Ein Bulle, Günni geheißen, auf der Weide stand,
Ganz unwiderstehlich er sich fand.
Alles, ja alles, war am rechten Ort,
Nur seine Damen, die waren fort.
"Günni! Komm doch mal hier her!"
Eine weibliche Stimme durch die Luft hallte.
Für Günni, den Bullen, war es nicht schwer,
Die Kuh hinterm Zaun zu finden, die alte.
Grau war ihr Haupt, der Euter schwer.
Viele Kälbern sie gewiss noch gebärt.
Sie stand da, klunkerte mit ihren Augen
Und Günni fing an, ihren Duft zu saugen.
Die Nüstern sich blähten, der Nacken anschwoll,
Günni, in seiner Not, fand die Alte wirklich toll.
Männlich und stark Günni seine Stimme anhob
Und brüllte: "Pass ens op!
Ich kümm ens flück övern Zaun jehops!"
Auch wenn die letzte Zeile sich nicht reimt,
Die Dramatik der Geschichte erscheint,
Bei Günni, dem starken Bullen
Auf der Weide und seinem Leide,
Das sich gleich ergibt.
Günni nimmt Anlauf,
Will den Stacheldrahtzaun nun nehmen,
Der Boden donnert, die Bäume beben!
Ein Satz und Günni hebt ab!
Über den Zaun hinwech
- Nur was für'n Pech,
Nicht hoch genuch.
Die alte Kuh hört ihn, seinen Fluch,
In hellster Stimme durch die Lufte bandeln.
"Verdammte Kacke! Muss dat sin?"
Un' watt is? Günni nun, ein trauriger Eunuch,
Sieht sein Glück im Zaune hangeln.
Die Moral von der Geschicht:
Hörst du die Verlockung, traue ihr nicht.
Will sie doch nur das Beste
von deinem Stück.
Ein ehemals Bulle, nun Ochs genannt,
ward fortan unter den Kühen bekannt,
als Blödmann, der hoch genug nicht springen kann.
(Ende)
Geschüttelt und gereimt, fern ab sämtlicher Regeln der Kunst, von Martina Kausch - (C)
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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