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Blog von mbrues

15.03.2009 | 15:57

Die Gier in uns allen


Wenn wir in der Zeitung lesen, dass der geschasste Manager der Hypo Real Estate auf Schadensersatz und Fortzahlung seiner Bezüge bis 2012 klagt, klapp uns vor Empörung die Kinnlade runter. Wie kann der es wagen? Wie kann es sein, dass der und seinesgleichen, die uns allen den größten Wirtschaftsschlammassel weltweit eingebrockt haben, unverblümt weiter ihrer unsäglichen Gier frönen? Haben die denn gar keinen Anstand? Schämen die sich denn überhaupt nicht? Sehen die nicht, was sie da angerichtet haben?
Nein, das tun sie nicht. Das können die gar nicht. Denn sie leben tatsächlich in einer anderen Welt. In ihrer Welt und ihrem Selbstverständnis ist es völlig normal, surreale Geldströme hin und her bewegen zu lassen und dabei astronomische Gewinne einzustreichen. Dass die Gewinne so hoch ausfallen, liegt am hohen Risiko. Nur mutige Krieger wie sie, die es draufhaben wie sie, können überhaupt so viel Gewinn produzieren. Und haben nicht auch alle anderen herrlich davon profitiert? Jetzt hat es eben mal "bumm" gemacht, und alles ist zusammengekracht. Hey, Mann - das ist nun mal part of the game. Solange die Risiken fetten Profit brachte, waren alle einverstanden damit. Und wenn die Risiken mal schiefgehen, werden die eben noch bejubelten Topstars der Investment-Branche zum Teufel gejagt. O.K., damit können die auch leben. Denn im Unterschied zu den ganzen kleinen Normalo-Loosern haben die sich nie etwas vorgemacht. Sie wussten immer, dass sie auf einem Drahtseil balancieren und jede Minute abstürzen können. Aber dafür haben sie vorgesorgt: Nicht ohne Fallschirm auf´s Drahtseil, man ist ja schließlich nicht blöd. Und jetzt ziehen sie eben ihre Fallschirme und sorgen dafür, dass sie weich landen. Ist doch logisch, wo ist das Problem?
Nun, das Problem liegt natürlich auf der Hand. Weil sämtliche Kontrollen des Systems versagt haben, konnten die Banker ungezügelt ihre grenzenlose Gier ausleben und damit fernab jeder Vernunft die Grundlagen der gesamten zivilisierten Welt aufs Spiel setzen. Da mutet das Beharren auf vertraglichen Rechten in eigener Angelegenheit schon extrem unverhältnismäßig an. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Was ist schon verhältnismäßig?
Wir regen uns vor allem deshalb über diese maßlosen Manager so auf, weil wir uns schlichtweg nicht vorstellen können, wie diese Menschen ticken. Wie kann man bei Millionenbezügen noch auf die letzte Stelle hinter dem Komma bestehen? Wie macht man das mit seinem Gewissen aus, wenn man genau weiß, dass das eigene Versagen andere Menschen millionenfach in den Abgrund reißt? Hat sich so einer jemals versucht vorzustellen, was es heißt, als normaler Arbeiter Mitte fünfzig seinen Job zu verlieren?
Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Nein, das kann sich so jemand nicht vorstellen. Will er auch gar nicht. Wozu auch, das ist schließlich eine völlig andere Welt. Das mit den verschiedenen Welten klingt wie eine doofe Ausrede, ist es aber nicht. Oder können wir uns vielleicht in die Wanderarbeiter Chinas hineinversetzen?
Das hört sich weit hergeholt an, ist es aber nicht. Irgendwie spüren wir das auch unbestimmt, wenn wir nur an das Wort "Globalisierung" denken. Fangen wir deswegen an, uns über den Wanderarbeiter, seine Arbeitsbedingungen, seine Lebenschancen ernsthafte Gedanken zu machen? Die Wahrheit ist: Der interessiert uns einen Dreck. Wir wollen davon nichts hören. Wir sind der Meinung, wir haben das alles verdient: Unsere Handys, Laptops, Digicams, Markenklamotten, convinience so weit das Auge reicht. Und wehe, man will uns an unseren Geldbeutel: Welch Aufschrei, welch Wehklagen. Was spielt es für eine Rolle, ob die Familienkutsche der Ehefrau ein zehn Jahre alter Opel-Astra ist, oder ein BMW X5, bei dem die Frau fast eine Leiter zum Einsteigen braucht? Es spielt die gleiche Rolle, wie die eine oder andere Million des Managers mehr oder weniger.
Genau wie der, pochen wir auf unseren Ansprüchen: Drei mal im Jahr mit dem Billigflieger in den Urlaub jetten und ansonsten vier mal in der Woche bei den Discountern vorm Ort in ihren Einheitsbungalows zum Einkaufen. Die neue Jeans fürs Kind beim Takko für 4,99 Euro - prima, da bleibt noch ordentlich was übrig, für die vielen anderen Annehmlichkeiten. Oh, cool, da liegt noch eine Taschenlampe mit LED-Leuchten an der Kasse. Krass, wie hell die ist. 3,99 Euro, klar nehme ich auch noch mit (wofür: keine Ahnung, es wird sich schon was finden). In Abwandlung eines berühmten Spruchs aus der Antike: Ich konsumiere, also bin ich.
Wir sollten uns einfach einmal anschauen, wie wir noch zu Beginn der heute so angesagten 80iger Jahre gelebt haben. Vieles gab es auch damals schon, nur: zu welchen Preisen? Eine Stereoanlage (Sog. Hifi-Türme waren der Renner) kostete damals mehr als ein durchschnittliches Nettomonatsverdienst. Solche Beispiele ließen sich beliebig verlängern. Unser Konsum hat exponential zugenommen. Wer zahlt die Zeche dafür?
Unser Gier nach immer mehr und immer billiger ist kein Deut besser, als die Gier der Bankenmanager.
 
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Kommentare
pandoria schrieb am 17.03.2009 um 07:46
Sehr richtig, sehr wahr! Die Frage ist: Was ist die Lösung? Mir scheint, das Problem ist ganz allgemein: dass viele kein Gefühl haben für WERT (von Dingen, aber auch von Gedanken). => Frage: Wie kommt der Wert zurück ins Hirn?
Magda schrieb am 17.03.2009 um 10:19
Amen, Halleluja - gut gepredigt.Und nun?
mbrues
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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maxing hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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archinaut hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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