Margareth Gorges

Margareth Gorges

05.07.2010 | 09:30

Schwankend wie ein Rohr im Wind

Schwankend wie ein Rohr im Wind

 Verantwortlich: Wolfgang Lieb |

Bis kurz vor der Wahl zum Bundespräsidenten galt nach den Umfragen Joachim Gauck als „Liebling“ des Volkes. Einen Tag nach der Wahl gilt Wulff als beliebt beim Volk. Dieser Stimmungsumschwung lässt einen erschrecken. Er belegt die Macht der Medien und er beweist zugleich, dass der Mainstream der Medien die SPD und die Grünen nur dann unterstützt, wenn diese Parteien – wie bei der Nominierung von Joachim Gauck – liberal-konservative Vorschläge machen. Wenn diese konservative Medienbarriere nicht durchbrochen wird, hat in Deutschland auf absehbare Zeit nur eine Große Koalition oder Jamaika bzw. Schwarz-Gelb eine Chance. Die gezielt vorangetriebene Spaltung des „linken“ Lagers drängt die Vermutung auf, dass das auch das wirkliche Ziel der Parteiführungen von SPD und Grünen ist. Wolfgang Lieb

„Gauck beliebter als Wulff“
So war die Stimmung am 11. Juni 2010
„Bei einer Direktwahl des Bundespräsidenten könnte laut der Umfrage “Deutschland-Trend” im ARD-Morgenmagazin der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck mit deutlich mehr Stimmen rechnen als Christian Wulff (CDU). Keiner der beiden bekäme aber eine Mehrheit. Befragt wurden Anfang der Woche 1.000 Bundesbürger.
40 Prozent der Befragten würden sich für Gauck entscheiden (davon 39 Prozent der Westdeutschen und 47 Prozent der Ostdeutschen), 31 Prozent hätten Wulff (West: 33 Prozent, Ost: 25 Prozent) gerne als Präsidenten. Linken-Kandidatin Luc Jochimsen bekäme nur drei Prozent Zustimmung“ .

Sogar noch drei Tage vor der Wahl zum Bundespräsidenten, am 27. Juni 2010, war
„Gauck vor Wulff bei Umfragen“.
„Bei einer Umfrage des Emnid-Institutes wenige Tage vor der Bundespräsidentenwahl liegt der Kandidat der Grünen und der SPD, Joachim Gauck, vor seinem Konkurrenten, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.
Demnach liegt Joachim Gauck laut einer Emnid-Umfrage bei 42 Prozent, während Christian Wulff nur auf 36 Prozent käme. Seit seiner Nominierung vor rund drei Wochen konnte Gauck somit um ganze zehn Prozent in den Umfragen zulegen, sein Kontrahent hingegen verlor ein Prozent. Vor allem bei den Geschlechtern gibt es aber große Unterschiede, so halten beispielsweise die Frauen Christian Wulff für den besseren Kandidaten, während Gauck bei dem Männern klar dominiert“.

Einen Tag nach der Wahl zum Bundespräsidenten gab es offenbar einen totalen Stimmungsumschwung:

Bewertung für Wulff: sympathisch, glaubwürdig, volksnah
Zur Einschätzung Wulffs befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap laut ARD 799 Wahlberechtigte bundesweit telefonisch, zu den anderen Punkten 1000. 58 Prozent der Deutschen denken demnach, dass am Ende mit Wulff der richtige Kandidat gewählt worden ist. Nur 35 Prozent finden, dass Joachim Gauck der bessere Präsident gewesen wäre. 79 Prozent der Befragten finden es gut, “dass diesmal ein jüngerer Kandidat in das Amt gewählt wurde”.
Christian Wulff wird von den Bürgern sehr positiv bewertet. 82 Prozent halten ihn für sympathisch, 74 Prozent für glaubwürdig und 66 Prozent für volksnah. 80 Prozent sind der Meinung, dass Wulff Deutschland in der Welt gut vertreten kann. 64 Prozent denken, dass Wulff mit den Problemen der Bürger vertraut ist. 54 Prozent finden, dass Wulff die richtigen Themen anspricht. Dass Wulff über den Parteien stehen wird, glaubt allerdings nur weniger als die Hälfte der Deutschen (47 Prozent).
Quelle: ARD-DeutschlandTREND

Wochenlang war also Joachim Gauck der „Liebling“ des Volkes und Christian Wulff hatte erheblich geringere Sympathien. Ein Tag nach Wahl ist alles anders.

