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Wenn die landesweite eifrige Empörung über Dienstwagenverwendung durch Ministerinnen im Urlaub oder einen Geburtstagsempfang für Bestverdienende auf Staatskosten doch wenigstens nur billige Wahlkampfmanöver wären... Zwar sind dergleichen durchaus fragwürdige Vorkommnisse und die Verantwortlichen müssen selbstverständlich darüber Rechenschaft ablegen, ganz klar. Aber sie sind nicht das Problem. Statt über Dienstwagenpläne zu spekulieren, oder Weinrechnungen zum Geburtstag im Kanzleramt nachzurechnen, müssen wir aber - mindestens ebenso leidenschaftlich! - dringend über die unverschämter denn je laufende Bankenabzocke, die irrsinnige Staatsverschuldung auf Kosten kommender Generationen, über die immer weiter auseinanderklaffende soziale Schere und wie sie zu verringern ist, über die wachsene Kinder- und Altersarmut in diesem Land reden; über veraltete Arbeitsbegriffe und einen staatlichen Industrielobbyismus, der den neuen globalen Entwicklungen offensichtlich absolut nicht gerecht wird - und, und, und...
Das Problem, das wir mit Ackermann & Co haben, ist doch nun wirklich nicht, wer den Kuchen für seinen Sechzigsten bezahlt hat! Enthüllungen über halblegale Dienstwagenverwendung oder Spesenrechnungen sind nichts, was wichtig wäre. Deshalb: Liebe Medien und liebes Wahlvolk in den Cafés - stoppt sofort diese hirnvernebelnden Scheindebatten über derlei, sorry, Peanuts. Es ist kurz vor der Wahl reine Energieverschwendung, nebensächliche Debatten über marginale Nebenwirkungen der eigentlichen Hauptprobleme zu führen! Nix Urlaubswagen und Geburtstagskuchen und was sich die Ablenkungspropagandisten der Parteien in den nächsten Wochen an Pseudoaufklärungskampagnen noch alles ausdenken werden... Nach hinten mit solchen Meldungen in die "Was sonst noch passierte" Rubrik in Presse, Funk, Fernsehen und am Stammtisch, dorthin, wo so etwas hingehört. Lasst uns zuerst über die Probleme an den Fundamenten der Gesellschaft reden, nicht über Merkwürdigkeiten bei der Deko.
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Wer ereifert sich denn?
Das Wahlvolk doch nicht. Die Medien werden weiter diesen Schwachsinn hypen, denn das ist ihr Auftrag. Wenn, dann sollten wir über die Auftraggeber dieser Kampagnen reden. Womit ich nichts gegen Ihr Anliegen gesagt haben will. LG Titta |
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Der Anlass meiner kleinen Philippika, dies sei hier erklärend hinzugefügt, waren Gruppengespräche zum Tehma, die ich gestern in einem Büro, einem Wartesaal und einer Straßenbahn zufällig mithörte... als dann abends und heute Morgen auch noch alle Medien voll mit diesem Unfug waren, wuchs mein Zorn.
Nicht missverstehen: Ich hoffe natürlich sehr, die meisten Freitag-Leser finden, was ich schrieb, sonnenklar... |
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Nicht am "Volk" verzweifeln. Das Volk ist doof, aber gerissen.
Problematisch finde ich dann im Zusammenhang mit der FreitagsCommunity eher diese Aufspaltung von "wir hier" haben das schon kapiert, sind schon etwas weiter, der "Rest" aber eben noch nicht. (War jetzt nicht auf Sie gemünzt.) |
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@Titta: ja >>"wir hier" haben das schon kapiert, sind schon etwas weiter, der "Rest" aber eben noch nicht...<< ist mir auch an einigen freitags-community-stellen aufgefallen. wundert mich aber nicht, (irgendwie-) linkes denken ist ja immer auch chiliastisch. und nein, ich verzweifle nicht am "volk" (siehe z.b. mein kommentar in der wahlkampfarena zu direkten volksentscheiden), denn das erweist sich zu guter letzt zumeist als erstaunlich vernünftig - was man aber abgesichts so manchen idiotischen medienhypes zwischendurch aber manchmal nicht für möglich hält! der schwarmintelligenz traue ich jedenfalls aus erfahrung eigentlich bedeutend mehr als - der, nun ja, medienintelligenz... (gibt es die überhaupt?)
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Schön, dann sind wir ja im Grunde einer Meinung.
Heute gibt's in den Tagesthemen einen Schwerpunkt zu dem Thema, wie mit diesen Kampagnen Politik/Wahlkampf gemacht wird. |
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ok titta, dann guck ich mal. (aber ob die tagesthemen unserer meinung sein werden?)
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Nee, aber es ist doch schön, dass die Politiker sich aufführen, wie Handelsvertreter, die sich um die Spesen streiten.
Denn - Titta - es ist schon so. Irgendjemand von den Politikern sticht das im Moment an die Medien durch. Die brauchen ja - faul wie sie sind - einen Wink. Jetzt kommt Schröder dran. (Haust Du meinen Kanzler, hau ich Deinen Kanzler) www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,645071,00.html Es ist ein Jammer. Es gibt so ernste Themen. Sie wollens nicht. Sie wollen verdecken, dass es bald aus ist mit dem Spaß LGM |
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Grundsätzlich bin ich deiner Meinung. Vielleicht könnte man in Sachen Bankenabzocke noch deutlicher werden. Fritzchen hat das schon vor geraumer Zeit erkannt. www.freitag.de/community/blogs/llocke/krisendialoge-in-der-familie: "Im Oktober 2008 wurde innerhalb von drei Tagen das Gesetz zur großen Bankenrettung im Parlament abgenickt. Das Ziel war, Vertrauen ausgerechnet bei den Bankern zu erkaufen, damit sie sich untereinander mit Krediten versorgen. Dieses Ziel ist bis heute nicht erreicht worden und die Medien berichten anscheinend lieber über die Schweinegrippe." und Ackermann's Geburtstag und Ursulas Dienstwagen. Ja wo bleibt denn die Priesterschaft der Journalisten?
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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