20.09.2011 | 23:05

Betrugsanzeige gegen DB-AG/kippt S21 endlich?

 

Wie bereits heute angekündigt durch einen Bericht von „Report Mainz, hat die S21-kritische Gruppe „Juristen zu S21“ Strafanzeige gegen Verantwortliche der DB-AG wegen des Verdachts des besonders schweren Betrugs gemäß § 263 StGB bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gestellt.

Diese neuerliche Strafanzeige ist auch als Reaktion auf das durch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Ende August abgewiesene halbe Dutzend Strafanzeigen durch Privatpersonen wegen desselben Falls und Verdachts zu sehen.

Sollte sich der Verdacht auf Grund neuer Belege nun nochmals bestätigen und die Staatsanwaltschaft endlich Ermittlungen gegen die DB-AG aufnehmen müssen, könnte dies letztendlich das Aus für Stuttgart21 bedeuten; die S21-Verträge wären nichtig, da sie durch betrügerische Täuschung zustande gekommen sind und dies nun juristisch wasserdicht vor einem ordentlichen Gericht nachgewiesen werden könnte. (Der geplante, ohnehin äußerst undemokratische Volksentscheid wäre damit ebenfalls obsolet.)

Das wäre auch der Auftakt, einen der größten politisch-wirtschaftlichen Betrugs-Skandale der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik endlich aufzuklären und die dafür Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft zur Verantwortung zu ziehen.

Aus der PM der „Juristen zu S21“:

[...]„Es besteht der Verdacht, dass das Land und die Stadt Stuttgart beim Abschluss des Finanzierungsvertrages von Angehörigen der Deutschen Bahn betrogen wurden“, erklärte der frühere Strafrichter Axel Tschorn. Die Deutsche Bahn hatte im Finanzierungsvertrag und in der Pressemitteilung vom 02.04.2009 erklärt, dass die Baukosten 3,076 Mrd. € betragen würden und eine Kostensteigerung über eine Milliarde Euro „unwahrscheinlich“ sei. „Nach unseren Recherchen besteht der Verdacht, dass die Deutsche Bahn schon damals mit einer Kostensteigerung von über einer Milliarde Euro gerechnet hat und ihre Angaben zu Baukosten und Risiken daher falsch waren“, sagt Rechtsanwalt Bernhard Ludwig.[...]

 

  • hier die komplette PM der „Juristen zu S21“ von heute Abend als PDF-Download

***

Update 21.9., 10:30 Uhr, "Report"-Beitrag auf youtube:

Folgende Akteure und Politiker wurden für ein Interview zum Beitrag angefragt und haben abgesagt:

 

  • Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG
  • Günther Oettinger, CDU, ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württemberg
  • Stefan Mappus, CDU, ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württemberg
  • Nils Schmid, SPD, Minister für Finanzen und Wirtschaft sowie Stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg
  • Claus Schmiedel, SPD, Fraktionschef Baden-Württemberg

Quelle: Report Mainz
Sendemanuskript "Finanzaffäre S21" als PDF von Report
 
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Kommentare
seriousguy47 schrieb am 21.09.2011 um 12:52
Aus der Auszeit wieder einmal herzlichen Dank für die umfassende Information, die Hoffnung macht!

SG
seriousguy47 schrieb am 21.09.2011 um 14:15
Übrigens: Angesichts der aktuellen Durststrecke hilft vielleicht eine Erinnerung an den Auftritt von Konstantin Wecker und Hannes Wader beim Konzert im Park am 24.7.2011:

www.youtube.com/watch?v=VnP6nIbeoCE

Insbesondere der Schluss ab 31:03:

" Nun Freunde lasst es
mich einmal sagen:
Gut, wieder hier zu sein.
Gut, euch zu sehn.
Mit meinen Wünschen,
mit meinen Fragen
fühl ich mich nicht allein.
Gut euch zu sehn."

.....nicht nur bei FREITAG......
Vaustein schrieb am 21.09.2011 um 14:16
Dem Danke von seriousguy47 schliesse ich mich gerne an, habe aber noch eine Frage: Was weiss man eigentlich darüber, weshalb die Grosskopfeten der baden/württembergischen SPD - obwohl nicht Mitglied der ursprünglichen "Spätzleconnection - sich so intensiv für S21 einsetzen?
mcmac schrieb am 21.09.2011 um 19:48
Da werfen Sie einfach so eine Frage dahin... ;-)

Zunächst einmal verlaufen die Grenzen der "Spätzleconnection" nicht kongruent zu Parteigrenzen; das macht es sehr unübersichtlich und kompliziert. Dieser etwas harmlos-lieblich als "Spätzleconnection" titulierte Machtfilz aus Politik und Wirtschaft ist -zwar (noch) ohne Lupara- eher vergleichbar mit der Mafia als mit schwäbischen Teiggerichten.

Die B/W-SPD hat sich bereits frühzeitig zum Projekt S21 bekannt. Offizielle Hauptbegründung war die inzwischen restlos widerlegte Schaffung von 20.000 neuen Arbeitsplätzen durch S21.
Innerhalb der Partei gab es über die Jahre immer wieder Zweifel und Kritik am S21-Projekt. Durch Verfahrenstricks der Parteiführung wurde diese innerparteiliche Kritik nie richtig zur Geltung gebracht (bislang keine explizite Mitgliederbefragung dazu). Einer der prominentesten Gegner von S21 war zuletzt Hermann Scheer, der leider vor einem Jahr verstarb. Weiterhin engagieren sich die Jusos stark gegen S21.

Claus Schmiedel, der derzeitige Fraktionsvorsitzende der B/W-SPD im Landtag, selbst Unternehmer, sowie der ehemalige S21-Projektsprecher Wolfgang Drexler, MdL, der Ulmer Bürgermeister Ivo Gönner und der B/W-Innenminister Reinhold Gall -alles einflussreiche Mitglieder der B/W-SPD, gehören zu den exponierten Befürwortern von S21. Ihre Sachargumente für S21 sind -bei Licht betrachtet- schlichtweg haltlos. Mit traditionellen SPD-Positionen sind sie ohnehin nicht vereinbar.

Ihre Frage reißt eine Thematik an, die gewaltig ist und letztlich auch solche Fragen berührt, warum eine Partei, die sich "sozial-demokratisch" nennt, HartzIV und Sarrazin im Ergebnis goutiert und vertritt.

Ein paar Links:

spd-mitglieder-gegen-s21.de/

www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2011/09/narzissmus/

Ein paar Videos:

19.9.2011/Montagsdemo



19.9.2011/Montagsdemo 1. Teil



19.9.2011/Montagsdemo 2.Teil



19.9.2011, ebenda, 3.Teil

mcmac
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