Margareth Gorges

Margareth Gorges

05.07.2010 | 10:45

Versuch einer Einordnung des Spiels mit und von Gauck

Versuch einer Einordnung des Spiels mit und von Gauck

Verantwortlich: Albrecht Müller |

 Wir erleben als Nachspiel zur Bundespräsidentenwahl zurzeit ein eigenartiges Schauspiel. Mit geballter Kraft versuchen Rot und Grün und einige Medien die Tatsache, dass die Mehrheit der Linken in der Bundesversammlung den Linkenhasser Gauck nicht gewählt hat, zu einem übergroßen Thema zu machen und damit zum entscheidenden Schlag zur Stigmatisierung der Linken auszuholen. Viele Beobachter begreifen offensichtlich nicht, was hier abgeht. Weil sie die dahinter steckenden Motive und Strategien der handelnden Personen und Parteiführungen nicht verstehen. Deshalb (in Ergänzung zum Stück von WL) dieser Versuch einer Einordnung: Albrecht Müller.


Vorweg: Im Kapitel 20 von „Meinungsmache“ („Meinungsmache zur Sicherung von Macht und Einfluss“) hatte ich ähnliche Vorgänge beschrieben und im Gesamtzusammenhang analysiert. In den Leseproben finden Sie unter Ziffer 5. und 6. zwei Auszüge.

Wenn man die Vorgänge um die Bundespräsidentenwahl verstehen will, dann muss man in Rechnung stellen, dass die meinungsführenden rechtskonservativen Kreise und die mit ihnen verbundenen Medien nicht nur versuchen, die Wahlentscheidungen zu Gunsten der ihnen nahe stehenden Parteien, im konkreten Fall der Union und der FDP zu beeinflussen. Sie versuchen darüber hinaus, die Willensbildung bei den gegnerischen Parteien zu prägen. Sie bestimmen mit

  • über die programmatische Entwicklung von SPD, Grünen und der Linken,
  • über Personalentscheidungen und
  • über Koalitionsoptionen und Koalitionsentscheidungen.

Sie haben zum Beispiel Einfluss genommen auf die letzte Entscheidung zur Partei und Fraktionsführung der SPD, pro Gabriel und Steinmeier, sie haben den Kampf zwischen Realos und Fundis mitgestaltet und sie wirken jetzt aktuell immer wieder ein auf den fortwährenden „Klärungsprozess“ zwischen Pragmatikern und „Alt-Kommunisten“ innerhalb der Linkspartei. Dabei wird auch vor groben Klischees und völlig falschen Unterstellungen nicht zurückgeschreckt.

Diese Vorgänge haben Tradition. Schon beim Aufkommen der Grünen hat eine ähnliche Stigmatisierung stattgefunden wie heute im Umgang mit den Linken. Und auch die innerparteiliche Eroberung der Macht durch Seeheimer und Netzwerker bei der SPD und der Realos bei den Grünen war von außen mitbestimmt.

weiterlesen:  www.nachdenkseiten.de/?p=6094 

 
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Kommentare
jayne schrieb am 05.07.2010 um 11:45
eben machte ein Kommentar von MdB und Bundesvorstandsmitglied der Partei Die Linke Michael Schlecht die Runde, aus dem ich hier ein längeres Zitat bringen möchte, da er noch nicht online zur Verfügung steht; die Hintergründe für die Nominierung Gaucks durch SPD und Grüne charakterisiert er wie folgt:

"Merkel vergaucken? Sozialkürzungen verhindern!

Die Aufstellung von Joachim Gauck durch SPD und Grüne zielte vor allem auf die schwarz-gelbe Regierung, auf eine Schwächung Merkels. Das ist gelungen. Dass mehr als 40 Delegierte im ersten Wahlgang Merkel die Gefolgschaft verweigerten war eine Klatsche ersten Ranges.

SPD und Grüne hatten sich für ihre Strategie einen Kandidaten gesucht, der Teile des schwarz-gelben Lagers ansprechen sollte. Gauck war dafür ihr Mann. Es störte sie wenig, dass er in vielem das pure Gegenteil von dem vertritt, was in Parteiprogrammen beider Parteien steht. "Mit der
Kandidatur Gauck ist Schindluder betrieben worden. Und nie hätte die
rot-grüne Opposition diesen 'Geniestreich' gewagt, wäre sie an der Macht
gewesen," so die Neue Züricher Zeitung.

Die Aufstellung des Kandidaten ohne Beteiligung der LINKEN war logische
Bedingung für den Plan Merkel vorzuführen. Hätte DIE LINKE keine eigene Kandidatin aufgestellt und erklärt, dass sie Gauck wählen würde, wäre Wulff im ersten Wahlgang gewählt worden. Deshalb war es für Rot-Grün hilfreich mit Gauck einen Kandidaten zu haben, der für DIE LINKE allein schon wegen der Befürwortung des Krieges in Afghanistan und der Agenda 2010 nicht wählbar war.

Ein großer Teil der schwarz-gelben Dissidenten hat in den ersten beiden
Wahlgängen nur deshalb Gauck gewählt, weil sie relativ sicher sein konnten, dass er wegen des Stimmverhaltens der Linken keine absolute Mehrheit bekommen würde. Im zweiten Wahlgang war die Mehrheit ohnehin schon nicht mehr vorhanden und im dritten erhielt Wulff die absolute Mehrheit.

Der Plan Merkel zu blamieren und die Zerrissenheit des Regierungslagers
aufzuzeigen war nur möglich, weil DIE LINKE eigenständig agierte! Eine
Chance, dass Gauck tatsächlich gewählt worden wäre, hat in keinem Wahlgang bestanden."
claudia schrieb am 06.07.2010 um 14:51
Nur hat Ganze eben komödiantischen Charakter. Die Bundesregierung ist bis 2013 gewählt, und sie wird den Deubel tun, zurückzutreten, nur weil ein paar Leute sich über sie lustig machen.
Schliesslich waren die seit Beginn diesen schlechten Umfragewerte für Schwatz/Geld auch kein Grund, irgend etwas an ihrem lobbygenerierten Gewurstel zu ändern...

Real ist die Hetzkampagne gegen die Linke, und da ist man bei "Schwatz/Geld" der SPD/Grün-Fraktion doch dankbar, dass sie den Job für die Regierung macht. Irgendwie wird es sich schon auszahlen, sonst täten sie es nicht...

Auffällig finde ich nur, dass der "Thinktank", aus dem die Kampagne stammt, anscheinend diesmal die Fa. Springer war.
Ansonsten sitzen die Chefs von SPD/Grün doch eher im Bertelsmannkonzern....
Da scheint sich eine Fusion über die gemeinsame Grossdruckerei hinaus anzubahnen...

Dann haben wir den Berstelmannspringerspdcducsufdpgrün-Staat.
Margareth Gorges
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