Daraus kann man folgern: Entweder sind Umfragen nichts wert oder aber die Meinungen der Befragten.

Bilden aber die Umfragen die Meinungen jeweils wirklich ab, so kann man nur erschrecken.

Denn damit wird belegt, wie ausschließlich die Medien Meinungen machen. Vier Wochen lang gab es, initiiert von der Springer-Presse, eine Medien-Kampagne für Gauck – bis hin zu den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten machten die meisten Medien mit. Ergebnis: Gauck war der Kandidat des Volkes.

Kaum war die Wahl gelaufen, da gab es einen Medien-Hype für Wulff. Und über Nacht halten Wulff 82 % für sympathisch, 74 % für glaubwürdig und 66 % für volksnah und 47% halten ihn gegenüber Gauck für den besseren Bundespräsidenten. Was hat sich über Nacht an der Einschätzung der Personen anderes verändert als die Medienlage?

An dieser Meinungsmache mag man auch ablesen, wie wenig es dauerhaft politisch hilft, wenn man mit Personen machtaktische Spiele zu treiben versuchte. Die SPD und die Grünen haben mit ihrem Überraschungscoup, Gauck zu Kandidaten vorzuschlagen, in der Sache nichts gewonnen. Sie haben vielleicht Merkel vorübergehend ein wenig geschwächt und sie haben das „linke“ Lager einmal mehr gespalten. Für ihre politischen Inhalte – wenn sie denn mit Gauck solche vermitteln wollten – haben sie rein gar nichts gewonnen.

weiterlesen:  www.nachdenkseiten.de/?p=6079#more-6079

 
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Kommentare
claudia schrieb am 05.07.2010 um 10:14
>>Denn damit wird belegt, wie ausschließlich die Medien Meinungen machen.<<
Ja. Und das Schöne an dem Thema ist ja, dass man ruhig fragen kann. Denn das Leben der allermeisten Menschen wird nicht davon beeinflusst, ob ein Bundespräsident Köhler, Gauck oder Wulff heisst.
Ich bin sicher, dass die meisten Befragten gar nicht darüber nachgedacht haben, und wenn sie plötzlich befragt werden, ist es halt am einfachsten die zuletzt gelesene Schlagzeile zu zitieren...

Würde man die zur Erwerblosigkeit Verdonnerten über die Streichung des Elterngeldes und des Heizkostenzuschusses bei Hatz4 befragen, die Krankenkassenmitglieder über die Beitragserhöhung, Leiharbeiter über die Zuhälter, die den Arbeitsmarkt beherrschen: Dann wären die "Meinungen" nicht so wankelmütig...
Margareth Gorges schrieb am 05.07.2010 um 10:41
Versuch einer Einordnung des Spiels mit und von Gauck

Wir erleben als Nachspiel zur Bundespräsidentenwahl zurzeit ein eigenartiges Schauspiel. Mit geballter Kraft versuchen Rot und Grün und einige Medien die Tatsache, dass die Mehrheit der Linken in der Bundesversammlung den Linkenhasser Gauck nicht gewählt hat, zu einem übergroßen Thema zu machen und damit zum entscheidenden Schlag zur Stigmatisierung der Linken auszuholen. Viele Beobachter begreifen offensichtlich nicht, was hier abgeht. Weil sie die dahinter steckenden Motive und Strategien der handelnden Personen und Parteiführungen nicht verstehen.

Deshalb (in Ergänzung zum Artikel von Wolfgang Lieb dieser Versuch einer Einordnung:

===>von Albrecht Müller hier lesen:
www.nachdenkseiten.de/?p=6094#more-6094
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