Maryflies

Transatlanticism

20.11.2011 | 21:19

Republikanische Kandidatensuche II - Aus dem Leben eines Taugenichts

Herman Cain oder der “Pizza-Präsident” wie ihn Der Spiegel nannte, machte im vergangenen Monat durch seinen genialen Plan, das amerikanische Steuersystem auf eine Weise zu vereinfachen, die jeden Pizzaliebhaber anspricht, auf sich aufmerksam. Der „9-9-9“ Plan würde das aktuelle US Steuersystem über den Haufen werfen und Einkommens-, Unternehmens- und Umsatzsteuer auf 9 Prozent festsetzen und damit dem hochverschuldeten Land aus der Krise helfen. $9,99 zahlt man hier auch gerne für eine gute Pizza. Längerfristig plant der republikanische Präsidentschaftskandidat, Steuern für Unternehmer und Individuen von gegenwärtig 35% auf 25% zu senken. Long story short: mehr Steuern für die Armen, weniger für die Reichen. Nichts Neues in einem Land, in dem jeder zu glauben scheint, er oder sie sei ein gegenwärtig armer Reicher.

Der „Hermanator“, wie er sich selbst gerne nennt, kommt aus der Fast-Food Industrie und war zuletzt Chef einer Pizza Kette. Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegen ihn häufen sich; zu Libyen fällt ihm außer peinlichem Schweigen nichts ein und Usbekistan kann er nicht aussprechen. Aber das würde ja auch nicht dabei helfen, Jobs in Amerika zu schaffen, wie er nach einigem Gestotter feststellte. Herman Cains Haltung gegenüber den „sogenannten Palästinensern“, wie er sie nennt, entspricht dem republikanischen Konsens (absolute Solidarität mit Israel) und er sorgt sich darüber, dass China nukleare Waffen entwickeln könnte (Naja, das wäre immerhin in den 50ern nicht falsch gewesen, doch die Chinesen haben jene bereits seit 1964).

Bezüglich seinen außenpolitischen Ideen bleibt an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass er sich einmal dafür aussprach, einen elektrischen Zaun zwischen den USA und Mexiko zu bauen, um das „Problem“ illegaler Immigration zu lösen. Später erklärte er, das wäre ein Scherz gewesen. In einem Land, in dem es der Bevölkerung wichtiger ist, das Gefühl zu haben, mit dem Präsidenten ein Bier trinken gehen zu können als dessen Kompetenz, sind Scherze ja bereits die halbe Miete. Ich hoffe nur, dass jene in Zukunft etwas geschmackvoller ausfallen.

Zugegebenermaßen sind Herman Cains Chancen auf einen Sieg eher gering, aber das Bewusstsein, dass ein Mann ohne außenpolitisches Wissen, mit sehr simplen wirtschaftlichen Vorstellungen (von den unmenschlichen Implikationen seiner Vorschläge ganz zu schweigen) und scheinbar geboren ohne Taktgefühl es soweit bringen kann, kann einem fast den Appetit auf Pizza verderben.

 
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