Matthis Hagedorn

Essais

15.08.2011 | 11:22

Denkgitter

Einer fragmentierten Welt eine neue Struktur durch Denkgitter geben, dieser Aufgabe stellt sich die Künstlerin Denise Steger. Die Flut der Bilder, die das Internetzeitalter bestimmt: Verkleinerungen und die dem entsprechende Vermehrung optischer Reize sowie die Schnelligkeit der Bildübermittlung - erfordern ein neues Sehen und ein anderes Denken, welches zukünftige Generationen sicher beherrschen werden. Ihre Werke brauchen dieses ‘neue Hinsehen’ als Voraussetzung für das Bildverständnis. Stegers Kunst liegt nicht in der Beschränkung, sondern darin, sich der Vielfalt zu stellen. Die Tendenzen der ‘Reduktion’ in der Kunst des 20. Jahrhunderts werden von ihr zu Beginn des 21. Jahrhunderts umgekehrt: Komplexität wird bei dieser Artistin zur formalen und inhaltlichen Grundlage. 

 

Ihr Studium der Kunst-, Literatur und Musikwissenschaften an der Universität Bonn führte die Artistin zur Auseinandersetzung mit Kunstprinzipien des Mittelalters und system-theoretischen Interpretationsansätzen. In ihren künstlerischen Arbeiten entwickelt sie Konzepte, in denen korrespondierende Bild- und Objektsysteme unter thematischen und persönlichen Aspekten ausgewählt und auf vielfältige Weise kombiniert werden. Diese Tätigkeiten erstrecken sich von kleinformatigen Zeichnungen bis zu raumgreifenden Installationen. Die Bildordnung erfolgt im ‘freien Raum’ - bestimmt durch Farbflächen und Liniengerüste.

 

Ihren Denkgittern liegen Baugitter zugrunde, deren Stäbe sie teilweise herausbrach, teilweise mit Objekten und Bildern füllte, sie mitten in einen Raum stellt oder hängt. Auf diese Art und Weise ergibt sich ein durchlässiger Bildgrund, der alles, was im Raum geschieht und gesagt wird, sei es Musik, Literatur, Bewegung und natürlich den Raum selbst, in sich aufnimmt und weitergibt. Die Vielfalt der Schöpfung in ihren Systemen und in der Verbindung von Systemen ist ein Beweggrund zur Darstellung. Individualität und Einzeldarstellungen treten zurück gegenüber einer Gesamtschau jenseits der real erfassbaren Welt. Stegers Bilder und Objekte stehen nicht für sich selbst, sondern werden unter thematischen oder auch persönlichen Aspekten in größere Zusammenhänge gestellt.

 

Das Brennglas der Sprache

 

Wann ein Gedicht gelungen ist, läßt sich pauschal kaum mehr sagen. Eine normative Poetik ist seit 250 Jahren ein undurchsichtiges Unterfangen. Die Gedichte von Peggy Neidel sind interessant, weil sie eine Ganzheitlichkeit von sinnlicher Erfahrung und von Sprachgenauigkeit und von Welterfahrung haben. Bei ihrer polytropischen Lyrik tut sich ein Riß auf, in dem ein Abgrund sichtbar wird, in dem uns die Folgen der Aufklärung zurückgelassen haben. Die Freuden des Lebens treffen auf das Leid der Geschichte. Man liest überall Zeichen der Vergänglichkeit, der Verlassenheit und der Bedrohung des Gewöhn­lichen und hält erschrocken inne.

 

Deutungsvarianten tragen immer Unwägbarkeiten in sich. Neidel Klangrede negiert die romantische Immanenzen keineswegs. Es tönt ein von Trauerklang gefärbtes Indiz dafür, daß hier etwas zu Ende geht, was noch nicht zu Ende gelebt, geschweige denn zu Ende gedacht war: Vom Sehnen erzählen ihre Gedichte. Und genau das ist es, was hier geschieht. Die Menschen sehnen sich. Diese Augenblicke des jähen Erkennens, diese Augenblicke der Vergewis­serung, daß die Einsam­keit des Menschen in der Welt nicht aufhebbar ist, haben sich in die Gedichte von Peggy Neidel eingeschrieben.

 

20. August “Denkgitter” von Denise Steger, mit Peggy Neidel ab 19.30 im Rheintor, Linz

Ankündigungen und Künstlerportraits: editiondaslabor.blogspot.com/

 Das Rheintor im Netz: www.panoramio.com/photo/308281

 
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Kommentare
Ullrich Läntzsch schrieb am 17.08.2011 um 13:55
Lieber Matthias Hagedorn,

sehr gern gelesen, Dank für Anregung und Link aufs editions labor, der link auf panoramio führt nach San Agustin Acasaguastlan in Guatemala ...

herzliche Grüße anyway

ps
Ihnen könnte auch meine Installation müll metamorphosen . 2 gefallen - letzter Blog, siehe:
www.freitag.de/community/blogs/rick/o-19--das-c
Matthis Hagedorn
Als Adept von Johannes Gensfleisch borge ich mir seine beweglichen Metall-Lettern. Nie habe ich etwas Eigenes geschrieben, alles ist compiliert. Ich bin ein melancholischer Schrotthändler. Mein liebster „Schrottplatz“ ist www.vordenker.de.
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