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Politik : S21 - Der Stress mit dem Test

Zeitdruck und Salatschnecken

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Der sogenannte Stresstest für den geplanten Tiefbahnhof „Stuttgart21“ wird, entgegen der Abmachung der Geißler-Schlichtung vom vergangenen Jahr, von der Bahn allein und somit ohne die eigentlich verabredete Beteiligung des Stuttgarter Bürgerbündnisses durchgeführt. Das hat die Bahn letztlich einfach mal so entschieden. Das ist nicht nur Ignoranz gegenüber den Stuttgarter Bürgern, sondern auch die berühmte "Die-Schnecken-passen-auf-den-Salat-auf"-Situation.

Weiterhin werden die Ergebnisse des Tests allein vom Schweizer Gutachterbüro sma untersucht und beurteilt werden: sma's Großkunde ist seit Jahren die DB-AG.

Das Ergebnis des Tests soll am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert werden. Am 15. Juli, am Tag danach also, ist die Deadline für die europaweit in der Ausschreibung befindlichen Großaufträge der DB-AG für Tunnelbau u.Ä., welche die Bahn, namentlich Grube, wild entschlossen ist, an diesem Tag auch zu vergeben. (Andernfalls, so die Bahn, träten nicht hinnehmbare Bauverzögerungen und damit verbundene Kostensteigerungen auf.) Das bedeutet, dass dem Stuttgarter Bürgerbündnis für die seriöse Prüfung und etwaige, begründete, schlüssige Einwände zum Testergebnis bestenfalls einige Stunden Zeit verbleiben.

Und dies angesichts eines Tests für den die Bahn sich selbst über ein halbes Jahr Zeit gönnte. Selbstredend stresste und testete die Bahn mitnichten über volle 7 Monate ihre Computersimulation, sondern ließ die Sache ruhig angehen. Besonders hinsichtlich der Landtagswahl am 27. März: ein anderes Wahlergebnis hätte den Test möglicherweise nicht mehr in sorgfältigster Ausführung nötig werden lassen (um in den vielen Falten der Sorge Finten platzieren zu können, wie nun erforderlich). Oder, anders herum: ein früher vorliegendes und somit eingehend nachprüfbares Testergebnis hätte den faulen Zauber vor der Wahl ans Licht gebracht und wiederum auf diese Weise den Ausgang der Landtagswahl „negativ beeinflusst“. -So viel zum entstandenen „Zeitdruck“ unter dem die Bahn und ihre Vorstände zwecks Auftragsvergabe nun angeblich stehen.

Lügen-Detektor für stressige Testgrundlagen

Der sogenannte Stresstest für S21 soll u.a. eine um 30% höhere Leistungsfähigkeit gegenüber dem bestehenden Kopfbahnhof erweisen. Und zwar bei guter Betriebsqualität und bezüglich Spitzenzeiten (v.s. „über den Tag verteilt“).

Laut aktuellem Fahrplan leistet der vorhandene Kopfbahnhof derzeit 37 Züge bei guter Qualität in der Spitzenstunde (Stiftung Warentest bescheinigte dem bestehenden Stuttgarter Hauptbahnhof im Februar d.J. einer der pünktlichsten Großbahnhöfe Deutschlands zu sein – und das sogar, obwohl seit 20 Jahren fällige Sanierungen durch die DB bis dato verschleppt wurden und werden).

Tatsächlich ist der Kopfbahnhof jedoch in der Lage bis zu 54 Züge in der Stunde bei guter Qualität zu bewältigen. S21 nun muss lediglich nachweisen, dass es 30% mehr Züge pro Stunde schafft als der derzeitige Fahrplan ausweist – 49 Züge.

Zöge man seriöser- und ehrlicherweise das tatsächliche Potenzial des bestehenden Kopfbahnhofes heran, müsste S21 jedoch sogar 70(!) Züge in der Stunde leisten, um den Test zu bestehen (Warum an Stelle der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofes -54 Züge- nur mit den derzeit 37 Fahrplanmäßigen getestet wird, ist ein absurdes Rätsel und bedarf einer -oft geforderten, bislang noch ausstehenden- Erklärung).

Jedoch sind selbst die flauen 49 Züge für das offiziell 4,1 Mrd. Euro teure Projekt S21 in annehmbarer Qualität kaum zu schaffen. Eine jüngst in der Schweizer Fachzeitschrift Eisenbahn-Revue International veröffentlichte Untersuchung ergab, dass S21 dafür pro Gleis 6,1 Züge schaffen müsste. Die Höchstkapazität der modernsten deutschen Durchgangsbahnhöfe liegt derzeit mit Ach und Krach etwa bei Faktor 5 - einschließlich haarsträubender Einbußen bei Betriebsqualität und Pünktlichkeit.

Reich & Schön mit unterirdischen Betonideologien

Natürlich wird die Bahn am 14. Juli einen bestandenen und über alle Zweifel -und vor allem Zweifler- erhabenen Stresstest präsentieren. Das gebietet allein schon ein von CSU bis SPD reichender, neoliberaler, postdemokratischer Polit-Ukas aus Berlin. Dass das vorgestellte Testergebnis allerdings nicht mehr als einer einer Beton (sic!)-Ideologie entwichenen Blase gleicht, wird sich in der Praxis erweisen – falls es im Verlauf der Realisierung des Kellerbahnhofs nicht ohnehin zu einem vorzeitigen Ausstieg kommt. Der dann sicherlich erst einmal als „Optimierung“ kaschiert wird, um letztlich mit "Ereignissen, die alles ändern" begründet zu werden, zwei kaputte Bahnhöfe inklusive.

Dumm nur, dass bis dahin eine gewachsene urbane Struktur zerstört, noch mehr öffentliches Geld in bereits gut gefüllte Taschen „umgelenkt“ (sprich: gestohlen) und ein paar hundert alte Bäume zersägt sind. Das aber wird den Ganoven, die sich selbst als „ehrbare Kaufleute“ bezeichnen und ihren politischen Handlangern, die dann bereits allesamt aus dem gut abgesicherten Ruhestand milde auf ihre Räuberpistolen zurückgrinsen dürfen, wohl nicht die Ganovenehre abschneiden.

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  • Weitere Details in einem Beitrag auf parkschuetzer.de.
  • Hier an dieser Stelle hat seriousguy47 bereits zum Thema gebloggt.
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.