Martina Kausch

Blog von Martina Kausch

20.02.2009 | 23:57

Putzfrauen

Früher war es so, dass, wenn ich an "Putzfrauen" dachte, ich das Bild einer zahnlückigen langhaarigen Frau vor mir hatte, um die (undeffinierbaren) Jahre alt, vom Leben gekennzeichnet.

Und ich sah sie vor ihrem Teller sitzen, auf die paar Pfennige starrend, die ihr entgegen blinkten. Im Flur schwang sie ihren Wischer, geduckt und beinahe unsichtbar. Das war mein Bild der Frau, die unscheinbar und unsichtbar hinter uns sauber machte.

Und früher dachte ich in meiner Naivität, dass dies wohl das finale Stadium einer alten Prostituierten oder aber Armen sein musste, das finale Stadium eines Menschen, der es beruflich nicht weit gebracht hatte!

Tja, so dachte  ich früher. Aber heute?

Nun denkt nicht, dass ich Euch verrate, bei wem ich arbeite und als was. Wenn Ihr das wüsstet, dann würdet Ihr nur den Kopf schütteln, weil die Diskrepanz zwischen dem, was Euch von mir entgegen schallt und dem, was mir derzeitig mein Ein- und Auskommen sichert, einfach zu massiv ist.

Aber alle 14 Tage sehe ich sie, die Putzkolonne, die das Haus jeden Abend sauber macht. Da kommen sie an, sehr modisch gekleidet, in Gruppen und verschwinden im Keller, wo sie sich ihre Arbeitskleidung anziehen.

Sie gehen durch die Büros, machen sauber und räumen das schmutzige Geschirr weg. Sie wischen die Tische ab, leeren die Mülleimer und putzen die Toiletten.

Im Gespräch mit vielen von ihnen habe ich erfahren, dass es sich bei dem Putzjob um eine Zweit- oder gar Dritttätigkeit handelt. Unter den "Putzteufeln" befinden sich Sekretärinnen, Sachbearbeiterinnen, Angestellte und Familienmütter. Die Quote derer beträgt rund 70%.

Okay, es sind auch Deutsch-Russinnen dabei und einige Polinen, aber keine Türkin, um einmal die Vorurteilsschiene voran zu treiben.

Still und leise verrichten sie im Hintergrund ihre Arbeit, räumen den Dreck weg, den wir tagtäglich gedankenlos hinterlassen.

Nun mache ich einen Schnitt und wende mich dem Rettungspaket unserer Regierung zu.

Wer wird denn letztendlich dadurch gefördert? Sicherlich nicht die Menschen, die ich alle zwei Woche bei ihrer Arbeit beobachten darf.

Banken werden über Bürgschaften am Leben erhalten - genau die Banken, die u. a. an dem Diseaster mitgewirkt hatten, unter dem wir jetzt leiden.

Die Autobauer bekommen Unterstützung, also diejenigen, die es (absichtlich) versäumt hatten, sich den neuen Umständen anzupassen.

Aber der kleine Mann und die hartarbeitende Frau, die werden nicht gesehen - also Menschen, die zu ihrem regulärem Einkommen noch weitere Jobs annehmen müssen.

Immer mehr Zeitarbeitsverträge werden abgeschlossen. Und diese temporären ArbeitnehmerInnen unterliegen anderen Bedingungen als die festangestellten. Sie bekommen keine Bonusprämien und müssen von Vertragsabschluss an befürchten, dass ihre Verträge nicht verlängert werden. Dabei sind ihre Veträge so gestaltet, dass das daraus resultierende Einkommen gerade mal zum Überleben reicht - für mehr aber nicht. Und sie werden zudem noch unter Druck gesetzt, nämlich von den Anbietern von Zeitarbeitskräften, die um ihre Stellen buhlen.

Bei mir im Blog schrieb ich schon mehrfach davon, dass es gerade die mittlere Einkommensschicht ist, die derzeitig ausgedünnt wird.

Und bei all den Anstrengungen aus SPD und CDU erkenne ich keinen Ansatz, den Mittelstand auch nur ansatzweise aufrecht zu erhalten und auszubauen.

Heute, während die Putzteufel ins Haus kamen, dachte ich darüber nach, mich auch als Putzfrau zu bewerben - parallel zu meiner Tätigkeit, von deren Einkünften ich mir keine großen Sprünge erlauben kann.

Nun weiß ich nicht, wie Ihr es seht, aber ich glaube, dass im Augenblick einiges in unserer Republik massiv verkehrt läuft.

Bitte sagt mir, ob ich es wirklich so falsch sehe? WIe kommen wir, Eurer Meinung nach, aus dieser Misere heraus? Ich weiß es nicht - wisst Ihr es?
 
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Kommentare
satyasingh schrieb am 21.02.2009 um 15:43
Ich sehe es so: Jeder hat ein Interesse. In der Gruppe Gleicher erreicht man mehr als alleine. Nun tun sie sich also zusammen und schicken Leute los, Profis, ihre Interessen zu vertreten. Das sind die Verbände, die Lobbyisten, die aus den eigenen Reihen kommenden Politiker.

Wer vertritt die Interessen der Gebäudereiniger? Ich meine nicht, die der Unternehmer, sondern der Mitarbeiter? Wer vertritt die Interessen der Bürger in der Gesundheitspolitik und wer die der Pharmaindustrie, usw usf.

Nun wissen wir, wer die Internessen beispielsweise der einzelnen Mitarbeiter in der Automobilindustrie vertritt. Und siehe da. Nicht nur die Unternehmer sondern auch die Arbeitnehmervertreter in Form ihrer Gewerkschaft, erhalten Unterstützung. Diese Arbeitsplätze dürfen im Superwahljahr nicht wegfallen. Sie haben Löwen, die für sie brüllen.

Ich glaube nicht, daß wir aus der Misere rauskommen. Sie wird sich verändern. Also von einer Misere in eine andere, bzw. andere werden dann eine Misere haben, wenn wir keine mehr haben (Globalisierung!). Wir sind mit der Vieljobberei in der ersten Phase einer Entwicklung, die in anderen Ländern wie Großbrintannien oder USA bereits sind. Das ist aber bekannt. Die Politik reagiert bereits. Betreuungsplätze bis zum Jahr xy für alle Kinder. Ausbau der Ganztagsschulen. Damit haben die Eltern Zeit ihren Jobs nachzugehen. Hm?
bembel schrieb am 23.02.2009 um 16:26
stimme Dir zu:
einiges, nein, vieles läuft hier falsch, leider :-(

Mini-"Jobber" und Leih-Arbeiter, das sind die modernen Tagelöhner...
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