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Welche Botschaft wird Barack Obama, wenn er heute das ehemalige KZ Buchenwald besucht, von dort senden?
Morgens im Radio kamen als Motive, Obama knüpfe an den Stolz auf die Befreiung des Lagers durch Amerikaner an und es sei eine Geste an Israel, das gerade seine Kritik einstecken musste. Aber da fehlt so viel! Das geht mir noch nach.
900 Kinder und Jugendliche, die der Lager-Widerstand gerettet hat, wurden auch erwähnt. Diesen legendären Widerstand hatten vor allem politische Häftlingen geführt, Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten und andere. Und in Buchenwald haben schließlich KPD- und SPD-Mitglieder als Häftlinge einen Eid geleistet, sich nicht mehr gegenseitig zu bekämpfen und ausspielen zu lassen. Dieses Versprechen war auch legendär, hielt für eine kurze Weile, vielleicht nur einen Sommer oder zwei. Dann ist es sehr anders gekommen, aber es war einer der ehrlichen Momente in der Geschichte, ohne Kalkül und Rache, mit einer Hoffnung. Bringt es denn niemand fertig, bei dieser Gelegenheit auch daran zu erinnern?
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Doch. Frau Achenbach hat daran erinnert.
Und dafür Danke. |
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Der Besuch Obamas in Buchenwald hat bei mir eine Fülle von widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen ausgelöst, die zu ordnen, gar nicht so einfach ist. Manchmal muss man sich vielleicht auch auf solche >Unordnung< einlassen, sozusagen als kreative Vorstufe neuer Erkenntnise.
Als erstes fiel mir ein, dass der Präsident ständig gegen das die Höflichkeit eines Gastes anmahnende Sprichwort : " Im Hause des Henkers spricht man nicht vom Strick" verstoßen hat. So mancher Schlußstrich-Patriot wird das als Salz in alte Wunden empfunden und aufgestöhnt haben. Recht so. Aber da das kaum die Intentionen Obamas gewesen sein können, keinesfalls auch die behauptete Spurensuche nach dem Großonkel, was dann ? Ich meine, die wichtigste Nachricht an die Welt war: nur das Eingreifen der Amerikaner damals hat der Barbarei ein Ende gesetzt. In all den Diskussionen um die neuen Kriege von Kosowo über Irak bis Afghanistan spielte das Rechfertigungsargument der Beseitigung unmenschlicher Systeme, z.T. mit direktem Bezug auf Auschwitz (Fischer!) eine bestimmende Rolle. Und so müssen wir wohl künftig verstärkt damit rechnen, dass die unzweifelhaft notwendige und verdienstvolle Befreiung Deutschlands vom Faschismus durch die Allierten als Beispiel für die Beseitigung ähnlicher Systeme auf der Welt verwendet wird. Und welches Missbrauchspotenzial darin verborgen ist, zeigen gerade die genannten Beispiele aus der neueren Geschichte. Und dass der Eindruck vermittelt wurde, dass erst die BRD kommen musste, um den Toten Buchenwalds richtig zu gedenken, die Anstrengungen der DDR entweder nicht gezeigt oder lediglich diskreditierend erwähnt wurden, gehört wohl auch schon zu der von Kanzlerin Merkel erwähnten >Staatsräson< |
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Ich fand auch, das viel fehlt. Nur – Obama bedient sich auch nur wie alle Politiker in dieser Zeit aus der Geschichte wie aus einem Requisitenfundus und entnimmt, was für die Gegenwart passt.
Und da gehören die Schwüre der Lagerinsassen nicht hin, darüber wird er nichts wissen, aber die Familiengeschichte mit dem Großvater als Befreier. Welch ein Glück, dass damals nicht die Russen dort waren. . Kürzlich berichteten die Medien - der Spiegel hämisch voran - Obama habe in einer Rede Auschwitz mit Buchenwald verwechselt und gemeint, sein Großvater habe Auschwitz mit befreit. Manchmal habe ich das Gefühl, es wäre allen lieber, wenn das so wäre, wenn die Rote Armee überhaupt nicht mehr erwähnt würde, wenn es um die Befreiung der KZ’s und der Deutschen vom Naziregime geht. Vor einiger Zeit hat sich so ein Zeitgeistfuzzi über die Lächerlichkeit verlogener DDR-Gedenkstätten verbreitet. Es ist im Augenblick ganz schwierig, an sich zu halten. Aber, wir sind bei jedem Weimarbesuch nach Buchenwald gegangen. Und andere werden das auch tun. In diesen Tagen tagt der Journalistinnenbund in Weimar – die werden auch einen Kranz hinlegen. Und davon lebt die Erinnerung auch gegen alle Dekonstruktionen. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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