den Mumm hat zu einem Politiker zu sagen: "Wenn Sie keine Fragen beantworten, dann stelle ich Ihnen auch keine mehr." Das wäre mal ein Abend! Genau so müsste es mal laufen.

Nein, ich bin nicht naiv, ich weiß warum sie es nicht machen. Dann fliegen sie raus. Dürfen nie mehr eine Live-Sendung moderieren. Aber das macht doch nichts, wenn eine wie die Will eh schon weg vom Fenster ist kann man es doch noch mal. Die kommt vielleicht in die Geschichtsbücher in die Fachliteratur für Journalistik. Da steht dann drin: Damals zu diesem Datum, das war die Erste die es gesagt hat: Ich habe Sie dreimal was gefragt, Sie haben nicht geantwortet, Sie dürfen bleiben, aber das Mikrofon machen wir Ihnen jetzt schon mal aus. - Das wäre ein schöner Augenblick.
...
Die Moderatoren hätten eigentlich den Auftrag das zu tun, dafür werden sie bezahlt, dafür haben die öffentlich-rechtlichen Sender soviel Geld.

Es sind die reichsten gebührenfinanzierten Sender der Erde und die kriegen das Geld für den Verfassungsauftrag der ihnen sagt das Aufklärung und politische Bildung damit betrieben werden. Die hätten die Pflicht den Politikern den Senkel zu stellen. Machen sie aber nicht, deswegen trapsen die auch so gerne hin, weil sie wissen es passiert nichts. Warum dann? Jeden Tag mittlerweile schon gehen sie in die öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten und dann können sie dann bei den Klofrauen - egal wie sie heißen: Jauch, Will, Illner, Plasberg - können sie ihre undichten Sprechblasen entleeren und wenn nach Verrichten ihrer intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt dann können sie in der Woche drauf sich bei Beckmann, Kerner, Lanz & Co. an der Pissrinne unters Volk mischen."

==>Georg Schramm: Meister Yodas Ende. www.youtube.com/watch?v=tVVxscOAIc0&feature=youtu.be
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