Maxi Leinkauf

Blog von Maxi Leinkauf

28.07.2010 | 13:04

Sind Frauen romantischer als Männer?

Gestern traf ich meine Bekannte Anne Hansen auf der Straße. Sie erzählte von ihrem neuen Buch, das im August erscheinen wird. In "Fräulein Jensen und die Liebe" macht sich eine Frau um die dreißig auf die Suche nach ihren Traummann. Sie trifft einige Männer, wie beispielsweise den Stabhochspringer Tim Lobinger, den Comedien Bernhard Hoecker oder den Ex-Punk Rocko Schamoni. Ihr Resümée: Frauen sind romantischer als Männer.

Ach, die alte Nummer, dachte ich, schon so oft gehört. Was soll denn das eigentlich heißen: Romantik?

"Frauen sind in das Gefühl verliebt, verliebt zu sein, sie malen sich genau aus, wie ER sein soll, sie haben Prinzessinnenträume...", holte sie aus. Männer seien da viel entspannter – und realistischer. Glauben sie etwa nicht an die große Liebe?

Kabarettist Bernhard Hoecker, der als verheirateter Familienvater in Bonn lebt, sagte meiner Bekannten: "Wenn ich damals in meinem Dorf geblieben wäre, hätte ich bestimmt auch jemanden gefunden, der zu mir gepasst hätte". Frauen scheint es, sind  wählerischer.

Für eine Frau gibt es den Supermann und für Männer viele kleine Superfrauen?

Klingt seltsam ernüchternd. Wir möchten doch schließlich die Einzige sein, Prinzessin eben. Fragt sich nur, ob für immer und ewig: Im 19. Jahrhundert war sie ein Ideal, die absolute Liebe, der Verschmelzung von Mann und  Frau, ihren Körpern und ihren Seelen. Zuvor aber musste man leiden und um seine liaison romantique kämpfen: Madame Bovary, Effi Briest, Karoline von Günderode: Das Romantische hatte auch damals etwas Widerständiges, Rebellisches. Noch heute kommt keine Hollywoodkomödie ohne die Hindernisse aus, die man für die große Liebe überwinden muss.

Ist es nun, in der Ära der unendlichen Freiheiten, etwa wieder romantisch, lebenslang nur einen Menschen zu lieben?

"Für mich kann es schon Abenteuer geben, ich will mir nichts kategorisch verbieten", erklärte der Hamburger  Theaterregisseur Rocko Schamoni meiner Bekannten. Die meisten französischen Männer würden ihm zustimmen und süffisant lächeln. Affären gehören für sie zu den Dingen des Lebens.

Nur warum symbolisiert der französische Mann dann noch immer den Romantiker par excellence? Er kann beides, so galant wie brutal sein. Ein eiskalter Engel.

Oder sind das müde Klischees?

Laut Studien des Londoner University College und der University of Albany seien Männer viel eher bereit, ihre Karriere einer romantischen Liebe zu "opfern". Sie würden in Frauen eine wesentliche Stütze für ihre Lebenspläne sehen, auf die sie ungern verzichten wollen. Frauen dagegen könnten ganz gut ohne sie leben.

Wir standen nun schon eine Stunde auf der Straße, dann rief mein Freund an. "Er möchte bestimmt einfach mal Deine Stimme hören", sagte meine Bekannte erwartungsvoll. "Bin gerade im Supermarkt, hast Du schon Brot eingekauft?", fragte er sachlich.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
GeroSteiner schrieb am 28.07.2010 um 14:34
Die selbstlose Romantik der Frauen ist also anders als die als Lebensplan-Stütze funktionierende Versorgungsromantik der Männer.

Schlusspunkt aller Romantik ist dann ohnehin jene denkwürdige Szene im Treppenhaus, wo Sie zu Ihm sagt: "Gib mir die Eier und nimm du das Kind - du lässt ja doch immer alles fallen!"
Gustlik schrieb am 30.07.2010 um 09:51
"JA!"
Maxi Leinkauf
Redakteurin Alltag
Mitglied seit:
1 Jahr 31 Wochen
Zuletzt aktiv:
01.02.2012
Status:
Redakteurin
Aktivität:
Beiträge: 109
Kommentare: 109
Logbuch
20:05
Yola hat gerade einen Kommentar geschrieben.
20:01
kay.kloetzer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
20:00
FrauSmilla hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:57
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:53
goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christoph von Marschall Was ist mit den Amis los? Herder Verlag 2012

260 Seiten. Gebunden.

18,99
 
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

Augstein und Blome

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Anti-Terror-Zelle Kraftklub

Ausgabe 06/12
09.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG